Die Jesuitenkollegien
unter Kurfürst Maximilian I.

Einführung
1. Die Voraussetzungen: Die Kollegien Ingolstadt und München
2. Gründungsgeschichte der Kollegien Maximilians I.
3. Baugeschichte und Bauorganisation der Kollegien Maximilians I.
4. Die Rolle des Landesherrn und des Jesuitenordens bei Gründung und Organisation des Kollegbaues
5. Die Architektur der Kollegien Maximilians I.

Einführung

Im späten 16. und im 17. Jahrhundert erfolgte in Bayern die Gründung einer Anzahl von Kollegien unter den Bayernherzögen Wilhelm V. und Maximilian I. Am Anfang des Ausbaues des Kollegnetzes in Bayern stehen die Grosskollegien in Ingolstadt und München. Sie sind die Ausgangspunkte, auf die sich die weiteren Gründungs- und Bauaktivitäten der Kollegien in Bayern unter Maximilian I. zurückführen lassen. Deren Darstellung steht folglich am Anfang der Behandlung der maximilianischen Kolleggründungen.

Besondere Aufmerksamkeit kommt der Untersuchung der Rolle des Landesherrn bei der Gründung und beimm Ausbau der neu installierten Kolleganlagen zu. Die Klärung der Bauherrenfrage hat, wie schon einleitend im thematischen Ansatz der Arbeit formuliert, Bedeutung für die Beantwortung der Frage, unter wessen Initiative die Bauausführung der Kollegienarchitektur in Bayern erfolgte.

Als Bauherr oder Auftraggeber einer Bauunternehmung gilt im Allgemeinen der Träger oder diejenige Körperschaft, unter deren rechtlicher Verantwortung die Durchführung von Planung und Errichtung eines Bauprojektes erfolgt. Es ist davon auszugehen, dass sowohl der Orden wie auch die bayerischen Fürsten gemeinschaftlich, aber in wechselnden Anteilen die Bauherrenschaft einnahmen. Die Untersuchung der Rollenverteilung bei der Bauorganisation des Kollegbaues sowie bei der Ausführung der Kollegarchitektur im Rahmen dieser Arbeit wird weitere Klärung der Bauherrenfrage beim Kollegienbau in Bayern geben. Die Bauvorschriften des Jesuitenordens bilden die Grundlage für die Errichtung der Kollegbauten zur Nutzung für die Gesellschaft Jesu. Dieselben Bauvorschriften eröffneten gleichzeitig auch Einwirkungsmöglichkeiten für den Einfluss der bayerischen Fürsten Wilhelm V. und Maximilian I. auf den jesuitischen Kollegbau.

Das Engagement der Landesfürsten zeigte sich besonders in der Beteiligung der landesfürstlichen Bauorganisation bei Planung und Ausführung der Kollegien. Ermöglicht durch den Aufbau des Verwaltungs- und Bauapparates im Zuge der Landesreform und des Ausbaues des frühmodernen Staates unter Maximilian I. verliefen sehr viele Vermittlungsschritte zum Aufbau der Ordenskollegien gerade über diese staatliche Verwaltungsebene. Auch der Ausbau des Behördenapparates in Bayern unter Maximilian I. ist eine innovative Leistung der fürstlichen Regierung im Zeitalter des Frühabsolutismus. Der Ausbau erreichte zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Reich eine Leistungsfähigkeit, welche die Durchführung der grossen Bauaufgabe des Kollegausbaues und die Bündelung und Koordinierung der damit verbundenen Initiativen und Aktivitäten erst ermöglichte. Der Einfluss der Fürsten wirkte aber auch prägend auf die Ordensarchitektur und den Dekorationsstil der Ordensbauten in Bayern ein.

1. Die Voraussetzungen: Die Kollegien Ingolstadt und München

Die »maximilianischen» Kollegien bauen auf den Strukturen des zeitlich vorangehenden Kollegienbaues in Bayern in Ingolstadt und München auf.

Die Kollegien in Ingolstadt und München verdanken ihre Gründung und ihren Ausbau der intensiven Förderung durch die bayerischen Landesfürsten Albrecht V. und Wilhelm V.299 Beide Kollegien werden nachfolgend vorgestellt, als Voraussetzungen für den jesuitischen Kollegbau unter der Regierung Maximilians I.

Am Beispiel der Kollegienarchitektur in Ingolstadt und München lassen sich die unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten der Bauvorschriften des Ordens hinsichtlich der Erfüllung der institutionell-funktionalen Vorgaben bzw. der ästhetisch-gestalterischen Komponenten bei den architektonischen Lösungen der Kollegbauten darstellen. Das Jesuitenkolleg Ingolstadt ist ein Beispiel für die Anlage eines Kolleges mit besonderer Betonung der institutionell-funktionalen Strukturen. Das Kolleg München dagegen ist eine jesuitische Kolleganlage unter besonderer Betonung der ästhetischen Gestaltung der Gesamtanlage wie seiner Architekturen.

Das Kolleg Ingolstadt

Kolleg Ingolstadt
Kolleg Ingolstadt

Das Kolleg München

Kolleg Müchen
Kolleg Müchen

Weitere Kollegien im Umfeld Bayerns

Neben den beiden genannten Kollegien in Ingolstadt und München entstanden in Bayern und im süddeutschen Raum in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und zu Anfang des 17. Jahrhunderts eine Anzahl neuer Kollegien. Innerhalb des altbayerischen Territoriums waren dies die Jesuitenniederlassungen Landsberg (gegr. als Noviziat 1576, Kolleg seit 1640) und Altötting (gegr. 1593 als Terziat, Kolleg seit 1638). Im Umfeld des altbayerischen Raumes und in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bayern lagen ausserdem die Kollegien Dillingen (gegr. 1563), Augsburg (gegr. 1582), Regensburg (gegr. 1586), Innsbruck (gegr. 1561) und die Kollegien in Eichstätt (gegr. 1614) und Neuburg (gegr. 1613).

3. Gründungsgeschichte der Kollegien Maximilians I.

Die Einzelmonographien zur Gründungsgeschichte der einzelnen Kollegien finden sich im Katalog (siehe Geschichte):
Mindelheim,
Burghausen,
Landshut,
Amberg,
Straubing,
Kaufbeuren,
Ingolstadt,
München.

Der Planung und Errichtung der Kollegarchitekturen unter Kurfürst Maximilian von Bayern gingen erhebliche Vorbereitungen und Entscheidungen auf der politischen Ebene voraus. Diese ansiedelungspolitischen, genehmigungs-, finanzierungs- und erwerbspolitischen Vorgänge sind Gegenstand der nachfolgenden Darstellung. Der grössere politische Rahmen, in den die maximilianischen Kollegiengründungen eingebettet waren, wurde zuvor bereits dargestellt. An dieser Stelle wurden die konkreten Gründungsaktivitäten der einzelnen maximilianischen Kollegien untersucht.

Die Darstellung zielte auf die Klärung der politischen Zuständigkeiten und Kooperationen zwischen den an den Kolleggründungen beteiligten Personen und Instanzen ab mit der Untersuchung der Art und des Grades der Beteiligungen der Kräfte von Ordensseite bzw. fürstlicher Seite bei den Gründungsaktivitäten des jeweiligen Kollegs.

Bei den im Rahmen dieses Themas behandelten »maximilianischen« Kollegien, den auf altbayerischem Territorium gegründeten Kollegien Burghausen, Landshut und Straubing, dem schwäbischen Mindelheim und Amberg in der Oberpfalz - trat Maximilian I. als Landesherr mit oberster Verfügungsgewalt und als die entscheidende und fördernde Kraft auf316. Die erste Kolleggründung erfolgte in Mindelheim 1618/1622. Der Ordensniederlassung in Amberg (seit 1621) folgten die Gründungsvorgänge in Heidelberg 1623 und in Kaufbeuren 1627317 und die bayerischen Niederlassungen in Landshut und Burghausen 1629 und Straubing 1631. Die Anteile der Regierung bzw. der Ordenskräfte bei der Gründung einer jeweiligen Kollegniederlassung wurden in der folgenden Darstellung jeweils gesondert aufgeführt.

Zusammenfassung

Die Gründungspläne für die Kollegiengründungen Maximilians I. von Bayern in Mindelheim, Amberg, Burghausen, Landshut und Straubing wurden politisch gemeinsam von der bayerischen Landesregierung in München und der Ordensleitung in Rom verfolgt.

Die Voraussetzungen für die jeweilige Kolleggründung waren an jedem einzelnen Ort der Neuansiedelung und Neugründung, wie die Untersuchung zeigte, verschiedene: Der jeweilige Bedarf vor Ort variierte - mit Folgen für die Grösse und Ausstattung der geplanten Ordensniederlassung. Auch die Schritte zur Umsetzung einer neuen Kolleganlage mussten den unterschiedlichen Gegebenheiten vor Ort Rechnung tragen.

Zur Durchführung der Kolleggründungen gab es die erprobten Verfahren, die auch im Fall der Gründungen unter Maximilian I. angewendet wurden: der Instanzenweg auf Ordensseite verlief aufgrund der zentralistischen, übernationalen Organisationsstruktur des Ordens vom Ortsoberen der geplanten Niederlassung zum Provinzialat und von dort zur zentralen Baubehörde in Rom376 . Auf der Ebene der bayerischen Landesbehörden nahmen vor Ort der Pfleger eines Pflegamtes (z.B. S. Saurzapf, Mindelheim oder G. Thumberg, Cham, später Burghausen) bzw. in den Rentamtsstädten der Viztum (z.B. Baron v. Preysing, Straubing, Amberg) der Rentmeister und Delegierte und Subdelegierte der Regierung, etc. die Weisungen der Oberinstanz im politischen Zentrum München (Geistlicher Rat, Finanzkammer) entgegen. Die oberste Entscheidungsbefugnis oblag dem Landesfürsten Maximilian I. von Bayern.

Für die jeweilige konkrete Kolleggründung gab es bis zum Beginn der Baurealisierung eine Reihe von Massnahmen zu klären, die zunächst auf politischer Ebene ausgehandelt werden mussten377: Nach der Ansiedelung am Ort mussten provisorische Unterkünfte erworben und baulich instand gesetzt werden. Auf dieser Basis erfolgten erste Planungen zum weiteren Ausbau der geplanten Kolleginstitution. Gleichzeitig mussten die finanziellen Fragen zur Finanzierung von Grunderwerb, Bau, Bau- und Kollegunterhalt, zur sog. Dotation und Sustenierung der Kolleganlage, geklärt werden. Die jeweiligen Details für den Grunderwerb, für Abbrucharbeiten, für Fundamentierung, Aufbau und Ausstattung der neuen Gebäude, d. h. Geldmittel für die Baumaterialien, für Arbeitskräfte, etc., wurden in Urkunden wie dem sog. »Finanzierungsdekret« (vgl. Burghausen, 30. Juli 1629), der »Stiftungsurkunde« (vgl. Burghausen, 16. August 1629) und in der »Fundation« festgelegt.

Maximilian I.
Gründungsurkunde
für das Kolleg Burghausen 1629
Maximilian I., Gründungsurkunde für das Kolleg Burghausen, 1629

Bei der Einrichtung der Kollegien wurden oft Altbauten verwendet, die für die neue Verwendung instandgesetzt, umgebaut und auch in Teilen neu errichtet wurden (vgl. Mindelheim, Straubing). Wenn die vorhandenen baulichen Gegebenheiten nicht genügten, musste ein Neubau der Kolleganlage erwogen werden (vgl. Mindelheim, Burghausen). Diese Neubauvorhaben setzten ein umfangreiches Planungsverfahren in Gang. Standortwahl und Grundstückserwerb der geplanten Anlage waren Gegenstand umfassender politischer Verhandlungen (vgl. Kaufbeuren, Burghausen, Amberg).

Die Planungen wurden nachfolgend im Genehmigungsverfahren nach Kriterien ihrer funktionalen Eignung und auch hinsichtlich ihrer Gestaltung überprüft, bis zur abschliessenden Genehmigung eines baureifen Planes durch den Orden bzw. die bayerische Landesregierung unter Maximilian I. Danach konnte das Räumungsverfahren zur Bereitstellung des Baugrundes erfolgen (vgl. Burghausen, Landshut Amberg) und nachfolgend das Bauverfahren eingeleitet werden.

Die Aushandlung dieser einzelnen Organisations- und Genehmigungsfragen erfolgte in politischen Verhandlungen zwischen den Regierungsbeamten, den örtlichen Kräften und Vertretern der Gesellschaft Jesu. Bei der Abstimmung dieser Fragen wurden schliesslich auch Baufachleute hinzugezogen, die dann später die Bauausführung der Kollegbauten übernahmen.

3. Baugeschichte und Bauorganisation der Kollegien Maximilians I.

Die Einzelmonographien zur Baugeschichte der einzelnen Kollegien finden sich im Katalog (siehe Baugeschichte):
Mindelheim,
Burghausen,
Landshut,
Amberg,
Straubing,
Kaufbeuren,
Ingolstadt,
München.

Die Bearbeitung der Baugeschichte und Bauorganisation der Kollegien Maximilians I. zielte konkret auf die Charakterisierung der Bauvorgänge unter Maximilian I., auf die Darstellung der Planung und Ausführung der Kollegienbauten, des Baubetriebes und der Bauorganisation des Kollegienbaues der maximilianischen Ära. Viele der in der Gründungsphase geplanten Gebäude konnten nicht mehr unter der Regierung Maximilians, sondern teilweise erst zwei oder drei Jahrzehnte später realisiert werden. Die Bauausführung erfolgte in den überwiegenden Fällen aber auf der Grundlage der unter Maximilian I. erfolgten Planungen. Mit dieser Begründung werden auch diese unter dem Nachfolger Maximilians I. errichteten Bauten in die Darstellung mit einbezogen.

Die Bearbeitung verfolgte u.a. das Ziel, den Kollegbau unter Maximilian - als ein Phänomen der (früh-) absolutistischen Epoche - nach dem Vorhandensein eines zentralen, von Orden und dem Hofbauamt gelenkten und geregelten Bauverfahrens hin zu untersuchen.

Für die konkrete Bearbeitung der Baugeschichte und der Bauorganisation der einzelnen unter Maximilian gegründeten Kollegien wurden die allgemeingültigen Bestimmungen von Ordens- und Landesseite zu Verfahrens- und Ausführungsfragen zugrundegelegt.

Die Bau- und Verfahrensvorschriften der Gesellschaft Jesu sind Gegenstand der Darstellung im Kapitel Bauverordnungen der Jesu378. Auf Seiten der Landesregierung wurden die Bauvorhaben zentral am Sitz der Regierung überwacht. Dies betraf alle Details des Kollegbauwesens, soweit sie im Verantwortungsbereich der Behörde lagen, also Planung, Finanzierung, Genehmigung und Ausführung der Bauten. Angelegenheiten des jesuitischen Kollegbaues fielen in Bayern in den Zuständigkeitsbereich des Geistlichen Rates379. Dieser beriet den Landesfürsten, nahm dessen Anordnungen entgegen und korrespondierte mit der Hof- und Finanzkammer.

Ausführende Organe des Landesfürsten waren die untergeordneten Mittel- und Unterbehörden in den Rentamtsstädten oder Pflegämtern. Die Rentmeister und Pfleger nahmen hier die wichtige Vermittlungsposition zwischen den Interessen der Landesregierung und den Anliegen der Vertreter des Ordens auf Ortsebene ein380. Bei besonderen Entscheidungssituationen begaben sich der Provinzial mit Beratern von Ordensseite und hohe Regierungsvertreter und Hofbeamte (beispielsweise der Hof- und Finanzkammer oder des Bauamtes) als Vertreter des Landesherrn zur Ortsbesichtigung an den Ort der betreffenden Kollegniederlassung. Die Ausführung der Bauten vor Ort erfolgte dann im Rahmen des üblichen Bauverfahrens.

Die Darstellung der Baugeschichte/Bauorganisation erfolgte unter Anwendung eines allen Kollegien gemeinsamen Fragemusters381. Zunächst wurden die Bauvorgänge und das baugeschichtliche Datengerüst erfasst, soweit diese für die Objektdarstellung im Rahmen dieses Themas erforderlich sind. Im weiteren wurde nach den ausführenden Baukräften gefragt, nach deren Rolle innerhalb der Bauorganisation (als Planer, Bauverwalter, Rechnungsführer, Baumeister, Fachhandwerker, etc.) und deren Arbeits- und Aufenthaltsdauer am jeweiligen Kollegort. In diesem Zusammenhang war die Zugehörigkeit der Baufachleute zum Orden oder zum Hofbauamt, bzw. die Beteiligung externer Baukräfte an der Ausführung der Bauarbeiten zu klären. Soweit ermittelbar, wurden die »Bau-Karrieren« der Baufachleute nachgezeichnet.

4. Die Rollen des Landesherrn und des Jesuitenordens bei Gründung und Organisation des Kollegbaues

Beim Kollegbau in Bayern bestand eine enge organisatorische Zusammenarbeit zwischen dem bayerischen Fürsten Wilhelm V. und Maximilian I. und der Gesellschaft Jesu. Der Grad der Zusammenarbeit entsprach dem engen kirchenpolitischen Kurs der beiden Kräfte im konfessionellen Zeitalter, mit gemeinsamen politischen Zielen und einer Überschneidung der beidseitigen Absichten. In Fragen der Anlage der Kollegien im Herzogtum Bayern wurden die Bischöfe nur am Rande in die Entscheidungen eingebunden408. Wie dargelegt, verfolgte Kurfürst Maximilian I. mit den Kollegiengründungen auch ein politisches Ziel, nämlich den staatlich-politischen Ausbau seines Landes in Verfolg seiner frühabsolutistischen Machtambitionen. Der Landesfürst nahm daher auch auf die Ausführung der Kollegbauten bestimmenden Einfluss. In Zusammenhang mit der Erörterung der Verteilung der Bauaufgaben zwischen Orden und Fürst wird erneut die Frage nach dem Bauherren der Kollegienbauten aufgeworfen.

Zunächst erfolgte die Untersuchung der Rolle des Landesherrn als der wesentlichen, fördernden Kraft für den Kollegbau in Bayern, gefolgt von der Untersuchung der Rolle der Jesuiten bei der Errichtung der Kollegbauten. Im Rahmen der Darstellung der Bauorganisation und Baugeschichte der Kollegien Maximilians I. wurden in den Einzelbearbeitungen die Verfahrens- und Ausführungsfragen von Ordens- und von Landesseite dargestellt und ausgeführt509.

Die wichtigsten Ergebnisse werden an dieser Stelle nochmals zusammengefasst.
Die entscheidenden Initiativen zur Gründung der Kollegien in Bayern gingen vom Landesherrn Maximilian I. aus. Die Entscheidungsvorgänge, die zur Gründungsgeschichte der Kollegien gehören, wurden - entsprechend den zentralen Strukturen des frühabsolutistischen Verwaltungsapparates - vom Regierungszentrum in München aus gesteuert und überwacht. Nach der Beschlussfassung über die Kollegiengründungen erfolgte unter der Führung des Landesfürsten in rascher Folge die Planung und Durchführung der Kollegvorhaben. Maximilian I. nahm dabei - über die allgemeine Einflussnahme durch das Genehmigungs- und Kontrollverfahren hinausgehend - auch Einfluss auf die Gestaltung und Ausführung der Bauten.

Der Kollegausbau des Kolleges Mindelheim (Kolleg seit 1622) vollzog sich zunächst schleppend. Von landesfürstlicher Seite wurden immer wieder Bedenken geltend gemacht und Einwände erhoben gegen die Vorstellungen und Planungen des Ordens. Dies betraf sowohl die Frage nach der vorgesehenen Grösse des Kollegs und der endgültigen Lage der Kolleganlage; dies zeigte sich aber auch in der zögerlichen Auszahlung der finanziellen Mittel für den Bau. Zudem erfolgte eine Beschränkung der jesuitischen Baupläne zum Kollegausbau durch die zuständige Baubehörde. Von Seiten der Landesregierung her ist also in den frühen 1620er Jahren ein überaus berechnendes und kalkulierendes Vorgehen in der Frage des Ausbaues des Kolleges festzustellen. Eine Änderung des landesfürstlichen Engagements, verbunden mit einer nachhaltigen Unterstützung des Kollegbaues in Mindelheim, erfolgte erst ab den Jahren 1626/27510.

Am Ausbau des Kolleges Burghausen, der ab 1629/30 erfolgte, war Maximilian I. in besonderem Mass beteiligt. Die Kollegstiftung Maximilian I. vom 16. August 1629 ermöglichte erst die Einrichtung dieser Ordensniederlassung. Maximilian I. regelte 1630 den laufenden Unterhalt (die sog. »Sustenierung«) der Jesuiten und bewies seine Förderung noch durch weitere finanzielle und materielle Zuwendungen. Der Ausführungsplan für das Kolleg wurde am Ende des Planungsprozesses Anfang 1630 vom Landesfürsten approbiert. Der Baufortgang kam dann Ende Februar/Anfang März 1632 aufgrund der politischen Lage und nach Einstellung der Geldzuweisungen zum Erliegen. Maximilian I. liess im Zeitraum zwischen 1629 bis 1632 den Planungs- und Baufortgang durch den ortsansässigen Rentmeister überwachen und forderte genaue Berichte über die Lage und die Entwicklung vor Ort an. In dieser Planungsphase gab der Fürst genaue Anweisungen für die Anlage der Kollegtrakte und regelte detailliert auftretende Fragen zur Bauausführung511. Für die Planung setzte der Fürst seinen Hofbaumeister Isaak Pader ein. Dadurch konnte Maximilian I. unmittelbar Einfluss auf die Baugestaltung der Kirche St. Josef und der Kolleganlage ausüben.

Auch bei der Kolleggründung in Landshut nahm die Regierung - ähnlich wie in Burghausen - in aktiver Weise Kontrollfunktionen in den Planungs- und Bauverläufen wahr. Der direkte Einfluss des Landesherrn auf den Kollegbau in Landshut lässt sich in seiner Unterstützung beim Grund- und Hauserwerb erfassen. Der Aufbau der Kollegkirche St. Ignatius erfolgte mit zügigem Baufortschritt ab 1631. Da die benötigten finanziellen Mittel für den Kirchenbau von der Regierung freigegeben wurden, ist davon auszugehen, dass von dieser Seite her - trotz der schwierigen politischen Umstände - Interesse an einem zügigen Fortgang des Kirchenbaues bestand. Die Architektur von St. Ignatius lässt einen demonstrativen Bezug auf St. Michael in München erkennen. An diesem Nachfolgebau von St. Michael manifestiert sich das Fortwirken des von Wilhelm V. entwickelten Bau- und Kunstprogrammes auch unter der Regierung Kurfürst Maximilians I.

In besonderer Weise ist der Einfluss Maximilians I. bei den Gründungsvorgängen in Amberg evident. Die Gründungsinitiative für das Kolleg und den Kollegbau in der militärisch unterworfenen Stadt ging von Maximilian I. aus. Unter seiner Leitung erfolgte in zwei Rezessen die Festlegung und die Regelung der Finanzierung und des Standortes des Kolleges Amberg. Auch die Unterhalts- und Gebäudezuweisungen an die Jesuiten wurden von der Regierung geregelt. Die Planungsvorgänge wurden detailliert von den am Ort ansässigen Regierungsbehörden überprüft und zur Entscheidung an den Fürsten nach München weitergeleitet. Durch diese Massnahmen nahm die Regierung Maximilians direkten Einfluss auf die Planung und Gestaltung des Kolleges Amberg512.

Auch die Gründung bzw. Finanzierung der Jesuitenniederlassung Straubing wurde erst auf den landesfürstlichen Einfluss hin ermöglicht.

Die Gründungsinitiative für die maximilianischen Kolleggründungen, so lässt sich zusammenfassend sagen, ging in allen Fällen letztenendes von Kurfürst Maximilian I. und seiner Zustimmung zu den Projekten aus. Das Ausbleiben der landesfürstlichen Unterstützung verhinderte auf der anderen Seite eine dauerhafte Niederlassung, wie die gescheiterten Gründungsversuche des Ordens für Kollegien in Cham und Neumarkt zeigen. Die Abhängigkeit von der politischen und finanziellen Zustimmung des Fürsten wird in allen Fällen der maxmilianischen Kolleggründungen deutlich. In Genehmigungsfragen oder Fragen der Bauausführung übte der Fürst - unterstützt durch die Mittel- und Unterbehörden seines Landes - eine umfassende Kontrollaufsicht aus und nahm damit direkten Einfluss auf den Bau der Kollegien.

In Fragen der Ausführung der Bauten und der Bauorganisation überliess Maximilian I. dem Orden weitgehende Handlungsbefugnisse. So räumte Maximilian dem Orden beispielsweise durch das Finanzierungsdekret des Kolleges Burghausen vom 30. Juli 1629 eine verantwortliche Rolle ein für die »Direction, Sorge und Mühwaltung des Bauens« und benannte den Orden damit zum nominellen Bauherrn des Kollegbaues. Die Tätigkeiten der Jesuiten erfolgten jedoch unter der Aufsicht der fürstlichen Baubehörde und innerhalb des von Maximilian gesteckten Rahmens. Kurfürst Maximilian I. nahm zumindest zeitweise Funktionen eines Bauherrn wahr.

In besonderer Weise machte der Landesherr in Bayern seinen Einfluss auf den Kollegbau durch die Wahl des Kollegstandortes und im weiteren durch die Bereitstellung der für den Bau erforderlichen Mittel geltend. Maximilian griff auch direkt in Planung und Bau der Kollegien ein (vgl. Kollegbau Burghausen) und nahm damit Einfluss auf die Ausführung und Gestaltung der Bauten. Das von Maximilian I. propagierte Kunstprogramm nahm seinen Ausgang von Kirche und Kolleg in München. Die Aufnahme und das Zitat dieser massgeblich von Wilhelm V. verwirklichten Repräsentationsarchitektur des Münchener Kollegs verdeutlicht zugleich die Ausrichtung des Bauprogrammes der Kollegien auf die Regierungshauptstadt München als dem Sitz der bayerischen Landesregierung.

Dem Jesuitenorden, als dem nominellen Bauherrn der unter Maximilian I. erfolgten Kolleggründungen, kam im Rahmen des Kollegbauwesens in Bayern die Aufgabe zu, die im Zusammenarbeit von Fürst und Orden entwickelten Kollegbauprojekte zu organisieren und baulich umzusetzen.

Der Anteil des Ordens am Kollegbau unter Maximilian I. wird nochmals in seinen Grundzügen nachgezeichnet: Für den Umbau von Kirche und Klostergebäude Mindelheim wurden von den Jesuiten 1624 erste Pläne entwickelt, die von den bayerischen Regierungsvertretern geprüft und genehmigt wurden. In den Jahren 1625 bis 1630 erfolgten die Umbaumassnahmen unter Leitung des Jesuiten Johannes Holl, der wohl auch die Pläne für den Westtrakt des Kolleges entwarf. Die Bauaufsicht führte zunächst J. Holl und seit April 1630 der Jesuit Michael Kepler513. Auch bei der Planung des Kolleges Burghausen waren Ordensangehörige beratend beteiligt.

Die entscheidenden Schritte zum Kollegbau wurden aber von Seiten der Landesregierung unternommen514. Vermessungs- und Planungsarbeiten nahm bezeichnenderweise der Hofbaumeister Isaak Pader vor. Der Ausführungsplan wurde Anfang 1630 vom römischen Ordensbauamt und von Maximilian I. in München »approbiert«, d.h. Landesherrn genehmigt.

Die Bauausführung der Kollegkirche und des angrenzenden Sakristeistocks erfolgte dann unter jesuitischer Leitung, gemäss dem Finanzierungsdekret vom 30. Juli 1629515. Die Bauleitung für den Kollegbau hatte 1630 der Jesuit Michael Gerber und von 1631 bis 1634 der Jesuit Paul Bock, ein Assistent des Ordensbaumeisters Jakob Kurrer, inne. Kurrer hielt sich 1643/44 zum Bau des Kolleges in Burghausen auf. Die Bauarbeiten für den Kirchenbau wurden wohl durch Hofbaumeister Isaak Pader, bzw. dessen Sohn ausgeführt.

Die Bauleitung des Kirchenbaues St. Ignatius in Landshut übernahm 1631 bis 1641 der Jesuit Johannes Holl. Für die Bauausführung beschäftigte der Orden Maurer und Bauhandwerker aus Graubünden und Wessobrunner Stukkaturarbeiter. Die Ausführung der Kollegbauten wurde bürgerlichen Baumeistern, Michael Thum und Michael Beer, übergeben.

Auch beim Kollegbau in Amberg 1630/31 lag die Verantwortung für den Bau im wesentlichen beim Orden. Staatliche Stellen wurden in Entscheidungsfragen zwar immer wieder herangezogen; die bauvorbereitenden Arbeiten wie die Ausführung der Bauarbeiten wurden jedoch von den Jesuiten selbst organisiert. Die Bauleitung hatten 1630 bis 1632 der Jesuit und Mathematiker J. B. Cysat, der die Vermessungsarbeiteten leitete, und der Jesuit O. Kaiser inne. Die Bauausführung wurde von den Jesuiten an den Baumeister F. Garbanino vergeben.

Die Verantwortung für die Bauausführung der von Maximilian gegründeten Kollegien wurde, so lässt sich zusammenfassend sagen, im wesentlichen von Ordenskräften getragen. Der Orden wurde dabei von Landesseite her durch Geldmittel, Arbeitskräfte und durch die Bereitstellung von Baumaterialien unterstützt.

Beim Abschluss der Untersuchung ergibt sich hinsichtlich der Verteilung der Rollen zwischen Orden und Fürsten bei den Gründungs-, Planungs- und Bauaktivitäten beim genannten Kollegienbau unter Maximilian I. folgendes Bild:
In der Gründungsphase der Kollegien nahmen der Fürst und die Landesbehörden umfassend Einfluss auf Planung und Ausführung der Kollegbauten. Von dieser Seite erfolgte die politische Durchsetzung der Ansiedelung einer Ordensniederlassung auf Kommunal- und Regionalebene, die Regelung der Standortfrage mit dem Grunderwerb, und die Klärung der finanziellen Fragen. In übernahmen Hofbedienstete Maximilians I. (vgl. H. Schön, Kolleg Mindelheim und I. Pader, Kolleg Burghausen) Aufgaben für Entwurf und Bauausführung der Kollegbauten.
In der Gründungsphase der maximilianischen Kollegien erfolgte die Koordinierung der erforderlichen Schritte demnach unter Führung des Fürsten und der staatlichen Stellen in enger Zusammenarbeit mit den Vertretern des Ordens. Der Orden war in dieser Phase mit dem institutionellen Aufbau der geplanten Kollegniederlassung befasst und brachte u.a. in Form von Bauplänen seine Vorstellungen zum Raumprogramm für den Kollegneubau ein. Die Bauausführung (die »Direction, Sorge und Mühwaltung des Bauens«) übernahm dann der Orden - urkundlich festgelegt etwa im Finanzierungsdekret des Kolleges Burghausen vom 30. Juli 1629. Der Orden schloss in eigener Verantwortung Verträge mit externen Baukräften (Baumeister, Handwerker, Hilfsarbeiter) ab. Arbeiten, etwa für die Ausstattung, wurden aber auch von Ordensangehörigen selbst ausgeführt. Über die Geldzuteilung konnte die Regierung jedoch jederzeit Einfluss auf die Bauausführung nehmen. In Einzelfragen (vgl. Amberg, Verlegung eines Stadttores) griff Maximilian als Landesherr auch direkt in den Baufortgang ein.

5. Die Architektur der Kollegien Maximilians I.

Einführung
1. Lage der maximilianischen Kollegien
2. Der Aufbau und das Raumprogramm der maximilianischen Kollegien
3.1 Die Beschreibung der Einzelgebäude der maximilianischen Kollegien
3.2 Die Architektur der Einzelgebäude der maximilianischen Kollegien
4. Die Architektur der Gesamtanlagen der maximilianischen Kollegien
5. Ergebnis der Untersuchung

Die Einzelmonographien zur Architektur der einzelnen Kollegien finden sich im Katalog Architektur):
Mindelheim,
Burghausen,
Landshut,
Amberg,
Straubing,
Kaufbeuren,
Ingolstadt,
München.


Einführung

Die Bearbeitung galt der Darstellung der konkreten baulichen Strukturen der unter Kurfürst Maximilian I. von Bayern entstandenen Kollegarchitekturen. Den Schwerpunkt bildete dabei die Behandlung der Frage nach dem Einfluss des/bzw. der Bauherren, des Landesherrn auf der einen und des Jesuitenordens auf der anderen Seite, auf die architektonische Ausführung der Bauten.

Die Einrichtung einer Reihe neuer Kollegien, beginnend mit der frühesten Kolleggründung, dem Kolleg Mindelheim (gegründet 1618, Kolleg 1622), dann Kaufbeuren 1627 (Residenz 1630), Burghausen 1629, Landshut 1629, Amberg 1629, Straubing (Residenz 1631, Kolleg 1650) erfolgte in einer erneuten Gründungswelle unter Führung des bayerischen Landesherrn Kurfürst Maximilian I. von Bayern.

Die Anlagen der maximilianischen Kollegien fanden ihren Maßstab an den Kollegien in Ingolstadt und München. Hinsichtlich ihrer institutionellen Ausbaustufe waren die maximilianischen Kollegien (wie auch das Kolleg in München) auf das Ordenskolleg an der Landesuniversität in Ingolstadt ausgerichtet.

Die neu gegründeten Kollegien erfüllten zugleich die Funktion von zentralen Bildungsstätten im Mittelschulbereich für die jeweilige Region. Der Kollegbau unter Maximilian I. erfolgte zunächst zögernd (vgl. Kolleg Mindelheim). Mit der Ausweitung des machtpolitischen und der Steigerung des militärischen Potentials des Fürsten in den 1620er Jahren wurde der Ausbau von Maximilian I. jedoch ab etwa 1627/29 zielgerichtet geplant und vorangetrieben und im Rahmen der politischen und finanziellen Möglichkeiten der Regierung Maximilians I. konsequent durchgeführt517. Der forcierte Kollegausbau steht im Zusammenhang mit dem Restitutionsedikt vom 6. März 1629 und den davon abgeleiteten expansiven, gegenreformatorisch motivierten Zielsetzungen517.

In der Darstellung wurden die Einzelarchitekturen der »maximilianischen« und die Einordnung der einzelnen Bauten in den Gesamtzusammenhang der Kolleganlagen beschrieben.

1. Lage der maximilianischen Kollegien

Die Ausführung der Kollegienanlagen hatte - das berücksichtigen auch die Bauvorschriften des Jesuitenordens - den Gegebenheiten ihres Standortes (»natura«) zu entsprechen. Gemeint sind die topographische Lage des Ansiedelungsortes (»regio«), der räumlich-geographische Zuschnitt des für die Ansiedelung und für die Errichtung eines Kolleges vorgesehenen Areals und die Bodenbeschaffenheit des Baugrundes (»area«).

Einfluss auf die Anlage eines Kolleges nahmen auch die Umstände des Erwerbs der gewünschten Grundstücke. Die Aneignung der Bauplätze durch den Jesuitenorden setzte Verhandlungsgeschick der Betreiber der Ansiedelung voraus518. Die Verweigerung eines Grundstück- oder Hausverkaufes beeinflusste in verschiedenen Fällen die Anlage eines Kolleges. Der Grund- und Häusererwerb für die Niederlassung der Kolleganlagen wurde in Bayern von Maximilian I. und der fürstlichen Administration in einer Art »Erwerbspolitik« massiv unterstützt. Dem Orden konnten somit binnen relativ kurzer Fristen zweckgemässe Grundstücke zur Verfügung gestellt werden.

2. Der Aufbau und das Raumprogramm der maximilianischen Kollegien

Die Kollegien hatten ihren Schwerpunkt in der erzieherischen und schulischen Ausbildung von Schüler und Studenten, also des akademischen Nachwuchses. Zur Durchführung dieser Aufgabe waren den Kollegien Internate zur Beherbergung der auswärtigen Schüler (sog. Konvikt oder Seminarium »minus«) und für die Priesterausbildung Seminare (»Seminarium maius«) angeschlossen. Die Jesuitenkollegien übernahmen darüber hinaus auch Aufgaben in der Gemeindeseelsorge und im Kongregations- und Missionswesen.

Die Kollegarchitektur besass für die Erfüllung dieser Aufgaben und entsprechend ihrem institutionellen Aufbau im wesentlichen drei grosse Funktionseinheiten523: Kirche (bzw. Oratorien; Gebetsräume), Kolleg (Wohnung der Ordensangehörigen; oft zusammen mit einem Internat für Schüler) und das Gymnasium für den Unterricht mit der Aula (bzw. Kongregationssaal).

Entsprechend diesen grossen Funktionsbereichen gab es ein in etwa gleichbleibendes Raumschema einer Niederlassung im Kolleg mit Eingangsbereich, Pförtnerloge, Besucher- bzw. Sprechraum; Refektorium, Küche; Zellen, mit einer besonderen Zelle für den Superior/Rektor, bzw. ein Besucherzimmer, Krankenraum; Gebetsraum, Gang, Treppenhaus, Keller, Vorratsräume; im Gymnasium mit fünf bis sechs Klassenräumen und einer Aula; und die Kirche mit Sakristei, Paramentenraum, etc.

In Einzeluntersuchungen wurden die Funktionsgrössen und der erforderliche Raumbedarf der genannten maximilianischen Kollegien Mindelheim, Burghausen, Landshut, Straubing und Amberg während des 17. Jahrhunderts ermittelt. Zu deren Feststellung sind konkrete Angaben zum Personenstand und Umfang der maximilianischen Kollegien erforderlich. Die Erörterung dieser »quantitativen« Fragen ist ein Bestandteil der Bearbeitung der funktionalen Grundlagen für den Kollegienbau unter Maximilian I.524

In den Ausführungen zu den einzelnen Kollegien erfolgte die Nennung der Belegzahlen der Angehörigen der Jesuitenkommunität (Patres, Fratres, Coadiutoren, Magister) des jeweiligen Kollegs unter Angabe der zugehörigen Jahreszahlen, gefolgt von Angaben über die Frequenzzahlen der Kollegien an Schülern und Studenten, soweit diese aus den Quellen eruiert werden können525. Zur Herstellung eines Bezugssystems zwischen den Frequenzzahlen, dem davon abhängigen Raumprogramm und dem zu erstellenden Raum- und Bauvolumen wurden zusätzlich die im Lauf des 17. Jahrhunderts errichteten Kollegienbauten unter Angabe der Jahreszahlen aufgeführt.

An dritter Stelle standen die Raumprogramme der einzelnen Kollegien. Deren Raumeinteilung ist nach den Funktionseinheiten Kirche, Kolleg, Gymnasium unterteilt. Die Räume wurden aus Überblicksgründen teilweise zu einheitlichen Funktionsbereichen zusammengefasst.

Abschliessend wurde der Stand des zur Zeit der maximilianischen Kolleggründung geplanten Raumvolumens in Beziehung gesetzt mit den grossteils erst nach der Regierungszeit Maximilians erfolgten Realisierungen von Kollegbauten. Im Besonderen wurde der Frage nachgegangen, inwieweit die realisierten Bauten der unter Maximilian I. entstandenen Kollegien in ihrer Bauausführung stärker funktionalen Gesichtspunkten folgten, bzw. auch gestalterisch-repräsentative Qualitäten berücksichtigten.

Zusammenfassung

Im Arbeitsabschnitt zu den baulich-funktionalen Strukturen der maximilianischen Kolleggründungen wurden die Angaben zu Belegzahl, Bauvolumen und Raumprogramm der Kollegien in Mindelheim, Burghausen, Landshut, Straubing und Amberg erfasst. Diese Städte wurden (mit Ausnahme von Mindelheim) als Hauptstädte der gleichnamigen bayerischen Rentamtsbezirke als die zentralen Standorte der Jesuitenkollegien festgelegt.

Die Ausbaugrösse der maximilianischen Kollegien orientierte sich, neben dem institutionell vorgesehenen Aufgabenvolumen, am »Bedarf« der einzelnen Kollegstandorte, d. h. den zu erwartenden und de facto vorhandenen Frequenzzahlen an Schülern und Studenten und dem damit korrespondierenden Personalstand eines Kolleges.

Dem Kolleg Mindelheim kam Bedeutung zu aufgrund seiner Lage inmitten von schwäbischen Herrschaftsgebieten mit evangelisch dominierten Reichsstädten (vgl. die nahegelegene Reichsstadt Kaufbeuren) und durch ein grosses Einzugsgebiet für Schüler und Studenten.
Innerhalb dieser Gruppe von Kollegien ragen die Kollegien Amberg und Landshut mit grösseren Frequenzzahlen hervor.
Es folgen mit geringeren Zahlen die Kollegien Mindelheim, Burghausen und Straubing. An diesen institutionellen und zahlenmässigen Vorgaben hatte sich auch der baulich-funktionale Ausbau der maximilianischen Kollegen zu orientieren.

Bei den verschiedenen Kolleggründungen Maximilians finden sich, trotz der festgestellten differierenden Unterschiede in der Bauausführung und der Unterschiede in der Dimensionierung der Neubauten (vgl. die grossen Kollegbauten in Landshut und in Amberg; die kleineren Kollegbauten in Mindelheim und Burghausen; die Umbauten und Teil-Neubauten in Straubing) auch grosse Übereinstimmung in den jeweiligen Raumprogrammen.

Gemeinsame Grundelemente sind in allen Bauten nachzuweisen: Pforte, Prokuratur, Archiv, Bibliothek, Küche, Refektorium, Zellen für den Rektor, Präses, für Patres und Brüder, Sanitäranlagen, Gänge und Treppenanlagen; Schlaf- und Aufenthaltsräume für Interne, Krankenräume; Keller- und Vorratsräume, Wirtschaftsräume; Klassenräume, Aula, etc. Darüber hinaus ist in den genannten Kollegien eine Raumverteilung nach funktionellen Gesichtspunkten feststellbar: innerhalb der Kollegbauten finden sich Verwaltungs- und Versorgungsräume in den unteren Gebäudeebenen. Die Zimmer für den Rektor, Provinzial, die Bibliothek befinden sich dagegen in den oberen Stockwerken; vgl. auch die Lage der Aula (bzw. Kongregationssaal) in den Obergeschossen der Schulgebäude.

Nachdem bereits im Grundsätzlichen das Vorhandensein von allgemein gültigen Raum- und Funktionsprogrammen festgestellt wurde, lässt sich auch konkret für die maximilianischen Kollegbauten die Entsprechung und Übereinstimmung der ausgeführten Bauten mit den allgemeinen Bauvorschriften der Jesuiten, was deren institutionellen und deren funktionalen Anteil betrifft, bestätigen.

Die maximilianischen Kollegien entsprachen - wiewohl es unter ihnen durchaus auch Schwankungen in der Personenzahl und der Ausbaugrösse gab - im wesentlichen dem Typus der mittleren Kollegausbaustufe. Den Neu- und Umbauten der Jahrzehnte zwischen 1660 bis 1690 lagen dann bereits wieder andere Bedarfszahlen und Voraussetzungen zugrunde als noch einige Jahre zuvor unter Maximilian I.

Dies hatte Folgen für das Bauvolumen und den Ausbau der Kollegarchitekturen: die einzelnen Bauabschnitte wurden grösser geplant als zunächst unter Maximilians I. in den Gesamtplanungen vorgesehen: Die Ausführung der Bauten in Burghausen, in Amberg, in Mindelheim wich damit des öfteren von den früheren, unter Maximilian I. erfolgten Planungen der Bauten von 1630 ab.

Trotz dieser Abweichungen ist aber festzustellen, dass die unter Maximilian I. entstandenen Gründungspläne nicht vollkommen aufgegeben wurden und im Prinzip weiterhin gültig blieben.

3.1 Die Beschreibung der Einzelgebäude der maximilianischen Kollegien

Die Beschreibung der maximilianischen Kollegien541 Mindelheim, Burghausen, Landshut, Amberg und Straubing erfolgte nach gemeinsamen Kriterien542.

Schwerpunkt der Bearbeitung sind im wesentlichen die noch sichtbaren Teile der Anlagen mit der Würdigung des Altbestandes und den unter Maximilian entstandenen Neubauten von Kirchen, Schulen und Kolleggebäuden der jeweiligen Kolleganlage und der bauplastischen Dekorationen der Aussenfassaden des 17. Jahrhunderts, insbesondere der Kirchen und der Kollegbauten.

Die Beschreibung der Kollegienbauten stützte sich dabei u.a auf Abbildungen mit dem Bauzustand der Kolleganlagen in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts543.

Zusammenfassung

Die Gründung der Kollegien Maximilian I. begann 1618/22 mit der Errichtung des Kolleges Mindelheim und wurde verstärkt in den Jahren 1629/30 fortgesetzt mit der Gründung der Kollegien in Burghausen, Landhut, Amberg, bzw. 1631 in Straubing. Die Gründungswelle stand im Zusammenhang mit der besonderen Kollegpolitik Maximilians und dessen Absichten nach dem Ausbau der Infrastruktur seines Staates585.

Die Kolleggründungen fanden während einer für Bayern günstigen politischen und militärischen Lage statt. In dieser Phase um 1630 erfolgten umfangreiche, grosszügige Bauplanungen mit umfangreichen Raumprogrammen für die Kollegien Burghausen, Landshut, Amberg und auch Mindelheim. Gleichzeitig wurden die erforderlichen finanziellen Mittel zusammengetragen durch Absprachen mit den zuständigen Finanzbehörden, den Diözesanverwaltungen, den Städten und durch die Ausweisung von Stiftungen durch Maximilian selbst und weitere Stifterpersönlichkeiten.

Es ist davon auszugehen, dass das in den Gründungsurkunden der maximilianischen Kollegien vorgesehene Bauvolumen auch in den in den Urkunden dafür genannten Fristen umgesetzt werden sollte. In den Jahren zwischen 1626 und 1651 erfolgten konkrete Baumassnahmen: Der Bau der Kollegkirchen in Burghausen und Landshut und der Baubeginn der dortigen Kollegbauten, der Neubau des Westtraktes (1630/31) in Mindelheim; die Raumordnung und Baubeginn des Kollegbaues in Amberg (1630/31). Die 1632/34 auch Bayern berührenden Kriegshandlungen unterbrachen den Fortgang des Kollegausbaues. Nur vereinzelt wurden begonnene Arbeiten zuende geführt, so der Bau der Kollegkirche in Landshut (1636 bis 1641), der Kollegbau, 1. Abschnitt (1643/44) in Burghausen und der dortige Kirchengang (1651/52) und die Umbauten für das Kolleg Straubing.

Erst Anfang der 1660er Jahre wurde der Ausbau der von Maximilian I. gegründeten Kollegien fortgesetzt: 1662/64 erfolgte der Schulneubau in Burghausen, der Kollegbau in Landshut, 1. Abschnitt (1665/68); der Bau des Kolleg-Osttrakts (1668/69) und des Querbaues (1670/71) in Mindelheim; der Kollegbau Amberg (1665/69), der Sakristeibau (1672); der Um- und Neubau am Kolleg Straubing (1666/67); der Gymnasiumbau Amberg (1672/74); der Kollegbau, 2. Abschnitt Burghausen (1682ff.); der Kollegbau-Westtrakt (1684/91) in Amberg.

Die Übersicht über das Bauvolumen der unter Maximilian I. gegründeten Kollegien im 17. Jahrhundert zeigt: Um 1630/31 ist ein Höhepunkt in der Planungs- und Bautätigkeit der maximilianischen Kolleggründungen zu verzeichnen. Die Bautätigkeit sank als Folge des Übergreifens des Krieges auch auf Bayern ab 1632 zunächst auf einen Nullpunkt und blieb während der Fortdauer des Krieges bis 1648 auf niedrigem Niveau. Nach einer Erholungsphase von den Kriegsauswirkungen stieg das Bauvolumen ab 1655 wieder kontinuierlich an. Im Zeitraum zwischen 1665 und etwa 1690 erreichte der Stand der Bautätigkeit an den Kollegien, deren Gründung und Planung auf Kurfürst Maximilian I. zurückgeht, erneut ein hohes Niveau. Erst in diesem Zeitraum erfolgte die vollständige Durchführung der bereits unter Maximilian I. vorgenommenen Planungen zum Kollegausbau.

Das Volumen der im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts errichteten Kollegbauten wurde gegenüber den Planungen Maximilians I. durch die Ausführung zusätzlicher Raumkapazitäten noch ausgeweitet. Diese Erweiterung des ursprünglich unter Maximilian I. geplanten Bauvolumens erfolgte in Anpassung an die zwischenzeitlich gestiegenen Auslastungs- und Frequenzzahlen der Kollegienniederlassungen.

3.2 Die Architektur der Einzelgebäude der maximilianischen Kollegien

Die Kollegien Maximilian I. in Mindelheim, Landshut, Burghausen, Straubing und Amberg wurden in der zurückliegenden Darstellung beschrieben in einem Bauvolumen, den diese Kollegien bis Ende des 17. Jahrhunderts einnahmen586. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wichtige Gebäude und Gebäudetrakte errichtet worden, die auch späterhin die Erscheinung der Kollegien prägten.

Unter der Regierung Kurfürst Maximilians I. entstanden umfangreiche Planungen für den Kollegneubau in Burghausen, Landshut und Amberg. Davon wurden aber nur wenige Neubauten, wie die Kirchen in Burghausen (mit Kirchengang 1651/52) und Landshut, der Kollegbau in Mindelheim (Westtrakt), in Burghausen (1. Bauabschnitt) ausgeführt.

Eine andere Gruppe von Kolleggebäuden bildeten die den Jesuiten übergebenen Altbauten, die für deren Nutzung umgebaut wurden. Diese Altbauten waren Kirchengebäude in Amberg (St. Georg), Mindelheim (Mariä Verkündigung) und Straubing (Unsere Liebe Frau). Die Intensität des Ausbaues schwankte zwischen Eingriffen, die nur den Innenausbau der Gebäude betrafen (Amberg) bis hin zu massiven Eingriffen in die vorhandene Altbausubstanz (Mindelheim, Straubing). Dies trifft auch für Gebäude zu, die nach dem Umbau als Kollegien und Gymnasien verwendet wurden, wie in Mindelheim, Burghausen, Straubing.

Die Fortsetzung des Ausbaues dieser unter Maximilian I. gegründeten Kollegien erfolgte unter seinem Nachfolger Kurfürst Ferdinand Maria (reg. 1651/54 bis 1679) durch die Errichtung weiterer Neubauten in Burghausen, Landshut, Mindelheim und Amberg. Viele Anregungen, die in den unter Maximilian erfolgten Planungen grundgelegt waren, wurden bei diesen späteren Neu- und Ausbauten berücksichtigt und weiterverfolgt. Der Kollegienausbau in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgte damit weitgehend auf der Grundlage der »maximilianischen« Kolleggründungspläne.

Die Kollegbauten, also Kirchengebäude, Kollegtrakte und Schulgebäude werden in der folgenden Darstellung gewürdigt. Ein zentrales Anliegen bei dieser Charakterisierung der »maximilianischen« Kollegarchitekturen ist die Behandlung der kunsthistorischen Stellung der Kollegbauten Kurfürst Maximilians I. in ihrem Verhältnis zum Kolleg und zur Kirche St. Michael in München als der zentralen, in der Regierungshauptstadt gelegenen Hauptanlage des Jesuitenordens in Bayern.

Kirchengebäude

Die Kirchenarchitektur der jesuitischen Kollegbauten stellt den Bereich dar, an dem die Prinzipien des maximilianischen Kunstprogrammes innerhalb der Kollegarchitektur am deutlichsten zur Darstellung kommen.

Mit St. Michael war in einer innovativen Bauleistung eine aussergewöhnliche Kirchenarchitektur mit einem tonnengewölbten Einheitsraum geschaffen worden. Dieses Beispiel strahlte auf den Bau und die architektonische Gestaltung der unter Maximilian I. entstandenen Jesuitenkirchen aus. Insbesondere die Jesuitenkirchen in Burghausen 1630/31 und Landshut 1631ff. sind als direkte Nachfolgebauten von St. Michael zu bezeichnen587. Bei beiden Kirchenbauten ist der Bezug zu St. Michael in München deutlich nachzuweisen. H. J. Sauermost konstatiert die architektonische Abhängigkeit der beiden Jesuitenkirchen in Burghausen und Landshut von St. Michael in München und bezeichnet diese als »Nachfolgebauten« von St. Michael588.

Die Kirche St. Josef in Burghausen nimmt Motive von St. Michael auf, jedoch in einer eigenständigen und einer auf den kleineren architektonischen Maßstab der Verhältnisse in Burghausen bezogenen Ausführung. Der originale Bauzustand von St. Josef wurde nach einem Brand im 19. Jahrhundert verändert.

Wichtige Momente der Charakterisierung von St. Josef in Bezug auf St. Michael sind in der Aussenansicht die Ausbildung der Pultdächer der Langhausseiten oder der Aufbau der Fassaden.

St. Josef und Kolleg, Westfassade
Burghausen, St. Josef und Kolleg, Westfassade

Eine weitere Parallele der Jesuitenkirche in Burghausen zu St. Michael ist die Anlage des längsgestreckten Kirchenschiffes589.
Die Jesuitenkirche St. Josef in ihrem ursprünglichen Zustand war eine Wandpfeilerkirche mit einem vierjochigem Langhaus und zweieinhalbjochigem Chor.

St. Josef, ehemalige Jesuitenkirche mit Stanislauskapelle und Kirchengang, Grundriss
Burghausen, St. Josef, ehemalige Jesuitenkirche mit Stanislauskapelle und Kirchengang, Grundriss

Auf den Bezug zu St. Michael verweisen auch Elemente der Innenarchitektur, wie die Tonnenwölbung, der Chorbogen oder die Proportionierung der Raumverhältnisse.

Zeichnung der Westwand der ehem. Jesuitenkirche St. Josef, um 1863
Burghausen, Zeichnung der Westwand der ehem. Jesuitenkirche St. Josef, um 1863

Diese Architekturdetails weisen auf den Bezug zu St. Michael hin, wie auch die ursprüngliche bauplastische Ausstattung mit Quadraturstuck an der Gewölbetonne oder die Pilaster mit korinthischen Kapitellen (mit Gliederungselementen aus Ton gebildet, wie auch in St. Michael) in der Seitengliederung der Innenwände. In Anlehnung an St. Michael erfolgte wohl auch die Übernahme dieser Elemente der Innendekoration.

Die Stukkierung der Tonnengewölbe im 17. Jahrhundert bestand aus einfachem Rahmenwerk. Die Farbfassung des Innenraumes wurde einheitlich in einem Weisston gehalten. Das Vorbild St. Michael zeigt sich bei St. Josef auch in Details des Aussenbaues.

St. Josef, Hauptfassade
Burghausen, St. Josef, Hauptfassade

St. Michael, Fassade
München, St. Michael, Fassade

Die Anlehnung der Kirchenfassade St. Josef an das grosse Vorbild St. Michael in München ist, bei einigen bedeutsamen Unterschieden, nicht zu übersehen590. »Die erhaltene Fassade [von St. Josef] freilich gibt sich als vereinfachter Ableger von St. Michael rürend provinziell, wenn man sie nicht als Demonstration der Ordenszugehörigkeit verstehen will«591.

Die Fassade wurde, wie 1629 nach München berichtet wird, aus städtebaulichen Gründen »mehrers prospects halb gegen die Stadt« angelegt592.

Auch die Jesuitenkirche St. Ignatius in Landshut lässt in der Anlage des Kirchengrundrisses mit einer Wandpfeilerstruktur und der Architekturgliederung des Innenraumes die Nähe zu St. Michael erkennen.

Plan Kolleg 19. Jh. mit Innen- und Aussen-Ansichten der Kirche
Landshut, Plan Kolleg 19. Jahrhundert mit Längsschnitt und Aussen-Ansichten der Kirche

Auch die Innenarchitektur von St. Ignatius lehnt sich eng an St. Michael in München an mit der Bildung eines fünfjochigen Langhauses mit Tonnengewölbe und dem eingezogenem tonnengewölbtem Chor und mit der Bildung des zweistöckigen Aufbaues der Seitenwände des Langhauses. Der Emporenaufbau wie auch die Anlage der Kapellen weichen zwar in einzelnen Details von St. Michael ab. Jedoch ergibt sich im Raumbild eine grosse Übereinstimmung mit der Münchener Jesuitenkirche.

St. Ignatius, Blick in den Chor
Landshut, St. Ignatius, Blick in den Chor

Gemeinsamkeiten zeigen sich in der Anwendung von Pilastern, Gesimsen, Gurtbögen, die weisse Fassung des Kirchenraumes (später farbig abgesetzt) und auch die Verwendung von Skulpturen an den Kircheninnenwänden, etc., also Elementen der »modernen« Architektursprache.

St. Michael, Blick zum Hochaltar
München, St. Michael, Blick zum Hochaltar

Auch Elemente der plastischen Innenausstattung verweisen auf das Vorbild in München. Hier sind hervorgehoben die Ausstattung der Gewölbetonnen mit Quadraturstuck zu nennen.

München, St. Michael, Chor, Tonnengewölbe
München, St. Michael, Chor, Tonnengewölbe

St. Ignatius, Blick auf das Tonnengewölbe
Landshut, St. Ignatius, Tonnengewölbe im Chor

Der Aussenaufbau und die Aussengliederung von St. Ignatius stehen in keinen direktem Zusammenhang mit St. Michael, abgesehen von der Bildung des hohen Satteldaches und des tiefgestaffelten Chores.

St. Ignatius, Nordfassade
Landshut, St. Ignatius, Nordfassade

Die zur Strasse gelegene Nordfassade der Kirche besitzt eine eigenwillige architektonische Gliederung mit einer Spätrenaissanceordnung; sie wurde wohl entfernt von der Gliederung der östlich gelegenen Strassenfassade von St. Michael angeregt.

St. Michael, Ansicht von Nordosten
München, St. Michael, Ansicht von Nordosten

Die Seitenfassade (West) von St. Josef nimmt einzelne Elemente von St. Michael in München auf und reduziert sie auf den Maßstab eines geringer dimensionierten Kichenbaues.

St. Josef und Kolleg, Westfassade
Burghausen, St. Josef und Kolleg, Westfassade

Die Gestaltung der Aussenfassaden der Mindelheimer Jesuitenkirche (um 1625/26) überträgt erstmalig ein Gliederungssystem mit Renaissance-Bestandteilen wie Pilaster, Gesims, Putzrahmung in eine landständische Stadt wie Mindelheim.

Kirche von Süden
Mindelheim, Kirche von Süden

Unter Maximilian I. erfolgte der Umbau der vorhandenen gotischen Vorgängerkirche in Mindelheim zu einer Kollegkirche (Umbau des Langhauses 1625 mit Einbau der Wandpfeiler, mit eingezogenem Chor).

Das Innere der Kollegkirche in Mindelheim lässt sich nach Umbauten im 18. Jahrhundert nur noch eingeschränkt rekonstruieren. Der Kirchenumbau von 1721/22 bewirkte eine nachhaltige Umgestaltung des Langhauses. Jedoch verweisen Elemente der Innenausstattung wie das Chorgestühl (um 1625) und Reste von Quadraturstuck (hinter dem Altar) in den strengeren Formen der Spätrenaissance/Frühbarock auf eine an St. Michael orientierte, bauplastische Ausstattung (Darstellung vom Stuckornament siehe Architektur Mindelheim.

Die Jesuitenkirchen in Amberg und Straubing, beide in ihrer Raumstruktur ursprünglich gotische Kirchenbauten, stehen in keinem direktem Zusammenhang mit St. Michael. St. Georg in Amberg erhielt ab Mitte des 17. Jahrhunderts eine barocke Innenausstattung (ab 1652 Weisstönung des Kircheninnenraumes).

Die Raumstruktur der Jesuitenkirche Straubing wurde 1680 ff. umgestaltet. Es erfolgte die Veränderung der Gewölbestruktur (Ausbrechen der Innensäulen und Entfernung der gotischen Mittelstützenstruktur) und die Umformung zu einem Einheitsraum in Annäherung an das Vorbild von St. Michael in München.

Kolleggebäude

Die unter Kurfürst Maximilian I. erstellten Kolleggebäude in Mindelheim (Westtrakt, 1630)

Kolleg, Innenhof
Mindelheim, Kolleg, Innenhof

und Burghausen (1. Bauabschnitt, 1643/44)

Kolleg, Ostfassade, mit Gymnasium
Burghausen, Kolleg, Ostfassade, mit Gymnasium

sind schlichte, funktionale Gebäude593. Die Bauten bestehen aus langgestreckten, dreistöckigen Gebäüdekubaturen mit hochschmalen Proportionen mit je einem Satteldach und einem Kellergeschoss. Sie besitzen damit eine miteinander vergleichbare architektonische Grundstruktur. In ihrer hochschmalen Anlage entsprechen sie den Bauten des Kolleges München, insbesondere dem 1589ff. errichteten Nordtrakt des Münchener Kolleges.

Kolleg, Nordtrakt und Turm, um 1590
München, Kolleg, Nordtrakt und Turm, um 1590

Die Kollegbauten sind auch mit den in hochschmalen Proportionen erbauten Gebäudetrakten der Residenz in München (vgl. Westflügel, erbaut zwischen 1607 bis 1619) vergleichbar.

Die unter Maximilian I. entstandenen Fassaden der Kollegien weisen eine zurückhaltende, dem Erscheinungsbild der Konventgebäude jedoch angemessene Aussengliederung auf. Die Eingänge besitzen eine Architekturrahmung in den Formen der »modernen« Architektur mit Gesimsen und Giebelfeldern. Die Fensteröffnungen waren durch eine Putzfassung gerahmt; die Stockwerke wurden durch Sohlgesimse voneinander geschieden. Es gibt Anhaltspunkte für die stellenweise Bemalung der Fassaden mit Architekturmotiven594.

Für die unter Ferdinand Maria in der 2. Jahrhunderthälfte errichteten Kolleggebäude in Landshut (Kolleg- und Gymnasiumbau)

Kolleg, Ostflügel
Landshut, Kolleg, Ostflügel

und in Mindelheim (Osttrakt, Verbindungsbau) ist bezüglich der Gebäudestruktur der Bauten eine breitere Gebäudeproportionierung festzustellen. Diese genannten Gebäude weisen damit nicht mehr, wie noch unter Maximilian I., eine hochschmale Proportionierung auf (vgl. Mindelheim, Osttrakt; Landshut, beispielsweise Westtrakt; Amberg, Kollegtrakt).

Es ergibt sich folgendes Bild von der Ausführung der unter Kurfürst Maximilian I. errichteten Kolleggebäude:
Die Ausführung der Kolleggebäude der maximilianischen Kollegien waren in erster Linie an der Erfüllung funktionaler Anforderungen orientiert. Die Kollegarchitekturen weisen einfache Architekturformen im Stil der Spätrenaissance auf. Die zurückhaltende Verwendung bauplastischer Elemente entsprach dem privaten Charakter der Gebäude als Wohn- und Aufenthaltsort der Ordenskommunität und stand damit in Übereinstimmung mit dem Angemessensheits-Postulat (»Decorum«) der frühneuzeitlichen Architekturlehre. Die Gebäudekonstruktionen der Kollegbauten wurden solide ausgeführt. Sie entsprachen damit den Ordensvorschriften mit ihrer Forderung nach einer stabilen und dauerhaften Bauausführung der Ordensbauten.

Schulgebäude

Während der Regierungszeit Maximilians I. (1598 bis 1651) konnte bei den neugegründeten Kollegien kein einziges Schul- oder Gymnasiumgebäude als Neubau realisiert werden. Nach erfolgter Kolleggründung wurden zunächst Altbauten zu Lehrzwecken instandgesetzt, bzw. umgebaut. Bei diesen Umbauten ist keine architektonisch oder bauplastisch hervorgehobene Gestaltung feststellbar.

Erst in der zweiten Jahrhunderthälfte entstanden unter Ferdinand Maria Schulneubauten.

Die Errichtung des Gymnasiums Mindelheim erfolgte in den Jahren 1656/59; weitere Umbauten folgten.

ehemaliges Gymnasium
Mindelheim, ehemaliges Gymnasium

Ein Beispiel ist das Gymnasiumgebäude des Kolleges Burghausen. Der in den Jahren 1662 bis 1664/66 ausgeführte Neubau wurde als einzelstehendes Gebäude im östlich gelegenen Teil des Kolleggeländes errichtet.

Plan Fassade des Gymnasiums 1663
Burghausen, Plan Westfassade des Gymnasiums, 1663

Dieser Gymnasiumbau zeigt ausgewogene Architekturproportionen auf. Der Haupteingang ist bauplastisch durch eine aufwendige Portalanlage mit rustizierten Pilastern zu beiden Seiten, Gesims und gesprengte Giebel mit Inschriftenfeld hervorgehoben595.

Der Gymnasiumtrakt des Kolleges Amberg, im südlichen Teil der Kolleganlage gelegen, wurde 1672 bis 1674 errichtet.

Der östliche Kollegflügel bildet zusammen mit dem Gymnasiumtrakt eine lange, gemeinsam zur Stadt hin gelegene Gebäudefront mit neununddreissig Fensterachsen.

Ansicht von Nordwesten
Amberg, Ansicht von Südosten

Die Fassade des Schulbaues wurde in die Gesamterscheinung der Hauptfront des Kolleges miteinbezogen. Als architektonische Gestaltungselemente sind die beiden Giebelaufsätze mit Voluten an der Süd- und Nordseite hervorzuheben. Der Gymnasiumstrakt weist durch bauplastischen Dekor (s. Fensterumrahmungen) eine aufwendigere Durchgliederung auf als der nördlich gelegene Kollegtrakt. Die Lage des Kongregationssaales wird zudem durch Ovalfenster besonders hervorgehoben.

Wie in Amberg, so ist auch der in den Jahren 1689 bis 1691 ausgeführte, an der Nordseite des Kolleges Landshut gelegene Gymnasiumbau kein selbständiger Funktionsbau, sondern als Funktionsteil in die Gesamtanlage der Kollegarchitektur miteinbezogen.

Kolleg Landshut, Westfassade, mit Blick zur Kirchenfassade
Landshut, Westfassade, mit Blick zur Kirchenfassade

Der Gesamterscheinung der Gebäudefronten entspricht der zurückhaltende architekturplastische Schmuck. Ein Portal kennzeichnet den Eingang zur Schule. Die Lage des Kongregationssaales wird durch die zusätzlichen Ovalfenster und einen Dachreiter gekennzeichnet.

Die Gymnasienbauten der unter Maximilian I. gegründeten Jesuitenkollegien wurden, so ist zusammenfassend festzustellen, ausschliesslich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet. Sie besassen dienende Funktionen für die Unterrichtung der Schüler und Studenten; sie lagen daher an von aussen gut zugänglichen Plätzen. Die Schulgebäude nahmen aufgrund ihres öffentlichen Charakters darüber hinaus auch repräsentative Aufgaben wahr.

Die Aulen bzw. Kongregationssäle waren als Orte öffentlicher Veranstaltungen in die Schulbauarchitektur integriert.

Kongregationssaal
Amberg, Kongregationssaal

Burghausen, Kongregationssaal, Aula
Burghausen, Kongregationssaal und Aula

Der gestalterische Anspruch der Gymnasiumarchitektur zeigt sich in Burghausen in der aufwendigen bauplastischen Ausstattung des Gymnasiumbaues. Die Gymnasien-Architekturen folgten damit den Forderungen der zeitgenössischen Architekturtheorie nach einer der Funktion und dem gesellschaftlichen Stand der Gebäude angemessenen Gesamtgestaltung der Schulbauten.

4. Die Architektur der Gesamtanlagen der maximilianischen Kollegien

Der Schwerpunkt der Darstellung lag auf der Beschreibung der Kollegien-Architektur Maximilians I. in ihrer Eigenschaft als Gesamtanlagen. Die Darstellung der Kolleganlagen stützte sich auf die unter Maximilian I. in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstandenen Planungen sowie die nachfolgend unter Maximilian I. und seinem Nachfolger errichteten Bauten596.

Zusammenfassung

Kurfürst Maximilian I. förderte als Landesherr aktiv die Ansiedelung neuer jesuitischer Ordensniederlassungen in Bayern an den Standorten Mindelheim, Burghausen, Landshut, Amberg und Straubing.

Die Bemühungen zum Grunderwerb für den Bau neuer Kollegien wurden intensiv von landesherrlicher Seite her unterstützt. Es gelang dem Landesherrn in allen Fällen, in relativ kurzen Fristen zusammenhängende Areale für die Kolleganlagen zu erwerben. Dabei ist offensichtlich, dass Maximilian I. gleichsam in der Funktion eines Bauherrn planend und ordnend in das Geschehen eingriff und die Wahl und den Erwerb der Bauplätze und damit die Anlageform der Kollegien entscheidend mitbestimmte.

Die architektonische Ausformung der Kolleganlagen in Mindelheim, Burghausen, Landshut, Amberg und Straubing und der einzelnen Kollegarchitekturen wurden durch die Erwerbsumstände vor Ort und, damit in Verbindung stehend, von der daraus resultierenden städtebaulich-topographischen Lage geprägt.

Nur ein Teil der ursprünglichen, unter Maximilian I. entstandenen Planungsvorhaben konnte während der Regierungszeit Maximilians I. auch architektonisch umgesetzt werden. Die Ausführung der Kollegbauten und der Ausbau der Kolleganlagen wurde durch den Krieg unterbrochen. Der Ausbau wurde aber unter den Nachfolgern Maximilians fortgesetzt. Trotz dieses zeitlich verzögerten Ausbaues ist - wie die Untersuchung zeigt - das Fortwirken der unter Maximilian I. erfolgten Planungen mit Auswirkung auch auf die spätere Anlageform der Kolleganlagen festzustellen.

Die Anwendung des »vitruvianischen« Begriffssystems auch bei den Gesamtanlagen der Jesuitenkollegien stand in einem direkten Konnex mit der Öffentlichkeitswirksamkeit dieser Anlagen.

Die Anordnung der Einzelbauten eines Kollegs zur Gesamtanlage sollte unter Berücksichtigung eines architektonischen »Regelmasses«644 im Sinne der »buone regole dell'architettura« erfolgen. Die Anwendung dieses »Regelmasses« bei den Gesamtanlagen der jesuitischen Kollegien Wilhelms V., wie dem Kolleg München,

Kolleg München, Grundriss Kolleganlage, um 1650
München, Grundriss Kolleganlage, um 1650

und Maximilians I. zeigt sich in der Zuordnung der einzelnen Baukörper zueinander wie auch der Bauanlage insgesamt. Die Anlage der Kollegbauten und der einzelnen Funktionskörper erfolgte in der Baupraxis in möglicher Annäherung an das Quadrangularschema645.

Die Kolleganlage Burghausen entsprach, nach dem unter dem Einfluss des unter Maximilian I. entwickelten Planes von 1629/30, in ihrer geschlossenen, regelmässigen Form dem Leitbild einer repräsentativen, formal und gestalterisch durchgeformten Anlage.

Plan 1629/30
Burghausen, Plan 1629/30

Der erste Plan entstand wohl in Anlehnung an das Vorbild des Münchener Kollegs.

Die Ausführung der Anlage wurde zunächst durch den Krieg unterbrochen. Die spätere Bauausführung folgte dann stark funktionell-pragmatischen Erwägungen in Form der Errichtung eines grossen Gymnasiumbaues und der Anlage eines rückwärtig gelegenen Wirtschaftshofes. Die realisierte Kolleganlage folgte damit nicht mehr dem Quadrumschema; sie war jedoch - im Sinn der funktionellen Orientierung des Ordens und der Bauvorschriften des Ordens - den Zwecken des Ordens besser angepasst. Durch das Zusammenwirken der architektonisch durchgestalteten Einzelarchitekturen von Kirche, Kolleg und Gymnasiumbau wurde dennoch eine repräsentative Gesamterscheinung des Kolleges erzielt.

Die Realisierung der Anlage des Kolleges Landshut orientierte sich weitgehend an den maximilianischen Vorplanungen.

Plan Kolleg 1664
Landshut, Plan Kolleg, 1664

Es entstand ein Kolleg mit einer einheitlichen Gesamtanlage, in dem die gestalterisch-ästhetischen Vorstellungen der Planungen Maximilians I. umgesetzt werden konnten. Der Kolleg- und Gymnasiumtrakt wurde regelmässig angelegt und weist eine einheitliche Fassadengestaltung auf. Die herausgehobene Erscheinung des Baues wurde von den Zeitgenossen gewürdigt, bzw. aufgrund seiner Grösse als »templum elephans« kritisiert646.

Das Kolleg Landshut kann als ein Beispiel einer einheitlich konzipierten und auch baulich verwirklichten Repräsentativanlage bezeichnet werden. Die 1629/30 unter dem direkten Einfluss Maximilians geplante Kolleganlage entsprach in ihrer Gestaltung der Vorstellung einer repräsentativen und gestalterisch durchgeformten Anlage, in Anlehnung an das Vorbild des Münchener Kolleges.

Die Errichtung einer einheitlich, regelmässig ausgebauten Kolleganlage trifft - mit Einschränkungen - auch für das Kolleg Amberg zu.

Die Grundlagen für den Ausbau des Kolleges Amberg wurden durch die Kollegplanung Maximilians I. geschaffen.

Prima Forma 1629/30
Amberg, Prima Forma, 1629/30

Die Bauausführung erfolgte jedoch in wesentlichen Zügen erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die unter Maximilian I. 1629/30 geplante Gesamtdisposition der Anlage wurde auch bei deren späterer Bauausführung in den wesentlichen Grundlinien eingehalten. Dies belegt etwa die Anlage der langgestreckten Hauptfront des Kolleges. Der Ausbau des Kollegtraktes in Form eines Quadrums (1665 bis 1691) trat jedoch gegenüber der ersten Planung von 1629/30 neu hinzu. Die Funktionsbereiche sind deutlich voneinander abgetrennt in verschiedenen Gebäudetrakten untergebracht. Der spätere Kollegausbau in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgte mit Blick auf die architektonische Gesamtwirkung der Anlage.

Das Amberger Kolleg ist eine grosszügige Bauanlage mit einer repräsentativen Erscheinung.

Das Kolleg Mindelheim war in seiner Anlage durch die Übernahme der Strukturen der älteren Klosteranlage bereits weitgehend festgelegt.

Planung Kolleg
Plan 1629/30
Mindelheim, Planung Kolleg, Plan 1629/30

Der maximilianische Gesamtplan von 1629/30 folgte daher den vorgegebenen und baulich bereits geordneten Anlagestrukturen. Die vorhandenen Altbauten wurden im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts sukzessive durch die Kollegneubauten ersetzt. Maximilian I. und die Jesuiten konnten beim Kollegausbau an diese Baustruktur anknüpfen. Vorhandene Altbauten (Kirche, Altbau) wurden umgebaut bzw. durch Neubauten erweitert (Westtrakt) oder ersetzt (Osttrakt, Verbindungsbau). Das Kolleg entsprach damit auch in gestalterischer Hinsicht dem Leitbild einer geordneten und regelmässig aufgebauten Kolleganlage.

Für die Niederlassung Straubing (Residenz seit 1631, Kolleg seit 1650) wurden unter Maximilian I. zunächst vorhandene Gebäude zur Residenz umgebaut.

Plan mit Bestand, Umbau der Residenz 1631
Straubing, Bestand mit Planung zum Umbau als Residenz, 1631

Auch bei der späteren Einrichtung der Kolleganlage wurde keine Neuplanung der Gesamtanlage betrieben647.

Kolleg Straubing, Idealplanung und Grundriss, Bestand, J. Hörmann, 1684 Kolleg Straubing, Idealplanung und Grundriss, Bestand, J. Hörmann, 1684

Die Anlage ist damit nicht das Ergebnis einer unter Maximilian I. erfolgten ordnenden, einheitlichen Planung, sondern ging aus einem sukzessiv erfolgten Um- und Ausbauprozess hervor. Die Errichtung einer einheitlichen und geschlossenen Architektur unterblieb in der Folgezeit. Bei infolge der Kriegsumstände und unsicherer Finanzierung erschwerten Ausgangsbedingungen wurde eine Kolleganlage ausgebaut, die zunächst vor allem den funktionalen Anforderungen genügte.

Erst um 1684 entwickelte J. Hörmann einen Idealplan der Kolleganlage Straubing. Durch die Anlage von Neubauten (1702/1725) konnte erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts das Kollegareal abgerundet und dem Leitbild den einer um einen Innenhof geordneten Anlage angenähert werden.

5. Ergebnis der Untersuchung

Im Ergebnis lässt sich über in der Regierungszeit Kurfürst Maximilians I. gegründeten Kolleganlagen festhalten:

Stärker noch als die an der Landesuniversität Ingolstadt gelegene Kolleganlage wirkte das Kolleg München auf die von Kurfürst Maximilian I. gegründeten Kollegien ein als Modell einer regelmässigen und einheitlich angelegten Kolleganlage. Dieses Vorbild wurde in der Folge, wenn auch eingeschränkt durch topographische und politische und auch finanzielle Faktoren, auch für den Kollegienbau unter Maximilian I. prägend.

Die unter Maximilian I. erfolgten Planungsaktivitäten zu den Kolleggründungen zeigen deutlich die Tendenz zur Schaffung von einheitlich angelegten Kolleganlagen.

Die Realisierung gelang in Landshut und Amberg, dann in Abwandlung auch in Burghausen und Mindelheim. An diesen Orten entstanden regelmässige, einheitlich konzipierte Kolleganlagen nach den unter Maximilian I. entstandenen Plänen. In Mindelheim war bereits eine geeignete Vorbebauung vorhanden, deren Strukturen weiter genutzt werden konnte. Im Fall Straubing verhinderte der späte Gründungstermin und die erschwerte Finanzierung eine gründliche Neuordnung der Kolleganlage.

Die Abweichungen von den maximilianischen Plänen bei der Realisierung der Kolleganlagen wurden bedingt durch das Einfügen neuer Funktionsbereiche648 in das ursprüngliche Plankonzept und das infolge der langen Realisierungszeit der Kollegien zwischenzeitlich veränderte Nutzungsprofil der Kollegien.