Geschichte des Kolleges Burghausen

1. Gründungsgeschichte des Kolleges Burghausen
2. Die Vorgänge im Einzelnen

1. Gründungsgeschichte des Kolleges Burghausen

Burghausen war bis 1506 zweite Nebenresidenz des Teilherzogtums Bayern-Landshut. Burghausen war seitdem Hauptstadt des gleichnamigen Rentamtsbezirks. Die am Fluss Salzach gelegene Stadt war durch den Salzhandel wohlhabend geworden. Durch die Monopolisierung des Salzhandels unter Wilhelm V. 1587 erlitt sie spürbare wirtschaftliche Einbussen. Maximilian bestätigte bei seinem Regierungsantritt 1598 die städtischen Rechte und Privilegien der Stadt. Burghausen321 war schon vor der Gründung der Jesuitenniederlassung des öfteren Ziel jesuitischer Missionstätigkeit322. Die Aktivitäten gingen überwiegend von Altötting aus, wo seit 1591 eine Jesuitenresidenz bestand. Von hier aus wurde auch die Gründung des Jesuitenkolleges Burghausen betrieben. Schulvisitationen in Burghausen unter Aufsicht der Jesuiten fanden 1597, 1614, 1621 statt. Diese Ereignisse standen im Zusammenhang mit der Absicht Maximilians, die lokale städtische Schule (Poetenschule) zu reorganisieren323. Auch Klagen über die Amtsausübung des amtierenden Stadtpfarrers Thomas Mermann324 veranlassten die Berufung der Jesuiten nach Burghausen durch Maximilian I.325. Am 24. August 1627 gelangten zwei Jesuiten aus Altötting nach Burghausen. Sie wohnten zunächst im Pfarrhof bei Stadtpfarrer Thomas Mermann. Die Situation im Pfarrhof war jedoch gespannt. Die beiden Patres klagten über einen überhöhten Mietpreis und erwogen eine Rückkehr in ihr Ordenshaus. Aus Kreisen der Bevölkerung wurde zudem der Versuch unternommen, die Ansiedlung der Jesuiten zu hintertreiben.

Der Stadtrat verfasste am 19. Oktober 1627 ein an Maximilian gerichtetes Gesuch, dass die »Patres in loco verbleiben sollen«. Darüber hinaus erhoffte die Bürgerschaft von den Jesuiten auch die Betreuung des städtischen Schulwesens durch die »Continuierung der Schule«. Von der Bürgerschaft wurde am 20. Oktober 1627 die Umwandlung der »Behausung neben der Poeten- und alten Schule [..] in einen cleinen neuen Gymnasium« angeboten. Dessen Unterhaltung war der Stadt aber wegen fehlender finanzieller Mittel offensichtlich nicht möglich, laut »Concept« vom 11. Dezember 1627 »da die von Burghausen dort denselben gewidmetes Poetenhaus zu accomodieren nit vermögen«. Die Bürgerschaft wandte sich daher mit der Bitte um Unterstützung an den Landesherrn. Die Patres forderten ihrerseits am 20. Oktober 1627, dass sie »zu ihrer Wohnung ein eigenes Haus nötig haben«. Der Kauf des an die alte Poetenschule anstossenden Hauses der Juliana von Montaigne, geb. v. Haunsberg, war geplant, es konnte jedoch nicht erworben werden326. Unterdessen wohnten die Patres im Haus des Bürgermeisters Johannes Mayr.

Im Verlauf des Jahres 1628 schufen die Jesuiten in Burghausen die organisatorischen Grundlagen für die künftige Ordensniederlassung. Das Poetenhaus wurde für die Zwecke der Patres umgebaut und eingerichtet327. Von diesem Standort aus wurde die Gründung und die Einrichtung des geplanten Kollegiums betrieben. Zunächst bekräftigte ein offizieller Antrag von Seiten der Bürgerschaft die politische und finanzielle Bereitschaft zur Unterstützung einer Kolleggründung. Bürgermeister und Rat der Stadt, unterstützt vom Kanzler der Rentamtsregierung Dr. Christoph Peisser, unterbreiteten am 4. Januar 1629 Maximilian offiziell den Antrag um die Einrichtung eines Kollegiums in Verbindung mit der Bitte, dass die »Patres der Societas Jesu hierher kommen und damit die praedicatur und die anderen geistlichen Exercitiis [..] und die lateinische Schule« leiten sollten. Die Stadt unternahm daraufhin Anstrengungen in der Hoffnung auf die Besserung der schulischen Verhältnisse328. Nachfolgend erfolgten Vorbereitungen zur Einrichtung einer Schule. Das Haus des Andreas Prunner wurde begutachtet »wegen Erhandlung der Prunnerischen Behausung in der Zieglau gelegen [..] für ein Schul gleich nach Ostern, bis der vorhabend und dazugehörige Collegiibau errichtet sei«, (10. März 1629). Nach den Umbaumassnahmen329 konnte die Schule zum 21. April 1629 eröffnet werden. Zum 9. Juli 1629 wurden im Rathaus der Stadt Prämien verteilt und ein Theaterstück von Schülern der neuerrichteten Jesuitenschule aufgeführt. Nach Übergabe des Wohngebäudes, der Schule und der Kirche zur Mitbenutzung durch die Jesuiten war die Einrichtung der Jesuitenniederlassung in Burghausen zunächst abgeschlossen.

Am 18. April 1629 fand die Festlegung des Standortes des neuzugründenden und zu erbauenden Kollegs in der sog. Zaglau durch den anwesenden Jesuitenprovinzial statt330. Am selben Tag wurde die Jesuitenniederlassung Burghausen zur Residenz erhoben.

Entwurf für ein Siegel des Collegium Burghusianum, 1640
Entwurf für ein Siegel des Collegium Burghusianum, 1640

Das vom Fürsten angebotene Gelände war Grundurbar des Landesherrn und konnte ohne Schwierigkeiten erworben werden. Am 10. Juli 1629 gab der Kurfürst dem Rentmeister Anweisungen zur »Erhandlung des bedürftigen Grundes« und »Bauplatz« für den künftigen Kollegiumbau, »etliche Grundstücke bei dem alten Salzstadel werts nötig zu erhandeln und zu tractieren«. Wenig später erfolgten die Verhandlungen zur Ablösung der benötigten Häuser und Grundstücke331. Die finanziellen und baulichen Verpflichtungen zwischen Orden und Fürst, also die Baukostenerstattung, Grund- und Sachleistungen sowie die Baumodalitäten, wurden im Finanzierungsdekret vom 30. Juli 1629 vertraglich geregelt332. Bei der Erstellung des Finanzierungsdekretes muss aufgrund der darin enthaltenen detaillierten Angaben bereits eine Art Vorplanung für die geplante und zu errichtende Kolleganlage bestanden haben. Für den Kollegbau wurde ein Kapital von 40000 fl. angesetzt, das in vier Jahren in festgesetzten Raten ausgezahlt werden sollte. Zu überlassende Gebäude, Arbeitsleistungen, etc. wurden detailliert aufgeführt333.

Die geplante Gründung des geplanten Kolleges erforderte eine erhebliche Aufstockung des Personalbestandes334 zur Bewältigung der organisatorischen Aufgaben. Die Stiftungsurkunde335 für das Kolleg Burghausen vom 16. August 1629 nennt eine Belegungszahl von 18 Ordensangehörigen. Ausgehend von diesen Personalzahlen wurde auch die Höhe der Stiftungsgelder für die Fundation und die Sustenierung des Kolleges Burghausen angesetzt336.

Maximilian I.
Gründungsurkunde
für das Kolleg Burghausen 1629
Maximilian I., Gründungsurkunde für das Kolleg Burghausen, 1629