1. Die Gründungsgeschichte des Kolleges Amberg
Amberg war bis zur militärischen Besetzung unter Maximilian 1621 Hauptstadt der zum Kurfürstentum der Pfalz zugehörenden Oberpfalz351. Als Kommissarius des Kaisers betrieb Maximilian im Auftrag des Kaisers die Wiedereinführung der katholischen Religion in der Oberpfalz. Eine dauerhafte Anwesenheit der Jesuiten in Amberg war von Maximilian zweifellos politisch gewollt. Die Aktivitäten zum Ausbau des Kolleges Amberg standen bis zum Westfälischen Frieden 1648 jedoch unter dem Vorbehalt des ungesicherten politischen und damit konfessionellen Status der Stadt und des besetzten Landes. Bis zur erblichen Übertragung an die wittelsbachisch-bayerische Linie am 22. Februar 1628 waren die politischen Verhältnisse in Amberg und damit der rechtliche Status des besetzten Gebietes zunächst noch ungesichert352. Nur innerhalb der kurzen Jahre 1628 bis zum schwedischen Vordringen 1632 konnte Maximilian die Kolleggründung und den Kollegbau in Amberg mit Nachdruck betreiben. Erst der Westfälische Friede bestätigte 1648 endgültig die Zugehörigkeit der Oberpfalz zu Bayern.
Den Jesuiten fiel eine Schlüsselrolle zu in der Rekatholisierung der besetzten Gebiete. Der Orden führte nach dem Einzug in Amberg im November 1621 zunächst gegenreformatorische Massnahmen mit Unterstützung der Regierungsstellen353 durch. Die Jesuiten übernahmen die Garnisonsseelsorge und begannen im kaiserlichen und fürstlichen Auftrag mit der Rekatholisierung der vormals protestantischen Stadt.
Die erste Unterkunft der Jesuiten seit 1621 befand sich im städtischen Schloss. Die Räte gewährten aus den geistlichen Gefällen auf Anordnung des Statthalters Lorenz Wensin das Nötige an Getreide und das Einkommen der Niederlassung. Die Auszahlung erfolgte durch die Hofkammer Amberg354.
Mit Schreiben vom 18. Mai 1623 wurde den Jesuiten die Frauenkirche zur Nutzung übergeben. Damit entsprach Maximilian dem vom kaiserlichen Kommissar J. Hämmerlich unterstützten Antrag der Jesuiten, »sie sollten die Frauenkirche den Vätern der Gesellschaft [..] eröffnen«. Die Georgskirche wurde von den Jesuiten ab 1623 genutzt. Im Pfarrhof von St. Georg (übergeben im Frühjahr 1624) errichteten die Jesuiten noch im selben Jahr eine lateinische Schule und bezogen dort einen festen Wohnsitz355.
Am 5. November 1625 hielt sich P. Provinzial Walter Mundbrodt mit seinem Begleiter Petrus Gottran zu Beratungen in der Amberger Niederlassung auf. Beim neuerlichen Provinzialsbesuch 1626 wurde mit den kurfürstlichen Räten auch die Möglichkeit einer dauerhaften Niederlassung der Jesuiten im Amberg besprochen. Vom 26. bis 29. Januar 1627 erfolgte der Umzug des Jesuitengymnasiums in die Räume der kurz davor aufgelösten protestantischen Schule bei der Martinskirche im Zentrum der Stadt356. Der Standort bei St. Martin wurde nach der Standortdiskussion am 21. Februar 1629 mit dem Gelände bei der St. Georgskirche vertauscht.
Zu Schuldienst, Predigt und Seelsorge trat eine ausgedehnte, von Amberg ausgehende Missionstätigkeit hinzu. Von der Jesuitenniederlassung Amberg aus wurde ein Netz von Missionsstationen geleitet357.
Das geplante Kolleg in Amberg sollte zum Verwaltungmittelpunkt für die gesamte Oberpfalz ausgebaut werden. 1631 wurde der Amberger Ordensniederlassung ein Armenseminar angefügt. Zur Bewältigung dieser umfangreichen Aufgaben und für den zu erwartenden Zustrom von Schülern mussten entsprechend grosse bauliche Kapazitäten geplant und errichtet werden.
Die Planungsaktivitäten für die Ordensniederlassung Amberg und der Haus- und Grundstückserwerb wurden nach der rechtlichen Übertragung der Oberpfalz durch Maximilian I. am 22. Februar 1628 bedeutend vorangetrieben. Bezüglich der Unterhalts- und Baufinanzierung wurden 1629 Verhandlungen geführt. Auch hinsichtlich der Bauplanungen wurden rasch konkrete Ergebnisse erzielt.
Ausschlaggebend für das Wirken der Jesuiten in Amberg und in der Oberpfalz wurden der sog. erste Rezess vom 23. Februar 1629 und der zweite Rezess vom 15. Mai 1630358. Im ersten Rezess wurde neben der grundsätzlichen Entscheidung für Amberg als Hauptstadt der Oberpfalz und als dem künftigen Standort des Jesuitenkolleges auch über die Finanzierung und Bewilligung der Mittel für das neue Kolleg beraten. Grundlage für die Fundation und für die Bauplanungen des Kolleges Amberg bildeten die Einkommen der seit der Reformierung durch die Protestanten von ihren Konventen verlassenen geistlichen Besitztümer der Oberpfalz. Maximilian beabsichtigte das für geistliche Zwecke vorbehaltene Drittel dieser Einkünfte für die Errichtung eines Gymnasiums, eines Kollegs für dessen Professoren und eines Seminars für arme Schüler zu verwenden. Als Lehrer und Professoren, so schrieb Maximilian I. im Instruktionsschreiben an seine Kommissäre, »könnten unseres Erachtens keine besseren als die Patres S. J. genommen werden«359. An den Verhandlungen nahmen von Seiten des Ordens der Jesuitenprovinzial P. Walter Mundbrodt und P. Johann Manhart teil. Die bischöflichen Vertreter stimmten am 23. Februar 1629 den fürstlichen Plänen zum Aufbau des Kollegiums Amberg zu360. Der zweite Rezess am 15. Mai 1630 diente der weiteren Klärung des Einkommens des Kolleges Amberg.
1629/30 lagen erste Planungen für den projektierten Kollegneubau in Amberg vor. Bereits 1630 erfolgte die Räumung des Baugrundes für den Bau des Kolleges361. Am 4. Oktober 1630 wurde die Ordensniederlassung Amberg zum Kolleg erhoben.
Die Amberger Jesuitenmissionen in Cham362 und Neumarkt363: Die Vorgänge um die von Amberg aus betriebenen Missionen in Cham und Neumarkt sind zwei Beispiele für das enge Ineinanderwirken von Orden und Regierung unter Maximilian I. Aufgrund der besonderen Kollegpolitik des Fürsten (Bevorzugung des zentralen oder strategisch wichtigen Standortes Amberg) kam es jedoch in diesen Städte nicht zur Gründung dauerhafter Niederlassungen.