Kunst und Architektur unter Wilhelm V. und Maximilian I.

1. Einführung
2. Die Errichtung von St. Michael und des Kollegs München
3. Architektonische Vorbilder für St. Michael
4. Beispiele für die Beeinflussung der jesuitischen Kirchenarchitektur durch die Wittelsbacherfürsten
5. Die Bedeutung der Wittelsbacherfürsten für die Durchsetzung der »modernen, italienischen« Kunst in Bayern
6. Der Einfluss der zeitgenössischen Staatslehren auf die wilhelminisch-maximilianische Kunst

1. Einführung

Vorangehend wurde - entsprechend der Fragestellung - der Einfluss der Bauherren auf die Bauausführung der Kollegien Maximilians I. behandelt. Ausgehend von den Bauvorschriften des Ordens erfolgte die Erfassung der funktionalen und architektonischen Grundstrukturen des Kollegbaues der Gesellschaft Jesu unter Maximilian von Bayern. In diesem Kapitel folgt nun die Interpretation der erarbeiteten Ergebnisse, der Aspekt der architektonischen Gestaltung wird dazu noch einmal aufgenommen. Diese Weiterbearbeitung erfolgt unter der besonderen Hervorhebung der Art und Weise der Einflussnahme des bayerischen Fürstenhofes auf die Gestaltung der Kollegarchitektur.

Die Untersuchung der Kollegarchitekturen ist eingebettet in den grösseren Zusammenhang der Bildenden Kunst der Regierungszeit der Wittelsbacherfürsten Wilhelm V. und Maximilian I. Dieser Zeitabschnitt wurde als »wilhelminisch-maximilianische Kunstepoche« tituliert: »Auch wenn man im Auge behält, dass Albrecht V. in mancher Hinsicht die Entwicklung einleitete und dass es nach dem Westfälischen Frieden eine zunächst durchaus enge Nachfolge gab, hebt sich die Zeit Wilhelms V. und Maximilians I. doch als eine relativ geschlossene Kunstepoche heraus«649.

Die Architektur der unter Wilhelm V. und Maximilian I. in Bayern entstandenen Kollegbauten wurde wesentlich von den Vorstellungen der Landesherren und des Jesuitenordens bestimmt650. Die Architektur der Kollegbauten wird daher hinterfragt auf die kunstprogrammatischen Absichten ihrer Erbauer vor dem Hintergrund der prägenden zeitgenössischen Kunst- und Herrschaftslehren. Es geht hier also um die Einbettung dieser Kollegarchitektur in den kunstprogrammatischen Kontext im Rahmen der fürstlichen Kunstpolitik Wilhelms V. und Maximilians I.

An den Kollegbauten der Gesellschaft Jesu kam eine Kunstprogrammatik zur Anwendung, die über die frühneuzeitliche Architekturlehre des »Vitruvianismus« mit den politischen Absichten der beiden Landesfürsten verbunden war. Dadurch wurden auch die Kolleggarchitekturen zu Ausdrucksträgern der kunst- und architekturpolitischen Bestrebungen dieser Landesherren.

Ausgangspunkt für die Behandlung der Gesamtthematik und damit auch für die Behandlung der unter Maximilian I. geplanten und ausgeführten Kollegarchitekturen ist die Architektur von St. Michael und des Kollegs in München. Der Einfluss Herzog Wilhelms V. auf die Gestaltung dieser Kirchen- und Kollegarchitektur ist evident. Unter dem massgeblichen Einfluss der Wittelsbacherfürsten entstanden im 17. Jahrhundert weitere Jesuitenkirchen in Auseinandersetzung mit der Kirchenarchitektur von St. Michael.

2. Die Errichtung von St. Michael und des Kollegs München unter Herzog Wilhelm V.

Der bayerische Herzog Wilhelm V. trug den wesentlichen Anteil am Entstehen der Kolleganlage und des Kirchenbaues.

Herzog Wilhelm V.
(reg. 1579-1597)
Herzog Wilhelm V. (reg. 1579 bis 1597)

Die Grundlagen für die Ausführung des Münchener Kolleges bilden vier Stiftungen, die vor und während der Bauausführung eingerichtet wurden.

Sog. Vierte Stiftungsurkunde
für das Kolleg München 1597
Sog. Vierte Stiftungsurkunde für das Kolleg München 1597

Die Architektur von St. Michael und des Münchener Kollegs wurde in der Folgezeit zum architektonischen und baukünstlerischen Maßstab für die Bauausführung der jesuitischen Kollegien unter Kurfürst Maximilian I.

St. Michael, Fassade
München, St. Michael, Fassade

Die Ästhetik der Bauanlage des Münchener Kolleges ist entsprechend ihrer Bedeutung für die jesuitischen Kollegien unter Maximilian I. zu würdigen:

Für die 1559 gegründete Ordensniederlassung München war die Einrichtung einer eigenen und dem Stand der Jesuiten angemessenen Ordenskirche erforderlich geworden651. Herzog Wilhelm V. griff den Antrag des Ordens zur Errichtung des Kirchenbaues im Jahr 1581 auf652. Die Errichtung des Münchener Ordenskolleges und der Jesuitenkirche St. Michael unter Wilhelm V. ab dem Jahr 1583 erfolgte im Bewusstsein der Bedeutung Bayerns und des Einsatzes seines Fürstenhauses gegen das Vordringen des Protestantismus in Deutschland für die Behauptung der römisch-katholischen Kirche im Reich. Dem Kirchenbau St. Michael wurde im Zusammenhang mit der erfolgreichen Beendigung des Kölner Konfliktes 1583653 die Eigenschaft eines »Siegesdenkmals« zugeschrieben.

Der erste Bauabschnitt mit der Errichtung des Langhauses des Kirchenbaues wurde 1583 bis 1590 ausgeführt654.

Stich, 1589, Heilige Familie vor dem
Kolleg München
Stich, 1589, Heilige Familie vor dem Kolleg München

Nach der Zerstörung des Chores durch den Einsturz des Kirchturmes erfolgte die Ausführung des zweiten Bauschnittes (1590/93 bis 1597) mit massgeblicher Förderung durch Wilhelm V.. In dieser Phase wurde das Querschiff und der neue Chor von St. Michael errichtet. Das erst kurz davor an dieser Stelle erbaute Schulgebäude wurde dazu abgebrochen.

St. Michael, Blick zum Hochaltar
München, St. Michael, Blick zum Hochaltar

St. Michael, Blick auf das Tonnengewölbe
München, St. Michael, Blick auf das Tonnengewölbe

Die Errichtung des Kolleges und der Kirche St. Michael in München erfolgte unter Führung Herzog Wilhelms V. Bei der Planung und Ausführung von St. Michael und des Münchener Kolleges arbeiteten Vertreter des fürstlichen Hofbauamtes und Baufachleute des Jesuitenordens eng miteinander zusammen655.

Der erste Bauabschnitt von St. Michael und des Kollegbaues wurde 1583 bis 1590 unter dem Baumeister Wolf Miller ausgeführt. Planung und Ausführung des zweiten Bauabschnittes erfolgte wesentlich und Leitung des im Dienste des Herzogs stehenden Kunstintendanten Friedrich Sustris.

Wilhelm V. wollte den Bau durch die Ausführung einer Kuppel mit darunterliegender herzoglicher Grablege zum Gegenstand seiner eigenen fürstlichen Repräsentationsabsichten machen. Das Grabdenkmal mit zahlreichen Bronzefiguren sollte dem Ruhm des Hauses Wittelsbach dienen656. Das Grabmal wurde nicht in der geplanten Form aufgerichtet. Auch das Kuppelprojekt kam nicht zur Ausführung656. Durch diese Projekte »wäre St. Michael primär Grabeskirche des Herzogpaares und nur noch sekundär eine Kirche der Jesuiten geworden«658. Die Pläne wurden wohl vom Orden abgelehnt, zumal die Bauvorschriften die Eignung des Kirchenraumes für die Ordenszwecke obenan setzten. Wilhelm V. konnte jedoch beim Bau der Kirche und der Gesamtanlage seine ästhetischen und ikonographischen Vorstellungen weitgehend durchsetzen - in grosszügiger Auslegung der Bauvorschriften des Ordens, die vor allem eine Entsprechung der Architektur mit den besonderen Ansprüchen des Ordens forderten.

Die Rolle Wilhelms V. bei der Errichtung wurde auch von den Zeitgenossen gewürdigt. So schreibt Philipp Hainhofer im Jahr 1611, das Münchener Kolleg sei »dass fürnembste Collegium inn gantz Europa, darumben dise patres alle allain Ihrer Dhlt. dem Herzog Wilhelm zu danckhen haben«659. L. Gmelin prägte zur Beschreibung des Anteils Wilhelms am Bau von St. Michael den Begriff des »Regiebaues«660.

Unter dem bestimmenden Einfluss Wilhelms V. entstand der Fassadenschild der Michaelskirche.

Stich, 1589, Fassade St. Michael
Stich, 1589, Fassade St. Michael

Auf die programmatische Funktion dieser Fassade im Dienst der landespolitischen Ziele Wilhelms V. wurde hingewiesen. Der Fassadenschild gilt Sauermost »primär als Träger eines Bildprogrammes« und als »Propagandainstrument«; er wurde zu einem »Hauptinstrument geschichtlicher und dynastischer Repräsentation«661.

Unter wesentlicher Einflussnahme Wilhelms V. entstanden auch die Innenarchitektur und die Raumausstattung von St. Michael.

Die besonderen architektonischen Qualitäten des Kirchenbaues und des Programmes des Innenraumes von St. Michael mit der Verbindung von römisch-antikischen Motiven mit Elementen der christlichen Tradition sind Gegenstand der Würdigung einer Anzahl von Autoren662. Insbesondere die architektonische Bedeutung des Innenraumes der Architektur von St. Michael wird betont: »Zum erstenmal in Deutschland kommt es hier zu einem Zusammenwirken von Baugestalt und Lichtsituation, die wir vom Standpunkt einer europäischen Architekturgeschichte als schon barock bewerten müssen, obwohl viele der geläufigen ikonographischen und ornamentalen Merkzeichen für Barock fehlen«663.

Zur architektonischen Innovationsleistung von St. Michael bemerkt E. Hubala: »Nicht der Typus, sondern Proportion und Gliederung, letzteres sowohl als Gewölbe- wie als Raumgliederung und in Verbindung mit einer hochbedeutenden Lichtsituation, heben die Münchner Michaelskirche aus der Schar gleichzeitiger und oft auch späterer Bauten als stilbildend heraus. Darin beruht auch ihre Initialwirkung für die barocke Baukunst«664.

Durch das Einwirken Wilhelms V. auf den Kirchenbau von St. Michael wurde in programmatischer Weise ein Architektur- und Bildprogramm umgesetzt, das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Reich einzigartig ist. Die besondere ikonographisch-programmatische Qualität von St. Michael würdigt H. J. Sauermost: »St. Michael hatte sich zu einem Staatskirchenbau, ja zum ersten Staatsbau des neuzeitlichen Bayern überhaupt entwickelt, zum ersten Bau, der den Staat in grossem Stil öffentlich repräsentierte«.665. Die Architektur von St. Michael und deren Nachfolgebauten beeinflussten nachhaltig die Entwicklung der Kirchenarchitektur im Verbreitungsgebiet der Oberdeutschen Ordensprovinz und in Süddeutschland.

Die Besonderheit der unter Einflussnahme Wilhelms V. entstandenen Architektur zeigt sich neben St. Michael auch in der architektonischen Anlage der den Kirchenbau begleitenden Bautrakte des Münchener Kolleges.

Der Bau des regelmässig angelegten Gebäudequadrums des Jesuitenkolleges westlich der Kirche, in den auch die Schule integriert wurde, erfolgte zeitlich parallel zum Kirchenbau in den Jahren 1585 bis 1590/97. Die Gebäude wurden entlang der Strassenzüge auf einem rechteckigen Gebäudestreifen unter Bildung mehrerer grosser Innenhöfe errichtet. Die Weitläufigkeit der Münchener Kolleganlage und die aufwendige Ausführung der Gebäudearchitekturen unter Verwendung »moderner« Dekorformen an der Südfassade (Anschluss an die Kirchenfassade) mit Giebeln, Portalen und Gesimsen entsprachen den grosszügigen, auf repräsentative Wirkung abzielenden Gestaltungsabsichten Wilhelms V.666.

Der Anlagekomplex des Jesuitenkolleges samt Michaelskirche wurde in städtebaulicher Hinsicht eindrucksvoll verstärkt durch die fast zeitgleiche Errichtung des nördlich des Kollegs gelegenen Anlagekomplexes der »Wilhelmsveste«, später »Maxburg« genannt. Die Wilhelmsveste war von Wilhelm V. als Regierungszentrum konzipiert worden. Die Errichtung des Baues erfolgte seit 1592 und wurde erst unter der Regierung Maximilians I. vollendet. Wilhelm V. bewohnte das Gebäude von 1597 bis zu seinem Tod am 7. Februar 1626. Die Anlage der Wilhelmsveste bildete einen eigenständigen Gebäudekomplex unter Bildung eines Innenhofes. Die Wilhelmsveste war räumlich durch eine Strassenflucht vom Jesuitenkolleg getrennt, jedoch verband ein Übergang die beiden Gebäudekomplexe.

Die Grösse und aufwendige Ausführung des Architekturkomplexes in München mit Jesuitenkirche, Jesuitenkolleg und der benachbarten Wilhelmsveste ist einmalig im Rahmen der zeitgenössischen Architektur in Deutschland.


3. Architektonische Vorbilder für St. Michael

Im weiteren ist nach architektonischen Vorbildern für diese Repräsentationsarchitektur von St. Michael und dem Kolleg München zu fragen667:

In der Aufnahme von »klassischen« Gestaltungs- und Stilelementen der (Spät-) Renaissance bzw. des Frühbarock in der Architektur und der bauplastischen Dekoration von St. Michael manifestiert sich die Bezugnahme auf die Architektur Roms, und zwar auf Rom als dem weltlichen Herrschaftszentrum der Antike und auf Rom als Sitz der Kurie und des zeitgenössischen Zentrums der Gegenreformation668. Dieser Rombezug zeigt sich an vielen architektonischen und bauplastischen Gestaltungselementen.

Als Beispiele sind das mächtige Tonnengewölbe »alla romana« im Innenraum der Kirche, der Chorbogen im Übergang von Langhaus zum Chor als Triumphbogen; die Einfügung »romanischer« Statuen aus der römischen Kaiserzeit als Herrscherfiguren des Fassadenschildes669, die Verwendung von Antiquabuchstaben im Inschriftenfries von St. Michael, u.a. anzuführen. Auf die Maxentius- oder Konstantinsbasilika in Rom als mögliches Vorbild für den ersten Bauabschnitt von St. Michael wurde in der Literatur hingewiesen670.

St. Michael wurde immer wieder mit dem Hauptbau des Jesuitenordens, dem Gesù in Rom, in Beziehung gesetzt.

Il Gesù, Fassade und Innenansicht
Il Gesù, Rom, Fassade und Innenansicht

Il Gesù, Rom, Grundriss des Kolleges
Il Gesù, Rom, Grundriss des Kolleges

Bei einem Vergleich von Grundriss und Innenarchitektur von Il Gesù und St. Michael werden auch Unterschiede im Aufbau der beiden Kirchenbauten deutlich.

St. Michael, Grundriss
München, St. Michael, Grundriss

St. Michael verbindet in einer eigenständigen Weise die Vorbilder der klassischen römischen Architektur mit den Traditionen der eigenen heimischen Baupraxis; diese Verbindung wird in der Kunstliteratur immer wieder hervorgehoben672. Aus der Verschmelzung dieser beiden Komponenten entstand die spezifische und eigencharakteristische Architektur von St. Michael.

Auch ein Vergleich der Gesamtanlage des Kolleges München mit dem Collegio Romano in Rom zeigt Gemeinsamkeiten:

Kolleg München, Grundriss Kolleganlage, um 1650
Kolleg München, Grundriss Kolleganlage, um 1650

In den Jahren 1583 bis 1585 wurde von B. Ammanati und G. Valeriani das Collegio Romano am Sitz des Ordens in Rom erbaut673.

Collegio Romano, Rom, Grundriss, 17. Jh.
Rom, Collegio Romano, Grundriss, 17. Jh.

Die Architektur des römischen Kollegbaues mit der Bildung mächtiger Strassenfronten und Innenhöfen nahm als zeitlich unmittelbar vor München erbaute Grossanlage des Ordens wohl Einfluss auf die Planung der Kolleggebäude in München (erbaut 1585 bis 1590/1597)674.

Ansicht Collegio Romano, Rom
Rom, Ansicht Süd-Fassade Collegio Romano

Die Entsendung des Ordensbaumeisters G. Valeriani675 durch den Ordensgeneral 1591/92 nach München verweist auf die Besonderheit der Münchener Kollegarchitektur und auf die Bedeutung, die dem Kolleg innerhalb des Ordens zugemessen wurde676.

Die Anlage eines regelmässigen Kollegkomplexes in München erfolgte wohl vor dem Hintergrund der unter E. Mercurian (1573 bis 1580) geführten Diskussion um die Einführung von Idealplänen für Bauten des Jesuitenordens677.

Durch den Baukomplex des Escorial (erbaut 1562 bis 1584), nahe Madrid gelegen, fand wohl eine weitere Einflussnahme auf die Anlage des Münchener Kolleges statt. Auf die Verbindung des Kolleges München mit dem Escorial als Anregung und Vorbild für die Anlage in München weisen verschiedene Autoren hin678.

Escorial, J. de Herrera, 1583ff.
Escorial, J. de Herrera, 1583ff.

Mit Stiftung und Bau des Escorial679 schuf König Philipp II. von Spanien einen Gebäudekomplex, der die Allianz von Thron und Altar unter Führung des absolutistisch regierenden Königs machtvoll und demonstrativ zur Schau stellte. Der christlich-patriarchalische Herrschaftsanspruch des spanischen Königtums wurde mit den Mitteln der Architektur vorgetragen. Der Bau des Escorial bestand in seinen Hauptfunktionen aus dem königlichen Palast, der Kirche mit königlicher Grablege, dem Kloster der Hieronymiten, einem Knabenkolleg und einem Priesterseminar. Alle diese Funktionen sollten in einem einzigen Gebäudekomplex zusammengefasst werden. Der Bau wurde zum »architektonischen Ausdruck höchster profaner und sakraler Machtkonzentration«680.

Der Escorial sollte den »universalen Herrschaftsanspruch [Philipps II.] demonstrieren, gleichzeitig aber seine Nähe und Zugehörigkeit zum päpstlichen Rom«681. Der Bau wurde symbolhaft mit dem biblischen Templum Salomonis verglichen682. Die Weihe des Escorial erfolgte im Oktober 1584, also zeitgleich mit den frühen Bauarbeiten zur Errichtung von St. Michael in München.

Das Stichwerk über den Escorial (Zeichnungen von Juan de Herrera, dem Architekten des Escorial; in Kupfer gestochen von P. Perret 1583 bis 1589) wurde in den Jahren 1587 bis 1591 herausgegeben. Das Werk fand europaweite Verbreitung; es war wohl auch Wilhelm V. in München bekannt.

Es liegt nahe, dass das bedeutende Vorbild des Escorial in ideeller Weise und auch in architektonischer Hinsicht anregend auf das Projekt Wilhelms V., die Anlage des Kolleges, der Kirche samt der Wilhelmsveste in München einwirkte. L. Altmann spricht von einem »escorialähnlichen Komplex von Michaelskirche, Jesuitenkolleg und Wilhelmsveste«683. Bereits die Zeitgenossen zogen den Vergleich des Münchener Kolleges mit dem Escorial heran684, so Hainhofer 1611: »[...] so ist dises nach dem Escurial in Spagna [...] dass fürnembste Collegium inn gantz Europa685.

Die Repräsentationsarchitektur des Escorial, des die weltliche und die geistliche Sphäre vereinenden Baukomplex und Zentralbaues des spanischen Königs, wurde von Wilhelm V. - vermittelt vielleicht über das Stichwerk des J. de Herrera - sicher aufmerksam wahrgenommen. Wilhelm V. übertrug diese Anregung des Escorial nach Deutschland und setzte sie abgewandelt mit dem Bau des Ordenskolleges in München architektonisch um.

In Anlehnung an das spanischen Vorbild lässt sich St. Michael und das Kolleg München mitsamt der Wilhelmsveste als »Staatsarchitektur«686 bezeichnen. In der Architektur des jesuitischen Ordenskolleges München fand der Repräsentationsanspruch des bayerischen Fürstenhauses einen adäquaten architektonischen Ausdruck. Der Kollegbau diente der Darstellung des Anspruches der Wittelsbacher auf eine führende Stellung unter den katholischen Fürsten im Reich im Zeitalter der Gegenreformation. Die Bauanlage demonstrierte die Würdigkeit der Wittelsbacher für einen höheren politischen Rang im Reich687. Die Architektur wurde damit in den Dienst der Darstellung der Herrschaftsideologie Wilhelms V. gestellt. Die politischen Ansprüche des Hauses Wittelsbach fanden ihre Formulierung mit den Mitteln der bildenden Kunst, als »Kunst im Dienst der Staatsidee«688.

St. Michael, Fassade
nach Kriegszerstörung 1945
St. Michael, Fassade nach Kriegszerstörung, 1945

4. Beispiele für die Beeinflussung der jesuitischen Kirchenarchitektur durch die Wittelsbacherfürsten

In Verlauf der bisherigen Behandlung des Themas wurde die wechselseitige Zusammenarbeit zwischen den beiden bayerischen Fürsten Wilhelm V. und Maximilian I. und dem Jesuitenorden am Beispiel des Kolleges München und der unter Maximilian I. errichteten Kollegbauten thematisiert, also am Beispiel innerhalb des Herrschaftsterritoriums Bayerns gelegener Kollegien. In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass Maximilian I. seinen Einfluss in der Phase der Kolleggründung, im weiteren in der technischen und organisatorischen Bewältigung des Kollegbaus geltend machte. Es erfolgte auch eine Einflussnahme auf die architektonische und baukünstlerische Gestaltung der Kollegbauten, insbesondere auf den Bau der Kollegienkirchen.

Die machtpolitische Stellung Bayerns unter Kurfürst Maximilian I. als Zentrum der Gegenreformation im Reich schuf die Voraussetzung für die Ausstrahlung des »modernen« Kunststiles, ausgehend von St. Michael und dem Münchener Kolleg, auch über das unmittelbare Herrschaftsterritorium Bayerns hinaus auf den jesuitischen Kolleg- und Kirchenbau der gesamten Oberdeutschen Ordensprovinz. Das Beispiel der Kirchenbauten bietet die Gelegenheit, auf die Kunstpolitik der bayerischen Wittelsbacher näher einzugehen:

An den Anfang der nachfolgenden Ausführungen sei ein Vergleich der jesuitischen Kollegbauten innerhalb des deutschsprachigen Verbreitungsgebietes und auf der Ebene des Reiches gestellt: Die (früh-) barocke Kirchenarchitektur der Oberdeutschen Ordensprovinz unterscheidet sich in stilistischer Hinsicht in auffallender Weise von der Architektur der Niederrheinischen Ordensprovinz. Die Jesuitenkirchen der Oberdeutschen Provinz wiesen mit ganz wenigen Ausnahmen eine miteinander vergleichbare »moderne« Architektursprache in den Formen der Spätrenaissance bzw. des Frühbarocks auf689. Dagegen kam in den Jesuitenkirchen der Niederdeutschen Ordensprovinz im frühen 17. Jahrhundert überwiegend der (nach-) gotische Baustil zur Anwendung690. Damit ist das Problem der Stilvielfalt beim jesuitischen Kirchenbau innerhalb der katholischen Territorien angesprochen.

In der folgenden Darstellung werden Beispiele einzelner exemplarischer und exponierter Kirchenbauten genannt, bei denen der Einfluss der Kunstpolitik der Wittelsbacher auf die Ausführung der Kirchenarchitektur in einer ganz besonderen Weise fassbar wird. Es sind dies die Jesuitenkirchen in Köln, in Neuburg/Donau und Düsseldorf.

Die zeitgenössische Diskussion um Annahme oder Ablehnung der »modernen«, »italienischen« Architektur in Konkurrenz mit der traditionellen, nachgotischen Bauweise lässt sich am konkreten Beispiel der Kollegkirche der Jesuiten in Köln aufzeigen.

Mariä Himmelfahrt, Blick in den Chor
Köln, Mariä Himmelfahrt, Blick in den Chor

Mariä Himmelfahrt, Querschnitt
Köln, Mariä Himmelfahrt, Querschnitt

In der Planungsphase zum Kirchenbau versuchte Maximilian I. von Bayern mit der Vorlage verschiedener Stilvarianten im Stil der von St. Michael in München ausgehenden »italienischen« Kirchenarchitektur die Ausführung der Kölner Jesuitenkirche zu beeinflussen. Die Entscheidung der Kölner fiel - um das Ergebnis vorwegzunehmen - zugunsten der nachgotischen Pläne und gegen die von Maximilian I. geförderten Plan- und Stilvarianten für die Kirchenarchitektur aus.


Köln, Grundriss Mariä Himmelfahrt

Der Vorgang wird nachfolgend in seinen Hauptpunkten skizziert691: Im Jahr 1609 wandte sich der Rektor des Kölner Kolleges H. Scheren an das Generalat in Rom wegen der Errichtung einer neuen Ordenskirche am dortigen Kolleg. Der Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern aus dem Haus Wittelsbach bat 1616 seinen Bruder Maximilian I. von Bayern um Pläne für den geplanten Kirchenbau und um einen Architekten »der solchenn baw mit nutzen vorstendig sein könnte [...] selbiger aber dieser Land nicht erfindlich ist«692.

Die in der Folge von Maximilian I. und seinem Hofbauamt entwickelten Pläne wurden im Jahr 1617 nach Köln übersandt. Es handelt sich dabei um die sog. »Ideae Bavaricae« I-III und die »Idea Moguntina«693.

Idea Bavarica III und Idea Moguntiana, Grundrisse und Querschnitte, um 1617
Idea Bavarica III und Idea Moguntiana, Grundrisse und Querschnitte, um 1617

Die Grundrisse dieser Planvorschläge beziehen sich weitläufig auf die Grundstruktur von St. Michael in München bzw. der damit verwandten Jesuitenkirche in Dillingen694; sie standen in deutlichem Zusammenhang mit den vor allem in der Oberdeutschen Ordensprovinz bekannten und angewandten Konstruktionen von Wandpfeiler- und Hallenkirchen695.

Die Verantwortlichen für den Bau der neuen Kölner Jesuitenkirche entschieden sich jedoch gegen die aus Bayern unter der Protektion von Maximilian I. eingereichten Pläne. Dies erstaunt um so mehr, als sich das Haus Wittelsbach in den vorangegangenen Jahren seit 1582/83 in hervorragender Weise politisch um das Erzbistum Köln verdient gemacht hatte. Maximilian I. bestritt zudem den wesentlichen Anteil der Finanzierung der Kölner Jesuitenkirche696. Anstelle der zurückgewiesenen Pläne wurde vielmehr der von Christoph Wamser in Anlehnung an die Jesuitenkirche in Molsheim (errichtet 1615 bis 1617) entworfene Plan zum Bau der Kölner Ordenskirche herangezogen.

Der Plan zeigt deutlich die Einwirkung (nach-) gotischer Stilformen sowohl in der Anlage des basilikalen Grundrisses wie auch in der stilistischen Durchformung der Innenarchitektur697.

Die Reaktion der zeitgenössischen Beobachter auf die Wirkung der beiden Architekturstile lässt sich aus Textquellen erschliessen, wonach St. Michael »auf Italianische Manier sehr schön gebawet« sei698. »St. Michael wurde offenbar auch von den Zeitgenossen als etwas von den »deutschen Kirchen« grundsätzlich Verschiedenes verstanden«699. Die Rückweisung der bayerischen Pläne bedeutete gleichzeitig die Ablehnung des »modernen«, »italienischen« Kunststiles für den Bau der Kölner Jesuitenkirche. Die Zurückweisung der bayerischen Kirchenpläne lässt sich in einem tieferen Verständnis wohl auch als eine Absage an das in Form dieser Pläne vorgetragene und von Maximilian I.

unterstützte wittelsbachische Kunstprogramm auffassen. Die Anwendung der klassischen, »italienischen« Formen im Kirchenbau wurden demnach von den Kölnern wohl als ein Bekenntnis zum römischen Geist und der im Tridentinischen Konzil gestärkten zentralistischen Stellung der römischen Kirche betrachtet und vielleicht gerade deswegen abgelehnt.

Dagegen verweist die Verwendung des (nach-)gotischen Stiles auf ein Anknüpfen an die älteren Kirchentraditionen einer »nationalen«, »deutschen« Reichskirche. In diesem Sinn lässt sich die Entscheidung der Kölner Jesuiten für den nachgotischen Baustil auch als eine Anknüpfung an die ältere, gotisch orientierte Bautradition des Rheinlandes auffassen und als eine Entscheidung gegen den von München und von Rom geförderten »italienischen« Kunststil und dessen moderne Stilformen interpretieren. »Im Barockgebiet trug der modo nostro und/oder die moderne Kirchenbauweise den Sieg davon. In Westdeutschland entschieden sich die Jesuiten für die »deutsche« Kirchenbauweise«700.

Ein weiteres Beispiel der Errichtung einer Kirchenarchitektur mit bauplastischer Ausstattung, hinter deren Bau eine bewusst programmatisch-politische Haltung ihrer Auftraggeber steht, ist die Jesuitenkirche »Unsere Liebe Frau« in Neuburg/Donau701. Der Kirchenbau wurde in den Jahren 1607 bis 1613 unter Ludwig Philipp, einem Wittelsbacher der pfälzisch-neuburgischen Linie, zunächst als protestantische Hofkirche und als sog. »Trutzmichel« in konfessionell-programmatischer Abgrenzung gegen die katholische Jesuitenkirche St. Michael in München errichtet.

Nach der Konversion des Sohnes Wolfgang Wilhelm (1578 bis 1653) zum Katholizismus im Jahr 1613702 wurde die Kirche jedoch den Jesuiten übergeben und in der Folge für den katholischen Kultus umgestaltet. Im Jahr 1616 erfolgte u.a. die Stukkierung der Kircheninnenwände mit Motiven der lauretanischen Litanei. Die Kirchenfassade der Hofkirche - eine frühbarocke Schaufassade mit Fassadenturm - wurde bis zum Jahr 1624 fertiggestellt703.

Eine architektonische Besonderheit stellt die Nachbildung dieses Neuburger Kirchenbaues im Rheinland dar, in einem Gebiet, das traditionell den Kirchenbau mit gotischen Stilelementen pflegte, worauf auch das Beispiel der Kölner Jesuitenkirche hinweist. Ab 1621ff. errichtete der pfälzisch-neuburgische Kurfürst Wolfgang Wilhelm an seinem neuen Haupt- und Residenzort Düsseldorf die Jesuitenkirche St. Andreas704. Diese stellt eine nahezu identische Nachformung der Neuburger Jesuitenkirche dar. St. Andreas in Düsseldorf ist »diejenige Kirche der rheinischen Ordensprovinz, welche infolge der besondern äusseren Verhältnisse nicht bloss durch einen süddeutschen Bau beeinflusst erscheint, sondern geradezu die Kopie eines solchen ist. [...] Nur die Düsseldorfer Kirche macht als Kopie der Neuburger eine Ausnahme von den andern rheinischen Jesuitenkirchen«705.

Die Übertragung einer süddeutschen, frühbarocken Kirchenarchitektur als Vorbild für den Kirchenneubau an den Niederrhein - einer kunstgeographischen Umgebung mit einer traditionell gotischen Bautradition - kann nur als eine bewusst gesuchte Demonstration der Anwendung des »modernen«, »italienischen« Baustiles und Kunstprogrammes inmitten einer im übrigen konservativen Kunstlandschaft aufgefasst werden.

Der - anders als im Fall Köln - tatsächlich auch realisierte frühbarocke Kirchenbau der Düsseldorfer Jesuitenkirche ist damit - so darf mit guten Gründen gefolgert werden - auch als eine herrschaftliche Geste und politische Machtdemonstration des Landesherrn in seiner neuen Haupt- und Residenzstadt Düsseldorf gegenüber den seiner Herrschaft neu hinzugewonnenen Untertanen zu verstehen. Der Wittelsbacherfürst war auch politisch in der Lage, sein neues Architekturprogramm selbstbewusst gegen gewachsene, und wie das Kölner Beispiel zeigt, bewusst konservative und »nachgotisch« orientierte Bautraditionen in Rheinland durchzusetzen706.

Am Beispiel der Jesuitenkirchen in Köln, in Neuburg und Düsseldorf wurde dargelegt, dass die Ablehnung bzw. die Einführung des »modernen«, »italienischen«, bzw. frühbarocken Kunststiles jeweils auch mit den programmatisch-politischen Implikationen ihrer jeweiligen Auftraggeber und Bauherren verknüpft war. Dieses Phänomen lässt sich fassen unter dem Begriff der »Herrschaftsarchitektur« zur Legitimation machtpolitischer Herrschaftsverhältnisse und zur Demonstration und Repräsentation des Standes ihrer Erbauer und ihrer Bewohner durch das Medium der Architektur.

In diesem Zusammenhang ist erneut auf St. Michael in München zu verweisen als dem Ausgangspunkt der Entwicklung des frühbarocken Kirchenbaues in Deutschland. Durch das Einwirken Wilhelms V. kam das neue Kunst- und Herrschaftsprogramm an diesem Kirchenbau in demonstrativer Weise zur Anwendung. Es diente der Darstellung der festgefügten Achse München - Rom und der bedeutsamen Rolle des bayerischen Herrscherhauses als Protagonist der Gegenreformation im Reich707.

Die innovative Bedeutung von St. Michael in München für den Kirchenbau in Süddeutschland und die herausragende Rolle der bayerischen Fürsten bei der Durchsetzung der »modernen«, »klassischen« und an römischen Vorbildern orientierten Architektursprache ist nochmals hervorzuheben. Noch bis zur Jahrhundertwende ins 17. Jahrhundert, so. J. Braun, waren die Jesuitenkirchen in Deutschland mit Ausnahme von St. Michael in München Bauten ohne hervorgehobener architektonischer Bedeutung. Mit dem »Staatskirchenbau« von St. Michael in München wurde aber ein neuer Standard für den Kirchenbau der Jesuiten in der Oberdeutschen Ordensprovinz und für die Kirchenarchitektur im Reich gesetzt708.

Von J. Braun wird hervorgehoben, dass mit St. Michael in München verstärkt die Rezeption der »modernen« Architektursprache in der Sakralarchitektur in Deutschland einsetzt709. Unter dem Einfluss der Fürsten Wilhelm V. und Maximilian I. erfolgte im Kirchenbau des bayerischen Territoriums, ausgehend von St. Michael, seit Ende des 16. Jahrhunderts eine entschiedene Orientierung zugunsten des neuen Stiles710.

Die Kirchenarchitektur der Michaelskirche weist gegenüber Il Gesù in Rom mit seinen Besonderheiten in der Bildung der Innen- und der Aussenarchitektur einen, wenn man so will, süddeutsch geprägten Charakter auf. Als besonderes Merkmal der Innenarchitektur ist auf die neben dem klassischen Formenapparat latent vorhandene gotische Grundstruktur zu verweisen, die etwa in der Überstreckung des Gewölbeansatzes greifbar wird711. Die Hauptfassade dient - quasi als bayerische Variante eines Fassadenschildes - der Demonstration der Herrschergenealogie des Hauses Wittelsbach.

J. Braun betont, dass St. Michael in München in einem eigencharakteristischen, vom römischen Vorbild Il Gesù differierenden Stil geschaffen wurde. »Vielleicht ist die besondere Eigenart St. Michaels - in Absetzung zu den römischen Bauten - als das Bemühen der bayerischen Kräfte zu interpretieren, einen eigenen lokalen Stil zu kreieren, um den römischen nicht direkt zu kopieren«712. Diese Aussage verweist auf den eigenständigen Charakter der Kirchenarchitektur von St. Michael, in Absetzung zu möglichen italienischen Vorbildern. Mit St. Michael wurde in Bayern eine Architektur mit einer spezifischen Verbindung »moderner« Spätrenaissanceformen mit latent wirkenden Elementen des traditionellen Kirchenbaues geschaffen. Die neue »moderne« Architektur machte, auch als Folge der Kunstpolitik und ihrer Förderung durch die bayerischen Fürsten, »Schule« in der Oberdeutschen Ordensprovinz713.

5. Die Bedeutung der Wittelsbacherfürsten für die Durchsetzung der
»modernen«,«italienischen« Kunst in Bayern

Die Bedeutung der Wittelsbacherfürsten für die Durchsetzung der »modernen, italienischen« Kunst in Bayern und deren Einfluss auf das Bauprogramm des Ordensbaues der Gesellschaft Jesu ist nochmals hervorzuheben.

J. Braun würdigt das besondere Engagement der bayerischen Fürsten für den Kirchenbau in Bayern und in Süddeutschland. »Von allen Wohltätern ragten aber die Herzöge von Bayern hervor, namentlich Herzog Wilhelm V., der [...] jedem ihrer Bauten das grösste Interesse entgegenbrachte. Namentlich aber ist zu München die Annahme der Renaissance nicht das Werk der Jesuiten, sondern Herzog Wilhelms und seines Architekten Friedrich Sustris. Wenn man darum irgend jemand im besondern für die Einführung der Renaissance in der süddeutschen Kirchenarchitektur verantwortlich machen will, dann sind es eben diese beiden Männer«714.

Als Landesherr übte Wilhelm V. übte deutlichen Einfluss auf die Gestaltung dieser neuen Ordensbauten aus. Die Entscheidung über die Kirchenarchitektur blieb letztenendes dem Herzog überlassen715. Einwänden des Ordens gegen eine zu grosse Prächtigkeit ihrer Kirche entgegnete der Stifter Wilhelm V. »Lasst mich bauen, wie ich will! Auf Grund meiner bisherigen Verdienste um euch glaube ich verlangen zu können, dass ihr etwas von eurer gewohnten Art zu hausen preisgebt und es ruhig hinnehmt, wenn mir meine Würde und Ehre vorgeht«716. Dies ist ein deutliches fürstliches Votum zugunsten der Betonung der Standesreputation des Fürsten.

Für die Gestaltung der Bauten von St. Michael und des Kolleges in München wurde damit eine Architektur und ein Baudekor übernommen, das dem Kriterium des »Decorum« gemäss der frühneuzeitlichen Architekturlehre folgte717. Der prägende Einfluss des Fürsten bei der Annahme der neuen Architekturmerkmale in St. Michael erhält noch schärfere Konturen durch den Hinweis, dass auch von Seiten des römischen Ordensbauamtes, insbesondere durch G. Valeriani, starke Impulse für die Anwendung des neuen Architekturstiles bei St. Michael in München ausgingen718. G. Valeriani hielt sich 1591/92 bekanntlich auf den besonderen Wunsch Herzog Wilhelms V. hin in München auf.

Die Beispiele der Jesuitenkirchen St. Michael in München, Mariä Himmelfahrt in Köln und St. Andreas in Düsseldorf zeigen, dass die Wittelsbacherfürsten gewichtigen Einfluss auf die Gestaltung der von ihnen geförderten Kirchenbauprojekte nahmen - mit starker Ausstrahlung auf die weitere Entwicklung der Kirchenarchitektur in ihren Territorien. Die genannten Beispiele stützen die These, wonach die Durchsetzung der »modernen, italienischen« Architektur beim Bau der jesuitischen Kollegkirchen in einer enger Verbindung mit den machtpolitischen Einflusszonen der katholischen Fürsten in Deutschland, insbesondere der Fürsten des Hauses Wittelsbach stand.

Wie das Beispiel der Diskussion um die Jesuitenkirche in Köln zeigt, gab es auch innerhalb der katholischen Territorien in Deutschland Unterschiede in der kunstprogrammatischen Bewertung und Förderung bestimmter Stilkriterien bei der Ausführung der Kirchenarchitektur. »Grundverschieden ist die stilistische und dekorative Behandlung der Rheinischen und der Oberdeutschen Jesuitenkirchen«, und »Zwischen den Oberdeutschen Jesuitenkirchen und den Kirchenbauten in der ungeteilen Rheinischen und der Niederrheinischen Ordensprovinz besteht keinerlei Zusammenhang, fehlt jede Beeinflussung, einseitige wie wechselseitige, und zwar sowohl in Bezug auf die architektonische Beschaffenheit und die architektonische Einrichtungen als auch in Bezug auf den Stil und die Art der dekorativen Behandlung«719.

Die genannten Beispiele jesuitischen Kirchenarchitektur in München, Köln und Neuburg belegen eindrucksvoll, dass die Ausführung der Ordensbauten unter dem prägenden Einfluss der kunstprogrammatischen Vorstellungen der wittelsbachischen Fürsten bzw. den Traditionen der jeweiligen kunstgeographischen Region stand.

Diese Einflussnahme der fürstlichen Bauherren auf die Gestaltung der Kirchenbauten stand nicht im Gegensatz zu den Bauverordnungen des Ordens und geschah damit, wie aufgezeigt wurde, im Einverständnis mit der Ordensleitung der Gesellschaft Jesu.


6. Der Einfluss der zeitgenössischen Staatslehren auf die wilhelminisch-maximilianische Kunst

Kunst und Architektur in Bayern unter Wilhelm V. und Maximilian I. stehen in einem engen Zusammenhang mit dem politischen Herrschaftsprogramm der beiden Fürsten. Die Kenntnis des tragenden politischen und programmatischen Hintergrundes liefert weitere wichtige Informationen zum Verständnis der Kunst dieser Epoche.

Im Zusammenhang mit den von Wilhelm V. und Maximilian I. mitveranlassten Bauten ist zunächst die Frage nach dem jeweiligen Herrschaftsverständnis der beiden Regenten aufgeworfen. Die zeitgenössischen Staatslehren werden in ihren wichtigsten Punkten charakterisiert, sofern sie für das Verständnis der wilhelminisch-maximilianischen Kunst bedeutsam sind.

Die Herrschaftsauffassung Wilhelms V. wurde von G. Boteros staatstheoretischem Werk »Della Ragion di stato« (1589) beeinflusst720. Boteros Schrift betonte nachhaltig die ethisch-christliche Verantwortung eines patriarchalisch regierenden Herrschers in dessen Machtausübung. In den Schriften Boteros wurde auch Kronprinz Maximilian I. unterwiesen.

Wichtiger als die Herrschaftslehre Boteros wurde für Maximilian jedoch die Lektüre der Staatslehre des Niederländers Justus Lipsius (1547 bis 1606), einem gemässigt geltenden »modernen« Staatstheoretiker des späten 16. Jahrhunderts721. Die Hauptwirkungszeit der Lehre des Lipsius lag in den Jahren 1575 bis 1650722. »In Lipsius müssen wir einen der wesentlichen Gestalter des barocken Wert- und Lebensgefühls wie des römisch-machtstaatlichen Denkens des 17. Jahrhunderts erkennen«723. Das Hauptwerk des Lipsius ist das Textcorpus »Politicorum sive civilis doctrinae libri sex«, entstanden 1589. Unter dem Einfluss der neustoischen Lehre des Lipsius betonte Maximilian I. in weit stärkerem Mass als sein Vater die Ausübung der landesherrschaftlichen Macht als Grundlage seiner Herrschaft und seines Staates.

Die Herrschaftsauffassung Maximilians I. findet - in Absetzung zum Staatsverständnis Wilhelms V. - folgende Charakterisierung: »Dass wir Maximilian einen absolutistischen Fürsten nennen dürfen, war im letzten in seinem Bekenntnis zur Staatsräson begründet. Er war der erste seines Hauses, der sie zum einheitlichen Prinzip seines Handelns erhob. [...] Herzog Wilhelm V. liess trotz manchen modern anmutenden Ansätzen seiner Regierung eine solche Einheitlichkeit der Konzeption noch vermissen. Maximilian schuldete diese Zielrichtung seines Handelns und Denkens zuerst seiner ausgesprochen politischen Begabung, zum anderen aber seiner früh einsetzenden Beschäftigung mit der Staatstheorie seiner Zeit, mit Botero und insbesondere J. Lipsius«724.

Der Einfluss der Staatslehre des Justus Lipsius auf Maximilian I. ist explizit nachweisbar in den »Monita Paterna«725 für seinen Sohn und Nachfolger Ferdinand Maria (1636 bis 1679). Die »väterlichen Anweisungen« Maximilians I. wurden 1639 verfasst wohl unter Mithilfe des Jesuiten Johannes Vervaux, dem Beichtvater des Fürsten.

Der Herrschaftsbegriff Maximilians I. wird im Zusammenhang mit den Schriften des Lipsius charakterisiert: »Lipsianisches Gedankengut [ist] in der Staatstheorie Maximilians abgewandelt und zurückgeführt auf das alte Bild eines christlich-väterlichen Herrschers, das man trotz der mit Interesse aufgenommenen Theorie moderner Staatsräson und Machtpolitik nicht preisgeben wollte«726. So wird der neu bewertete Zusammenhang von politischer Macht und seinen geistigen Grundlagen betont: »Vollkommen indes deckte es sich mit des Lipsius und Boteros Überzeugung, dass der Staat neben der geistigen und sittlichen auch der realen Machtgrundlage bedürfe [...], durch Ausbau des Staatsinneren, durch Rationalisierung, Intensivierung«727.

Diese Staatsauffassung hatte gewichtige Folgen für die Förderung des Religionswesens und der staatlichen Bildungspolitik und ist im Zusammenhang unseres Themas von Bedeutung: »Der hinzutretende neustoische Erziehungsanspruch des Staates lässt viele Gebiete des gesellschaftlich-sozialen Lebens erst jetzt unter den Einfluss der wachsenden Machtsphäre des Staates geraten«728.

Die auf Lipsius gründende neustoische Lehre setzte sich damit auch mit den Fragen von Erziehung und Bildung auseinander und machte sie zu einem Anliegen des frühmodernen Staates. Das Werk des Lipsius wurde auch von den Jesuiten in Rom und in Bayern hoch geschätzt729. Die Förderung des Erziehungs- und Bildungssystems der Jesuiten durch Wilhelm V. und mehr noch Maximilian I. erfuhr durch das Werk von J. Lipsius seine staatstheoretische Untermauerung.

Ein weiteres politikwissenschaftliches Hauptwerk im Zeitalter der Gegenreformation ist die staatstheoretische Schrift des Jesuiten Adam Contzen »Politicorum libri decem«, erschienen 1620 in Mainz. Das Werk hängt, wie G. Oestreich betont, in den meisten Partien von der Staatsauffassung des Lipsius ab730, jedoch in einer gegenüber der Staatstheorie des Lipsius abgeänderten und dezidiert den katholischen Standpunkt hervorhebenden Fassung731. Contzen sah »Frömmigkeit und Sittlichkeit als Grundlage moralischer Autorität oder Reputation, die ihrerseits ein entscheidendes Element politischer Macht darstellten, ohne die der Fürst nicht regieren konnte«732. Die Politik Maximilians I. wurde bis 1635 durch die staatspolitischen Vorstellungen des Adam Contzen, der 1624 zum Beichtvater Maximilians ernannt worden war, in hohem Mass beeinflusst733.

Unter Contzens Nachfolger Johannes Vervaux, dem mutmasslichen Verfasser der »Monita paterna« (1639), erfolgte bereits eine Abschwächung der konfessionspolitischen Motive auf die praktische Politik Maximilians I.734.

Ein bedeutender Bestandteil der Lehre von G. Botero wie auch von J. Lipsius ist die Lehre von der Reputation des Herrschers.

Bereits der von Wilhelm V. geschätzte und auch von Maximilian rezipierte G. Botero hob in seinem Werk »Della riputatione« die Bedeutung der Reputation des Fürsten als einer bedeutenden Stütze zur sittlichen Begründung der fürstlichen Herrschaft hervor. Botero forderte vom Fürsten, »che tutto cio, che spetta in qualche modo a lui, habbia grandezza e decoro«735. Die hier geforderte Veranschaulichung der fürstlichen Reputation mit den Mitteln der Repräsentation war an die Darstellung der »Gravitas« gebunden. »In der Lehre von der Autorität und der Reputation wurde die Definition der römischen Gravitas zitiert«736.

Auch Lipsius hob die Bedeutung der Reputation für die Herrschaftsausübung hervor. Lipsius, so G. Oestreich, »will seinen Regenten umkleidet von der majestas (= auctoritas principis) und der reputatio sehen, worunter er echt römisch die gravitas a natura aut ab arte versteht [...]. Das römisch-romanische Pathos des Barockjahrhunderts erscheint hier besonders betont«737. Voraussetzung für die Geltung der Reputation bei Lipsius ist, dass »höhere«, ethische Rücksichten in der Politik anerkannt wurden«738 - gemeint ist die Verbindung des »utile« und des »honestum«, also des »Nutzens für den Staat« und der »Ehre«.

Dollinger kommentiert diese Verbindung in Hinblick auf die Reputation mit der gewichtigen Aussage: »Lipsius öffnete hiermit einen Weg, der die Reputation«, den Ruhm, die »Gloire«, Bestandteil der Staatsräson werden liess, was für die Ausbildung des fürstlichen Absolutismus, diesem übersteigerten Versuch der Identifikation einer individuellen Persönlichkeit und einer ins Abstrakte sich wandelnden Staatsidee von grundlegender Bedeutung war«739. Diese Aussage betont eindrucksvoll die Bedeutung der Reputation als Mittel für die Darstellung der Herrschaft des Fürsten und seines Machtanspruches.

Ein Beleg für die Bedeutung, die Maximilian I. der »Reputation« zumass, ist eine Zentralstelle der »Monita Paterna«, den »väterlichen Unterweisungen« Maximilians I. an seinen Sohn Ferdinand Maria von 1639. Sie lautet: »[...] zum vierten so ist dass vornembste stuckh eines fürsten unnd gleichsam sein pupilla oculi oder civilis anima die authoritet, reputation und respect, durch welche allain die hoche heupter unnd fürsten von den undterthonen oder geringen persohnen undterschaidten und erkhendt werden. Die fürstliche unnd standmessige reputation und authoritet aber wirdt vornemblich durch khluege weise consilia [...] dann die macht und guette mitl erlangt und erhalten«740.

Auch hier wird die Forderung nach der »fürstlichen und standesmässigen Reputation und Autorität« als einer wesentlichen Voraussetzung für die fürstliche Machtausübung hervorgehoben. Der Zentralbegriff dieses Textes im Zusammenhang der Fragestellung nach der Bedeutung der Reputation für die Kunst und Architektur unter Kurfürst Maximilians I. ist der des »guten Mittels« zur (Selbst-) Darstellung des Fürsten.

Als solche konnten im Verständnis Maximilians I. neben anderen auch diejenigen Mittel gelten, welche die Bildende Kunst dem Fürsten für seine Darstellungsabsichten zur Verfügung stellte. Die Lehre von der »Reputation« des J. Lipsius als staatstheoretischer Untermauerung für die Verbindung von Kunst und Politik und ihre Wirkung auf die Kunstprogrammatik Maximilians I. ist festzuhalten. Kunst und Architektur wurden zu Mitteln der Demonstration der öffentlichen Stellung der Fürsten und des sich vollziehenden politischen Aufstieges des Hauses Wittelsbach im Zeitalter des Frühabsolutismus.

Die Darstellung der Würde des Fürsten findet ihren Ausdruck unter anderem in der angemessenen Verwendung der Mittel der Bildenden Kunst. Die »moderne« Architekturauffassung fand Anwendung an den grossen Bauprojekten des Staates, die unter Führung der Fürsten realisiert wurden wie dem Bau der Residenz, aber auch den Kolleg- und Universitätsbauten der Gesellschaft Jesu. »Institutionen der Bildung und Wissenschaft [waren] willkommene Objekte, um Macht, Fortschritt und Grösse zu demonstrieren. Staat und Kirche sahen in ihnen würdige Repräsentanten und waren darauf bedacht, das äussere Erscheinungsbild ihrer Lehrstätten angemessen zur Wirkung kommen zu lassen«741.

Mit der öffentlichen Schauarchitektur wurde der Herrschaftsanspruch des Landesherrn demonstrativ und »vor Augen aller« geführt. Die Architektur nahm damit die Funktion der »Repräsentation« des Herrschers wahr auch in den dezentral gelegenen Städten seines Territoriums.

Die »Herrschaftsarchitektur« im Sinne von »Repräsentation der Herrschaft durch das Medium der Architektur« gehört in den grösseren Zusammenhang der Legitimation frühneuzeitlicher Herrschaft. »Der Gebäudecharakter verweist auf die Funktion des Gebäudes innerhalb der Gesellschaft. Diese kann in der Repräsentation eines einzelnen Mitglieds eines bestimmten Standes bestehen, aber auch in der Demonstration weltlicher oder geistlicher Macht«742.

Der Begriff der Repräsentation743 ist in seiner Bedeutungsstruktur ein theologischer wie auch ein politischer Begriff744. Der Begriff lässt sich zurückführen auf eine theologisch begründete Herrschaftsformel. Da der Herrscher nach dem Herrschaftsverständnis des Mittelalters und der frühen Neuzeit der weltliche Stellvertreter Gottes ist, stand ihm eine ähnliche Teilhabe an der Herrlichkeit Gottes nicht nur als ein theologisches Postulat, sondern auch in der ganz konkreten Lebenspraxis auf Erden zu. »Der soziale Rang einer Person wird festgelegt durch das Repräsentationsverhältnis zwischen einer bestimmten und einer zu bestimmenden Ordnung745, namentlich zwischen der zu erkennenden irdischen und der geoffenbarten himmlischen Ordnung«. Danach wird der »Glanz des Herrn« von Gott auf den Fürsten übertragen als dem weltlichen Stellvertreter Gottes in seinem Territorium auf Erden als »Aufscheinen des Herrn« im Sinne der »Repraesentatio Maiestatis«.

Eine zeitgenössische Quelle zur Darstellung des Zusammenhanges der göttlichen Majestät und deren Vergegenwärtigung in der Architektur ist das Werk »Progymnasmatum« des bereits genannten J. Pontanus (1589ff.).

Die Zentralstelle, hier bezogen auf die Errichtung eines Kirchengebäudes, lautet: »Gott aber ist Licht, welches freilich nur durch Einsicht erfasst wird, er wird in den heiligen Schriften Sonne der Gerechtigkeit und aufgehende Sonne genannt. [Es ist offenkundig], dass Schöneres jene göttliche Schönheit ist, Perfekteres deren Perfektion ist, Glücklicheres dessen Glück. Und wenn ferner das Wesen besser ist als das, was sich auf dieses stützt, so ist es offensichtlich, dass die Funktion besser ist als die Macht, das Licht besser als die anderen Qualitäten, die sich beim Anblicken auf den Sinn beziehen«746.

Die abstrakte Begrifflichkeit der Herrschaft und der Tugend des Herrschers, die »Gravitas« (= Gewicht, Bedeutung, Würde) des Herrschers, fand mit den Mitteln der Kunst und so auch in der Architektur eine angemessene und entsprechende Darstellung. Die Architektur verhalf zur Darstellung der Macht und der Herrlichkeit des Herrschers nach Aussen hin mittels einer prächtigen Ausführung und diente dazu, Anerkennung und »Reputation« bei den Zeitgenossen, den Standespersonen und auch bei den Untertanen zu erreichen.

Die Architektur der Spätrenaissance im Übergang zum Frühbarock in ihrer Eigenschaft als Repräsentations- und Herrschaftsarchitektur wandte sich mit ihrem ganzen Formenvokabular und architektonischen Schmuck an die Öffentlichkeit und an den städtischen Raum zur Darstellung der Reputation des Landesherren. Die bayerischen Fürsten Wilhelm V. und Maximilian I. wurden durch die systematische Förderung dieser Architekturauffassung im Rahmen ihrer frühabsolutistischen Kunstpolitik zugleich zu Vorkämpfern der Rezeption der »modernen« Architekturlehre im Reich.