Anmerkungen

Beachte

Kap. 1
Kap. 1.1
Kap. 1.2
Kap. 1.3
Kap. 2
Kap. 2.1
Kap. 2.2
Kap. 2.3
Kap. 2.4
Kap. 3
Kap. 3.1
Kap. 3.2
Kap. 3.3
Kap. 3.4
Kap. 3.5
Kap. 4
Kap. 4.1
Kap. 4.2
Kap. 4.3
Kap. 5
Kap. 5.1
Kap. 5.2
Kap. 5.3
Kap. 5.3.1
Kap. 5.3.2
Kap. 5.4
Kap. 6
Kap. 6.1
Kap. 6.2
Kap. 6.2.1
Kap. 6.2.2
Kap. 6.3
Kap. 6.3.1
Kap. 6.3.2
Kap. 7
Kap. 7.1
Kap. 7.2
Kap. 7.3
Kap. 7.4
Kap. 8

Kap. 1

(1) Der Begriff »Jesuitenarchitektur« findet sich u.a. bei J. BRAUN und bei R. BÖSEL. Bösel verwendet den Begriff »Jesuitenarchitektur« als Rahmenbegriff für architektonische Erzeugnisse, die »neben ihrer funktionellen Bestimmung nichts mehr (aber auch nichts weniger) gemein haben als den Umstand, für ein und dieselbe überregionale und über weite Zeiträume hinweg agierende Institution geschaffen zu sein. Eben dieser gemeinsame historische Nenner - zum methodischen Ansatz genommen und an weitverstreute Forschungsobjekte herangetragen - verspricht allerdings Erkenntnisse, die sich jeder künstlermonographischen oder lokal begrenzten Untersuchung entziehen müssen«; R. Bösel 1985, S. 11.

(2) J. BRAUN, Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten, Freiburg 1910. Braun erarbeitete wichtige Ausführungen zu Verfahrensfragen im jesuitischen Bauwesen, siehe in: B. DUHR, Geschichte des Jesuitenordens 1907, Kap. 17, S. 602-645. Zu Verfahrensfragen siehe auch P. MOISY, Les églises des Jésuites de l'ancienne assistance de France, Rome 1958. Angaben zu Verfahrensfragen finden sich auch bei E. LAMALLE, L'inventaire des plans des Archives Romaines de la Compagnie de Jésus, in: J. VALLERY-RADOT »Le recueil de plans d'édifices de la Compagnie des Jésus conservé a la Bibliothèque Nationale de Paris«, Institutum Historicum S.J., Bd. 20, Rome 1960.

(3) B. DUHR, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge, Bd. 1 (1907), Bd. 2/1 u. 2/2 (1913), Bd. 3 (1921), Bd. 4/1 u. 4/2 (1928). Von B. Duhr wurde etwa zeitgleich mit J. Braun eine Darstellung des jesuitischen Ordenswesens in Deutschland erarbeitet mit der Erfassung geschichtlicher und auch baugeschichtlicher Daten für die einzelnen Ordenskollegien, einschliesslich der bayerischen Kollegien.

(4) Die Jesuiten in Bayern 1549-1773, Ausstellung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und der Oberdeutschen Provinz der Gesellschaft Jesu, Weissenhorn 1991.

(5) Die Bedeutung von St. Michael wurde zuvor durch die im Rahmen der Ausstellung »Wittelsbach und Bayern« 1980 angestellten Forschungen zur Jesuitenarchitektur hervorgehoben. Katalog zur Ausstellung »Um Glauben und Reich, Wittelsbach und Bayern«, II/1, München 1980, H. Glaser (Hrsg.).

(6) Katalog Rom in Bayern, Kunst und Spiritualität der ersten Jesuiten, Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums 1997, R. Baumstark (Hrsg.).

Kap. 1. 3

(7) Als zeitliche Begrenzung für die infrage stehende Epoche gelten die Daten 1555 und 1648; vgl. D. ALBRECHT, in: Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1. K. Hengst 1981, S. 50 zum Wirken des Jesuitenordens in Deutschland im »konfessionellen Zeitalter«: »Die Verknüpfung von politischen und religiösen Fragen nach dem Grundsatz des »cuius regio eius religio« bildete eine nicht unwesentliche Voraussetzung für das Wirken der Jesuiten in Deutschland überhaupt und erklärt ursächlich das Phänomen der [...] nur diesem Jahrhundert eigentümlichen Gründungen von Jesuitenuniversitäten«.

(8) Die Begriffe »Katholische Reform« und »Gegenreformation« sind übergreifende Begriffe dieser Gesamtepoche als der katholischen-konfessionellen Reaktion auf die »Reformation« und der von dieser ausgelösten religionspolitischen Bewegung; vgl. dazu H. JEDIN, (Hrsg.), Hb. der Kirchengeschichte, Bd. IV, Reformation, Katholische Reform und Gegenreformation, S. 449ff.

(9) Das in der vorliegenden Arbeit thematisierte Territorium Bayern umfasste zur Zeit Maximilians I. die heutigen Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern. Kurfürst Maximilian I. fügte diesem Territorium bis 1648 Teile der Oberpfalz und die Grafschaft Cham hinzu. Zum Umfang des politischen Territoriums Bayerns zur Zeit Maximilians I. von Bayern siehe die Karte »Herzogtum Bayern und seine Nachbarn um 1600«; in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/2, 1980, S. 586.

(10) Literatur zu Kurfürst Maximilian I. als Person und in seiner Eigenschaft als Regent: K. PFISTER, Kurfürst Maximilian von Bayern und sein Jahrhundert, München 1948; A. KRAUS, Maximilian I., Bayerns Grosser Kurfürst, Graz, Wien, Köln 1990; R. BIRELEY, Maximilian von Bayern, Adam Contzen S. J. und die Gegenreformation in Deutschland 1624-1635, Göttingen 1975; B. HUBENSTEINER, Maximilian I., in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/1, München 1980. P. B. STEINER, Der gottselige Fürst und die Konfessionalisierung Altbayerns, Katalog 1980, Bd. II/1.

(11) Dazu A. KRAUS 1990, S. 5: »Unter Maximilian gedieh der Absolutismus zur vollen Ausbildung; er war [...] der erste Fürst, der als Vertreter des Absolutismus im Reich angesehen werden kann«.

(12) Vgl. dazu A. KRAUS, 1990, S. 13f.: »Wenn es uns aber um die Bedeutung Bayerns, und des bayerischen Herrschers, für den Gang der Dinge in Europa geht, müssen alle Bereiche, Kunst, Wissenschaft, Landesentwicklung und dergleichen zurücktreten hinter den Zentralthemen, die allein das Verständnis der grossen Entwicklung vermittelt, das sind für Maximilian I. der innere Staatsausbau und die auswärtige Politik. Auf diese Schwerpunkte also beschränkt sich im wesentlichen die Darstellung, auch wenn der Persönlichkeit Maximilians nicht gerecht werden kann, wer seinen hohen Sinn für Kunst und künstlerische Repräsentation, für die Wirkung der Geschichte und der literarischen Propaganda nicht kennt«.

(13) Das Restitutionsedikt ordnete die Rückführung der ehemals katholischen, seit 1552 in evangelischen Besitz übergegangenen Besitzungen an. Zum Restitutionsedikt siehe H. URBAN, Das Restitutionsedikt, Versuch einer Interpretation, Berlin 1966.

(14) Bis zur Regierung Maximilians I. existierten bereits die Kollegien in Ingolstadt und München, Landsberg und Altötting. Der Typus des jesuitischen Kollegs wurde auch von Maximilian I. gefördert. Die Gruppe der maximilianischen Kollegienbauten stellt eine eigengeartete Ausbaustufe innerhalb des Kollegsystems in Bayern dar. Zur Darstellung des historischen Konnexes und der Einbettung der Kollegbauten in der geschichtlichen Ereignisse der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts Zeit mit Schwerpunkt auf den Zeitraum um 1620/30 s. Kap. 2 und 3.; vgl. dazu A. SEIFERT, Weltlicher Staat und Kirchenreform, Die Seminarpolitik Bayerns im 16. Jahrhundert, Münster 1978.

(15) Vgl. die Übertragung der Ingolstädter Artistenfakultät an die Gesellschaft Jesu, Urkunde Wilhelms V. für die Universität Ingolstadt vom 27.1.1588, BayHStA München.

(16) Von der Ordensniederlassung in Amberg aus erfolgte die Gründung der Missionen u.a. in Cham und Neumarkt. Zu den geschichtlichen Vorgängen in der Oberpfalz siehe W. ZIEGLER, Die Rekatholisierung der Oberpfalz; in: Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II, 1, S. 436-447; Bibliographie zur Geschichte der Rekatholisierung Anm. 1 und 2; V. PRESS, Bayerns wittelsbachische Gegenspieler - Die Heidelberger Kurfürsten 1505-1685; in: Katalog Wittelsbach und Bayern 1980. Auch die Niederlassungen in der pfälzischen Hauptstadt Heidelberg und im der schwäbischen Reichsstadt Kaufbeuren gehen auf die Kollegpolitik Maximilians I. zurück. Die Ordensniederlassung der Jesuiten in der Universitätsstadt Heidelberg, gegründet 1622, musste aufgrund der politisch-militärischen Lage 1631 aufgegeben werden. Die zweite Neugründung des Jesuitenkollegs Heidelberg erfolgte in der 2. Hälfte 17. Jahrhundert; zur Niederlassung Heidelberg: R. KECK, Im Dienst der »Rekatholisierung«. Die Jesuiten in Heidelberg, Die Kirchengeschichte, S. 71-78, Heidelberg 1996. Einen Sonderfall stellt die Jesuitenniederlassung Kaufbeuren dar. Als Residenz führte sie nicht den ordensrechtlichen Titel eines Kolleges. Die Niederlassung in Kaufbeuren wurde durch Maximilian I. im Zusammenhang mit dem Restitutionsedikt mit militärischen Mitteln durchgesetzt.

(17) K. HENGST verfolgt einen historisch-institutionellen Ansatz bei der Bearbeitung der Jesuitenkollegien und Jesuitenuniversitäten in Deutschland. Der Autor definiert eine zeitliche und geographische Begrenzung des Themas und bearbeitet die Kollegien unter Anwendung einer vergleichenden Untersuchungsperspektive. Das Untersuchungsgebiet ist weitgehend identisch mit dem deutschsprachigen Raum (mit Ausnahme Österreichs); K. Hengst 1981, »Jesuiten an Universitäten und Jesuitenuniversitäten. Zur Geschichte der Universitäten in der Oberdeutschen und Rheinischen Provinz der Gesellschaft Jesu im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzung«; vgl. dazu auch J. Braun und B. Duhr.

(18) Die Beschlüsse des Westfälischen Frieden unterband die Ausführung der Kollegienpolitik Maximilians an Orten ausserhalb des bayerischen Territoriums. Der Ausbau der maximilianischen Gründungen innerhalb der Grenzen Bayerns wurde jedoch fortgesetzt durch die Nachfolger Maximilians I. Eine Änderung der maximilianischen Kollegien-Konzeption fand bei Ferdinand Maria noch nicht statt. Dies war auch nicht in den Anfangsjahren der Regierung Max Emanuels der Fall, der den Kollegienbau zu Anfang nochmals stark forcierte. Nach etwa 1690 und vollends nach dem Scheitern der Thronambitionen Max Emanuels fand im Kollegbau jedoch ein gewisser Rückgang der Bautätigkeit statt. Spätere Veränderungen erfolgten weitgehend an An- und Umbauten und am Baudekor.

(19) Der Hauptbestand der für den Themenkreis relevanten Quellen zu den Jesuitenbauten befindet sich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (= BayHStA) in München unter der Bezeichnung »Jesuitica«; weitere Quellen befinden sich im Staatsarchiv München, in den Stadtarchiven der ehemaligen Kollegstandorte und in den Archiven der jeweils zuständigen Bischofsstädte. Weitere Aufbewahrungsorte für die relevanten Quellenbestände sind das Ordensarchiv in Rom (= ASJR), die Bibliothèque Nationale de Paris, die Kantonalbibliothek Freiburg/CH., das Fürstlich und Gräfliche Fuggersche Familien- und Stiftungsarchiv in Dillingen und das Bayerische Nationalmuseum. Darüber hinaus existiert eine Anzahl kleinerer Quellenbestände an verschiedenen Orten.

(20) Vor diesem Hintergrund bleibt die Aussage von A. KRAUS, Maximilian I., Bayerns Grosser Kurfürst, unverständlich: »Es hiesse den Charakter der Epoche verkennen, wollte man bereits für das 17. Jahrhundert ein umfassendes kulturpolitisches System annehmen, sei es bei welchem europäischen Staat auch immer. Im protestantischen Deutschland war allerdings die Sorge für das Schulwesen inzwischen zur fürstlichen Aufgabe geworden, in Bayern konnte man sie nach wie vor den zahlreichen Klöstern und den Städten überlassen. Fürstliche Initiativen sind nicht bekannt«, A. Kraus 1990, S. 69.

(21) Die Oberdeutsche Ordensprovinz (1556 bis 1773) umfasste neben Bayern auch Ostschwaben, Teile Württembergs, Vorarlberg, Baden, das Elsass (bis 1659), die Schweiz und Tirol. Von der 1556 gegründeten Oberdeutschen Ordensprovinz wurde 1563 die Österreichische und Böhmische Ordensprovinz, und im Jahr 1770 die Bayerische Ordensprovinz von der Oberdeutschen Ordensprovinz abgetrennt. Die gleichfalls 1556 gegründete Niederdeutsche Ordensprovinz wurde 1564 in die Rheinische und Belgische Ordensprovinz, die Rheinische Ordenprovinz 1626 wiederum in die Oberrheinische und die Niederrheinische Ordensprovinz aufgeteilt. K. Hengst fasst in seiner Bearbeitung die Oberdeutsche und die Rheinische Ordensprovinz als geographischen Untersuchungsbereich zusammen; vgl. K. Hengst 1981, S. 5.

(22) Vgl. dazu die Diskussion über »Jesuitenarchitektur«, besonders bei J. BRAUN 1910 und H. HIPP 1979.

Kap. 1.1

(23) Dazu H. HIPP, Studien zur »Nachgotik« des 16. und 17. Jahrhunderts in Deutschland, Böhmen, Österreich und der Schweiz 1979, S. 33 ff.; Hipp gibt eine gute Übersicht zur kunstwissenschaftlichen Diskussion über die Jesuitenarchitektur. Er zeichnet im Anfangskapitel seiner Arbeit die Entstehung des Begriffes des »Jesuitenstiles« nach und geht dann auf die um die Jahrhundertwende geführte Stildiskussion ein.

(24) Ebd., S. 33.

(25) C. CURLITT, Geschichte des Barockstiles, des Rococo und des Klassizismus in Deutschland, 1887-1889. Gurlitt stellt die Besonderheit dieser von St. Michael in München geprägten Gruppe von Kirchen fest. Gurlitt macht auf einen Zusammenhang der Kunst mit den politischen Verhältnissen aufmerksam. Diese Feststellung ist von Interesse gerade auch mit Blick auf den Bearbeitungsansatz dieser Arbeit, C. Gurlitt, Bd. 2, 1888, S. 26ff.

(26) H. HIPP 1979, S. 36: »Die zentrale Gestalt des Kampfes gegen den »Jesuitenstil« ist Joseph Braun«.

(27) Die Auseinandersetzung mit dem Jesuitenstil steht im Zusammenhang mit antijesuitischen Tendenzen im Kulturkampf in Deutschland 1870ff. Dem entsprach eine ordensapologetisch orientierte Befassung mit der Jesuitenarchitektur. Vor Braun setzte S. BEISSEL am Beispiel der Kölner Jesuitenkirche zu einer Differenzierung der Stilfrage an; Die Kirche »Mariä Himmelfahrt zu Köln und ihr sogenannter »Jesuitenstil«; in: Zeitschrift für christliche Kunst 5, Düsseldorf 1892, Sp. 47-54.

(28) J. BRAUN, Die Kirchenbauten 1910, S. 363.

(29) P. MOISY, Les églises des Jésuites de l'ancienne assistance de France, Rome 1958.

(30) R. WITTKOWER u. IRMA B. JAFFE, Baroque Art, The Jesuit contribution, New York 1972, Übersetzung aus dem Englischen, S. 5.

(31) E. KIRSCHBAUM SJ., La compagnia di Gesù e l'arte, in: Il quarto centenario della constituzione della Compagnia di Gesù, Mailand 1941, S. 211-226.

(32) J. VALLERY-RADOT, »Le recueil de plans d'édifices de la Compagnie des Jésus conservé à la Bibliothèque Nationale de Paris«, Rome 1960; dazu auch E. LAMALLE, Les plans des Archives Romaines de la Compagnie de Jésus, in: Vallery-Radot 1960.

(33) H. PFEIFFER, Zum neueren Schrifttum über die Kunsttätigkeit der Gesellschaft, S. 220-230; in: Archivum Historicum Societatis Jesu, Volumen XLV, Rom 1976.

(34) Ebd., S. 229. Diese Position wird in jüngster Zeit auch von J. TERHALLE geteilt: »Tatsächlich scheint die Ordensarchitektur dagegen eine architektursprachliche Syntax darzustellen, die auf ihre Weise »liturgisch-apostolische« Prinzipien auslotet und transportiert«; J. Terhalle, Katalog 1997, S. 101.

(35) Vgl. J. BRAUN, Bauten, in B. Duhr 1907, Bd. 1, S. 602ff.: »Die Einflüsse des Ordens im Planungsverfahren bezogen sich auf eine gute Einordnung des Gebäudes in das dafür vorhandene Terrain und auf eine praktische Ausgestaltung, nie auf den Stil, bezüglich dessen volle Freiheit bestand«.

(36) R. BÖSEL, »Jesuitenarchitektur in Italien 1540-1773, Rom 1985, Die Baudenkmäler der römischen und der neapolitanischen Ordensprovinz«, Teil 1, Textband. Das Werk wurde verfasst als »Corpus-Werk mit baumonographisch konzipierten Artikeln« mit dem Ziel einer »optimalen Dokumentationsleistung«. Bei den Ordensniederlassungen schränkt Bösel seinen Objektbereich ein auf die Kirchen mit Wohn-, Schul- und Kongregationsbauten. »Es handelt sich um Professhäuser, Kollegien, Residenzen, Seminare und Adelskonvikte. Bauobjekte von untergeordneter Bedeutung - Exerzitienhäuser, Villen, Gutshöfe u.a. - konnten nicht berücksichtigt werden«, (S. 14). Bösels Arbeit stellt eine Art Kompendium der italienischen Ordensbauten dar; er versucht die wesentlichen Daten zu erfassen und mit anderen Architekturen zu vergleichen. Einen methodischen Fortschritt und Impuls bei der Erfassung der jesuitischen Ordensarchitektur erbringt die Arbeit kaum.

(37) Zu R. Bösel auch J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 101.

(38) H. NISING, unveröffentl. Diss. 1990, S. 86 ff.

(39) H. NISING 1990, S. 99. Die »Idealität« einer Kollegniederlassung bemisst sich nach Nising vor allem nach dem Grad ihrer Eignung für den jeweiligen Verwendungszweck. »Die Bauten der Jesuiten sind von ihrem äusseren Schema her nicht nach einem Idealplan errichtet - aber sie sind »ideal« vom Ziel des Ordens her: unter den jeweils gegebenen Bedingungen Architekturen zu errichten, die in bestmöglicher Weise ihre Funktionen erfüllen können«; H. Nising, Das Jesuitenkolleg in Straubing - eine typische »Jesuiten-Architektur«; in: Jahresbericht des Hist. Vereins für Straubing und Umgebung 84, 1982, S. 185 ff.

(40) Zum Begriff des »modo nostro« und der Würdigung der Forschungsliteratur zur Jesuitenarchitektur siehe J. TERHALLE, in: Rom und Bayern, »Die Architektur der Jesuiten um 1600 und St. Michael in München«, Katalog 1997, S. 101f.

(41) Ebd., S. 101.

(42) K. RÜCKBROD, »Universität und Kollegium - Baugeschichte und Bautyp«, 1977.

(43) Eine zentrale Aussage Rückbrods lautet: »Das bauliche Bild der abendländischen Universität ist von zwei Komponenten bestimmt worden: von den Veränderungen politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse und von dem Einfluss des Kollegiums als Institution und als Bautyp [...]. Letztlich aber haben beide Komponenten dahin geführt, dass die Universitäten abhängig wurden von staatlichen bzw. kirchlichen Mächten und dass sie in Gesamtbauwerken, die mehr oder weniger dem Bautyp Kollegium nachgebildet worden waren, isoliert wurden.«; K. RÜCKBROD 1977, S. 162. Zu diesem Ansatz vgl. auch V. BAUER, Die höfische Gesellschaft in Deutschland von der Mitte des 17. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts: Versuch einer Typologie, 1993. In seiner weitgehend historisch-gesellschaftswissenschaftlich orientierten Arbeit setzt sich Bauer mit der Architektur des barocken Schlossbaues auseinander. In einem »Exkurs zum Gehäuse der höfischen Gesellschaft« hebt er die politische Funktion der Schlossarchitektur hervor. Bauer betont, dass seine Ausführung »weniger ästhetisch-kunstgeschichtlichem Interesse entspringt als einer funktionsgeschichtlich-politischen Betrachtungsweise« und nennt dies ein »funktionalistisches Modell«. Die Behandlung der Ästhetik wird jedoch in diese Perspektive mit einbezogen. Denn Architektur diente nach V. Bauer auch der »kultischen Erhöhung« des Fürsten, auf die »auch die sonstige ikonographische Gestaltung der Barockschlösser abzielte« (S. 47). Bauer fordert im weiteren eine Differenzierung der Schlossarchitektur nach kunstgeographischen Gesichtpunkten, bemängelt aber die fehlende praktische Durchführung dieses Ansatzes in der Forschungspraxis. Die Funktion der Schlossbaukunst differenziert Bauer nach vier verschiedenen analytischen Ebenen, die jeweilig auch politische Aspekte mit einbeziehen: nach topographischen Elementen, nach architektonischen Grundstrukturen der Anlagen, nach der funktionalen Bedeutung der einzelnen Schlossräume und nach der dekorativen Innenausstattung der barocken Schlossräume. Bauers Ausführungen beziehen sich grundsätzlich auf den Schlossbau in Deutschland in der Zeit nach Mitte des 17. Jahrhunderts. Davon unterscheidet sich der Gegenstand des Themas der hier vorliegenden Arbeit sowohl vom Typus (= Kollegium) wie auch in der Zeit (im Wesentlichen spätes 16. Jahrhundert bis Mitte 17. Jahrhundert). Dennoch lässt sich m.E. zeitlich wie inhaltlich ein Zusammenhang zwischen den beiden Bereichen herstellen, handelt es sich doch bei dem Komplex des Residenzbaues in München und der Kollegienarchitektur in Bayern gewissermassen um eine zeitlich frühere Vorstufe der Architektur innerhalb der Gesamtepoche des Barock. Die späteren Bauten an den Höfen des Reiches, wie sie dann V. Bauer thematisiert, konnten in ihrer Entwicklung nach dem »Grossen Krieg« ab Mitte des 17. Jahrhunderts an den Erfahrungen und Ergebnissen der frühbarocken Architektur in Bayern anknüpfen.

(44) K. RÜCKBROD 1977, S. 164: »Der Vorgang der Konzentration und damit der Isolation setzte sich 16. Jahrhundert fort. Man war bestrebt, die gesamte Universität in einem einzigen Gesamtgebäude unterzubringen. [...] Die Universität war eine Exklusivgemeinschaft geworden, für die auch die Gesichtspunkte der Repräsentation gewichtig wurden«. Das Zusammengehen von »Thron und Altar« während des 16. und 17. Jahrhunderts fand in der Architektur seinen entsprechenden, repräsentativen Ausdruck. Rückbrod vertieft diesen Aspekt: »Dabei wurde durchaus Sakrales und Profanes miteinander verschmolzen. Das war schon grundlegend gewesen für das Entstehen des Kollegiums als Institution und als Bautyp und kam nun in der Hierarchie des barocken Staates besonders klar zum Ausdruck. So ist es nach damaliger Auffassung nicht abwegig, Universität und Kirche, Wissenschaft und Religion als Grundfesten des Staates anzusehen«, ebd., S. 152.

(45) Ebd., S. 150.

(46) H. HIPP, Studien zur »Nachgotik« des 16. und 17. Jahrhunderts in Deutschland, Böhmen, Österreich und der Schweiz, Tübingen 1979. H. Hipp (1979) weist auf die in ihren Grundzügen ordensapologetische Argumentation Brauns hin. »Es geht nicht im strengen Sinne um das Verständnis der Denkmäler, sondern um die Zurückweisung der »Jesuitenstil«-Vorstellung und vor allem des darin implizierten Vorwurfs »Jesuitenstil = Barock = Italien = Ultramontanismus«, und das wird zum Hauptgegenstand aller sich mit Jesuitenarchitektur beschäftigenden Literatur« (S. 37). Er stellt im weiteren für die Darstellung der Jesuitenarchitektur in der Literatur nach Braun fest: »Die Vorstellung vom Barock als Mittel gegenreformatorischer Propaganda bleibt öfters erhalten. [...]. Und er [der Begriff Jesuitenstil = Barock als Mittel gegenreformatorischer Propaganda] lässt sich möglicherweise in gewissem Sinne als historisch angemessen rechtfertigen« (S. 37f.).

(47) Ebd., S. 39.

(48) Ebd., S. 816. Auf die eingangs gestellte Bauherrenfrage nimmt Hipp an hinterer Stelle (Teil 4, »Jesuitenkirchen«) ausführlich Bezug. Für den Untersuchungsbereich der »nachgotischen« Kirchenbauten konstatiert Hipp ein »Schweigen der Quellen«, die eine Vermittlung zwischen Bauherr und Bauwerk erkennen liessen und folgert: »Es ist zumindest klar, dass bei dieser Lage jede Einzeluntersuchung ausgreifender Vorbereitung in Hinblick auf die jeweilige Situation und die Ideologie der jeweiligen Auftraggeber erfordern würde, um dieses selbstverständliche Schweigen zu überbrücken« (S. 810). Bei der Behandlung der Bauherrenfrage misst Hipp dem Einfluss des Landesherrn auf den Sakralbau eine vorrangige Bedeutung zu: »[..] in der Regel [treten] die Landesfürsten als massgebliche Stifter und Auftraggeber [wie im Falle von Ordensbauten] als Förderer in Erscheinung. [..] Insgesamt geschah bei dieser Sachlage mithin wohl nichts im Kirchenbau, das nicht die bewusste Billigung auch der Angehörigen der obersten soziologischen Schichten erfahren hätte« (S. 811). Hipp sieht diese Rolle des Landesherren im Zusammenhang mit der im späten 16. Jahrhundert einsetzenden, straffen Organisation der Territorialstaaten in Deutschland durch die Schaffung von weltlichen und kirchlichen Zentralbehörden.

(49) Ebd., S. 882; auch das folgende Zitat bei Hipp, S. 882.

(50) J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 100. Il Gesù, der Hauptbau des Ordens, wurde im Sinne der »buone regole dell'architettura« der frühneuzeitlichen Architekturlehre realisiert. »Auch Ignatius lag daran, dass die Hauptkirche des Ordens dem gängigen architektonischen Kanon folgte und der »Decorum«- Vorstellung der Zeit entsprach«, ebd., S. 100.

(51) Ebd., S. 83. J. TERHALLE, 1997, verweist auf den Zusammenhang zwischen dem ordenspezifischen Begriff des »modo nostro« und der neuen Architekturauffassung, S. 101 ff.

(52) Die neue Architekturrichtung wurde auch von den Jesuiten selbst mitgetragen und unterstützt; (zum Verhältnis von »Wandpfeilerkirche, »italienischer« Kunst und »modo nostro«, vgl. H. HIPP 1979, S. 856ff.) Eine Erklärung für die Rezeption der Renaissancearchitektur lässt sich aus der Disposition des jesuitischen Bildungssystems selbst ableiten: Die humanistisch-scholastische Lehre der Gesellschaft Jesu integrierte neben den christlichen Inhalten auch die auf der antiken »ars dicendi« beruhende Lehre von den rhetorischen Stilen (zur »ars dicendi« vgl. N SCHMUCK, 1981 S. 210 und Schmuck, Anm. 83). Vor diesem Hintergrund liess sich - vermittelt durch die »vitruvianische« Architekturlehre - auch die Kunstauffassung der Spätrenaissance in das Kunstverständnis des Ordens einfügen; vgl. dazu J. TERHALLE 1997, S. 88. Diese Feststellung erfolgt zu Abmilderung der These, wonach es dem Orden in erster Linie um die »Funktionalität der Architektur gegangen wäre. Es ist gerade auf die inhaltliche humanistische Entsprechung zur »neuen« Kunst hinzuweisen, als einer »rhetorischen« Kunstform. Die äussere Form der Bauten und deren Dekor boten eine Möglichkeit der Artikulation eigener Vorstellungen und Programme des Ordens. Dieser bedeutsame Stellenwert der Kunst in der Auffassung der Jesuiten ist in der Auseinandersetzung mit der Jesuitenarchitektur in Betracht zu nehmen (vgl. dazu auch J. Terhalle, Katalog 1997, S 83 ff. und S. 100ff.). Die »moderne«, »italienische« Kunstauffassung war zu Ende des 16. Jahrhunderts/Anfang 17. Jahrhundert noch nicht allgemein akzeptiert, besonders nicht in Deutschland. Die Architekturbeispiele des Münchener Kollegs und der unter Maximilians I. entstandenen Kollegbauten verdeutlichen: in Bayern dominierte im Sakral- und Profanbau im frühen 17. Jahrhunderts bereits die »klassische« Architektur der Spätrenaissance im Übergang zum Frühbarock, und dies als Folge der besonderen kunstprogrammatischen Förderung dieser Kunst- und Stilrichtung durch die Landesfürsten Wilhelm V. und Maximilian I. in Zusammenarbeit mit dem Jesuitenorden.

Kap. 1.2

(53) Die Beantwortung der Frage nach dem/den Bauherren im Rahmen dieser Untersuchung ist differenziert nach Kontext der jeweils verschiedenen Kollegprojekte zu beantworten. Als Bauherr der Ordenskollegien ist im Normalfall der Jesuitenorden selbst zu bezeichnen. Im Falle des Ordensbaues in Bayern griffen jedoch die Landesherren Wilhelm V. und Maximilian I. wiederholt bei Entscheidungsfällen zur Bauorganisation und zur Baugestaltung in den Kollegbau ein und nahmen auf diese Weise bauherrliche Rechte für sich in Anspruch. Den Diözesanbischöfen, welche die Errichtung einer Kirche im Normalfall zu genehmigen hatten, wurde für den Kirchenbau des kirchenrechtlich exempten Jesuitenordens zumindest im Untersuchungsbereich dagegen keine nennenswerte Entscheidungskompetenz eingeräumt. Die Einweihung der Jesuitenkirchen erfolgte allerdings unter Mitwirkung der Diözesanbischöfe.

(54) Vgl. U. SCHÜTTE, Gemälde an der Fassade, Die deutschen Architekturtraktate und die Fassadenmalerei zwischen 1500 und 1800, 1992, S. 113; vgl. Joseph Furttenbach d. J.: Architectura civilis (1628), Architectura recreationis (Augsburg, 1640), Architectura privata (1641), »Kirchen Gebäw« (Augsburg, 1649).

(55) H. HIPP nennt in diesem Zusammenhang das Stichwort »Ideologie«, vgl. dazu H. Hipp 1979, S. 816 ff., wie Anm. 48.

Kap. 4

(56) Zu den Grundzügen der Geschichte des sog. »konfessionellen Zeitalters«, zur Ordensgeschichte und der Geschichte der Einfügung des Ordens in das Reich: K. BRANDI, Reformation und Gegenreformation, Frankfurt 19795; H. BOEHMER, Die Jesuiten, Neuausgabe Stuttgart, 1957; H. JEDIN (Hrsg.), Hb. der Kirchengeschichte, Bd. IV, Reformation, Katholische Reform und Gegenreformation, hier die Begriffsdefinition: »Die historischen Begriffe«, S. 449ff.; Kap. 33, Ignatius v. Loyola und sein Orden bis 1556; K. HENGST, Jesuiten an Universitäten und Jesuitenuniversitäten, Zur Geschichte der Universitäten in der Oberdeutschen und Rheinischen Provinz der Gesellschaft Jesu im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzung 1981; M. SIEVERNICH und G. SWITEK (Hrsg.), Ignatianisch, Eigenart und Methode der Gesellschaft Jesu 1990; A. FALKNER und P. IMHOF (Hrsg.), Ignatius von Loyola und die Gesellschaft Jesu, Köln, Würzburg 1990; H. LUTZ und D. ALBRECHT, Das konfessionelle Zeitalter, S. 297 ff.; in: M. SPINDLER, Hb. der bayerischen Geschichte 1966, Bd. 2, S. 297ff.; B. SCHNEIDER, Die Jesuiten als Gehilfen der päpstlichen Nuntien in Deutschland zur Zeit der Gegenreformation (Miscellanea Historiae Pontificiae 21) 1959; W. SEIBRICH, Der grosse Verdrängungsversuch der alten Orden durch die Jesuiten (1629-1631); in: Die Gesellschaft Jesu und ihr Wirken im Erzbistum Trier, Katalog 1991, S. 64 ff.; Bibliographie zur Reformationsgeschichte, siehe C.J. ROEPKE, Die evangelische Bewegung in Bayern im 16. Jahrhundert, Anm. 1; in: Katalog Wittelsbach und Bayern, II/1, München 1980; H. SMOLINSKY, Die Kirchen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Kräfte und Mächte im Ringen um Glauben und Leben; in: Katalog 1997, R. Baumstark (Hrsg.), S. 19-30; J. W. O'MALLEY, Die frühe Gesellschaft Jesu, ebd., S. 31-40.

Kap. 4.1

(57) H. JEDIN 1985, Bd. IV, S. 475.

(58) Vgl. Die »Beschwerdeschrift der deutschen Nation«, die »Gravamina nationis Germanicae adversus Curiam Romanam« von 1451; dazu: H. JEDIN, Hb. der Kirchengeschichte 1985, Bd. IV, S. 3ff.

(59) Vgl. auch L. BOEHM, Bildungs- und Hochschulwesen im Reformzeitalter des 15./16. Jahrhunderts, München 1996, Einführung, S. 2.

(60) Die zweite Fassung der Kontitutionen des Ignatius wurden von Papst Julius III. mit den apostolischen Schreiben »Esposcit debitum« am 21.7.1550 bestätigt.

(61) Zum Seminardekret siehe J. A. D'ONOHOE, Tridentine seminary legislation. Its Sources and its formation, 1957.

(62) Das Kaiserhaus Habsburg war in jener Zeit aufgrund seiner unentschlossenen Haltung gegenüber dem Katholizismus kein vorrangiger Gesprächs- und Vertragspartner der Kurie; siehe H. LUTZ, Das konfessionelle Zeitalter, S. 324ff.; in: M. Spindler 1966.

(63) Zu den Vorgängen der Einführung der Jesuiten in Bayern siehe K. HAUSBERGER, Die kirchlichen Träger der Katholischen Reform in Bayern; in: Um Glauben und Reich, Katalog Wittelsbach und Bayern, II/1, München 1980, S. 115ff.; A. SEIFERT, Die »Seminarpolitik« der bayerischen Herzöge im 16. Jahrhundert und die Begründung des jesuitischen Schulwesens; in: Katalog Wittelsbach und Bayern, II/1 1980, S. 125 ff.; hier auch eine Bibliographie zur Universitätsgeschichte im Reich, Anm. 9; A. SEIFERT, Weltlicher Staat und Kirchenreform, Die Seminarpolitik Bayerns im 16. Jahrhundert 1978; E. M BUXBAUM, Petrus Canisius und die kirchliche Erneuerung des Herzogtums Bayern 1549-1556, 1973; D. ALBRECHT, Bayern und die Gegenreformation; in: Katalog Wittelsbach und Bayern, II/1, München 1980, S. 13 ff.; M. WEITLAUFF, Die Gründung der Gesellschaft Jesu und ihre Anfänge in Süddeutschland, Jb. d. Histor. Vereins Dillingen, XCIV. Jhg. 1992; H. GLASER, Nadie sin fructo. Die bayerischen Herzöge und die Jesuiten im 16. Jahrhundert; in: Katalog 1997, R. Baumstark (Hrsg.), S. 55-82.

(64) Siehe BayHStA, Ingolstadt, Jesuitenurkunde, 27. Januar 1588. K. HENGST weist darauf hin, dass sich die Artistenfakultät bereits 1585 faktisch in jesuitischer Hand befand, K. Hengst 1981, S. 97f.

Kap. 4.2

(65) Nach R. MÜLLER waren die Jesuitenkollegien eine Art »modernes Relikt« des mittelalterlichen Universitätssystems, das aber sehr effizient innerhalb der Sphäre der katholischen Universitäten im deutschen Reich und im katholischen Europa wirkte; R. Müller 1991, S. 174.

(66) Vgl. G. CODINA MIR, Aux sources de la pédagogie des Jésuits le »modus parisiensis«, Rom 1968.

(67) Über die Konventanlagen der Gesellschaft Jesu und ihre Vorbilder siehe J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 88-92; Literatur zum Klosterbau bei den Bettelorden vgl. W. BRAUNFELS, Abendländische Klosterbaukunst, Köln 1969; G. BINDING und M. UNTERMANN, Ordensbaukunst in Deutschland, Darmstadt 1985.
Literatur zu den Jesuitenkollegien und ihren baulichen Anlagen vgl. J. BRAUN, Bauten, in: B. Duhr, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge vom 16. bis 18. Jahrhundert, 4 vol. (München, Regensburg 1907/1928), S. 603ff; H. NISING, Die Jesuitenkollegien, unveröffentl. Diss., Frankfurt 1990; H. HIPP 1979. Zum Bauwesen des Jesuitenordens P. MOISY 1958; P. PIRRI 1955. Literatur zum Prozess der Verinstitutionalisierung der Kollegien an den Universitäten, vgl. besonders K. RÜCKBROD 1977.

(68) Die Bezeichnung »Collegium« findet sich auf den betreffenden Stichen von M. Merian.

(69) Zu den Anlagen in Helmstedt und Altdorf siehe K. RÜCKBROD 1977, 137ff.; hier auch Abbildungen der Anlagen Abb. 26/27 und Abb. 30/31.

(70) R. MÜLLER 1991, S. 175ff.; »Diese Formen des Gemeinschaftslebens und der Lehre wurden durch die Reformation zerstört, die Professoren heirateten, die Studenten nahmen private Quartiere. Antiinstitutionelle Prinzipien - dieses Ideal wurde als »akademische Freiheit« bezeichnet - negierten das Kollegiensystem und verdammten es sogar aus religiösen Gründen und wegen neuerer pädagogischer Ideale«. Laut R. Müller gewann der »Mos Italicus« mit der Freiheit von Wohnen und Lehre Oberhand an den deutschen protestantischen Universitäten. Der »Mos Italicus« wurde jedoch auch an den medizinischen und jurisitischen Fakultäten der katholischen Universitäten angewendet.

Kap. 4.3

(71) K. MERTES, Lernen in Messina, Die Anfänge der jesuitischen Kollegspädagogik, in: A. Falkner/P. Imhof, Ignatius von Loyola und die Gesellschaft Jesu 1990, S. 299ff.

(72) Ebd., S. 163. Diese Feststellung unterstreicht gleichzeitig den Einfluss, den die Jesuiten auf das Bildungs- und Erziehungswesen im Reich bis ins Jahr 1648 gewonnen hatten.

(73) Zum Aufbau der Universitäten des Reiches siehe: K. HENGST 1981; L. BOEHM, Das Hochschulwesen in seiner organisatorischen Entwicklung, S. 815 ff. in: M. Spindler, Hb. der bayerischen Geschichte, München 1966; P. BAUMGART und N. HAMMERSTEIN (Hrsg.), Beiträge zu Problemen deutscher Universitätsgründungen der frühen Neuzeit, 1978, Beitrag P. Baumgart über die Universitäten im »konfessionellen Zeitalter« (am Beispiel Würzburgs und Helmstedts); G. LURZ, Mittelschulgeschichtliche Dokumente Altbayerns, Bd. 41, 1907.

(74) Die Artistenkollegien dienten u.a. der Besoldung der Magistri regentes, also der Lehrenden der Universität. An den Universitätsgründungen im Reich gab es z.T. Vorschriften zur Sammlung der Studenten in Bursen, denen ein Magister regens vorstand, oder in Kollegien. Die Bursen und Kollegien unterstanden wiederum der Oberaufsicht durch die Universität, bzw. der Artistenfaktultät; siehe dazu R. CH. SCHWINGES, Der Student in der Universität; Ausführungen zu Unterkunft und Wohnen und zum Begriff »collegium«, »bursa«, etc.; in: W. RUEGG, Geschichte der Universität in Europa, Bd. 1, München 1993, 198ff.

(75) Weitere Kollegiengründungen an den Universitäten des Spätmittelalters im Reich sind das Collegium Carolinum 1366 (gegründet als Artistenkolleg) und das Allerheiligen-Collegium (Theologenkolleg) in Prag (Universität Prag 1348)), das Artistenkolleg in Heidelberg (Universität 1386, Artistenkolleg 1390), in Ingolstadt (Universität 1472) das Artistenkolleg oder Alte Kolleg 1472 bzw. das Neue Kolleg oder Georgianum 1494; weitere Kolleggründungen erfolgten an den Universitäten in Wien, Leipzig, Köln, Freiburg, Mainz, Trier.

(76) Das an der Pariser Universität geltende Nationalitätenprinzip wurde an diesen jüngeren Universitätsgründungen des Reiches zugunsten der Gliederung nach Fakultäten geändert.

(77) Zu »Humanismus« siehe H. JEDIN, Hb. der Kirchengeschichte 1985, Bd. III/2, Vierter Abschnitt, S. 625ff.

(78) Siehe F. EULENBURG, Die Frequenz der deutschen Universitäten von ihrer Gründung bis zur Gegenwart, 1904.

(79) Die Grundlagen für diese an Rom orientierte Politik der bayerischen Landesfürsten wurden auf der sog. Grünwalder Konferenz Anfang Februar 1522 gelegt. Bereits am 5.3.1522 wurde in München ein Religionsmandat zur Eindämmung der Lehre Luthers erlassen; siehe H. LUTZ, »Das konfessionelle Zeitalter«, in: M. Spindler 1966. S. 294ff.

(80) Zeitgleich mit der Gründung des Kolleges Ingolstadt 1556 wurde die Oberdeutsche Ordensprovinz (Provincia Germania Superioris) eingerichtet, deren erster Provinzial Petrus Canisius (1521-1597) wurde; zu P. Canisius und zur frühen Tätigkeit des Ordens in Deutschland siehe J. OSWALD und P. RUMMEL. (Hrsg.), Petrus Canisius, Reformer der Kirche, Festschrift zum 400. Todestag, Augsburg 1996.

(81) In Ingolstadt bestand als traditionelles Kolleg das Artistenkolleg oder sog. »Alte« Kollegium und das Georgianum oder »Neue« Kolleg. Ein weiteres Beispiel für die Umwandlung eines älteren Kolleges in ein jesuitisches Ordenskolleg ist das Collegium Hieronymi in Dillingen (gegründet 1549). Das Kolleg wurde 1563 vollkommen unter die Verwaltung der Gesellschaft Jesu gestellt. Die Universität Dillingen wurde damit zu einer reinen »Jesuitenuniversität«.

(82) L. BOEHM, Die Anfänge des Studium Generale zu Ingolstadt, Von der Korporation zur Landesuniversität, in: M. Spindler 1966, S. 822.

(83) Das Georgianum (oder sog. »Neues« Kollegium) in Ingolstadt wurde 1494 von Georg dem Reichen 1494 gegründet. Nach dem massiven Einwirken des Landesherrn vor und um 1515 auf die innere Verfassung des Georgianums war eine Abschwächung in den dreissiger Jahren festzustellen. Mit Verschärfung der universitären und seelsorgerlichen Krise nahm ab den 1540er Jahren der Druck der landesherrlichen Aufsicht auf das Georgianum wieder zu und fand ihren Höhepunkt 1555 im Eingriff Albrechts V. in die Verfassung des Georgianums. Dabei fand eine Umwidmung der einfachen Kollegiaturstipendien zugunsten der Ausbildung von Theologen statt. Handhabe für den Eingriff bot die Verfassung der Universität Ingolstadt selbst. Die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens regelten das Eingriffsrecht des Landesherrn in den Kultus und geistlichen Bereich (vgl. das »ius reformandi«).

(84) 1552 verliess der Jesuitenorden Ingolstadt aus Protest wegen Nichteinhaltung der Zusagen für einen eigenen Kollegbau. Der Gesellschaft Jesu wurde 1556 zunächst das »alte« Artistenkolleg in Ingolstadt zugewiesen. 1576 konnte das neuerrichtete Albertinum als neuer Ort des Jesuitenkolleges bezogen werden.

(85) Die Ausführungen zum Georgianum werden hier mit der Kolleginstitution der Jesuitenordens in Ingolstadt in Beziehung gesetzt. Die Artistenfakultät befand sich ab 1588 (nach K. HENGST 1981, S. 97f. bereits 1585) endgültig in der Hand der Jesuiten. Das Georgianum wurde jedoch nicht in das Bildungssystem einbezogen, sondern behielt durch seine Überantwortung an den Senat der Universität 1587 einen eigenständigen Charakter. Das Georgianum wurde 1785 offiziell Sitz des bayerischen Priesterseminars, siehe A. Seifert, Weltlicher Staat und Kirchenreform, 1978. Das Georgianum blieb somit als eigene, dem Universitätssenat unterstellte Kolleginstitution bestehen; es wurde 1587/1593 nicht der jesuitischen Artistenfakultät zugeordnet.

(86) Zum Georgianum siehe H. J. REAL, Die privaten Stipendienstiftungen der Universität Ingolstadt im ersten Jahrhundert ihres Bestehens und A. SEIFERT, Das Georgianum 1494-1600, Frühe Geschichte und Gestalt eines staatlichen Stipendiatenkollegs, in: Ludovico Maximilianea, J. Spörl/L. Boehm (Hrsg.), Forschungen Bd. 4, Berlin 1972.

(87) Studienziel der Kollegiaten des Georgianums war zunächst der artistische Magistergrad, danach wahlweise das Theologiestudium.

(88) A. SEIFERT, Das Georgianum 1494-1600, in: J. Spörl/L. Boehm (Hrsg.) Ludovico Maximilinaea; Universität Ingolstadt-Landshut-München, Forschungen Bd. 4 , Berlin 1972, S. 173. Die Fakultät und das Georgianum waren in den Jahren 1515-1539 räumlich und personell vereint waren. In dieser Zeit war das Georgianum eine Kolleganstalt mit vollem Unterrichtsbetrieb (durch Abschaffung der öffentlichen Vorlesungen, an deren Stelle »resumptiones bursales« gesetzt wurden). Der philosophische Kurs im Georgianum wurde in dieser Zeit zur Fakultätsveranstaltung erhoben. Für diese kurze Zeitspanne waren die Artistenfakultät und das Georgianum räumlich und personell annähernd miteinander identisch. Der philosophische Kurs wurde danach wieder in das Artistenkolleg zurückverlegt.

(89) A. SEIFERT, Das Georgianum (1494-1600) 1972, S. 176. Im Georgianum besass ein Magister regens die Leistungskomptenz. Als Folge der Vernachlässigung der Hausstudien bis zur Reform von 1555 musste auf Kosten des Georgianums ein Präzeptor angestellt werden. Die neuen Regelungen wie die Neubesetzung der Stelle eines Präzeptors führten zu Finanzengpässen bei der Finanzierung des Georgianums. Um die gestiegenen Ausgaben des Kollegs abzudecken, blieben ab 1580 - entgegen den Stiftungsbestimmungen - Stipendienplätze des Georgianums vakant.

(90) Diese Entwicklung der Befreiung der Studierenden von der Bezahlung von Studiengebühren kündigte sich bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts an, als die Frequenzkrise der Universität den Landesherrn dazu zwang, besoldete Lekturen einzurichten und die Hörgebühren in der Artistenfakultät abzuschaffen.

(91) Die Untersuchung dient zur Klärung der Frage, vor welchem Traditionshintergrund die Kollegienstiftungen Maximilians I. (vgl. etwa das Kolleg Burghausen) stattfanden.

(92) H. J. REAL, Die privaten Stipendienstiftungen der Universität Ingolstadt im ersten Jahrhundert ihres Bestehens und A. SEIFERT, Das Georgianum 1494-1600, Frühe Geschichte und Gestalt eines staatlichen Stipendiatenkollegs, in: Ludovico Maximilianea, J. Spörl/L. Boehm (Hrsg.), Forschungen Bd. 4, Berlin 1972.

(93) Vgl. das elf Städten des Herrschaftsbereiches eingeräumte Recht der Präsentation von Kandidaten für die Kollegiaturen.

(94) Die Kollegienstiftungen Maximilians I. bewegten sich zwar noch auf der traditionellen Grundlage der »frommen Stiftung«, waren jedoch stärker auf die Erfüllung eines genauer kalkulierten landespolitischen Stiftungszwecks hin konzipiert. Kurfürst Maximilian I. stand bei seinen jesuitischen Kollegstiftungen zwar noch in der Tradition der frommen Stiftungen »pia causa«, hatte in seinem Stiftungszweck aber bereits die »publica causa« im Blick.

(95) Vgl. K. HENGST, »Zum Begriff Jesuitenuniversität«, S. 72-79. Nur der Kollegtypus in seiner vollen Ausbaustufe ist nach K. Hengst als »Jesuitenuniversität« zu benennen; »Erst die Zusammenschau des straff durchdachten, geschlossenen Gefüges der »universitas scholasticorum und doctorum« unter dem Dach eines einziges Kollegs, allein gelenkt durch die Hand dessen, der die »supremam curam societatis« ausübte und mit der Gloria Dei als einziger Zielsetzung, ermöglicht die eindeutige Bestimmung des in der bisherigen Literatur schillernden Begriffs »Jesuitenuniversität««; K. Hengst 1981, S. 61.

(96) Albrecht V. hatte bereits 1557 mit Canisius, dem ersten Provinzial der Oberdeutschen Ordensprovinz, erste Gespräche zur Errichtung eines Netzes von Kollegien in Landshut, Straubing und München mit einem abgestuften Aufbau geführt. Die Einrichtung des Kolleges München erfolgte ab 1559; erst unter Maximilian I. erfolgte die Gründung der Ordensniederlassungen in Landshut 1629/30 und Straubing 1631.

(97) A. SEIFERT, Die »Seminarpolitik« der bayerischen Herzöge im 16. Jahrhundert und die Begründung des jesuitischen Schulwesens 1978, S. 131.

(98) L. BOEHM, Die Tridentinischen Studienanstalten: Entstehung eines neuen Hochschultyps; in: M. Spindler 1966, S. 833.

Kap. 5

Kap. 5.1

(99) J. M. FLETCHER, The History of Academic Colleges: Problems and Prospects, in: D. MAFFEI und H. DE RIDDER - SYMOENS, (Hrsg.), I Collegi 1991. Kritik an der Darstellung von Fletcher bezieht sich auf die summarische Behandlung der genannten Ausformungen der Kollegien ohne genauerer zeitlicher Differenzierung der einzelnen Kollegientypen und ihrer genetischen Zusammenhänge zu üben.

(100) E. LEVY, in: D. Maffei/ H. de Ridder-Symoens (Hrsg.), I Collegi 1991.

(101) W. FRIJHOFF, Conclusions, in: D. Maffei/H. de Ridder-Symoens (Hrsg.), I Collegi 1991.

Kap. 5.2

(102) Die vermögenden bürgerlichen Studenten dieser Fakultäten konnten sich freie Quartiere leisten, oder sie lebten in Bursen.

(103) In diesem Zusammenhang der Hinweis auf Stifterpersönlichkeiten wie Robert de Sorbonne (Kolleg in Paris), Merton (Colleg in Oxford) oder Kardinal Albaroz (Spanisches Kolleg in Bologna) als Gründer hervorragender mittelalterlicher Kollegiengründungen in den grossen Universitätsstädten.

(104) Die Dotierung eines Kolleges setzte sich aus verschiedenen Quellen der Finanzierung zusammen: aus Kapitalien mit einen jährlichen Zinsertrag, aus Naturalienstiftungen, aus der Übereignung von Grundbesitz und von Nutzungsrechten. Einer bestehenden Stiftung konnten weitere Besitztitel durch Zustiftung inkorporiert werden.

Kap. 5.3

(105) Literatur zur Kolleginstitution: K. MERTES, Lernen in Messina, Die Anfänge der jesuitischen Kollegspädagogik, in: A. Falkner/P. Imhof, Ignatius von Loyola und die Gesellschaft Jesu 1990, S. 299ff.; M. SIEVERNICH und G. SWITEK, Ignatianisch, Eigenart und Methode der Gesellschaft Jesu, Freiburg 1990; L. GIARD, La constitution du système éducatif jésuite au XVIe Siècle, in: O. WEIJERS, Vocabulaire des collèges universitaires (XIIIe-XVIe siècle), Études sur le Vocabulaire intellectuel du moyen age, Bd. VI, 1992. R. A. MÜLLER 1991, S. 173ff., mit Bibliographie; L. LUKACS, Ratio studiorum, 1586/1591-92/1599. Monumenta paedagogica Societatis Jesu, vol. 5, Rom 1986; B. DUHR, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge vom 16. bis 18. Jahrhundert, 4 vol. (München, Regensburg 1907/1928); G. M. PACHTLER, Ratio studiorum et institutiones scholasticae Societas Jesu, 4 Vol., Berlin 1887/1894, Neudruck Osnabrück 1968; G. CODINA MIR, Aux sources de la pédagogie des Jésuits le »modus parisiensis«, Rom 1968; P. KNAUER, Ignatius von Loyola, Satzungen 1980, 3. Aufl.; K. HENGST, Die Jesuiten an Universitäten und Jesuitenuniversitäten, Paderborn 1981.

Kap. 5.3.1

(106) Die Begrifflichkeit des Jesuitenordens zum Kollegwesen ist direkt aus dem Umfeld der Universitäten übernommen worden und hat in diesem Erfahrungsfeld seine Wurzeln. In Paris erfolgte die Einteilung der Studenten in insgesamt sieben sogenannte »Compagnien«. Vermutlich aus diesem universitären Zusammenhang erklären sich die Begriffe »Compagnia de Jesu«. Ignatius betont auch, die Gemeinschaft könnte auch Congregatio oder Orden genannt werden; vgl. H. JEDIN, Hdb. der Kirchengeschichte 1985, S. 469, Anm. 4: »Compagnia, früher militärisch als »Fähnlein« gedeutet, nun von compagno = Gefährte«. Die Insassen des Kolleges der Sorbonne wurden Socii genannt. Die Gemeinschaft nannte sich Societät, vgl. auch eine Deutung der Abkürzung des Ordens »IHS« als »Jesum Habemus Socium«.

(107) Das College Montaigù wurde in den Jahren 1480-1490 von Jan Standonck (gest. 1504) reorganisiert. Standock hatte bereits zuvor an der Universität Löwen ein humanistisches dreisprachiges »Collegium trilingue« geleitet. Durch ihn erfolgte eine Umgestaltung des Colleges Montaigù zu einem humanistischen Kollegium unter Verwendung des »Modus Parisiensis«. Ignatius studierte 1528 am College Montaigù.

Die Anleitung zur humanistischen Spracherziehung erfolgte durch den Umgang mit klassischen Texten. Über Standonck lassen sich Verbindungslinien zur Devotio moderna und den Brüdern vom gemeinsamen Leben ziehen. Ignatius lernte diese Gemeinschaft bei seinen Fahrten in die Niederlande kennen (vgl. B. HALLENSLEBEN, Pädagogik aus dem Geist der Exerzitien. Die Bildungskonzeption des Ignatius von Loyola; in: Rottenburger Jb. f. Kirchengeschichte 14; 1995). Die Brüder vom gemeinsamen Leben, auch Fraterherren genannt, praktizierten ein eigenes Lehrsystem. Ihr Verhältnis zu den Studien beeinflusste die zeitgenössische Pädagogik. Das Zusammenleben fand in einer Art Kollegien nach dem Internatsmodell statt.

(108) Die Universität Paris besass ihren Schwerpunkt in der Ausbildung von Theologen und Artisten. Bereits im Mittelalter entstanden hier Studienkollegien der Dominikaner, Franziskaner, etc. zur Ausbildung von Ordenstheologen.

(109) J. Lainez (1558-1565) trug zur Klärung der inneren Struktur der Kolleginstitution wesentlich bei durch die Entwicklung des vierstufigen Kollegmodells von 1559 - unter Präzisierung der Angaben des Ignatius.

(110) Siehe L. GIARD, La constitution du système éducatif jésuite au XVIe Siècle, in: O. Weijers, Vocabulaire des collèges universitaires (XIIIe-XVIe siècle), Études sur le Vocabulaire intellectuel du moyen age, Bd. VI, 1992.

(111) Es ist aufschlussreich, diese ersten Motivationen des Ordens mit der Tätigkeit und der Ausrichtung der Brüder vom gemeinsamen Lebens in Beziehung zu setzen. Die Zielsetzungen und Aufgabenfelder der Fraterherren beeinflussten möglicherweise die Ausprägung der Exerzitien und die Konstitutionen des Ignatius; vgl. B. Hallensleben, Pädagogik aus dem Geist der Exerzitien. Die Bildungskonzeption des Ignatius von Loyola, 1995.

(112) Das Jesuitenkolleg in Messina wurde innerhalb des Ordens auch die »Mutter« der Kollegien genannt. Die Konstitutionen für das Kolleg Messina wurden 1548 von Nadal herausgegeben; sie waren damit die erste konkrete Kollegverfassung für ein Kolleg der Gesellschaft Jesu. »Mit dieser Konstitution wird der Wille der Gesellschaft Jesu zur Übernahme der Verantwortung für die Gesamtstruktur eines Kollegs deutlich«. Das Regelwerk umfasste zwei Teile: die Organisation und Disziplin des Kollegs und den Lehrplan im Kolleg. Der Rektor hatte danach die alleinige Leitungsgewalt im Ordenskolleg inne. Petrus Canisius (1521-1597) war einer der Begründer des Kolleges Messina. Das Lebenswerk des Canisius galt der Aufrichtung der Oberdeutschen Ordensprovinz, deren erster Provinzial er 1556 bis 1569 war.

Kap. 5.3.2

(113) vgl. K. HENGST 1981, S. 55ff.

(114) Die beiden klassischen Universitätsdisziplinen, Medizin und bürgerliches Recht, liessen sie sich kaum in die genannte Zielsetzung des Ordens einordnen; sie wurden daher von den Studienbestimmungen des Ordens nicht mit einbezogen.

(115) Ebd., S. 59.

(116) Ebd., S. 62ff.

(117) Die Darstellung des Studienaufbaues folgt K. HENGST 1981, S. 55ff.

(118) Die Intentionen des Ignatius zum Studienaufbau: Die unterste Stufe des jesuitischen Studienaufbaues bildete die Facultas linguarum mit den grundlegenden Hilfswissenschaften und der Vermittlung der »Studia humaniora«. Auf dieser Stufe baute die zweite Fakultät mit den philosophischen Disziplinen auf (Facultas artium), die zur dritten Stufe führte, der theologischen Fakultät (Facultas theologiae).

(119) Laut K. HENGST 1981, S. 64, besass diese »Universitas in Collegio Societatis zwar die gleichen Gremien wie eine in mittelalterlicher Tradition stehende Universität. Es fehlten diesen Organen wegen der zentralen Leitung durch den römischen General jedoch die von diesen Traditionsuniversitäten eifersüchtig gehüteten Freiheiten«.

(120) J. Lainez wurde von Ignatius selbst als der eigentliche Vater des Kolleggedankens der Gesellschaft Jesu bezeichnet, Angabe nach K. Hengst 1981, S. 65.

(121) K. HENGST kommentiert den Kollegaufbau des Lainez: »Der Erlass von 1559 über die vier Arten von Kollegien ist nicht nur ein Beleg seines organisatorischen Talentes, sondern die Formulierung seiner Lieblingsgedanken im Vorjahr des Todes nach der Art eines geistlichen Testamentes, dem der Orden in den Grundzügen treu geblieben ist«; K. Hengst 1981, S. 65.

Kap. 5.4

(122) K. RÜCKBROD, S. 113.

(123) Ebd., S. 123. Zum Spanischen Kolleg Bologna auch M. KIENE, L'architettura del Collegio di Spagna di Bologna. Organizazzione dello spazio e influssi sull'edilizia universitaria europea 1983, S. 233-241.

(124) Mit der Errichtung der Kollegneubauten wie dem Spanischen Kolleg in Bologna entstanden Gebäude, in denen »die Institution Kollegium zweck- und wesensgemässe Gestalt in einer Bauform fand, die die Bauaufgabe vom Typischen her erfasste und die Bauidee erkennen liess«; K. RÜCKBROD 1977, S. 5.

(125) G. CODINA MIR 1968.

(126) K. HENGST 1981, S. 62.

(127) K. RÜCKBROD 1977, S. 114f. In seiner Charakterisierung des Bautypus des Kollegiums hebt Rückbord zugleich den engen institutionellen wie auch baulich-strukturellen Zusammenhang hervor, der zwischen dem mittelalterlichen Klosterbau mit Vierflügelanlage und Bildung eines Innenhofes und dem Kollegtypus (vgl. New College, Oxford) bestand. »Das Quadrangular-Schema ist der Innenhofanlage des Klosters verwandt, von dem die Einrichtung Kollegium und die Bauidee entlehnt worden ist«.

(128) R. MÜLLER 1991, S. 181.

(129) Zur Ordensbaukunst siehe G. BINDING, Ordensbaukunst in Deutschland 1985, W. BRAUNFELS, Abendländische Klosterbaukunst 1969, H. NISING, Regel und Klosterbau, Auseinandersetzung mit dem Phänomen Klosterbau und Versuch einer Infragestellung der kunsthistorischen These von einem Eskorialschema, 1973.

(130) K. HENGST 1981, S. 66.

Kap. 6

Kap. 6.1

(131) Dazu N. SCHMUCK, Vitruvs Architekturtheorie, S. 204: »Der Text Vitruvs ist im Laufe der abendländischen Reflexion über Architektur nie vergessen worden und hat besonders in der Renaissance epochemachende Wirkung gezeitigt«; Vitruv war Baumeister und Architekt im ersten vorchristlichen Jahrhundert. Er ist der einzige aus der Antike überlieferte umfassende Architekturtheoretiker. Seine architekturtheoretischen Vorstellungen entwickelte Vitruv in der Schrift »De Architectura Libri decem«. - Weitere Ausführungen zu »Vitruv« und »Vitruvianismus« bei: G. GERMANN, Einführung in die Geschichte der Architekturtheorie, 2. Aufl., Darmstadt 1987, S. 9. Eine systematische Darstellung »vitruvianischer« Theorien bei N. Schmuck, Geschichte der Kunstwissenschaft, Vitruvs Architekturtheorie, in: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft, H. Lützeler (Hrsg.), Bd. 26/2, Bonn 1981. E. FORSSMAN 1984, S. 6. E. Forssman legte mit seiner Arbeit »Dorisch, Jonisch, Korinthisch, Studien über den Gebrauch der Säulenordnungen in der Architektur des 16.-18. Jahrhunderts«, 1961 Grundlagen zur kunstwissenschaftlichen Bearbeitung der »vitruvianischen« Architekturtheorie und deren frühneuzeitlichen Anwendung; H.-W. KRUFT, Geschichte der Architekturtheorie. Von der Antike bis zur Gegenwart, München 1985.

(132) Vgl. L. B. ALBERTI, »De Re Aedificatoria«, um 1443; Serlio, Palladio, Vignola (Architekt von Il Gesù in Rom, der »Mutterkirche« des Jesuitenordens), u.v.a.

(133) Als »Vitruvianismus« bezeichnet E. FORSSMAN »das architektonische Denken und Gestalten einer Epoche, die von der Renaissance bis zum Klassizismus reicht, wobei von den stilgeschichtlichen Wandlungen einmal bewusst abgesehen wird«, E. Forssman 1984, S. 6. G. Germann zum »Vitruvianismus«: »Man kann so weit gehen zu sagen, dass die gesamte Architekturtheorie von der Renaissance bis zum Klassizismus eine einzige, fortwährende Auseinandersetzung mit Vitruv darstellt, und man spricht häufig von der »vitruvianischen« Architekturtheorie der Neuzeit oder vom »Vitruvianismus«, G. Germann 1987, S. 10.

(134) E. FORSSMAN, Neuauflage 1983, Vorwort, S. 6f.

(135) Der Terminus »frühneuzeitliches Architektursystem« (vgl. U. SCHÜTTE 1992, S. 116) bezeichnet das System des an den Formen der Klassik orientierten Formenvokabulars der Renaissance und des Barock. Das Architektursystem entstand unter dem Einfluss der frühneuzeitlichen Architekturtheorie und fand in der frühen Neuzeit Anwendung bei der Errichtung und Ausstattung der öffentlichen und privaten Architektur.

(136) U. SCHÜTTE 1989, S. 57 ff.; zu den Publikationen von U. Schütte siehe Literaturverzeichnis.

(137) Vgl. die Architekturtheorie des Leon Battista Alberti (1404-1472), »De Re Aedificatoria«, entstanden um 1443, Erstdruck 1485, deutsche Übersetzung vgl. M. THEUER, Leon Battista Alberti, Zehn Bücher über die Baukunst, Wien, Leipzig 1912.

(138) Die Kunstströmung und »neue Kunstsprache« der Renaissance wurde in Deutschland - unter Einwirkung humanistischer Strömungen - verstärkt etwa seit Mitte des 16. Jahrhunderts vor allem in Augsburg, Nürnberg, München, Landshut rezipiert. Frühe Beispiele in München sind das Antiquarium (1568/71), der Münzhof (entstanden 1563-67 unter Albrecht V.), der Grottenhof 1581-88; in Landshut: die Stadtresidenz (entstanden 1537/43 unter Ludwig X.) und der Kronprinzenbau (entstanden um 1573 unter Wilhelm V.).

(139) Eine Voraussetzung für die Wirksamkeit der neuen Architekturtheorie in Italien und im Reich war das Fortbestehen einer klaren gesellschaftlichen Aufgliederung oder »Gesellschaftshierarchie«, die entsprechend (nach-) mittelalterlicher Auffassung einer göttlichen Ordnung (= »Ordo«) entsprachen. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit wurden die Grenzen dieser Ordnung durchlässiger (u.a. eine Folge des Einwirkens der Reformation). Die Vertreter der alten Ordnung, katholische Kirche, Kaiser und Fürsten, also die Vertreter der alten Ordnung, suchten die traditionelle Ordnung zu erhalten. Die Seinsordnung (und entsprechend die Gesellschaftsordnung) sollte nach mittelalterlicher Auffassung ihren Ausdruck in der Kunst und damit also auch in der Architektur finden. »Dies traf sich mit der Überzeugung der Jesuiten, dass Gott durch die Schöpfung wahrnehmbar werde und alle von den menschlichen Sinnen aufgenommenen Eindrücke Träger seines Wirkens seien. Insofern waren auch in Architektur und Kunst Zeichen seines göttlichen Wirkens möglich«; J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 100; Siehe auch G. BANDMANN, Mittelalterliche Architektur als Bedeutungsträger 1951. Zur mittelalterlichen Klosterarchitektur siehe auch W. BRAUNFELS, Abendländische Klosterbaukunst, 1969, S. 122 ff.; Zur Ikonologie barocker Kirchen siehe H. SEDLMAYR, Johann Bernhard Fischer v. Erlach, Die Schauseite der Karlskirche in Wien, 1956, in: Kunst und Wahrheit. Zur Theorie und Methode der Kunstgeschichte, Hamburg 1958. H. NISING weist darauf hin, dass die Orden der Kirche versuchten, der »inneren« Ordnung ihrer Ordensregeln entsprechend eine »äussere« architektonische Ordnung zu schaffen, im Sinne eines Idealplanes. Als Beispiel nennt Nising u.a. die Ordensbaukunst der Zisterzienser, H. Nising 1990, S. 89f.

(140) G. GERMANN 1987, S. 18.

(141) »Ordnung ist [...] ein Begriff, der die formale Beschaffenheit eines Gebäudes regelt. Jede Schönheit kann nur eine »geordnete Schönheit« sein. Die Einhaltung von Regeln ist unerlässlich«; U. SCHÜTTE 1986, S. 152.

(142) U. SCHÜTTE 1984, S. 159.

(143) Ebd., S. 162ff. Der Autor nennt verschiedene Gebäudebautypen innerhalb des Reiches (Deutschland): Beispiel Schul- und Universitätsbauten.

(144) U. SCHÜTTE, »Als wenn eine ganze Ordnung dastünde«. Anmerkungen zum System der Säulenordnungen und seiner Auflösung im späten 18. Jahrhundert« 1981, S. 15.

(145) U. SCHÜTTE 1992, S. 113.

(146) Vitruvs ästhetische Kategorien wurzeln im rhetorischen Denken (»ars dicendi«) der Antike; durch Vitruv erfolgte der Versuch der Anwendung der von Aristoteles, Cicero, Quintilian und Horaz bestimmten Kategorien auf die Architektur.

(147) U. SCHÜTTE 1981, S. 32.

(148) Zur Übersetzung: Die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe und Texte in lateinischer Sprache werden überwiegend mit beigefügter Übersetzung wiedergegeben. Bereits vorhandene Übersetzungen in der Literatur bei G. Germann, H. Hipp, H. Nising wurden unkommentiert übernommen; für verschiedene Quellentexten bei J. Pontanus und O. Coscanus wurden neue Übersetzungen angefertigt. Die Richtigkeit der Angaben ist im Zweifelsfall am wiedergegebenen lateinischen Originaltext zu überprüfen.

(149) Das Wort »Decorum« wurde für die Rhetorik erstmals durch Cicero geprägt. Der Begriff wurde von Vitruv auf die Baukunst übertragen. Vitruv verfolgte mit seinem Traktat ein ganz bestimmtes »wissenschaftspolitisches« Ziel. In der antiken Wissenschaftstheorie bzw. Kunsttheorie spielte die Poetik und vor allem die Rhetorik eine führende Rolle. »Es überrascht deshalb wohl nicht, dass Vitruv gerade bei der best elaborierten scientia, der ars bene dicendi, einige Anleihen gemacht hat«; N. SCHMUCK 1981, S. 210; weitere Literatur zu den Parallelen von Rhetorik- und Architekturkategorien siehe N. Schmuck 1981, Anm. 83

(150) Zum »Decor« vgl. die Studie von A. HORN-ONKEN, Über das Schickliche 1979. H. MÜHLMAN, Über den humanistischen Sinn einiger Kerngedanken der Kunsttheorie seit Alberti 1970. Mühlmann sieht - analog zum Begriff des »Decor« des Vitruv - im Begriff des »Aptum« bei L. B. Alberti die Verbindung von Rhetorik und Architekturlehre; dazu auch H. HIPP 1979, S. 726ff.

(151) Vgl. H. HIPP 1979, S. 726f.

(152) G. GERMANN 1987, S. 29.

(153) U. SCHÜTTE 1986, S. 100.

(154) Ebd., S. 100: »Schon Vitruv hatte versucht, das Aussehen (aspectus) eines Gebäudes von der Befolgung religiöser, gesellschaftlicher und ästhetischer Normen und der Berücksichtigung natürlicher Gegebenheiten abhängig zu machen«. Zum Begriff des »Decor« und seinen Unterbegriffen: »Unter »Decor von Natur her« (»decor naturalis«) versteht Vitruv etwa das, was wir heute als funktionale Gestaltung bezeichnen«. »Als »Autoritäten« des decors gelten statio, consuetudo und natura. [...] Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass der decor mit der »Zweckmässigkeit« völlige Deckungsgleichheit aufweist; doch ist darauf hinzuweisen, dass eine Unterordnung in dieser Richtung näher liegt als in der anderen der »venustas«. Die »utilitas« legte Wert auf zweckmässige Raumanordnung, d. h. der Benutzung und den Lichtverhältnissen angepasst - und diese Charakterisierung fällt mit den Beispielen des »decorum« von Seiten der »natura« her zusammen. Der »decor« bietet sich dadurch sowohl als Bindeglied zwischen der »venustas« und der »utilitas« an als auch als Unterbegriff zu »utilitas« selbst«; N. SCHMUCK 1981, S. 215. Zur Übersetzung des Begriffes »Decorum« und der Unterbegriffe »statio«, »consuetudo« und »natura«, vgl. H. HIPP 1979, S. 731.

(155) Dazu U. SCHÜTTE 1984, S. 173: »Der appellative Charakter dieser Fassaden, ihr Aufwand an Schmuck im allgemeinen und an den Säulen im besonderen ist notwendig und bleibt nicht akzidentiell, da diese Bauwerke nicht allein den Ansprüchen der sich in ihnen vollziehenden Handlungen und Tätigkeiten genügen sollen. Sie wenden sich gleichermassen nach »aussen« und prägen damit nicht allein das »Bild« einer Stadt, ihre jeweils spezifische Form hebt sie aus ihrer Umgebung heraus, setzt innerhalb der Stadtstruktur markante Zeichen und bringt damit das städtische Architekturambiente »zum Sprechen«. Dies ist nicht bei allen öffentlichen Gebäuden in gleicher Weise der Fall. Bei Schul- und Universiätsgebäuden [...] dominiert eindeutig der Funktionswert der Gebäude. Repräsentative Formen tauchen zwar auch hier auf, sie bleiben den Kriterien unmittelbarer Zweckerfüllung jedoch in einer Weise untergeordnet, wie dies bei den »hohen« öffentlichen Bauaufgaben Kirche, Residenz und Rathaus nie der Fall ist«.

(156) U. SCHÜTTE 1992, S. 120.

(157) U. SCHÜTTE 1981, S. 25f: »Ausgangspunkt ist die zentrale »vitruvianische« Kategorie der »ordinatio«. [...] Die so gewährleistete Einheit mit ihrer tendenziellen Ineinssetzung von »Säulenordnungs-« und allgemeinen »Ordnungs-« Begriff führt dazu, dass diese Kategorien - noch vor der mit den einzelnen Genera verknüpften Ikonographie - religiöse, anthropologische, politische und naturphilosophische Gehalte aufnehmen und auf übergreifende »ordo«-Konzeptionen verweisen können«.

(158) U. SCHÜTTE, A. Palladio 1983, S. 437. Zur Bedeutung des »Decorum«-Gebotes für die frühneuzeitliche Architektur und ihre öffentliche Wirkung siehe U. Schütte 1986, S. 153: »Für den ganzen Zeitraum [des 15. bis zum 18. Jahrhundert] gilt die Existenz des Decorum-Postulats. Mit ihm wird von den Theoretikern in jedem Fall die gesellschaftliche Verbindlichkeit der architektonischen Gestaltung gefordert. Ständisches Denken und die verschiedenen Bestimmungen des »Öffentlichkeits«- Charakters der absolutistischen Gesellschaft wirken bis tief in die Architekturtheorie hinein«.

(159) U. SCHÜTTE 1984, S. 156.

(160) Ebd., S. 159.

(161) Ebd., S. 160.

(162) U. SCHÜTTE 1986, S. 99.

(163) U. SCHÜTTE 1981, S. 28: »Kriterium ist der öffentliche Charakter des Gebäudes, also jene Eigenschaft, mittels derer ein bestimmter Anspruch »vor den Augen Aller« erhoben wird. Eine politische Kategorie also ist die Darstellung dieses Machtanspruches«.

(164) U. SCHÜTTE 1992, S. 114.

(165) U. SCHÜTTE 1981, S. 28.

(166) Ebd., S. 34.

Kap. 6.2

(167) Vgl. dazu auch H. HIPP 1979, S. 850

(168) Der Orden besass aufgrund seiner neuscholastisch-humanistischen Grundorientierung und seiner Tätigkeit in Schule und Erziehung eine besondere Affinität zu den Bildungsinhalten der Antike auf der Grundlage der antiken Rhetorik. Diese Nähe zum klassischen Bildungsgut der Antike hatte Rückwirkungen auf die Einstellung des Ordens in Fragen der Architektur; vgl. M. LUNDBERG, Jesuitische Anthropologie und Erziehungslehre in der Frühzeit des Ordens 1540-1650, Uppsala 1966 und B. BAUER, Jesuitische »ars rhetorica« im Zeitalter der Glaubenskämpfe; in: Mikrokosmos 18, Bern 1986.

(169) Vgl. dazu auch J. TERHALLE 1997, S. 101.

(170) Der Ordensbau der Gesellschaft Jesu orientierte sich zu Anfang ausschliesslich an den Aufgaben und Funktionen, die aus den »Konstitutionen« des Ordensgründers Ignatius und den darin definierten Zielen des jesuitischen Erziehungs- und Studienprogramms hervorgingen. Im Verlauf der Verinstitutionalisierung der Gesellschaft Jesu und der Ausweitung seines Aufgabenbereiches, entwickelte Ordensgeneral Lainez eine an funktionalen Aufgaben orientierte Konzeption des jesuitischen Studien- und Kollegienwesens in Form eines Vierstufen-Aufbaues. Dieser Stufenaufbau wurde zur »Ordo«, also zur Norm erklärt. Mit der Studienordnung Ratio Studiorum von 1599 und der Klärung des institutionellen Aufbaues der Jesuitenkollegien war eine klare Definition der zu leistenden Funktion der jeweiligen Niederlassung vorgegeben. Dies Klärung hatte Folgen für die Definition des Zweckes und des Nutzens (»utilitas«) der jeweiligen Niederlassung und hinsichtlich seines Aufbaus und seines Raumprogramms. In Fragen der Bauausführung war die »firmitas« zu berücksichtigen. Die Ausführung der Bauten sollte in Anpassung an die örtlichen Möglichkeiten (politisch/ finanziell/ topographisch, etc.) und an die jeweiligen Gegebenheiten, auch an die Bautraditionen und Gewohnheiten des jeweiligen Landes entsprechend dem »Decorum« - Gebot erfolgen. Gemäss dem entsprechend der Architekturtheorie zukommenden Rang der geistlichen-öffentlichen Bauten sollten »utilitas« und »firmitas« soweit als möglich, »venusta«s aber nur soweit als dem Stand und der Würde des Ordens angemessen (vgl. »decorum«) angewendet werden. Zu den Begriffen »utilis«, »sanus«, »fortis« siehe auch J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 87f. und Anm. 39/40.

(171) Quellenschriften und Verordnungen, die im Zusammenhang mit der Jesuitenarchitektur des späten 16. bis zum 17. Jahrhunderts grundlegend waren, bei H. HIPP 1979, Die Auffassungen der Konfessionen vom Kirchengebäude, S. 407 ff.; H. NISING 1990 und U. SCHÜTTE 1984, »Kirchen«, S. 173 ff.

Kap. 6.2.1

(172) Über die kirchlichen Lehrschriften im Zusammenhang mit dem Bauwesen der Jesuiten: »Die Bedeutung des Bauwesens in der Gesellschaft Jesu und die von ihr errichteten Kollegien müssen auf dem Hintergrund des Verständnisses der Kunst und - als Teilsapekten der Kunst - des Bildes und der Architektur in der katholischen Kirche des 16. Jahrhunderts verstanden werden«, H. NISING, S. 72.

(173) G. PALEOTTI verfasste das auf den Konzilsbeschlüssen von Trient zur Bilderfrage (25. Sitzung vom 3./4. 12. 1563) aufbauende Werk »Discorso intorno alle imagini sacre et profane«, erschienen italienisch, Bologna 1582, lateinisch 1594 in Ingolstadt.

(174) Zu C. Borromeo siehe H. HIPP 1979, S. 418ff.; S. MAYER-HIMMELHEBER, Bischöfliche Kunstpolitik nach dem Tridentinum, Der Secunda-Roma-Anspruch Carlo Borromeos und die mailändischen Verordnungen zu Bau und Ausstattung von Kirchen 1984; G. COSTANTINI, S. Carlo Borromeo, Arte Sacra, De fabrica ecclesiae, 1952.

(175) S. MAYER-HIMMERHEBER 1984, S. 92: »Dass diese Übereinstimmungen zwischen den mailändischen Instructiones und der gängigen Traktatliteratur jedoch nicht nur formaler Natur sind, soll im folgenden gezeigt werden«; dies. S. 107: »M.E. beweist diese Übernahme der Bassischen Terminologie, dass sich die Autoren [i.e. der »Instructiones«] nicht nur am gängigen Architekturtraktat eines Alberti bzw. Vitruv orientierten, sondern dass sie [..] Partei ergriffen in der zeitgenössischen mailändischen Auseinandersetzung um Bedeutung und Rezeption der klassischen Architekturtheorie«. Die Verbindung der »Instructiones« mit den Anweisungen der »vitruvianischen« Architekturtheorie geht auch aus dem Text der »Instructiones« selbst hervor, vgl. das 3. Kapitel: »Beim Mauerbau ist nicht nur dem Kirchentyp, sondern auch den örtlichen Gegebenheiten und der lokalen Bautradition Rechnung zu tragen«. An verschiedenen anderen Stellen wird betont, die empfohlenen Massnahmen könnten den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepasst werden (vgl. »natura«, »consuetudo« bei Vitruv). Vom Fassadenschmuck wird gesagt, es sei wichtig, dass er »der Kirche nicht ein würdiges Aussehen verleiht, sondern auch der Architektur gemäss sei«, (vgl. »decor« bei Vitruv).

(176) »Sie wurden zum ersten Handbuch kirchlicher Architektur und christlicher Kunst schlechthin [...] mit einem so hohen Grad an Verbindlichkeit, dass sie zu grossen Teilen in den Codex Juris Canonici (1911) aufgenommen wurden«, H. NISING 1990, S. 75

(177) Ebd., S. 92

(178) Ebd., S. 92.

(179) »Instructionum fabricae et suppellectilis ecclesasticum libri II«, Mailand 1577; Staatsbibliothek München, Sig. Liturg. 409.

(180) Zu R. Bellarmin siehe H. HIPP 1979, S. 410ff. und S. 444ff.; U. SCHÜTTE 1984, S. 174.

(181) »Bei Bellarmin, wie bei seinen deutschen Nachfolgern ist der »Schmuck« des Kirchengebäudes wichtig, da er die Menschen auf dieses Gebäude aufmerksam macht und da er die Andacht fördert«, U. SCHÜTTE 1984, S. 174.

(182) Ebd., S. 174.

(183) Hierzu auch U. SCHÜTTE 1984, S. 174ff. Die »Autoren geben zwar viele einzelne Hinweise zur architektonischen Form [sc. der Kirchengebäude; d. V.], mehr jedoch nicht. Erörterungen über formale Qualitäten werden mit dem Hinweis auf den »iudicium Episcopi et architecti consilium« oder - so bei Oswald Coscanus (1619) - auf die »consuetudo« umgangen«.

(184) H. NISING 1990, S. 81.

(185) Mit den Architekturschriften in Deutschland befasste sich U. SCHÜTTE 1984, »Kirchen«, S. 174ff.

(186) Ebd., S. 173; Joseph Furttenbach der Jüngere veröffentlichte 1649 den Traktat über »Kirchen Gebäw«; zwei Traktate stammen von Leonhard Christoph Sturm »Architectonisches Bedencken von protestantischer Kleinen Kirchen/Figur und Einrichtung«, Hamburg 1712 und »Vollständige Anweisung alle Arten von Kirchen wohl anzugeben«, Augsburg 1718.

(187) Ebd., S. 175.

(188) U. SCHÜTTE im Zusammenhang mit der Nennung von Säulenordnungen für verschiedene Kirchen bei deutschen Architekturtheoretikern des 17. und 18. Jahrhunderts: »Auch wenn die Kirchenbauten als höchste Bauaufgabe gelten, so wird ihr besonderer Schmuck vom Standort des Bauwerks abhängig gemacht. Die kultische Zweckbestimmung wird also in dieser Frage von der ständisch-absolutistischen Werteskala überlagert«; U. Schütte 1984, S. 178.

(189) Ebd., »Kirchen«, S. 174-181.

(190) Ebd., S. 174ff.: »Dieses »Defizit an Theorie« bei protestantischen und mehr noch bei katholischen Sakralbauten bedarf einer Erklärung, die hier jedoch nur thesenhaft gegeben werden kann. Offensichtlich hat sich im katholischen wie im protestantischen Bereich bis zum Ende des Barock das primär durch die mittelalterliche Tradition geprägte Verständnis von kirchlichen Bauwerken nicht geändert [...]. Die Gebäudeform bleibt also - jenseits praktischer Notwendigkeiten - offensichtlich Entscheidungskriterien überlassen, die dem traditionellen Denken entstammen und die nicht literalisiert werden. Dieses Denken ist an Vorbildern orientiert, deren Wert sich primär historisch bestimmt. Und es ist diese historische Bedeutung einzelner Kirchen oder einer Kirchenprovinz, die auch der Architektur paradigmatische Bedeutung verleihen kann. Der historische Wert ist dem architektonischen vorgeordnet. Für die Architekten genügt es also völlig, sich an die durch die Auftraggeber gesetzten Vorgaben zu halten. Aufgabe des Architekten ist es, das Vorbildhafte einer architektonischen Form zu sehen und mit einzelnen Prototypen - St. Peter, Il Gesù, Pantheon etc. - zu verbinden. Kenntnis dieser Prototypen ist also Voraussetzung, ihrer Verarbeitung und Anwendung das Ziel der Tätigkeit der Architekten. Dies muss nicht ausschliesslich auf dem Weg unmittelbarer Kopie erreichbar sein, oft genügt es schon, dem errichteten Werk einen »römischen« Charakter zu verleihen, um die gewünschten Absichten zu verwirklichen«; ebd., S. 179-181.

(191) U. SCHÜTTE würdigt das Neue der Kirchenarchitektur von St. Michael: »In Deutschland dominiert bis weit ins 17. Jahrhunderte hinein die gotische Formensprache. Und erst mit der monumentalen Michaelskirche in München setzt sich ein neues Verständnis kirchlicher Architektur durch, dem jetzt, nach den vielen durch die Religionsauseinandersetzungen bedingten Unterbrechungen von Kirchenbauten - auch eine wiederbelebte Baupraxis entspricht«, ebd., »Kirchen«, S. 174ff.

(192) Vgl. dazu J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 112.

Kap. 6.2.2

(193) J. TERHALLE hebt die allgemeine Gültigkeit der frühneuzeitlichen Architekturregeln auch für den Ordensbau der Jesuiten hervor. »Und die geltenden Regeln [der Jesuiten] zur Architektur konnten selbst keine eigene architektonische Doktrin vermitteln, geschweige denn die Gültigkeit eines zeitgenössischen Decorums für die Gesellschaft Jesu ausser Kraft setzen. Es kann sogar generell gesagt werden, dass weder die Gegenreformation noch die katholische Reform die Architektur alla antiqua der Hochrenaissance ernsthaft in Frage stellten, wie Schwager deutlich macht«; ebd., S. 88 und Anm. 52.

(194) Vgl. die Architekturschriften von Vignola »Regola delli cinque ordini di architettura« (1562) und »Le due regole della prospettiva prattica« (1583) im Gefolge von Vitruv; dazu G. GERMANN 1987, S. 118 ff.

(195) Der vollständige Titel des Werks lautet: »Hieronymi Pradi et Joannis Baptistae Villalpandi e Societate Jesu in Ezechielem Explanationes et Apparatus Urbis ac Templi Hierosolymitani. Commentariis et Imaginibus Illustratus. Opus tribus tomis distinctum«

(196) Zur Interpretation des »Escorial als neues Templum Salomonis« siehe V. DER OSTEN SACKEN 1979, S. 207ff. Es ist davon auszugehen, dass das Bauwerk des Escorial auch Herzog Wilhelm V. von Bayern bekannt war (u.a durch das Stichwerk des Juan de Herreras, gestochen 1583-1589); die Errichtung des Jesuitenkolleges in München und der Jesuitenkirche St. Michael als Staatskirchenbau und als Monument des Sieges gegen die »Häresie« erfolgte wohl - als nicht unwesentliche Voraussetzung - vor dem Hintergrund des Baues des Escorial als Herrschaftsresidenz Philipps II.; dazu siehe auch S. 198.

(197) H. PFEIFFER 1976, S. 223. Dazu auch R. TAYLOR 1952 und 1967 mit einer ausführlichen Untersuchung des Werkes Villalpandos.

(198) H. PFEIFFER 1976, S. 223.

(199) Dazu A. M. RIPOLL, Pablo de Cespedes y la polemica arias montano - del Prado y Villalpando 1987, S. 135-156.

(200) OSWALDUS COSCANUS, »Disputatio Physica de Generalibus architectonicae principiis« 1619, S. 9f.

(201) JACOBUS PONTANUS, »Jacobi Pontani de Societate Jesu, Progymnasmatum latinitatis, sive Dialogorum, vol. I-III, cum Annotationibus«; Ingolstadt, erschienen 1589-1594, zahlreiche Auflagen; Pontanus Angaben zur Architektur in: »Voluminis tertii pars posterior, de variis rerum generibus«, hier: 2. Ausgabe von 1598, Vorwort »De Architectonicis« und »De Re Architectonica, Kap. 1-11, S. 1-204.; Zu J. Pontanus vgl. H. HIPP 1979, S. 483ff.; B. BAUER, Jakob Pontanus SJ, Ein oberdeutscher Lipsius: ein Augsburger Schulmann zwischen italienischer Renaissancegelehrsamkeit und jesuitischer Dichtungstradition 1984, S. 77-120, dies. 1986, Jesuitische »ars rhetorica« im Zeitalter der Glaubenskämpfe.

(202) H. HIPP betont, dass sich von Pontanus ausgehend »Ansätze [bieten] für eine Untersuchung der Wirkungsgeschichte Albertis in der deutschen Renaissance«; H. Hipp 1979, Anm. 965. Hipp verweist im Zusammenhang mit der Behandlung des »Decorum«-Begriffes in der deutschen Architekturtraktatistik des 17. Jahrhunderts darauf hin, dass bei Pontanus »keine Erläuterungen über den definitorischen Satz des Vitruv [zum »Decorum«; d. V.] hinaus[ging]«; H. Hipp 1979, S. 732.

(203) J. PONTANUS 1598, III/2, Vorwort: »De Architectonicis: Multum profecto interest, quibus ab auctoribus linguam latinam petere contendamus [...] Veruntamen a principe omnium latinorum Cicerone, a Salustio, Caesare, Livio, a Virgilio, Horatio, Plauto, Terenti, & aliis probatissimae notae haud quisquam ita locupletatus instructusque recesserit, ut ei nullo in genere sit defutura oratio. Sic cum de architecturae rationibus, accommodate scilicet consilio meo, disputare meditarer. Vitruvium prius, & nonnihil eius explanatorem Philandrum, & Leonem Baptistam Albertum evolui, quam accederem ad scribendum: si quidem hi in isto materiae genere elaborarunt«.

(204) Ebd., Anmerkung Kap. 1, S. 11: Annotationes zu »Fit item nescio quo modo«: »Hactenus istis pene verbis Leo Baptista Albertus, cap, 1 lib. 2 de re aedificatoria«; »Bis dahin folgt Leo Baptista Albertus in etwa dessen Worten, Kap, 1 lib. 2 de re aedificatoria«.

(205) Ebd., Kap. 4, S. 31: »Eodem modo si de columnis, porticibus, gymnasiis quippiam apud eum reperero, non idcirco vendam Vitruvium, Leonen Baptistam [Alberti], Serlixum & alios, quorum de architectura feruntur commentarij«

(206) Ebd., Kap. 1, S. 7f.: »Einführung in die Architektur: Teile, Modell: »Quomodo autem alicui interroganti, partes eius sex breviter eplicaremus? Sex enim constituuntur, ut nosti. Ordinatio, graece taxis, dispositio diathesis, eurythmia, symmetria, decor, distributio sive oeconomia. Dispositionem aptam rerum collocationem: cuius tres sunt ideae sive species; ichnographia, orthographia, sciographia, seu scenographia. [..] Quinetiam operis suscepti simulacrum & formam fabricato solent e ligno, quem modulum seu modellum cognominant: eo fine, ut futura errata deprehendant«.

(207) Ebd., Kap. 2, S. 16: »Architectus descriptus: Architectus intelligit quid, & quamobrem designet«.

(208) Ebd., Kap. 3, S. 24: Aedificiorum primordia, progressus, genera: »Aedificiorum distributionem non incommodam ex eo nunc in medium proferre libet. Summa genera duo fecit, privata & publica«.

(209) Ebd., Kap. 4, S. 33: »Regio«: »Regionem vestigabant immunem carentemque rebus incommodis [...]«; »Sie spürten eine unangetastete Gegend auf, die von unangemessenen Dingen frei war.«; »Area«, S. 40: »Cum area sit ipsius regionis certum quoddam, aedificioque destinatum spatium, conveniunt in eam fere omnia, quae ad regionem in utramque partem aestimandam a me percursa sunt: habet tamen propria quaedam ..«; »Wenn die Lage der Gegend sicher und ein Grundstück für das Gebäude bestimmt ist, ergibt sich bei ihr beinahe alles, was zur Einschätzung eines Geländes in jeder Hinsicht von mir behandelt worden ist«; »Partitio«, S. 43: »In hac totam ingenij sui vim, totamque artem architectus consumit: ut videas, quantum in ea sit ponendum..«; »Gewichtung: Auf diese verwendet der Architekt die ganze Kraft seiner Begabung und seine ganze Kunst, so dass du siehst, wieviel Gewicht darauf zu legen ist«; »Tectum«, S. 51: »Iam inde usque a primo in aedificiis tectorum rationem potissimam aedificatores habuisse comperio«; »Schon von hier bis zu den Anfängen hätten die Baumeister, so erfahre ich, beim Bau der Dächer grösste Vernunft angewendet«; »Apertiones«, S. 55: »Harum aliae sunt luminibus ventisque admittendis, aliae rebus, & domesticis, seu hominibus serviunt, per quas aditus & exitus est in aedificium«; »Öffnungen: Von diesen sind einige dazu da, Licht und Luft einzulassen, den häuslichen Geräten oder den Menschen dienen andere, durch die man das Gebäude betritt und verlässt«.

(210) Ebd., Kap. 5, S. 63ff.: »Materia, Lapides, Lateres, Calx, Arena«; »Die Grundlagen der Mauererrichtung, oder die notwendigen Mittel zur Herstellung der Gebäude: Material, Steine, Ziegelsteine, Kalk, Gelände«.

(211) Ebd., Kap. 6, S. 85ff: »Aedificationes operum publicorum, ac primum urbis: At politici illi de urbe aedificanda disserunt, quatenus civitatem beatam ac florentem effectura videatur; vos quatenus commoda fiat, & elegans ad habitandum«; »Die Bauverfahren bei öffenlichen Gebäuden: Zunächst die der Stadt: Die Politiker erörtern über die zu erbauende Stadt, wie weit sie zu bewirken scheint, dass die Bürgerschaft glücklich ist und erblüht, ihr aber, wie weit sie dem Wohnen angemessen und angenehm ist«.

(212) Ebd., Kap. 5, S. 115: »Eorum autem [..] haec fere sunt genera, praeter urbem arx, templum, monasterium, curia, aedes magistratuum, aerarium, forum, Academia, theatrum, balneae, nosocomium, carcer, cloaca, viae, castra, navalia, portus, pontes, sepulcra«

(213) Ebd., Kap. 10, S. 191: »Privata aedificia: Nimirum, ut mittamus dicere de publicis, privata, quorum alia urbana, alia rustica«. »Nun freilich, um von den öffentlichen Gebäuden weiterzugehen, zu den Privatgebäuden, von denen einige städtisch, andere ländlich sind«.

(214) Ebd., Kap. 11, S. 197ff.: »Examen architectonicum, seu analysis architecturae«; »De specie aedificij quaero. Duae sunt species, quaedam publica sunt, quaedam privata: & illa partim sacra, ut templa, partim profana. In omnibus firmitatis, utilitatis, venustatis habenda ratio [...]«.

(215) J. PONTANUS 1594, I, Kap. 75, S. 301f.: »Schola ista nostra, in quam ad ingenij culturam percipiendam in dies coepimus commeare, pulcherrime commodissimeque exaedificata mihi videtur. Hic summum quies, hic alta silentia. Academiam illam Athenis amoeno, & nemoroso, at minime ad tuendam sanitatem accomodato solo traditum est constructam fuisse [..]. Ipsa forma domus non proiecta in longum, non extens nimis in latum, non trilatera, sed tetragon sive quadrata: ita tamen, ut sit aliquanto longior quam latior, porta ingens, & aspectu augusta ac venerabilis, a sculptore & pictore emblematis insigniter decorata. Illi ordines fenestrarum, infra quidem latis luminibus, supra angustiarum, omnium autem inter se ad perpendiculum aequalium, ecquid ornamentum addunt. Eximium? Ubi ingressus fueris, ad laevam auditoria duo, ad dexteram totidem: ambulatiunculae ante scholas, & inter scholas [..]«.; Text siehe Anhang 2/1.

(216) J. PONTANUS 1594, I, Kap. 75, S. 304: »Nonne haec scholis incumbens, & in summis aedibus ampla, tabulatisque ornatissima, & pictoris egregiis mirabiliter locuplerata est? [..] Nonne ad oratorias exercitationes, ad comicas quoque actiones opportunissima? Nimirum. Nonne templo quam similima? Etiam. Quid igitur salubris, quid splendidus nostra schola? Nihil«.

(217) J. PONTANUS 1598, III/2, Kap. 8, S. 144: »Videndum est uti & in amplissimis atque ornamentissimis urbibus, & in loco quam opportunissimo construantur. [..] Sit locus solitudini similis, & res omni aestimatu superiores tractantibus omnino dignus, imprimisque a puritate ac salubritate coeli commendatus«.

(218) Ebd., Kap. 8, S. 144f.: »Quod ad aedificium attinet, nihil invenio praedeptum, nisi hoc, ut in eo auctoritas superet venustatem«.

(219) Ebd., Kap. 8, S. 144f.: »Tamen non accusem Principes, si testando amoris sui in literas ac literatos quam splendidissime aedificent«.

(220) Ebd., Kap 7, S. 132: »Monasteriorum alia vere claustra dici possunt enim conclusa, & feris obfirmata, nec inde in publicum domesticis exitus, nec extraneis ingressus: alia seras adamantinas non habent, unde, inquam, prodire habitantibus, & quo intrare advenientibus (viris tamen) licitum«.

(221) J. PONTANUS 1594, II, Kap. 98, S. 543-548; Text und Übersetzung siehe Anhang 2/2.

(222) J. PONTANUS 1598, III/2, S. 120ff.

(223) Ebd., S. 132: »Habeant item partes praecipuas duas: quarum prima dicitur »bhma«, quod gradibus ad eam scanditur; & »ieraleion« sacrarium, quia ibidem conficitur sacrum, ubi scilicet est ipsa ara. Vocatur etiam »diakonikon«, quoniam non nisi Diacono in sacrarium fas erat ingredi. Altera dicitur »naos«, quae populum continet«. »Sie sollen vor allem zwei Teile haben: Deren erster heisst bhma, weil man auf Stufen zu ihm hinaufsteigt; und Hieraleion-Allerheiligstes, weil dort das Opfer vollbracht wird, denn dort steht natürlich auch der Altar. Es wird auch diakonikon genannt, da ja niemand als ein Diakon in das Allerheiligste eintreten durfte. Der andere Teil heisst naos, er nimmt das Volk auf«.

(224) Ebd., S. 124: »[...] & est plerumque primaria aedes, reliquarumque princeps, prae quibus Basilica jure dicitur, locum urbis sublimiorem, unde oculi in omnem propemodum eius partem prospectum ferunt, merito poscit«.

(225) Ebd., S. 132: »Omne templum ad amplitudinem urbis proportionem comparationemque habebit; & minora pro dignitate loci, & usu, aedis primae rationes imitabuntur.« »Jede Kirche soll im Verhältnis und Vergleich zur Grösse der Stadt stehen: Auch die kleineren mögen wegen der Würde der Stätte und wegen ihrem Gebrauch der Beschaffenheit des vornehmsten Hauses vergleichbar sein«.

(226) Ebd., Kap. 7, S. 123: »Uno in loco, eoque valde apto, & commodo aedificari vult deorum omnium domicilia, sive templa«.

(227) Ebd., S. 120: »Et si quod est in universitate aedificiorum, in quo tum extruendo, tum honestando magna artificium ingenia, singularis industria, summa cura & diligentia se possint ostendere, templum est: quod sua praeditum pulchritudine potissimum & maximum urbi decus atque ornamentum parit: & videtur caelestium quasi inter homines habitantium domicilium«.

(228) Ebd., S. 131/132: »Sed de magnificentia certum nihil assero, nec decerno, praeter hoc unum, ut huiusmodi aedificiorum decerno, praeter hoc unum, ut huiusmodo aedificiorum perfectionibus interioribus magnificis respondentia sint vestibula. Si namque interiora speciem eximiam, & elegantem habuerint, aditus autem humiles & abiectus, decorum extare qui poterit?«

(229) Ebd., S. 132: »Disputant multis scriptores architectonici de templorum ornamentis, qua parietum, qua fenestrarum, qua tectorii, pavimenti, columnarum, tecti, fastigii, ianuarum, valvarum, ararum, candelabrorum, staturarum; quae nos cuncta praetervehamur, & quod huic parti sermonis mei coniunctum est, ad monasteria convertamur...«.

(230) Der Verwendung der Säulen bei Pontanus lässt sich in einen direkten Vergleich stellen mit den Äusserung zum Gebrauch der Säulenordnung bei L. B. Alberti; vgl. L. B. ALBERTI, »De Re Aedificatoria«, um 1443, Buch VI, 13: »In tota re aedificatori primarium certe ornamentum in columnis est: nam et una plures appositae porticum parietem omneque apertionis genus ornant, et simplices utique non indecorae sunt ...«; »Den hervorragendsten Schmuck der ganzen Baukunst besitzen wir in den Säulen. Denn sowohl mehrere zusammen schmücken den Portikus, die Wand und jede Art von Öffnung als auch einzeln sind sie durchaus nicht unschön ...«; vgl. dazu H. HIPP 1979, S. 706.

(231) J. PONTANUS 1598, III/2, Kap. 4, S. 45f,: »Parietes, ac primum/ Columnae. In tractatione parietum etiam columnarum inclusa est pertractatio: & ea est pars disputationis nobilior, quia columna pariete dignior [...] Cur autem dixerim digniorem, mirandum haud est, cum in universa re aedificatoria, sicut nihil est, quod tantum operae impensarumque desideret: ita nihil quod intuentes magis afficiat, & delectet [...] Praecipuum aedificiorum ornamentum, ut ante dixi, in columnis est. Plures portam, parietem, genus omne apertionis cohonestant: & simplices decore non carent«.

(232) Ebd., S. 131: »Structura & aedificatio templi veteribus erat triplex, Dorica, Corinthia, Ionica. Primi generis severior [..] Secundi elegantiis &ornamentis affluebat [..], postremi mediocrem & ornatum & simplicitatem habebat«.

(233) Ebd., S. 131: »Veruntamen quemcunque Deus caelo dignatus est, is meo iudicio apud homines auro gemmisque dignandus est«.

(234) Ebd., S.127: »Deus autem lux, quae scilicet intelligentia comprehenditur, sol iustitiae, & oriens vocatur in sanctis literis. Pulchriora videlicet illam divinam pulchritudinem, perfectiora perfectionem, beata beatitudinem. Proinde cum substantia praestet iis, quae in illa innituntur, functio potestati [..] lux aliis qualitatibus ad sensum aspiciendo pertinentibus«.

(235) Ebd., S. 129f.: »Statuis & imaginibus ita tanguntur afficiunturque rudiores inprimis ac simpliciores animi, ut ad viventes divos divasque precaturi accedere [..] nec falso dictum, imagines templorum esse libros rusticorum. [..] Summum igitur studium pictores, statuarij, sculptoresque adhibebunt. [..] non absurde monent: ut illud quoque prudenter & christiane, ne sit ulla aedes, in qua non statim ingredientibus Christi patibulo suffixi imitamen in oculis incurrat; nihil quippe religiosius hoc signo, nihil salutarius aspicitur«.

(236) Ebd., S. 131: »Ego de nostris templis ita sentio: Si Imperatores & Reges antiqui diis inanibus, iisdemque furibus, adulteris, scortis tantarum molitionum aedes impensa & ornatu incredibili condiderunt, & ea re pietatis laudem etiam apud postera saecula promeruerunt, nonne Christiani principes Deo vivo & unico, tum deinde amicis eius, aeternum cum eo regnaturis, si quam sumptuosissime, & decentissime sacraria constituant, commendationem haud vulgarem apud omne nomen Christianum merebuntur?«. ; vgl. dazu auch die Ausführungen in J. PONTANUS 1594, II, Kap. 98, Templorum constructio & ornatus, Anhang 2/2.

(237) Zu O. Coscanus siehe H. HIPP 1979, S. 732ff.; B. DUHR 1907, Bd. 1, S. 204ff.; J. MÜLLER, Das Jesuitendrama, Bd. 1 1930, S. 12: »[...] der bekannte Späthumanist Coscanus [...]. Als Verfasser von lateinischen Schulbüchern beherrschte er jahrzehntelang die Jesuitenschulen über die Grenzen Deutschlands hinaus«.

(238) H. HIPP 1979, S. 733.

(239) Die »Bibliotheca selecta« des Antonio Possevinus, herausgegeben 1593, nennt die wichtigsten Autoren für den Schuluntericht. Darunter wird auch der niederländische Staatsrechtler Justus Lipsius aufgeführt, vgl. G. OESTREICH 1980, S. 355.

(240) WALTER H. RIVIUS, Vitruvius. Des allernamhafftigsten und Hocherfahrnesten/ Römischen Architecti/ unnd Kunstreichen Werck oder Bawmeisters/ Marci Vitruvii Pollionis/Zehen Bücher von der Architectur und künstlichem Bawen [...], Basel 1548; Rivius gab die erste Vitruvausgabe in deutscher Bearbeitung heraus.

(241) JOHANNES H. ALSTED, Methodus admirandorum mathematicorum, Herborn 1613, schrieb über die Architektur; bei der Bearbeitung der Kirchenarchitektur orienierte er sich an den Ausführungen des J. Pontanus.

(242) O. COSCANUS 1619, S. 1.

(243) Ebd., Vorwort, S. 1: »Nos de ea sequentia capita promonemus. I. De Architectonica in communi. II. De forma Aedificiorum. III. De materia. IV. De observationibus Architectonicis«.

(244) Ebd., S. 2: »Architectonica significat notitiam extruendi aedes sive publicas, ut templa, curiam, scholas etc.«.

(245) Ebd., S. 4: »Ad perfectum Architectum teste Vitruvio l. I. C. I. quam plurima requiruntur [..]. Finem in utraque triplicem spectat Architectus, nimirum ut firma, utilia & venustas sint aedificia. Firmitas in fundamento, selecta materia & et debit parietum erectione ac compage sita est. Utilitas in apta locorum ac membrorum dispositione. Venustas in symmetria & proportione. Nimius tam ornatus decorem adimit, quemadmodum si binis oculis, in quibus decus faciei situm, alios addas. Ut contra pictores huius aevi nomen Architectorum superbe ambientes docet Villalpandus cap. 1«.

(246) Ebd., Caput Primum, Thesis II, S. 4: »Ad architecti munus ut hos fines assequatur spectant sequentia. I. Ordinatio, quae est singularum membrorum aedificij, unius post alterum, excogitatio, ut nihil effugiat faciendorum. II. Dispositio, quae est singulorum membrorum apta collocatio quo ad situm. III. Eurithmia, est venustas species commodusque in compositionibus membrorum aspectus ex optima unius ad alterum habitudine [..]. IV. Symmetria, est conveniens consensus seu responsus cuiusque membri ad totam figuram. V. Decor [...] VI. Distributio. Est copiarum locique commoda dispensatio parcaque in operibus sumptus cum ratione temperatio«.

(247) O. Coscanus wird von H. HIPP als »entscheidender Zeuge für die Interpretation des Decor und der in ihm begriffenen Existenz von nationalen Kirchenbauweisen« bezeichnet; H. Hipp 1979, S. 825.

(248) O. COSCANUS 1619, S. 4. »Decor seu decorum. est emendatus operis aspectus, probatus rebus compositis cum auctoritate. Consistit decor 1. in conventia aedis cum re, cui aedificatur quo ad locum & alia. Sic indecorum est scholas literarum struere inter officinas malleatorum 2. in consuetudine cui omnino aliquid dandum est: hinc aliter templa Italiae, aliter Germaniae struuntur: hinc magnificae aedes merito magnifica habent vestibula. 3. in natura, ut, decet valetudinaria in loco esse sano &c.«.

(249) Ebd., S. 10ff.

(250) Dazu H. HIPP 1979, S. 734f.

(251) O. COSCANUS 1619, Kap. 4, S. 30; »III. Templa & Scholae ad voce sint accomoda, ut loquens ab omnibus, qui intra ambitum sint, commode percipi possit«.

(252) Zu G. Tristano siehe P. PIRRI, Giovanni Tristano 1955.

(253) Zur Schreibweise G. Valeriani bzw. G. Valeriano: J. BRAUN und G. DISCHINGER verwenden die Schreibung »Valeriani«. An dieser Schreibweise wird auch in dieser Arbeit festgehalten. Dagegen verwenden PIETRO PIRRI und J. TERHALLE durchgängig die Schreibung »Valeriano«. Diese Schreibweise wird in dieser Arbeit nur in Verbindung mit den Zitaten von Terhalle angewendet.

(254) Angabe nach P. PIRRI, G. Tristano, S. 161.

(255) »Informatione delle fabriche«, ARSJ, Instit. 180, f. 66-68; vgl. P. PIRRI, G. Valeriano, architetto e pittore, Rom 1970, S. 388.

(256) Literatur zu G. Valeriani siehe P. PIRRI, Giuseppe Valeriano S.J, Architetto e pittore, 1542-1596, Bibliotheca Insitituti Historici, Bd. XXXI, Rom 1970; über Valerianos Aufenthalt in München S. 157-170 und Dokumente IX, 1-15, S. 346-354. J. TERHALLE, in: Rom in Bayern 1997, S. 83, 87, 90, 94f. Eine Kurzbiographie über Giuseppe Valeriani von Pietro Pirri, veröffentlicht von R. TAYLOR, Appendix A, S. 93ff.; erschienen in: R. WITTKOWER u. Irma B. Jaffe, Baroque Art, The Jesuit contribution, New York 1972. J. Terhalle verweist auf die Einwirkung von G. Valeriani auf den Bau von St. Michael; Katalog 1997, S. 134ff. Über G. Valeriani und seinen Aufenthalt in München anlässlich des Baues von St. Michael auch J. BRAUN 1910, S. 58f.

(257) ARSI, Germ. Sup. 2, f. 67v., abgedruckt in: P. Pirri 1970, Doc. IX, 6, S. 348; übersetzt von J. Braun 1910, S. 58.

(258) Ebd., f. 98; abgedruckt in: P. Pirri 1970, Doc. IX, 7, S. 349; übersetzt von J. Braun 1910, S. 59.

(259) J. BRAUN 1910, S. 59; vgl. P. Pirri 1970, Doc. IX, 11, S. 351.

(260) In Anbetracht dieser Aktivitäten Valerianis in München erstaunt der Kommentar J. Brauns über dessen angeblich geringe Bedeutung für den Kirchenbau von St. Michael: »Der Einfluss, den P. Valeriani auf die Entwürfe hatte, kann nur ein minimaler gewesen sein, wenn er einen solchen überhaupt ausübte. Er war zwar der Fortsetzung der Kirche halber nach München berufen worden, doch scheint er seine Tätigkeit daselbst viel mehr nach anderen Richtungen hin entfaltet zu haben. Einen grösseren Einfluss als Valeriani übte jedenfalls der damalige Rektor des Kollegs, der bei Herzog Wilhelm hochangesehene P. Simon Hiendl auf die Ausgestaltung der Pläne zum Weiterbau der Kirche aus«, J. BRAUN 1910, S. 75.

(261) Im Zusammenhang mit dem Einfluss italienischer Architektureinflüsse auf St. Michael ist die Anmerkung J. Brauns zur Heiligkreuzkapelle von St. Michael bemerkenswert: »Ich möchte mir die Vermutung erlauben, dass die Heiligkreuzkapelle [...] auf P. Valeriani zurückzuführen ist. Die Anlage mutet so ganz italienisch an«; ebd. 1910, S. 94, Anm. 1.

(262) J. TERHALLE 1997, S. 136.

Kap. 6.3

(263) J. BRAUN, Bauten, in: B. Duhr 1908, Bd. 1, S. 602-645; P. MOISY 1958; P. Pirri 1955; J. VALLERY-RADOT/ E. LAMALLE, in: Bibliotheca instituti historici S. I., Volumen XV, 1960; H. NISING, 1990, J. TERHALLE, Katalog 1997, insbesondere S. 87ff.

(264) Vgl. Litterae Annuae der Oberdeutschen Ordensprovinz, BayHStA »Jesuitica«, dazu auch Anhang 1 und Bauakten zum Kolleg Burghausen; vgl. Vitruv, Buch III, Kap. 1, G. GERMANN 1987, S. 20.

(265) Vgl. J. PONTANUS 1598, III/2, Kap. 4, S. 60; dazu auch G. Germann 1987, S. 56.

(266) Vgl. die Bauakten der jesuitischen Kollegien in Bayern, z.B. »Ichnographia« bei »De Idea Burghusianum«, BayHStA, Jesuitica 1288. Vgl. dazu auch die Ausführungen von U. SCHÜTTE, Vitruvianismus in Deutschland, in: Katalog 1984, S. 53-56 und D. CONRAD, »Die Formen der Bauplanung«, in: Kirchenbau im Mittelalter, Leipzig 1990, S. 75 ff.

(267) Siehe J. PONTANUS 1598, III/2, »De Re Architectonica«.

(268) O. COSCANUS 1619, Kap. 2, 6f.: »I. Ichnographia, quae Italis & Hispanis Pianta, seu planta vocatur; Germanis, Grundriss. Est imago aedificij plani, hoc est murorum aedificij, pro ut eas imaginamur vestigium terrae imprimere. Si aedificium plures contignationes est habiturum, facienda est cuiuslibet contignationis Ichnographia, ut possit apparere, si superior contignatio comparetur cum inferiore, quo fulcro nitatur, & sic solent etiam fundamentorum seu substructionum peduliares Ichnographiae fieri. Possunt tamen omnes in una charta coniungi, si coloribus inter se distinguantur, & sic facile superiorum cum inferioribus responsus perspicietur. II. Orthographia, est imago erecta frontis aedificij, in qua apparebit altitudo, fenestrae, ornamenta exteriora & alia quae frontem domus aspicientibus occurunt. Italis appellatur Fronte, Nobis der Auffriss [..]. III. Scenographia, seu, ut Dan. Barb. legit in Vitruv c. 2. sciographia vel sciagraphia, est adumbratio frontis una cum lateribus abscendentibus, sive quoad interiorem, sive quoad exteriorem aspectum [..]«

(269) Vgl. »Palmi romani« in der Idea Burghusi Collegii, BayHStA, Jesuitica 1288; vgl. die Ausführungen von J. Pontanus 1598, III/2.

Kap. 6.3.1

(270) Constitutiones Societatis Jesu. Pars. X »C. Ad hoc etiam curandum est, ut Domus et Collegia in locis, ubi sit purum et salubre coelum, habeantur; et non in eis qui contrariam habent proprietatem«; Instituti Societatis Jesu, Florenz 1893, Bd. II, S. 145; Übersetzung nach P. KNAUER, Satzungen der Gesellschaft Jesu, Frankfurt 1980.

(271) Akte 1. Generalkongregation 1558, Canones primae congregationis, Canon 11: »Aedificia: Modus imponatur aedificiis Domorum et Collegiorum, quod in nobis est, ut sint ad habitandum, et officia nostra exercendum utilia, sana et fortia; in quibus tamen paupertatis memores esse videamur. Unde nec sumptuosa sint, nec curiosa. De ecclesiis tamen nihil dictum est«; in: Instituti Societatis Jesu, Florenz 1893, Bd. II, S. 526. Das Zitat korrespondiert (mit leichter Abänderung) mit Decretum 113 (in Ms. tit. 6 decr. 34) der 1. Generalkongregation: »Aedificia qualia esse debeant: Deinde de ratione aedificiorum fuit propositum: Modum esse imponendum aedificiis Domorum et Collegiorum, quod in nobis est; ne, praeter caetera incommoda, fiant aliquando palatia nobilium, sed sint ad habitandum et officia nostra exercenda utilia, sana et fortia; in quibus tamen paupertatis memores esse videamur: unde nec sumptuosa sint, nec curiosa, etc. De ecclesiis tamen nihil dictum est, et hanc rem totam magis considerandam esse videbatur«; Instituti S. I. Florenz 1893, Bd. II, S. 182f. Zur 1. Generalkongregation siehe auch VALLERY-RADOT 1960, S. 6, Anm. 1 und J. TERHALLE 1997, S. 87 u. Anm. 37.

(272) P. Lainez an den Rektor des geplanten Kolleges in Macerata, »... del cominciar a fabricare, qua pare cosa di molta consideratione, non il cominciar la fabrica, ma il modo di cominciarla, per esser Collegio che si ha di far a fundamentis, perciò bisogna haver riguardo non solamente al presente, ma anchora a quel che uuò avenire«; italienischer Text zitiert nach P. PIRRI 1955, S. 162.

(273) Antwort des Generals P. Mercurian 1579 auf eine Anfrage der Provinziale von Kastilien nach Planrichtlinien zur Errichtung von Kolleggebäuden: »[...] 6. Ad haec autem aedificia desiderantur a P. N. communia quaedam aedificiorum exemplaria templorum, Collegiorum, domorum professarum et probationis, quae nostris ministeriis et habitationi videantur nostro modo convenire et quae sint velut lex et typus communis, quem in horum aedificiorum forma sequamur, quantum per situum et locorum diversitatem et mensuram licebit. Ita enim fiet, ut vitentur a nostris opinionum in hoc vel in illo modo aedificandi vanitas, multae consultationes et dilationes. R. ad 6um. Iam commissimus ut exempla quoddam commune aedificiorum Societatis fia, prout petitur, et per Procuratorem, si absolutum fuerit, ut speramus, duos transmitti curabimus«, lateinischer Text abgedruckt bei P. PIRRI, Giovanni Tristano Rom 1955, S. 270, XLVII/Nr. 11.

(274) Zum Begriff »modo nostro« siehe P. PIRRI 1955, S. 160ff., Kap. 8, »Il »modo proprio« della Compagnia; H. HIPP 1979, S. 843 ff.; Zum Begriff des »modo nostro« bemerkt H. NISING 1990, S. 99: »Die »ideale Jesuitenarchitektur« ist also die, die im Sinne des »modo nostro« in möglichst idealer Weise die ihr jeweils gestellten Aufgaben ermöglicht und für gegebenenfalls notwendige Entwicklungen offen ist«. J. TERHALLE 1997, S. 101f., charakterisiert den »Begriff des modo nostro«: »Zum Begriff des modo nostro gehört indes tatsächlich auch das Streben des Jesuitenordens nach einer eigenen Architektursprache. Diese war in unterschiedlicher stilistischer Einkleidung formulierbar und zielte neben der Betonung auf Zweckdienlichkeit darauf, Schlichtheit - auf hohem repäsentativen und baukünstlerischen Niveau - mit Ausdrucksintensität zu verbinden [...]. Dieser Charakterzug könnte dann zum Beispiel als ein Aspekt des sehr allgemein gehaltenen Begriffs modo nostro gelten«.

(275) Ein zeitgenössisches Beispiel für einen repräsentativen, funktional und gestalterisch einheitlich durchgestalteten Bau bot der spanische Königsbau Escorial. Er verband Gestaltungsprinzipien, die dem Klosterbau des Mittelalters entstammen (Vierflügelanlage mit Innenhöfen) mit Gestaltungsprinzipien des herrschaftlichen Bauens der Renaissance, mit der »modernen« Forderung nach Bildung von Schaufassaden.

(276) J. TERHALLE zum Verhältnis des Ordens zum »Decorum«: »Sowohl die Orientierung an den zeitgenössischen Decorum-Vorstellungen als auch die Eindeutigkeit der wirkungsästhetischen Zielsetzung verlangten damit ebenso in der Ordensarchitektur nach Lösungen, mit denen diese Ansprüche umgesetzt werden konnten. [...] Grundsätzlich orientierte sich der Orden an der traditionellen Auffassung, dass sich der Rang einer Einrichtung gerade auch in ihrer gebauten Architektur auszudrücken habe«; in: J. Terhalle, »Die Wirkungsabsicht«, Katalog 1997, S. 100.

(277) Ignatius an den Rektor von Loreto: »Passe die Regeln den Orten an! Schneide die Kleider nach dem Stoff zu!«, zitiert in M. LUNDBERG 1966, S. 338.

(278) C. Aquaviva: »Et intendano le RR. VV. che non è necessario che i modelli delle nostre chiese siano tutte ad un modo; secondo le commodità et circostanze che occorrono si possono fare o in una maniera o nell'altra, come torna meglio«, Ven. 3, 158v.; abgedruckt in: P. PIRRI/P. DI ROSA, Il P. Giovanni de Rosis (1538-1610) e lo sviluppo dell'edilizia gesuitica, Archivum historicum Societatis Jesu, Bd. 44, 1975, S. 41, Anm. 205.

(279) M. Vitelleschi, Antwort auf eine Bitte der Provinzialkongregationen von Paris, Toulouse und Lyon um Idealpläne für die Errichtung ihrer Kirchenbauten, zitiert bei F. DE DAINVILLE, la légende du style jésuite, dans Études, 1955, Bd. 287, S. 16; vgl. P. MOISY, Bd. I, 1958, S. 64.

(280) Vgl. BayHStA, Jesuitica 1288; zu den Schriftsätzen in lateinischer Sprache siehe Anhang 1.

(281) P. Oliva im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau in Paderborn, STA Münster, Münsterscher Studienfonds, Jesuiten Coesfeld I Nr. 1 c C, 14.7.1668: »Caeterum quod de fabricis domiciliorum nostrorum monere persaepe debeo, est, ut ad religiosos usus nostros accomodata sit fabrica, sed modesta sit ad nostrorum valetudinem et functionum commoditatem peridonea non tamen ulla ex parte superba in substantia vel in modo. Denique ut sit ad aedificationem non vero ad pompam et admirationem«; zitiert bei H. HIPP 1979, Bd. 1, S. 823.

(282) Brief des P. Hoffäus, München, 25.5.1596, Epistolae e Germania ad Generales S.J. scriptae. XXXV 251, abgedruckt in B. DUHR 1907, Bd. 1, S. 399.

(283) Brief an den Münchener Rektor S. Hiendl, 5.6.1593, Orig.-Reg. Ad Germaniam 137v.

(284) Ein Gebäude ist nur dann »vollkommen, »perfetto«, »wenn es dauerhaft, zweckmässig und schön zugleich ist«; U. SCHÜTTE, in A. Palladio 1983, Nachwort, S. 437.

Kap. 6.3.2

(285) Ordensgeneral P. Lainez (1558-1565) an den Rektor der Niederlassung in Loreto, aus Anlass der Planungen für das Jesuitenkolleg in Mercerata. »Et perciò accioché non si faccia una cosa repezzata, bisogna che da qualche Architetto et homo perito si consideri la pianta et tutto il sito, non solo presente, ma che col tempo a si può havere, et poi far il disegno conforme il sito, il quale sia conforme al nostro instituto«; italienischer Text zitiert nach P. PIRRI 1955, S. 162.

(286) Akte 2. Generalkongregation von 1565, Canon 9: »Ad R. P. Generalem referenda est forma et modus aedifi-ciorum nostrorum construendorum, ut ille, iuxta Decretum praeteritae Congregationis, quod sibi in Domino visum fuerit, statuat«; Instituti S.J., Florenz 1893, Bd. II, S. 531.

(287) Regulae Provincialis: »Si quae aedificanda maioris momenti fuerint, ut esset templum, dormitorium vel aliquid huiusmodi, nisi approbante Generale non fiant, ad quem pertinet formam et modum nostrorum aedificiorum praescribere«; »Wenn etwas von Belang erbaut werden sollte, wie es eine Kirche, ein Schlafsaal oder etwas anderes von der Art wäre, dann soll das nur mit Genehmigung des Generals geschehen, dem es zusteht, die Gestalt und die Beschaffenheit unserer Bauten vorzuschreiben«; Instituti S.J., Florenz 1893, Bd. III, S. 81.

(288) Der spanische Text abgedruckt in P. PIRRI 1955, S. 270f., Dokumente XLVIII, Nr. 14., Übersetzung ins Französische bei P. MOISY 1958, S. 50 und Anm. 29. Die Originalschrift unter dem Titel »Exemplum libri ordinationum communium« befindet sich im ARSI, Instit. 40, fos 36 vol 37; siehe dazu auch die »Instructio« BayHStA, Jesuitica Nr. 2 fol. 177 b f., Nr. 303. Der Einleitungsteil im Zusammenhang lautet: »Die allgemeinen Pläne, die man hier von den Gebäuden unserer Gesellschaft gemacht hat, sind an die Prokuratoren dieser Provinzen gesandt worden, damit diese durch sie Anweisungen und Erläuterungen über die Form bekommen, die unsere Gebäude nach der hiesigen Meinung generell haben sollten. Ich wünsche, dass man uns rechtzeitig benachrichtigt, wenn sie bei ihrem Gebrauch Fehler aufweisen, damit man sie verbessern kann mit dem Ziel, in der Gesellschaft [Jesu] eine gewisse Vereinheitlichung auf diesem Gebiet zu erreichen, und um die Zeit und die Kosten zu sparen, die entstehen, wenn man so oft nach Rom schreibt, um die spezielle Form vorzulegen, die man den Gebäuden geben möchte, die in den verschiedenen Provinzen errichtet werden sollen«.

(289) Vgl. dazu auch die zeitgleich erfolgten Bemühungen zur Vereinheitlichung der Ratio Studiorum (erste Vorlage 1586, Verabschiedung 1599).

(290) Vgl. P. MOISY 1958, S. 50, Anm. 29.

(291) Unter der Sammelbezeichnung »Sequentia collocata sunt ex literis RPN. Everardi Mercuriani Praep.ti Generali« befindet sich auch der lateinische Text »Instructio de usu idearum [= spanisch: trazas] aedificiorum nostrae Societatis«, BayHStA, Jesuitica Nr. 2 fol. 177 b f., Nr. 303, wie Anm. 288. Dieser Text mit dem Titel war offensichtlich für eine begrenzte Zeit für den ganzen Orden verbindlich; Text abgedruckt bei H. HIPP 1979, S. 843f; dazu auch H. NISING 1990, S. 95f.

(292) Zur Mitwirkung des Ordens bei der Entwicklung der Pläne für Kirche und Kolleg München siehe auch J. TERHALLE, Katalog 1997, besonders S. 111 ff. Das Münchener Kolleg in seiner regelmässigen, vereinheitlichten Anlage besass auch unter Maximilian I. noch vorbildgebende Wirkung. Die Kolleganlagen unter Maximilian I. erfolgten jedoch darüber hinaus in Abstimmung mit den örtlichen Gegebenheiten. Die Bemühungen nach geschlossenen, regelmässigen Kolleganlagen sind vor dem Hintergrund ausgeprägter machtpolitischer und (früh-) absolutistischer Zentralisierungstendenzen unter Wilhelm V. und Maximilian I. zu betrachten. (vgl. H. J. SAUERMOST, Die wilhelminisch-maximilianische Kunstära, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, S. 169ff.). Es ist anzumerken, dass zwischen den Bauten unter Wilhelm V. (St. Michael und Kolleg) und Maximilian I. (Residenzbau, Kollegienbau) eine Akzenteverlagerung verfolgt, vom exemplarischen Einzelbau (Kolleg und Kirche München) hin zu einer systematisierten Bauweise (Residenz/Kollegien). Die Einheitlichkeit der Anlagen erfuhr eine Abschwächung mit der Stagnation der ursprünglichen politischen Zielsetzung mit dem Einbruch wittelsbachischer Machtentfaltung und politischen und militärischen Rückschlägen.

(293) Siehe P. MOISY 1958, S. 64.

(294) P. Oliva im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau in Paderborn, STA Münster, Münsterscher Studienfonds, Jesuiten Coesfeld I Nr. 1 c C, 14.7.1668: »Circa ideas templorum domiciliorumque nostrorum, et cuiuscunque fabricae notabilis, ut res undequaque accomodetur neque subrepat quaedam contra, vel praeter probatam hic ideam; curet Rva. verstra ut deinceps idea quaelibet (istic prior a peritis perbene examinata) ad me mittatur exemplo gemino; quorum alterum hic in archivio retinebatur: alterum remittetur hic in achivio notatis iis quae forsan emendanda occurrunt quae istic servanda est non vero per ullam indiligentiam amittenda neque liceat cuiquam ab illa recedere pro suo arbitratu quod aliquando factum ad me non raro scriptum est«; Lateinischer Text und Übersetzung bei H. HIPP 1979, Bd. 1.

(295) Zum Genehmigungsverfahren vgl. die Darstellung von J. BRAUN, in: B. Duhr, Geschichte des Jesuitenordens 1907, Kap. 17, S. 602-645; P. MOISY 1958, S. 45-60; P. PIRRI 1955, S. 40ff.; H. NISING 1990, S. 101ff.

(296) Die erhaltenen Kollegpläne befinden sich heute in den Plansammlungsbeständen der Bibliothèque Nationale in Paris bzw. im Römischen Archiv des Ordens in Rom; vgl. dazu J. VALLERY-RADOT 1960.

(297) Dazu P. MOISY 1958, S. 57.

(298) Siehe ELIAS HASENMÜLLER, Historia jesuitici ordinis, Frankfurt 1594, S. 141.

Kap. 2

(299) Grundlage für das Kunstwollen Wilhelms V. waren die bedeutenden politischen und militärischen Erfolge des Hauses Wittelsbach und das daraus erwachsene Selbstbewusstsein und der Anspruch des bayerischen Fürstenhauses. Wilhelm V. nahm federführend Einfluss auf die Gestaltung von Kirche und Kolleg in München. Die unter Wilhelm V. angewandte Kunstsprache erfuhr eine Fortsetzung in der Kunst- und Baupolitik Maximilians I. Die Kollegiengründungen Maximilians waren als ein wichtiger Faktor in das grössere Konzept zum Ausbau des Staates eingebunden.

Kap. 2.1

(300) Vgl. K. HENGST 1981, »Zum Begriff Jesuitenuniversität«, S. 72-79.

(301) Verordnung Wilhelms V. vom 27.2.1591: »Ordnung, wie wir es mit unsern zum geistlichen Stand deputierten Alumnis zu Ingolstadt von nun an bis auf unser Widerrufen wollen gehalten haben«; in: A. SEIFERT 1978, S. 257.

(302) Angaben zur Baugeschichte des Kolleges Ingolstadt in: Die Jesuiten in Ingolstadt, Baugeschichte des Jesuitenkollegs 1991, S. 43ff.

(303) Das Studienssystem der Gesellschaft Jesu am Kolleg Ingolstadt war der Standard, den der Kronprinz Maximilian während seiner Studienzeit 1587-1591 an der Universität Ingolstadt kennenlernte; siehe dazu H. DOTTERWEICH, Der junge Maximilian, Biographie eines bayerischen Prinzen, München 1980, besonders S. 92, S. 107.

(304) BayHStA GL 1488, Nr. 66.

(305) Plan von 1784, Zuschreibung an Vitus Haltmayr, BayHStA PlSlg. 19477; dazu: Jesuiten in Ingolstadt 1991, Nr. 41 und 43 und G. DISCHINGER 1988, Nr. 241 und 242.

(306) Das vollständige Raumprogramm abgedruckt in: Die Jesuiten in Ingolstadt, Katalog 1991, S. 52-57.

(307) 1570 entstand das von Jakob Sandtner geschaffene Modell der Stadt München. Die Modelle der Grossbauten des Jesuitenkolleges und der Residenz Maximilians I. (= Originalmodelle der Bauplanung [?]) wurden nach-träglich (wohl um 1615) mit gegenüber den übrigen Bauten leicht vergrösserten Maßstab in das Stadtmodell eingefügt; Abbildungen siehe Katalog 1997, S. 103-105.

(308) Plan des Kolleges München in einer Umzeichnung des Planes von ca. 1649-54 mit den zugehörigen Raumbezeichnungen, Bibliothèque Nationale de Paris, in Vallery-Radot 1960, Nr. 836; vgl. Plan Diözesanarchiv Eichstätt, dazu auch G. DISCHINGER, Ein Plan 1985, S. 79-86.

(309) Zur frühen Baugeschichte von St. Michael siehe G. DISCHINGER, Die Jesuitenkirche St. Michael in München - Zur frühen Planungs- und Baugeschichte, in: Katalog Wittelsbach und Bayern, 1980, S. 152-167.

(310) Siehe G. DISCHINGER, Zur frühen Planungs- und Baugeschichte, in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/ 1, 1980; J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 83-146.

(311) Siehe H. R. WEIHRAUCH, Das Grabmalprojekt für Herzog Wilhelm V. von Bayern, in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/1 1980, S. 175 ff.

(312) Vgl. W. BRAUNFELS, in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/1 1980, S. 133; dazu auch J. TERHALLE 1997, S. 102ff.

(313) Die »vitruvianischen« Architekturregeln (»utilitas«, »firmitas) kamen zu diesem Zeitpunkt in München unter dem Einfluss des fürstlichen Hofes zur Anwendung. Es ist festzustellen, dass sich die Münchener Kirchen- und Kollegarchitektur in den Augen der Zeitgenossen (vgl. Ph. Hainhofer 1611) durch ihren Baustil »all' Italiana« [= der »welsche« Architekturstil], von den Formen der einheimischen Architektur deutlich abhob. Es ist daraus zu folgern, dass die Anwendung italienischer Spätrenaissanceformen in Architektur und Dekoration nördlich der Alpen in bewusster und programmatischer Absetzung zum traditionellen Baustil der Spät- und Nachgotik erfolgte; vgl. dazu H. HIPP 1979, S. 775ff.

(314) H. J. SAUERMOST, Zur Rolle St. Michaels im Rahmen der wilhelminisch-maximilianischen Kunst und E. HUBALA, Vom europäischen Rang der Münchner Architektur um 1600, in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/1, 1980, S. 167 ff.

(315) Über die Entwicklung der Universitätsbauten zu repräsentativen Anlagen vgl. auch K. RÜCKBROD 1977.

Kap. 2.2

(316) Das politische Vorgehen Maximilians I. bei der Einrichtung der Kollegien sollte rechtlich legitimiert erscheinen. Im Rahmen dieser Darstellung muss auch das komplizierte rechtliche Gebilde mit den unterschiedlichen rechtlichen Kompetenzen erwähnt werden, in welches das jeweilige politische und konkrete z.T. militärische Wirken hineingriff. Die Rechtsgrundlagen dazu schufen der Passauer Vertrag von 1552, der Augsburger Religionsfriede 1555 mit dem ius reformandi und dem geistlichen Vorbehalt, dann aber das Restitutionsedikt vom 6.3.1629. Auf bayerischem Territorium, in dem Maximilian der Landesherr war, konkurrierte keine weitere politische Kraft mit der landesherrlichen Entscheidung über die Kolleggründungen (Landshut, Burghausen, Straubing). Die Kolleggründungen in Altbayern erfolgten mit Billigung der zuständigen Diözesanbischöfe; zur Rolle der Bischöfe siehe auch Anm. 493. Anders war die Rechtslage jedoch in den angrenzenden Territorien, in die Maximilian aussenpolitisch mit seiner Politik hineinwirkte, etwa bei den Gründungen der Niederlassungen im oberpfälzischen Amberg oder in der schwäbischen Reichsstadt Kaufbeuren. In diesen Fällen muss auch die Rolle des Kaisers untersucht und geklärt werden, bzw. das Handeln der kaiserlichen Kommissare und Subdelegierten. In Amberg oder Kaufbeuren wurde Maximilian von Bayern vom Kaiser selbst als Kommissar eingesetzt.

(317) Einen Sonderfall stellt die Jesuitenniederlassung Kaufbeuren dar. Die Niederlassung in der schwäbischen Reichsstadt wurde durch Maximilian I. als kaiserlichem Kommissar im Zusammenhang mit dem Restitutionsedikt und auf Betreiben des Fürstbischofs von Augsburg, Heinrich von Knörringen, mit politischen und militärischen Mitteln durchgesetzt. Ursprünglich als Kolleg geplant, konnte aufgrund der schwierigen konfessions-politischen Verhältnisse nur der Status einer Residenz behauptet werden. Offiziell führte die Niederlassung daher den ordensrechtlichen Titel einer »Residenz«, nach dem allgemeinen Sprachgebrauch wurde sie jedoch als »Collegium« bezeichnet.

(318) Schenkungsurkunde, ausgestellt am 30. 6. 1618; Urkunde BayHStA, Jesuitica 2206.

(319) Jeremias Drexel, der berühmte Hofprediger Maximilians I.; dazu Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/2, Nr. 840, S. 522. 1632f. hielt sich Drexel, gemeinsam mit dem Hof Maximilians I., auf der Flucht vor den anrückenden Schweden zeitweise am Kolleg Burghausen auf.

(320) Offensichtlich war bis zu diesem Zeitpunkt die Verwaltung des Klostervermögens noch in Händen eines eigens dazu berufenen Propstes, also noch nicht vollends an die Jesuiten übergegangen. Wohl erst nach seinem Ableben kamen die Jesuiten in den Genuss der ihnen gemäss der Schenkungsurkunde zustehenden Einkünfte an Geld, Naturalien und Nutzungsrechte.

(321) Die Gründungsvorgänge für das Kolleg Burghausen sind durch die Archivalien im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München, Jesuitica, gut erschlossen. Eine ausführliche Darstellung hierzu siehe W. SCHEIBEL, Collegium Burghusianum, 1990. Die Kolleggründungsgeschichte wird nachfolgend dargestellt unter Hinzuziehung des Quellenmaterials. Die Forschungen zum Kolleg Burghausen werden ergänzt durch den 1997 erschienenen Bildband: W. GUTFLEISCH (Hrsg.): Das Kurfürst-Maximilian-Gymnasium zu Burghausen, Vom Kolleg der Societas Jesu zur Königlich Bayerischen Studien-Anstalt, Würzburg 1997, darin siehe auch: J. W ILD, Die Gründungsdokumente des Burghauser Kollegs.

(322) Jesuitenmissionen in Burghausen sind unter anderen für die Jahre 1597, 1607, 1614, 1621, 1622, 1624 und 1626 belegbar mit der Ausübung von Seelsorge, Predigt und Beichte zur Oster- und Weihnachtszeit.

(323) Bereits 1607 soll Maximilian erwogen haben, die Poetenschule wegen mangelhafter Schulleistungen an die Jesuiten zu übertragen.

(324) Der vormalige Stadtpfarrer von Burghausen (Ferdinand) Thomas Mermann (München 1584 bis 1650 Passau) erhielt später ein Kanonikat in Passau, 8.2/6.3. 1629; BayHStA Jesuitica 1279; vgl. Katalog Wittelsbach 1980, Bd. II/2, Nr. 727, S. 451. Derselbe ist ein Sohn jenes berühmten Dr. Thomas Mermann (geb. 1547), der Leibarzt Wilhelms V. und Maximilian I. war; Mermann erwarb um 1595, wie auch Maximilian, zwölf Kaiserfiguren; dazu Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/2, Nrn. 878 und 879, S. 535ff. und Nr. 117, S. 78ff.

(325) Am 1.8.1627 wurde beim bischöflichen Ordinariat beantragt, den Patres der Gesellschaft Jesu in der Stadtpfarrkirche St. Jakob »die Cancel zu cedieren und zu überlassen«. Dieses und die folgenden Zitate aus BayHStA, Jesuitica 1277.

(326) Zwischen Juliana v. Montaigne, geb. v. Haunsberg in Burghausen und der Gräfin Magdalena v. Haunsperg, der Stifterin des Kolleges Landshut bestanden möglicherweise verwandtschaftliche Beziehungen.

(327) Am 3.7.1628 wird berichtet, »die Wohnung im Poetenhaus ist schon accomodiert«; zum 19.7.1628 folgte die Auflistung des Hausrats für Burghausen und zum 10.12.1628 dessen Abrechnung zwischen fürstlicher Hofkammer und dem P. Provinzial (»Specification der Notdurft 271 Gulden 32«).

(328) Die Vertreter der Stadt stellten in Aussicht »mit dem P. Provincial traktieren zu lassen für 2 oder 3 Magistri, wenn allein die Hoffnung eines künftigen Collegiums sei, [.. dass] 10788 Gulden in Beneficien anliegendes Geld [...] zur Aufrichtung eines völligen Collegii appliciert« werden, und unterbreiteten einen »Gebäudevorschlag [mit] Unterhalt, bis ein ordentliches Collegium aufgerichtet wird«.

(329) 28.3./3.4.1629 mit Abrechnung am 26.4.1629 »was die P. Societatis Jesu die Einrichtung der Prunnerischen Behausung gekostet 479 fl.«.

(330) Ein Alternativstandplatz im Süden der Stadt (später Standort des Kapuzinerklosters) wurde verworfen.

(331) Der Rentmeister berichtete am 25.7.1629 an Maximilian: Der »Stadel des Bürgermeister Widmer [wurde] auf 1000 fl. [heruntergehandelt], auch der Bergerin Wittib Stadl auf 750 fl.«. Der alte Salzstadel war bereits in der Stiftung den Jesuiten übereignet worden. Die Kaufverhandlungen konnten gegen Ende des Jahres abgeschlossen werden.

(332) BayHStA, Urkunde 1353, Kurbayern. Eine gesonderte Fassung des Finanzierungsdekretes wurde dem Rentmeister von Burghausen, datiert München, den 6. August 1629, übermittelt.

(333) Der Text des Finanzierungsdekretes (BayHStA, Urkunde 1353, Kurbayern) nennt zunächst den Stifter des Kollegs Kurfürst Maximilian, gefolgt von der Widmung der Stiftung »dem allmächtigen Gott, der glorwürdigsten Himmelskönigin und Gottesgebärerin Maria und dem ganzen himmlischen Heer zu Lob, Ehre und Danksagung«. Anschliessend erfolgt die Nennung des Stiftungszweckes zur 1) Fortpflanzung und Vermehrung der Ehre Gottes, 2) Aufnehmen der Andacht, 3) Unterweisung der Jugend und 4) geistlichen Trost und Hilfe Ihrer Untertanen und des Stiftungsortes »in der Hauptstadt Burghausen, weil dort kein Kloster und sonst wenige Geistliche bisher gewesen sind« und den Gegenstand der Stiftung »für die Patres der Societät Jesu ein Collegium, Gymnasium und Kirche neu erbauen, fundieren und stiften zu lassen«. Sodann werden die Modalitäten der Ausführungsbestimmungen genannt und zwar zunächst ordensseitig »dergestalt, dass genannte Patres die Direction, Sorge und Mühwaltung des Bauens (da sie sich hierzu bereit demütigt erboten und erklärt haben) auf sich zu nehmen« und anschliessend die fürstlichen Leistungen und Verpflichtungen, und zwar zunächst die Sachleistungen bezüglich der Überlassung von Gebäuden und Grundstücken und Einräumung von Nutzungsrechten »ihnen aber Ihrer churfürstliche Durchlaucht dort habender alter gegen die Salzach liegender wie auch einen Teil des Neuen Salzstadels, soviel man für ein Gymnasium bedürftig ist« wie auch der Geldleistungen »und dann an Geld vierzigtausend Gulden für die ganzen Baukosten überhaupt, (womit sie, die Patres, sich wohl einverstanden erklärt haben) hergelassen und zugestellt werden, und mit diesen vierzigtausend Gulden sie die nötigen Häuser, Städel und Gründe erhandeln und bezahlen, auch alle übrigen Unkosten und was zur Erbauung, Auf- und Einrichtung jenes Collegii, Gymnasii und Kirche notwendig ist«. Hinter diesen Katalog von ordensseitig zu bewirkenden Leistungen, nämlich Grund- und Häusererwerb sowie die Erstellung und Ausstattung eines kompletten Jesuitenkollegs ist der Zusatz zur Absicherung der Zusatz angehängt »und ohne weiteren Entgeld und Hilfe Ihrer churfürstlichen Durchlaucht selber abrichten und tragen sollen«. Unter diesen Bedingungen erfolgt die kurfürstliche Zusage und Anweisung an Kammerpräsidenten und Räte, in dieser Weise tätig zu werden. Anschliessend werden noch die Ausführungsbestimmungen genannt, nämlich das Geld »die genannten vierzigtausend Gulden« aus den aus dem Fond der Salzgelder »aus den Hällingschen Salzgefällen« zu nehmen und diese dann gegen Quittung in Raten auszuzahlen« jährlich [d. h. 1629 bis 1632; d. V.] siebentausend Gulden [das sind insgesamt 28000 fl.; d. V.], dann anno drei- und vierunddreissig jedes Jahr sechstausend Gulden gegen Schein ausgehändigt und bezahlt werden. Die Bestimmungen wurden im Anschluss an die Stiftungsurkunde von Maximilian nochmals bekräftigt und dann unter Nennung des Ausstellungsortes des Dekrets, München« mit seiner Unterschrift abgezeichnet: »Von Gottes Gnaden Wir Maximilian, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Ober- und Niederbayern, Kurfürst, bekennen hiermit mit dieser Unserer eigenen Handschrift, Handzeichen und obengedrucktem Secret, dass dieses alles und jedes, wie es von Wort zu Wort in diesem Fundationsbrief, Stiftung oder Donation nach hin geschrieben und begriffen. Wir also befehlen und mit wohlbedachtem zeitigen Rat bestätigen, Unser eigentlicher ernstlicher Wille, Meinung und letzter Befehl und Geschäft ist, welches alles Wir obgesetztermassen hiemit Unseren Lieben und Nachkommen auferlegt und vertraut haben wollen, sofern ihnen Unser und ihrer Voreltern, auch ihrer selbst eigene Seligkeit neben der Untertanen Nutzen, Aufnahme und Wohlfahrt an Leib und Seele lieb ist, gewissenhaft und stracks zu vollziehen, sich auch daran nicht hindern lassen sollen noch wollen in keinerlei Weise noch Werk, wie das Menschsinn immer erdenken möge. Geschehen im Tag und Jahr, wie obensteht. Maximilian manu propria [eigenhändige Unterschrift]«.

(334) Am 4.1.1629 wurde noch die Zahl von 2 oder 3 Magistri zur Unterhaltung der Schule genannt.

(335) BayHStA, Urkunde 1352, Kurbayern. Der Text der Stiftungsurkunde vom 16.8.1629 abgedruckt bei J. Dorner, S. 54-61, in: Festschrift Burghausen 1979 und J. WILD, Die Gründungsdokumente des Burghauser Kollegs; in: W. GUTFLEISCH 1997, S. 15ff. Bereits am 12.5.1629 kündigte Maximilian an, er wolle der »Stadt ein Stiftung tun«.

(336) Unmittelbar nach Festlegung des Kollegstandortes liess Maximilian am 20. 4. 1629 zur Finanzierung und zum Unterhalt der geplanten Kollegniederlassung die »Beneficia Vacantia« des Stiftes Mattighausen untersuchen (»im Jahr an die 2415 fl.«; 6.5.1629)). Noch im Juli 1629 liess Maximilian zunächst wegen des Erwerbs eines »Schweigs oder Urbar« (6.7.1629) als Ökonomie für die geplante Kollegiumgründung verhandeln. Die Anweisung der eigentlichen Unterhaltszahlungen für das Kollegium Burghausen, die sog. »Sustenierung« des Kollegiums, erfolgte dann durch ein Dekret am 4. Mai 1630 und bestand aus Geldleistungen in Höhe von 3000 fl. (zuzüglich 150 fl.) und Naturalienbezügen an Salz, Schmalz, Getreide und Holz aus rentamtlichen Beständen. Die Sustenierung musste später jedoch finaziell aufgebessert werden.

(337) Die Ausführung folgt der Darstellung von K. WOLF, Das Landshuter Gymnasium; in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 62, 1929. Dort finden sich auch die entsprechenden Quellenangaben.

(338) Die beste Möglichkeit zur Erneuerung der Schulen und zu einer richtigen Jugenderziehung sieht Magister G. Gastel in der Berufung der Jesuiten nach Landshut. Er befürchtet allerdings, dass diese Berufung dem Widerspruch eines grossen Teils der Bevölkerung auf sich zöge. Aber gerade die Jesuiten hätten genügend zahlreiche und gelehrte Männer zur Verfügung, könnten also so viele Klassen bilden, als notwendig seien, während die Stadträte über die bisherige Lehrerzahl unter keinen Umständen hinausgehen wollten und bei der Anstellung von Lehrern gewöhlich sparsam und zugeknöpft seien. Also müsse man danach trachten, dass durch die Freigebigkeit der Fürsten Jesuitenkollegien in den Städten gegründet würden. Die Jesuiten seien auch durch die Dinge und Sorgen dieser Welt weniger abgelenkt und hielten ohne Wanken aus im Kampfe um den katholischen Glauben; zitiert bei K. WOLF 1929, S. 21.

(339) Das Stiftungskapital hatte eine Jahresverzinsung von 5 Prozent, d. h. 2800 Gulden im Jahr. Infolge der Kriegsnöte traten schon ab dem Jahr 1632 in der Zahlung der Zinsen Stockungen ein; besonders im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts bezahlte die Landschaft die Zinsen sehr unpünktlich und nur in kleinen Teilsummen und beanspruchte sogar 1/5 der Zinsen im Jahr für sich; siehe K. WOLF 1929.

(340) Der Wortlaut wiedergegeben bei K. WOLF 1929, S. 143.

(341) Genauere Angaben zur Planungsgeschichte- und zum Genehmigungsvorgang für das Kolleg Landshut siehe Kantonalbibliothek Freiburg/Schweiz; BayHStA, Jesuitica 2081, u.a.

(342) Das Hörmannsche Doppelhaus, das später im Kollegbau aufging, wurde am 18.6.1629 für 6600 fl. und das Rätzensteinhaus am 28.8.1629 um 4650 fl. vom fürstlichen Rat Christoph Heinrich von Rätzenstein erworben; der Abbruch erfolgte im Frühjahr 1631. Eine genaue Aufstellung der gekauften Anwesen und des alten abzubrechenden Bestandes bei K. WOLF 1929, S. 57f. Weitere Grundstückserwerbungen folgten.

(343) Diese Ordensmitglieder waren: P. Johann Manhart, der Sekretär des Provinzials, P. Ulrich Speer, der zukünftige Superior der Residenz und spätere Rektor des Kollegs Landshut, und dessen Begleiter P. Wilhelm Reiss, der Bruder der Witwe Hörmann.

(344) Angaben zur Geschichte der Jesuitenniederlassung finden sich bei A. HUBER, Historia Collegii Straubingani, 1977-1996; J. KEIM, Liebfrauenkirche und Jesuitenkolleg in Straubing um 1650, 1965; H. Nising 1990.

(345) Dem schriftlichen Antrag aus Straubing gingen die Anträge für Landshut (Bittschrift vom 14.8.1628) bzw. Burghausen (4.1.1629) für die Gründung eines Kollegium voraus.

(346) Auf Ordensseite verhandelte P. Kaspar Hell, der Rektor des Kollegs in Amberg, wegen Geld- und Sachleistungen für die Ordensniederlassung mit dem Magistrat der Stadt.

(347) Die Litterae Annuae berichten 1637: »Unter den uns wohlwollenden Fürsten nimmt den ersten Platz der D. Kurfürst Maximilian I. ein, durch dessen gnädigste Zustimmung wir zweimal an diesem Ort bestätigt wurden, abgesehen von den anderen Gunstbezeugungen«; zitiert in A. HUBER, Historia Collegii, 1977.

(348) Als Schule diente ein Gebäude in der südlichen Jesuitengasse; »Die Propstei wurde den Jesuiten bei der Gründung des Kollegs 1631 als erste Heimstätte angewiesen. Das Steuerbuch von 1651 führt dann als erstes Haus im südlichen Teil der heutigen Jesuitengasse ein von den Jesuiten inzwischen ebenfalls erworbenes Anwesen an, das spätere Seminar. »Als besonders wichtig muss festgehalten werden, dass Kastenhof (1651 Kollegium) und Propstei damals zwei verschiedene Häuser waren«; J. KEIM 1965, S. 63.

(349) Der Vorbesitzer des sog. Kastenhofes war fürstlicher Beamter war; möglicherweise erleichterte dieser Umstand den Erwerb des Anwesens. Zur Geschichte des sog. Kastenhofes J. KEIM 1965, S. 63: »Als Herzog Ludwig die 1535 vom Augsburger Domkapitel erworbenen Rechte, soweit sie die Stadt betrafen, an diese verkaufte, nahm er für sich, d. h. für den Landesherrn, den Kastenhof mit einem Viertelbau usw. aus. Daher finden wir jetzt herzoglich Beamte als Bewohner im Kastenhof, so 1580 den fürstlichen Rat Khuen. 1618 kam der Kastenhof, der inzwischen ins Eigentum der betreffenden Beamten übergegangen zu sein scheint, an die Familie von Haslang. Georg Rudolf von Haslang war der Kommandant von Straubing, der im November 1633 zusammen mit dem Stadthauptmann Straubing gegen die Schweden verteidigte und übergab. 1646/47 ging der Kastenhof aus dem Haslang'schen Besitz in den Besitz der Jesuiten über, die hier ihr Kolleg einrichteten. Die Bezeichnung Kastenhof ist nun aus den Quellen verschwunden. Beim Kauf von 1646/47 ist lediglich vom Khuen- oder Haslanghaus die Rede, das in der Folge einfach als Collegium Societatis Jesu bezeichnet wurde«.

(350) Vgl. die Angaben in den Litterae Annuae; in: A. HUBER, Historia Collegii Straubingani, 1977-1996.

(351) Die pfälzischen Gebiete waren nach der Ächtung ihres Herrschers Friedrich V. von der Pfalz ein erledigtes Lehen, das zunächst kommissarisch an Maximilian zur Verwaltung übergeben wurde, vorbehaltlich einer endgültigen Lösung und einer neuen Belehnung; vgl. W. ZIEGLER, »Die Rekatholisierung der Oberpfalz«; in: Katalog Wittelsbach und Bayern Bd. II/1 1980, S. 436-447.

(352) Maximilian I. schreibt am 20.6.1626: »[...] da er das Fürstentum nicht absolut im Besitz habe, möchte er ohne Vorwissen des Kaisers keine gewisse Resolution geben«; zitiert in: PH. SCHERTL 1962, S. 162. Maximilian versuchte aufgrund dieses ungesicherten Status einerseits seine Anwartschaft auf den Besitz des besetzten Territoriums zu wahren und unternahm in Hinblick darauf die nötigen Schritte. Andererseits bestand Ungewissheit darüber, ob die besetzten Gebiete auf Dauer gehalten werden könnten.

(353) An der Spitze der Regierung stand der kurfürstlich subdelegierte Rat Baron von Preysing. Baron von Peysing war der erste bayerische Viztum in der Oberpfalz; 1630 trat er wieder bei der Gründung des Jesuitenkolleges in Straubing auf.

(354) Die Versorgung und der Unterhalt der Jesuiten der Amberger Jesuitenniederlassung wurde vom 1. 8. bis 16.11.1622 durch die Regierung geleistet.

(355) Bis 1624 bestand das calvinistische Pädagogium im ehemaligen Franziskanerkloster. 1623 reichten die Jesuiten ein Memoriale mit der Bitte um Auszug aus dem Schloss und um Überlassung des calvinistischen Pädagogiums zu Wohn- und Schulzwecken bei den Räten ein, die es nach München weiterleiteten. In dieser Sache schrieben am 16.10.1623 die Räte ein zweitesmal an den Fürsten, weil sie wegen der Wohnung im Kloster [gemeint das Franziskanerkloster, das noch zu Schulzwecken genutzt wurde] »von gedachter Herrn patribus instendigst angelangt werden«. Die Unterhaltszahlungen für das calvinistische Pädagogium wurden auf Befehl Maximilians vom 20.7.1624 eingestellt. Dennoch konnten sich die Jesuiten (wegen der Restitution des vormaligen Franziskanerklosters) nicht in diesem Gebäuden festsetzen und blieben weiterhin auf den Pfarrhof von St. Georg angewiesen; siehe PH. SCHERTL 1962, S. 113ff.

(356) Die Massnahme ging letztlich zurück auf die Anfrage Maximilians vom 10.7.1626 an die Räte, ob die unkatholischen Schulen nicht ganz oder zum Teil abzutun wären.

(357) Allein im Jahre 1627 wurden 15 neue Missionen eröffnet, so dass am 1.1.1628 insgesamt 17 Missionen von Amberg aus verwaltet wurden. Die Darstellung folgt PH. SCHERTL 1962, S. 277-350.

(358) Dazu die Ausführungen von PH. SCHERTL 1962; siehe auch M HÖGL, die Bekehrung der Oberpfalz durch Kurfürst Maximilian I.«, 2 Bde., Regensburg 1903; dort ausführliche Darstellung auf der Grundlage der Akten und anderer Quellen.

(359) Instruktionsschreiben Maximilians I., zitiert in PH. SCHERTL 1962, 173.

(360) Dies geschah allerdings unter dem Hinweis, die Jesuiten würden »die besseren subiecta ad societatem nehmen und deshalb der Mangel [an Pfarrseelsorgern] fortdauern«.

(361) Über die politische Durchsetzung des Bauvorhabens gibt die Entscheidung über die Verlegung des Georgentores Aufschluss; die Frage wurde nach der Befürwortung durch den Kurfürsten (Regensburg, 30. 6. 1630) gegen den Willen der Bürgerschaft und nach Wunsch der Jesuiten entschieden.

(362) Zur Grafschaft Cham siehe PH. SCHERTL 1962, S. 261-268: Die Grafschaft Cham war 1352 aus bayerischem Besitz an die Oberpfalz verpfändet worden. Die Stadt wurde vom 25.9.1621 bis zum 12.1.1625 kommissarisch durch Maximilian verwaltet; dazu setzte Maximilian als Pfleger Siegmund von Thumberg, (später Rentmeister von Burghausen) und als Amtsrichter H. Hauch ein. Das Territorium fiel am 12.1.1625 durch kaiserlichen Erlass wieder an Bayern zurück; am 15./16.1.1625 erfolgte die Erbhuldigung der Vertreter der Grafschaft Cham.
Die Jesuiten übernahmen im Dezember 1621 die Garnisonsseelsorge und die Missionierung der Stadt und des vormals calvinistischen Territoriums. Nach ihrer Ankunft wurde der jesuitische Schulunterricht organisiert. In einem Memoriale klagte das Amberger Mutterkollegium über die schlechten Wohnverhältnisse in Cham; die Jesuiten erhielten daraufhin das zuvor vom calvinistischen Inspektor bewohnte Haus. Die calvinistische Glaubensausübung wurde von Maximilian zunehmend eingeschränkt. Am 18.5.1623 befahl Maximilian, den calvinistischen Gottesdienst in der Pfarrkirche nicht länger zu dulden; die protestantische Religion in Cham werde »bald abgeschafft«. Die Jesuiten spielten bei den gegenreformatorischen Massnahmen eine tragende Rolle. Der in Cham agierende P. Käpfl schrieb, unterstützt vom Pfleger S. Thumberg, am 20.12.1625 an P. Contzen, den Beichtvater Maximilians am Münchner Hof, man dürfe den hartnäckigen calvinistischen Chamer Ratsmitgliedern keine Nachsicht schenken; sie suchten nur eine Verzögerung der angeordneten Massnahmen. Am 4.1.1626 befahl der Kurfürst die Absetzung des alten Rates und die Wahl eines katholischen Rates. Der Druck zur Konversion wurde verstärkt; auf Anregung P. Käpfls hin fanden Bücherdurchsuchungen statt. Am 16.9.1626 - die Rekatholisierung der Grafschaft Cham war zu diesem Zeitpunkt weitgehend durchgeführt - wandte sich Maximilian an »seine Lieben und Getreuen, den Rat und die Bürger von Cham« mit der Bemerkung, »dass sie sich wie in politischen so auch in Religionssachen seinem gnädigsten Willen accomodiert hätten« (PH. SCHERTL 1962, S. 263) und bestätigte die städtischen Privilegien. Von Seiten des Jesuitenordens wurde nach erfolgreicher Mission die Gründung einer dauerhaften Niederlassung in Cham zur Absicherung des Erreichten und zur Fortsetzung ihrer Arbeit erwogen. Der Orden strebte hierzu eine Niederlassung im ehemaligen Franziskanerkloster an, das jedoch vom Franziskanerorden selbst restituiert und bezogen wurde. Der jesuitische Tätigkeit in Cham wurde danach von der Landesregierung nicht weiter gefördert. 1631 verliessen die Jesuiten Cham auf Anordung ihrer Ordensoberen; der Hausrat wurde in die neugegründete Ordensniederlassung in Straubing überführt.

(363) Jesuitenmission Neumarkt/Oberpfalz; siehe PH. SCHERTL 1962, S. 269-284: Die militärische Besetzung Neumarkts, der damals bedeutendsten Stadt der Oberpfalz nach Amberg, erfolgte im Oktober 1621. Am 29.10.1621 nahm Maximilian die Interimshuldigung entgegen. Die endgültige Konversion der Stadt erfolgte jedoch erst, nachdem von der kurfürstlichen Regierung im Februar 1628 massive gegenreformatorische Massnahmen angedroht worden waren. Die Jesuiten waren seit Dezember 1621 zur Militärseelsorge und Missionierung in Neumarkt. Sie erhielten im Schloss eine erste Unterkunft und bezogen später (mit Anweisung vom 14.11.1624) ein eigenes Haus. In der Frage der ihnen zugewiesenen, aber noch von den Calvinisten genutzten Kirchen wandten sich die Jesuiten am 5.9.1625 an Kurfürst Maximilian. Die Regierung befahl die Übergabe der Pfarrkirche am 16.9.1625 an die Jesuiten. Zur Einrichtung ihrer Schule wandten sich die Jesuiten 1624 an Maximilian mit der Bitte der Überlassung der vormals calvinistischen Schule. Maximilian befasste daraufhin am 31.7.1624 den Stadtrat und am 12.10.1624 den Regierungskanzler in Amberg Wensin mit der Schulangelegenheit. Die jesuitische Schule mit zwei Patres wurde am 30.5.1625 eröffnet. Vom 30.8.1627 an entstand den Jesuiten in der Ausübung ihres Seelsorge-, Predigt- und Schuldienstes Konkurrenz durch den neu angesiedelten Kapuzinerorden. Die daraus hervorgehenden sog. »Neumarkter Differenzen« wurden von Ordensseite durch Jesuitengeneral Mutius Vitelleschi mit der Auflösung der Jesuitenmission in Neumarkt entschieden. Am 2.5 1629 teilte die Regierung in Amberg dem Kurfürsten mit, dass die Jesuiten von ihren Oberen abgefordert worden seien und bereits ihre dortigen Hausgeräte weggeschickt hätten. Die Congregatio de Propaganda Fide bemühte sich noch am 15.5.1629 um die Beilegung des Streites. Kurfürst Maximilian forderte einen genauen Bericht über die Vorgänge, hielt sich in dieser Auseinandersetzung - wohl aus standortpolitischen Erwägungen - jedoch zurück. Der Eichstätter Bischof schrieb am 12.9.1629 in dieser Sache an Maximilian, der Kapuzinerprior P. Dominikus habe sich zuviel in ordenspolitische Angelegenheiten eingemischt. P. Dominikus wurde wie auch der Jesuitenprior P. Hell (nach Amberg) von Neumarkt abberufen. Die Jesuitenmission Neumarkt wurde Ende 1629 aufgelöst.

(364) Die Darstellung folgt A. STEICHLE/A. SCHRÖDER, Das Bistum Augsburg, Bd. 6, (1896-1904), Das Land-kapitel Augsburg, Von der Restitution bis zur Friedensexekution 1604-1648; weitere Angaben bei J. BERGER, Auswirkungen des Westfälischen Friedens auf die Reichstadt Kaufbeuren; in: Kaufbeurer Geschichtsblätter, Teil I, Bd. 13, Nr. 7; 1994; Teil II, Bd. 13, Nr. 8, 1994; Teil III, Bd. 13, Nr. 9, 1995; hier weitere Literatur zur Restitution unter Anm. 2; P. SCHMAUCH, Das Jesuitengymnasium in Kaufbeuren, Teil 1, in: Kaufbeurer Geschichtsblätter, Teil 1, Bd. 12; Nr. 6, 1991; Teil 2 Bd. 12, Nr. 7, 1991; Teil 3, Bd. 12, Nr. 8, 1991; hier weitere Literatur zum Schulwesen in Kaufbeuren unter Anm. 1; Teil 2 Bd. 12, Nr. 8, 1991; Teil 3, 1992; T. BREUER, Kurzinventar Kaufbeuren 1960, Ehem. Jesuitenresidenz, S. 29f.

(365) Auch in der Unterpfalz mit der Hauptstadt Heidelberg wurden in dieser Zeit Massnahmen zur Konversion der Stadt durchgeführt und ein Jesuitenkolleg aufgebaut. Die militärische Besetzung der Ober- und der Unterpfalz und einiger oberdeutscher Reichstädte und deren Rekatholisierung unter Maximilian waren gewissermassen das Vorspiel und Vorbereitung dessen, was dann für das Reichsgebiet im Restitutionsedikt vom 6. März 1629 beschlossen wurde. In Kaufbeuren und anderen Städten wurden in dieser Vorphase gewissermassen die Mittel erprobt, die dann nachfolgend im grösseren Maßstab durchgeführt werden sollten.

(366) Die mehrheitlich protestantisch gewordene Reichstadt sollte auf Betreiben der katholischen Stände zumindest eine paritätische Ratsbesetzung erhalten, fussend auf der Wahlordnung Karls V. von 1551.

(367) Infolge der dominierenden militärischen Situation der katholischen Mächte im Reich Mitte der 1620er Jahre wurde die Restitution einiger oberschwäbischer Reichsstädte erwogen. Dabei versuchten die Katholiken formal-juristisch vorzugehen unter Berufung auf den Passauer Vertrag von 1552. Das Beispiel Donauwörth 1607 zeigt, dass eine Reichsstadt nach einer Rechtsverletzung durch Protestanten durch die Intervention unter Führung Maximilian auf kaierliche Anordnung militärisch besetzt und das katholische Bekenntnis eingeführt werden konnte.

(368) Das Kommissorium wurde von Maximilian I. mit den Räten Wenzel R. Freiher von und zu Sprinzenstein und Neuhaus und Joh. C. Thanner von Thann und bischöflicherseits durch Fürstbischof Heinrich von Knörringen mit Hans C. v. Berndorf, Dr. Johann H. Moser und den bischöfl. Rat Joh. S. Silvius besetzt; vgl. A. STEICHELE 1896-1904, S. 402.

(369) Der Augsburger Bischof Heinrich schickte die Akten der Kaufbeurer Kommission von 1627 an andere katholische Reichsfürsten als Beispiel zum Eingreifen in weiteren Städten, vgl. das Dankschreiben des Bischofs Sixt Werner von Konstanz vom 11.5.1627.

(370) Vgl. den Brief von Superior Graf an Generalvikar Zeiler 1629, Januar 16., A. STEICHELE 1896-1904, S. 428f.

(371) Ebd., S. 402.

(372) Ebd., S. 403.; BayHStA Jesuitica 1279.

(373) Vermutlich steht dieser Rückzug im Zusammenhang mit der Ankündigung des Augsburger Bischofs, dass »mit der Unterhaltung der P. P. die Stadtkasse nicht beschwert werde«; siehe Brief vom 2. 10. 1627, Bischof Heinrich an seine Abgeordneten in Kaufbeuren Joh. D. v. Berndorf und Dr. Sixt Vischer; ebd., S. 404.

(374) Diese Geldmittel stammten aus den Einkünften des kurz vorher der bischöflichen Finanzkammer inkorporierten Klosters Zimmern im Ries.

(375) Ausführungen dazu siehe A. STEICHELE 1896-1904, S. 411-420 und J. Berger, 1995, Auswirkungen des Westfälischen Friedens auf die Reichstadt Kaufbeuren; in: Kaufbeurer Geschichtsblätter, Bd. 13, Nr. 7, S. 255-275.

(376) Die Instanzenwege auf der Seite des Ordens wurden in Kap. 4.3, »Verfahrenvorschriften« dargelegt

(377) Ausführungen über die Verfahrensabläufe bei der Neuansiedelung eines Jesuitenkolleges u.a. bei J. BRAUN 1907, S. 602ff.

Kap. 2.3

(378) Zu den Bau- und Verfahrensvorschriften der Jesuiten siehe Kapitel 4. 3, Der jesuitische Kollegienbau.

(379) Der Geistliche Rat wurde 1570 als Institution der bayerischen Regierung als Behörde für Religionsangelegenheiten eingerichtet. Ein Vorläufer dieses Geistlichen Rates war der sog. Religions- und geistliche Lehensrat (von 1556 bis 1559) unter Albrecht V. Das Kollegium des Geistlichen Rates wurde paritätisch von geistlichen Räten und Hofräten besetzt.

(380) Angaben über die Aufgabenbereiche der Behörden, der Rentmeister und Pfleger s. R. HEYDENREUTER, Die Behördenreform Maximilians I., S. 238 und S. 245; in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/1, 1980.

(381) In der nachfolgenden Bearbeitung werden folgende Kriterien behandelt: Die Frage nach der ersten Ansiedelung der Jesuiten am Ort und der Adaption erster Unterkünfte; der Bereitstellung des Gründungskapitals, der finanziellen Mittel und von Materialien zur Einrichtung der Ordensniederlassungen; nach den Instandsetzungsmassnahmen von Altbauten; nach den Vorraussetzungen zur Errichtung von Neubauten, also Grunderwerb, Abbrucharbeiten, Fundamentierung, etc. Die Frage nach den für die jeweilige Ordensniederlassung eruierbaren Planungs- und Genehmigungsverfahren und der Rollenverteilung zwischen Orden und Regierungsstellen. Die Frage nach den Zeiträumen der Planung und Errichtung der Bauten und deren Ausstattung; den Architekten und ausführenden Baukräften und deren »Bau-Karriere«. Die Frage nach den Baufachleuten; der Bauorganisation; der Finanzierung, nach den Besonderheiten im Verlauf der Planungs- und Bauausführung.

(382) Darstellung der (Bau-) Geschichte der nachfolgend genannten Kollegien in genereller Weise finden sich bei B. DUHR 1907; zu den Kirchenbauten siehe J. BRAUN 1910. Eingehende Darstellungen zur Baugeschichte des Kolleges Mindelheim bei: G. DISCHINGER 1988, S. 130-132; H. HABEL, Landkreis Mindelheim (Kurzinventar), München 1971; F. ZOEPFL, Geschichte des ehem. Mindelheimer Jesuitenkollegs, in: Archiv für die Geschichte des Hochstifts Augsburg 6, 1921.

(383) Hofkammerpräsident Oswaldt Schuss wurde vor den Vorgängen in Mindelheim bereits mit der Regelung der Gründungsvorgänge des Kolleges Amberg und der die Jesuiten betreffenden Angelegenheiten in der Oberpfalz betraut. 1629 befasste sich O. Schuss, der zu dieser Zeit zugleich Pfleger von Rottenburg war, mit dem Ankauf von Häusern für das neuzugründende Kolleg Landshut.

(384) Vgl. G. DISCHINGER 1988, S. 131f.

(385) Nach Angabe von F. ZOEPFL 1921, S. 22ff.

(386) F. ZOEPFL spricht von einem Neubau; wahrscheinlich ist ein tiefgreifender Umbau mit teilweiser Erneuerung der Mauersubstanz gemeint; die folgenden Angaben nach F. Zöpfl 1921, S. 22-25.

(387) M. Thum hatte in den vorangehenden Jahren den Bau von Teilen des Landshuter Kolleges geleitet. Möglicherweise hat er in Anlehnung daran auch die Pläne für den Bau geliefert.

(388) Vgl. BayHStA PlSlg. 880.

(389) Vgl. BayHStA PlSlg. 880a.

(390) Weitere Angaben zum Bau des Ost- und Verbindungsflügel siehe F. ZOEPFL 1921.

(391) Die Quellenlage zur Bau- und Bauorganisation des Kollegs Burghausen ist gut erschlossen. Eingehende Darstellungen zur Baugeschichte des Kolleges Burghausen bei A. BUCHLEITNER, Zur Entstehung und Entwicklung des Kurfürst-Maximilian-Gymnasiums Burghausen, H. NISING, Das Jesuitenkolleg zu Burghausen, Baubeschreibung, in: Festschrift, Stadt Burghausen (Hrsg.) 1979, S. 119-143 1990, W. SCHEIBEL, Collegium Burghusianum, Die Jesuitenniederlassung in Burghausen 1629-1773, 1990; W. GUTFLEISCH (Hrsg.): Das Kurfürst-Maximilian-Gymnasium zu Burghausen, Vom Kolleg der Societas Jesu zur Königlich Bayerischen Studien-Anstalt, Würzburg 1997, darin siehe: J. WILD, Die Gründungsdokumente des Burghauser Kollegs; A. SCHMID, St. Ignatius zu Burghausen - Ein altbayerisches Jesuitenkolleg.

(392) Vgl. BayHStA PlSlg. 12011.

(393) Bibliothèque Nationale de Paris Plan Hd-4 a, 63; zur Korrepondenz siehe Anhang 1.

(394) Die nachfolgenden Quellenangaben entstammen der Quelle BayHStA Jesuitica 1277.

(395) Der Rentmeister berichtete am 25.7.1629 an Maximilian: Der »Stadel des Bürgermeister Widmer [wurde] auf 1000 fl. [heruntergehandelt], auch der Bergerin Wittib Stadl auf 750 fl.«. Der alte Salzstadel war bereits in der Stiftung den Jesuiten übereignet worden. Zum 15.1.1630 waren die Grundstücksverhandlungen beendet, »des Veltreichs und Khaindls Stadl« bereits abgebrochen.

(396) Zu J. Mändl siehe »Um Glauben und Reich«, Katalog zur Ausstellung Wittelsbach und Bayern, Bd. II/2, Nr. 436, S. 283.

(397) Rentmeister an die Landesregierung am 31.8.1629: »Baumeister allhier«

(398) Nachdem sich der »P. Provincial mit unserem Hofmaurermeister Isaac Pader umgesehen haben«, wurde am 6.9.1629 erfragt, ob man für die »zum Bau bewilligte Collegialkirche ausserhalb der Stadt« und deren Eingang »ohne Zweifel die Stadtmauer eröffnen« müsse. »Der vorhabende Collegialbau samt bemelter Kirche [ist] in der Vestung gelegen und eingeschlossen. Ob die zum Bau bewilligte Collegialkirche etwa an einem bequemeren und füglicheren Ort, als derjenig, so auf dato vor und ausserhalb der Stadt genannt und ausgezeigt ist, gesetzt und erbaut werden möchte.«

(399) Siehe Brief des Rentmeisters an die Landesregierung vom 30.9.1629, BayHStA Jesuitica 1277.

(400) Landesregierung an Rentmeister am 10.9.1629 »Memoriale Collegi Bau betr. 1. ob der Platz [...] vorm grossen Gewässer sicher sei. 2. ob die Mauer [...] Salztor [...] ein Wehr [braucht] 3. ob die Vestung ausserhalb dieser Zwerchstattmauer geschlossen und das Collegium gesichert. 4. [...] solle der ganze Platz herumb in Grundt gelegt und abgezeichnet [werden]. 5. [...] Teil von dem grossen Stadel fürs Salzunterkommen. 6. was die Erkaufung der Gründe zum Bauplatz bei der Salzach [angeht ...]. 10. [...] den Patribus 100 Clafter Holz. 11. [...] der vorhandene Vorrat an Bauzeug«.

(401) »Durchleichtigster Churfürst, genedigster Herr, Euer Churf. Durchl. unterm dato 6. dies Monats an mich ergangenen Befehl, [...] dass nemlichen derselben gdigste Intention vornehmlich dahin geht, und gestellt ist, ob das Portal oder Eingang der vorhabenden Collegialkirchen, sowohl um der Bürgerschaft als anderer besseren [?] accomodität willen, in die Stadt zu richten wäre [...] hätte ich untertänigst und schuldigst, nach aller Möglichkeit gern [...) als der P. Provincial Societatis Jesu, neben Euer Chrfürstl. Hofmauermeister Isaac Pader sich alhier befunden [...] bericht getan, das vorgenanter P. Provincial, und andere Patres insgesamt, selbst kein ander Ort, weder beim Salzstadel in der Zieglau besichtigen, auch aus diesen Ursachen Meister Isac Hofmaurermeister nit weiter gehn wellen, und haben sich erklärt, dass sie die Kirchen und das Gymnasium beide auf der Seiten, des alten Salzstadels bauen und sich mit demselben Platz, auch was bereits dazu erkauft, betragen, und den Neuen Salzstadel ganz unangegriffen bleiben lassen wollten. Und weilen das Kirchenportal herein gegen der Stadt mehrers Prospects halb gesetzt, müsste deshalb der Stadtwachtthurm und von demselben hienunn [?] die Rinkhmauer, bis an des Kirchmairs Schefmans Haus samt solchem Haus abgebrochen werden, auch wäre anstatt erstbedeuter Rinkhmauer und Wachtthurms, unten beim Wasser gleich vor der Landstatt, ein Mauer und Bogen, als eine nächtliche Sperre zu führen. Ir der Herren Gebäu verblieb demnach, wegen der jetzigen Mauer, welche oben vom Schloss an, bis hinab an die Salzach und den Teufelturm (wie mans in gemein nennt) gehet, in der Spörr, nach solcher Besichtigung und Abred alsbalden davon gereist, auch sich der Maurmeister weiters bei mir nit angemeldet. Ich hab nit weniger getan beiwesen P. Superioris und deren von Burckhausen, neben E. churf. Durchl. Rath und Rentschreibern auch diesen Ort zu besichtigen und unseren gut gedenken nach, wohl zu ponderieren. Solchermassen, befunden, das auf erzählten Vorschlag, ja das ganze Collegium und Kirchengebäu, der Bürgerschaft und menigelich viel accomodierlicher, auch ganzer Stadt viel zierlicher, und in dem Prospect heraus gar viel ansehnlicher werde, allein wenn es diesem Ausstecken nach sollte erbaut werden, dass zu E. churftl. Durchl. Neuen Salzstadel nit allein khein Umkehr mit Wägen, sondern auch mit harter Mühe ein Wagen neben der Kirchen und dem Gebäu zum Ende des Salzstadels gehn könnte, gleichwohl P. Superior sich dahin auf mein Erwiderung erklärt, dass die Aussteckung kein bestendiges, auch der Bau solchermassen geführt werden soll und müsste, dass zwischen dem, und dem vermelten Salzstadel geraum 2 Wägen nebeneinander gehen können, und sollen [...], und besorglich dieser Stadel ganz verbaut wird, welches ohne Massgebe, billig in Acht zu nehmen, und beschehe gleich dieser Bau, auf was Weis es wolle, wird allem Ansehen und Vermuten nach, alles eng genug zugehen müssen [...]. 30.9.1629 Burghausen«.

(402) Vgl. BayHStA, PlSlg. 12011

(403) Nach dem Erhalt des Rentmeisterberichtes erfolgte die kurfürstliche Stellungnahme und eine weitere Anordnung: »Unseren Grues zuvor, Lieber Getreuer. Wir haben deinen untertänigsten Bericht vom 30. Septembris den Collegii- und Kirchenbau zu Burghausen betr. empfangen und mehrern Inhalts ablesend vernommen derweil wir aber dabei in Zweifel geraten, ob du des Bauplatzes halber genügsam berichtet und eruiert worden, zumals der Maurmeister, welcher den Abriss bedeuten Baus gemacht, alhier vorgebe, dass sich der Platz zwischen solchen Collegii und des grossen Salzstadls, wo es am weitesten ist, auf 65 Werkschuh breit erstrecke, im übrigen und des mehren teils aber nur 35 Werkschuh breit sei, welches spacium aber zu Umkherung der Wägen etwas zu eng sein würde. So wollen wir dich demnach mit deinem Gutachten vernehmen, ob alsdann zu besagten Umkheren Plaz und Raumb genug sei; wann mit obgemelten Bau noch 15 Werkschuh breit gegen der Salzach zu rücken gereichen und also ein Gassen von 50 Werkschuh gelassen würde [...] was bey uns dann auch zu berichten, was und wieviel Häuser, Städl und Gründt die zugehörige sein, in den jetzigen neuen Bauplaz kommen und zu solchem Kirchen- und Collegiibau eingenommen werden, damit mans in die Fundation bringen lassen künnde. Und nachdem wir nit ungnedigst, den Patribus hiergedachten Collegii aus unseren Gehölzen um Burghausen jährlich einhundert Clafter Holz erfolgen zlassen [...], so befehlen wir deinen Bericht [...]. Datum München, den 12. October 1629«.

(404) Das Schreiben Maximilians vom 31.12.1629 - eingelaufen beim Rentmeister in Burghausen am 9.1.1630 - erfragte, den am 16.11.1629 gegebenen Bericht betreffend: »wegen die Bauplätz zwischen alhiesigen Collegii- und Kirchenbau 1. von dero Maurermeister zu München und der erwähnten 50 bis 60 Werkschuh spacium 2. Wann man mit dem Collegii Bau umb 15 Schuh weit gegen den Salza Fluss hinabrücken thue, ob das Fuhr umkheren [kann] und auf was für eine Weis der Abriss oder Visier eigentlich gestellt, noch ausführlich berichten. [3. Die] Fundation Collegii [solle] ausgemacht [werden] wie solches an anderen Orten geschehen, inskönftig, da die Herrn Patres den Grund zu graben und diesen Paus einen Anfang machen wollten, ermelten Maurmeister zu dem Ende selbstens herabzuordnen«.

(405) Der Rentmeister antwortete (Januar 1630 ?): »Praemissis praemittendis Bericht: von der Platz so zwischen dem Neuen und dem alten Salzstadel liegt, wo er zum engsten sein wird, in die 50 Werkschuh in sich begreifen werde, solche von des Neuen Stadls Mauern zu rechnen wird man zum Salzfuhrwerks genügen breit haben. Was aber von dem nemlichen überschickten Visier eines Collegiibau allhier belangen tut, gehet sie dahin. Es hat chft. Mauermeister, wie vor diesem Bericht, nechst als man durch das Stadttor in die Zieglau hinausgeht ein Limitem oder Zwerkh ausgestreckt, von dem man schön grad neben dem gwesten [?] Salzstadel hin, den Collegiibau führen solle. Welcher Limes, dieweil er in die 23 Werkschuh von der Gassen habe abgeschnitten, wäre sie so eng geworden, das man mit dem Salzfuhrwerk nit hätte zu genügen können fortkommen. Dies dann zu praecausieren deutet mein gemelter Visier an, das man von der Gassen über 15 Werkschuh nit könne für den Collegiibau sich gebrauchen [...]«.

(406) Siehe Plan Bibliothèque Nationale de Paris Hd 4a-63.

(407) B. DUHR: 23.11.1630[?]; Briefe mit den »Considerationes circa Ideam Burchusianam« (BayHStA 1288); siehe Anhang 1.

(408) Verzeichnis o.J. (1629/1630) aines beyleuffigen Überschlages, so über Erpauung des vorhabenden Jesuiter Collegium sambt der Kirchen, auch Kirchenthurm und Schuelen so in Burghausen solle erbaut werden, ergeben und costen würde, volgt hernach. Erstlichen, so es nach laut deren beiliegenden Grundrissen, solle auf drei Gaden hoch gemauert sambt der der Kirchen, auch Thurm und Schulen, wie oben vermelt, auch die Kirchen und Gang, alle gewölbt werden, so wird das ganze Gmeyrwerk, auch Thurm und Schulen, dannen des Grundgraben zu versehen, auch die alten Gemäuer abzubrechen und allerlei Rüst und Birgenholz zu rechnen, gefirte Mauerclaffter sich wo was befunden 11040 Claffter. So über ein [Eiche ?] dieser Claffter, sambt Stain, Kalk, Sand und dessen Fuhrlohn, Stein der Mauer- und Fuhrwerkerarbeit, ergeben bei 3 fl. thut also das ganz Gemeyr in allem 33120 fl. Die Tachung bei diesem Gebau, alles in allem bei 1826 gefierte Clafter, jede sambt darzugehörige Materialien und Arbeit angeschlagen zu 1 fl. thuen die ganzen Tachungen zusamen 1826 fl. Die Zimmermannsarbeit, sambt dem darzugehörigen Holz und Pröterwerk, auch Tachlatten und allerlei Nägel, als die Tach zuvor zumachen, Firstpöden zlegen und Polträmb einzuziehen für alles bei 4000 fl. Für alle gross und klein Stuben auch Cämer und dergleichen, über sich mit schlechten gemeinen Täfern zu vertafeln, welcher Zimmer in allem bei 85 sein, dafür 2000 fl. Item für 106 allerlei Thüren, der mehren Teil mit Tür gerichtern [?] und schlechten Verkleidungen, für alle zusammen bei 1000 fl. Dem Schlosser für gemelte Türen und Thor zu beschlagen, und weilen die Beschlag unterschiedlichen sein werden, solche überhaubt, angeschlagen auf 1000 fl. Für allerlei Fensterstock, deren 282 sambt den grossen Kürchenfen-stern, so auch darzu gerechnet, für Holz-Schlosser- und Glaserarbeit 3130 fl. Dann auch für 50 Tachfenster 70 fl. Item für 31 gross und kleine Öfen, auch dazugehörige First [?] und inwendige Gätter und Ofentürl, für alles zusammen bei 1200 fl. Die ganze Kirchen sambt allen Gängen und Flez, mit gefürten [?] gebrannten Stein auszupflastern wird darüber ergehen bei 1500 fl. Die Tachrinnen sambt den dazugehörigen Rinnenhaggen zurichten, so die Rinne anderst aus Lerchenholz gemacht worden, so sich belaufen auf 450 fl. Nitweniger wird man auch zu diesem Gebäu allerlei Schindl [?] und Klamberwerk vonnöten haben 1200 fl. Was aber die 3 Altär in der Kirchen, wie auch die Beicht-, Predigt- und andere Kürchenstühl anlangt, nitweniger auch die Sakristei, Cästen und Gloggen, so in den Turm sollen gehengt werden, kann nit wol in ain gewissen Anschlag gebracht werden, dieweilen noch nit eigentlich bewisst, wie eins und das andere auszumachen sein wird, jedoch aber würde es nur oberhin darauf gerechnet bei 5000 fl. Summa ganzen Uncostens 55396 fl.

(409) J. BRAUN 1910, S. 156 : »Pader machte zwei Entwürfe, für die ihm, wie überhaupt »zum anstand wegen des Kirchenbaues« am 4. April 1630 ein silbervergoldeter Becher zum Gewicht von 2 M, 1 Loth, 1 qu. und im Werte von 41 fl. 33 kr. »verehrt« wurde. Nach dem einen dieser »Visiere« fertigte der Kistler Johann Dering ein Holzmodell an, für das ihm am 20. Dezember 1629 20 fl. bezahlt wurden; nach dem zweiten stellte der Kistler Christoph Maier ein Modell her, der für seine Arbeit am 20. Januar 1630 12 fl. erhielt. Die Modelle sind nicht mehr vorhanden, wohl aber liegen noch Paders Entwürfe vor, einer im Münchner Reichsarchiv (= BayHStA), der andere in der Nationalbibliothek zu Paris.«, J. Braun 1910, S. 156.
Woher Brauns Angaben über die beiden Holzmodelle, deren Urheber und Entlohnung stammen, bleibt auch nach gründlicher Durchsicht der betreffenden Akten ungeklärt.

Während der Bauplanung von Kirche und Kolleg der Jesuiten in München waren zwei Modelle angefertigt worden; (vgl. Stiftungsurkunde Wilhelms V. von 1585, G. DISCHINGER 1988, S. 162). Sollte dies auch für das Kolleg in Burghausen zutreffen? Immerhin findet sich im Vorentwurf zur Stiftungsurkunde des Collegiums Burghausen vom 16. 8. 1629 beim Passus, »dass in bemelter Stadt Burckhausen [...] obenbenannte Sankt Josephskirche samt dem Collegio und Schule, auf unsere Kosten [...] erbaut werde« die Anmerkung »in aller Form, Weis, Art, wie das durch Bausachverständige aufs Papier in Grund gelegte und nochmals eingesetzte [?] aufgezogene Modell zeigt, dann zugrund gebaut, firmiert und im 6. ten Jar die nächsten nacheinander folgend vollendet und mit dem allernotwendigsten geführt, eingeweiht und versehen werden [...]. Denselbst, dem Modell gemäss, vollführen mit aller Notwendigkeiten einzurichten [...]«; BayHStA Jesuitica 1279. Möglicherweise wurde die Angabe von der Stiftungsurkunde Wilhelms V. übernommen. In der Stiftungsurkunde Maximilians I. ist von einem »Modell« allerdings nicht mehr die Rede.

Zur Autorschaft der von Braun an Isaak Pader zugewiesenen Pläne ist zu bemerken, dass Plan BayHStA PlSlg. Nr. 12011 vom Rentmeister von Burghausen stammt, der diesen vielleicht auf Vorlage eines Planes von Isaak Pader verfertigt hat, und Plan PlSlg. 12012, wie G. Dischinger plausibel begründet, von einem Ordensmitglied gefertigt wurde; auch der in der Bibliothèque Nationale de Paris befindliche Plan Hd 4a-63 stammt vermutlich von einem Ordensmitglied.

(410) Bibliothèque Nationale de Paris, Plan Hd-4a, 63.

(411) Litterae Annuae 1631: »[...] ipse Templi huius novi [...] Architectus, cuius filius ex aedificii pericolo in subiectus stratus delapsus, suscatis nonnihil membris nos St. Josephi ope est servatus [...]«

(412) Darstellungen zu Leben und Werk von Isaak Pader (gest. 5.4.1635) und der Meisterfamilie Pader bei E. HUBALA, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II, 1, S. 141-151: »Voraussetzung für das Fortleben handwerklicher Praxis und baulicher Formen bilden die Meisterfamilien im Voralpenland und in München. Ein Musterbeispiel dafür liefert die Münchner Familie der Pader. Seit 1587 sind ihre Mitglieder als Steinmetz-Maurer, als Stukkatoren, als Maurermeister oder [...] als Bildhauer bis ins 18. Jahrhundert hinein in Bayern nachweisbar«. Zu Konstantin Pader siehe B. SCHÜTZ, Die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum und ihre beiden Baumeister; in: Kieler Kunsthistor. Studien 4, E. Hubala (Hrsg.), 1974. N. LIEB, in: »Münchner Barockbaumeister« 1941, S. 55f., und H. SCHNELL/U. SCHEDLER »Die Wessobrunner«, »Isaak Bader« 1988, S. 52f.); E. SCHALKHAUSSER, »Die Münchner Schule in der Stuckdekoration des 17. Jahrhunderts. Die Stukkaturen der Michaelskirche und des maximilianischen Residenzbaues in München und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung der Stuckdekoration in Altbayern, Schwaben und Tirol im 17. Jahrhundert, 1957; Isaak Pader S. 69, 71ff., 84, 91, 113; und Konstantin Pader S. 95 und S. 113.

(413) Finanzierungsdekret (BayHStA Urkunde 1353, Kurbayern). Im Finanzierungsdekret vom 30. Juli 1629 wurden die Baukostenerstattung, Grund- und Sachleistungen sowie die Baumodalitäten geregelt.

(414) J. BRAUN 1910, S. 159.

(415) Zu Leben und Werk von Paul Bock siehe J. BRAUN 1910, S. 158.

(416) Zu Leben und Werk von Jakob Kurrer siehe J. BRAUN 1910, S. 150ff.; Die Hofkirche Luzern, in: Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Kanton Luzern II, Bd. 30, S. 146ff; G. DISCHINGER 1988, Herrenchiemsee Nr. 216, BayHStA PlSlg. 19936; P. FELDER, Die Hofkirche Leodegar und St. Mauritius in Luzern, Eine kunstgeschichtliche Monographie, Basler Studien zur Kunstgeschichte, Bd. XVII, Basel 1958; P. V. BOMHARD, Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Rosenheim, Teil 3, 1964, S. 77; TH. V. LIEBNAU, in: Anzeiger für Schweizerische Altertümer 1901, S. 265-276; Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler, Bd. 23, Leipzig 1928.

(417) Die Verbindung zwischen der Planung für das Kolleg Enisheim und dem Kolleg in Burghausen wird bei einem Vergleich der Pläne Ensisheim (abgebildet in P. MOISY 1958, Ill. XX, C) und Burghausen BayHStA, PlSlg. 12012 deutlich. Die sog. »Idea Burghus« hängt in topographischer Einfügung und Anordnung der Gebäude in direktem Mass von der Kollegplanung von Ensisheim ab, besonders was die Planung die seitlich der Kirche gelegenen Kollegtrakte betrifft.

(418) Bereits am 12.12.1629 wurden 30 bis 40 Eichen für die Anfertigung des Kirchengestühls aus dem Forst Weilhart angefordert (BayHStA Jesuitica 1277).

(419) Maximilian liess (am 10. 11. 1629) anordnen, dass der Rentmeister den Patres »ausser den Arbeitern nichts bezahlen derfen« zuzüglich der ihnen zustehenden Bezüge.

(420) Litterae Annuae 1631: »Domus Josephi [...] destinatum, hoc anno ad eam Altitudinem perductum est ut fastigio imposito dedicaretur itaque ad V Idus Novembris [...] D. Josepho Patrono Templum Aramque Principem Solemni Ceremonia sacravit [...]. Templi Dedicatio [...] item ara B. Virgini hoc illa Ignatio & Xaverio dedicata partes datus in Scenam St. Josephus [...] placuit [...] ipse Templi huius [...]«.

(421) BayHStA Jesuitica 1277, 23.12.1631, »Die Begiessung der Gloggen zu der neuerbauten Kirche 337 fl. 44«.

(422) BayHStA, Jesuitica 1277, 27.2.1632, »[...] Collegibau dies Jahr gänzlich einhalten [...] dies Jahr nit dargeben«.

(423) BayHStA, Jesuitica 1277, 12.5.1634, Rentmeister: »[Für] die vor zwei Jahren [erbaute] St. Joseph Collegkirche wurde [...] mit ziemlicher Mühe ein Gerüst erbaut [...] auch die Stein ermodert, die schuldigen Pflicht nach nit alles unterlassen, Anordnung tun für bemelten Kirche. Obwohl der [...] Chor bisher offenstehend, und mit Steinen zuzumauern wäre, ist man doch vorhabens [... dass er] allein mit Brettern [...] so von abgelegten Gerüst, abgedeckt werde, derzeit zu verschlagen, damit das angewitterte Chorgewölbe nit Schaden leide«. 1.6.1634: »Steinwerk-Ziegelsteine, selbige aber nit wohl gebrannt. Überschlag 397 fl. [...]« 27.6.1634: »Bewerfung der Jesuiten Kirche betr. Befehl Bauschilling verwilligt«. BayHStA, Jesuitica 1288: 1634 »Anschlag über völlige Abputzungsunkostens der Kirche St. Joseph Societais Jesu in Burghausen. Für 6 Maurer [...], vor monath taglohn 153 fl. [...] vier Tagwerker [...] zwei Zimmermänner. 4. Einen schiessen oder Gibel uf dem Langhaus, so noch offen [dahero dann das Gewölbe nit zu Genügen verwahret), wie auch das Gesimps zue und aufzumachen werden erfordert 6000 Maurerziegel 23 fl. 5. In den zweyen Seitentächern am Langhaus, mit Brettern, uf Interim zugedeckt, 5000 Dachziegel samt furhrlohn. 6. diese Dachziegel einzuhängen 150 Latten [...]. 7. Für Ristbretter Eisen und Nägel. 8. Dachrinnen 320 Schuh. 9. Drei driling Kalk [...]. 10. vier Zillen Sand. 11. Für Plag und Arbeit die Zimmern Zudecken [...] Summe 397 fl. Obwohl auch der schiesser uf dem Chor gegen orient und septentrionem bisher offenstehend, zuezumachen, und mit stainer zu vermauern war, ist man doch vorhabens, weitscheiffigen Unkostens zu umbgehen, selbigen all mit prettern, so von abgelegtem gerüst übrig sein werden, derzeit zu verschlagen, damit das angewitter dem chorgewelb nit schaden thue«.

(424) BayHStA, Litterae Annuae 1637: »Bino Josepho consecrata est in nostra aedes«. Litterae Annuae 1639: [...] Ara princeps Sto. Josepho sacro, novo artificio perpolita & eleganti contabulatione ex planis asseribus panno convestis, adque imitationem architectonici arteficii pictis exornata est; quam contubulationem praeter angelorum species, nostrorum quattuor Beatorum statuae, cum symbolis quaque sui egregie decorant et illustrant. Annexu altari Sanctuarium augustissima Christi Corporis custodiendo fabre elaboratum. Materia omnis marmora vestitur, nigrum, Parium, Porphyreticum varium etc masculorum [...] columnae quattuor & [...] de gypso, marmor tam scite referre docta, ut tum spectantium oculis, tum ipsi naturae feliciter illudant. Opus [...] tabulis expressiis ex optica pingendi sententique rationes errates insuntur inaurata lana quiddem, sed quae intentibus in obscuram concrematione recedant. Interius quoque Sanctuarium, hoc demum anno fornice clausum, atque incrustatum fuit, accessit ad coronandu SSa. Eucharistia craterem coralla [...], eximio opere ac splendore perfecta [...]«.

(425) BayHStA Jesuitica 1301: »1645 pro satio tectis Collegii, Templi, Gymnasii 96 fl.«.

(426) Litterae Annuae 1652: »Idem urbem versus rite initium, amoenam faciem offert ingredentibus, ducto e fundamentis solido muro, suis instructis portas, intra quas ampla se area explicat, conversationi cum externis [...]«.

[C] Litterae Annuae 1660: »Qua munificentia data nova Templo nostro fuit facies, cum imaginibus gestae S. Josephi et aliis ornamentis per pictorum non ignobilem est exornatum, insuper cuiusdam [...] e Nostris sedula industria suo decori fuere restituta inferiores murores laterialium partes, ex quibus [...] latitudinis [...] calx decidebat magno Ecclesiae nostrae squalore templum accessit [...] alteri pari arte ac elegantia«.

Litterae Annuae 1671: »Facies templi antica subeuntes per portam triumphalem admiserat, quae ad Architectura leges [...] architectura, columnis porphoris, Coronis et stellis superba, ad quadraginta pedes sublimis exurexerat, superius fastigium Jesu nomen stylobatis tulit«.

(427) BayHStA, Jesuitica 1288: 10.5.1651 »[...] die Erbauung eines Ganges an der St. Josephskirchen zu Burghausen bewilligen. Erbauung bemelten Gangs [...] Überschlag, die alten Ziegelstein von dem alten baufälligen Haus hierzu gebraucht. Maurermeister-Überschlag 1539 fl. 47 Zimmermeister 550 fl. 45 zusammen 2090 fl., von Bausumma abgezogen. 2 Taglöhner von S. Joannis Baptista bis auf Martini«.

(428) BayHStA, Jesuitica 1288: 1654 »[...] ist das Gottshaus St. Joseph 4050 fl. schuldig verblieben [...] laut Schuldobligation dato den 18.1.1637 mit 4050 fl. samt einer Jahreszinsung«; 1644 Schuldbrief 2000 fl. Jahreszinsung; 15.5.1644 1000 fl., samt Jahreszinsung; ein weiterer Schuldbrief. Februar 1647 1000 fl. Jahreszinsung [...]«. Laut Aufstellung BayHStA, Jesuitica 1288, fol. 2 waren bis 1662 von der Stiftungssumme von 40000 Gulden ausgegeben worden: 1630, 31, 32 und 33 25066 Gulden 23 kr, 1636 500 Gulden, 1643 5000 Gulden, 1644 2000 Gulden, 1651 2626 Gulden, zusammen 35222 Gulden, 23 kr.

(429) BayHStA, Jesuitica 1277, 3.5.1642.

(430) Litterae Annuae 1643: »Hoc demum anno munificentia Ser. mi El. Fundatoris nostris [...] prima parte novi Collegii [...] aedificatam coepta est & ad tecti atque fastigium perducata«.

Litterae Annuae 1644: »Collegio aero praeter duo milia florenorum quae munificentia Ser. mi El.nostri liberali-tas pro incoepta novi a aedificii parte perficienda suppeditavit«.

(431) BayHStA, Jesuitica 1277, 7.4.1642 Abt v. Ranshofen an den Rektor von Burghausen W. Weilhamer: »dass mein welscher Baumeister sich anjetzt in dem Welschland befindet und in den nächsten zwei Jahren nit herauskommt, zumalen bei diesen kümmerlichen Zeiten«.

(432) Nach J. BRAUN 1910, S. 153; zu J. Kurrer, Leben und Werk, S. 150-153.

(433) Litterae Annuae 1661: »Hic annis scholis nostris fatalis fuit, nam propter continuos pluvias mense Augusto adeo largiter [...] ut ad altitudinem viginti octo pedum excreverit«.

(434) BayHStA, GL Fasz. 416/ 90, 26.11.1661, »Überschlag des Neuen Gymnasiums Societatis, den Maurer- und Zimmermeister betr. Georg Brunner, Stadtmaurermeister und Balthasar Haiter, Hofzimmermeister zu Burghausen«.

(435) BayHStA, PlSlg. 20216-20219; s. G. Dischinger 1988, S. 250.; siehe auch BayHStA GL Fasz. 416/ 90, 14.11.1661: »Baumeister Marxen Schinnagl, das Gymnasium zu reparieren oder wohin ein anderes zu erbauen«.

(436) Die erste Nutzung als Gymnasium fand von 1629-1661 im Haus des Andreas Prunner statt; Stadtmaurermeister Georg Prunner war möglicherweise zu diesem verwandt.

(437) BayHStA, PlSlg. 20294-20297; zu den Planungsvorgängen G. DISCHINGER 1988, S. 248-251: »Mit Schreiben vom 10.2.1663 sendet P. Georg Mändl SJ, Rektor des Jesuitenkollegiums in Burghausen, die Pläne nach München an den Geheimen Rat. Er berichtet vom Stand der Arbeiten an dem 1662 begonnenen Neubau des Gymna-siums. Die Fundamentierung habe Schwierigkeiten bereitet, so dass die veranschlagten Kosten überschritten würden. Deshalb bittet er um Zuschüsse, denn zwei Geschosse und das Dach des insgesamt dreistöckigen Baues - »wie aus beikhommenter Visier und Grundriss No 4 zu ersehen« - seien noch aufzuführen. Die vier [...] Risse sind laut Datierung des Aufrisses offensichtlich eigens in Hinblick auf den Brief angefertigt und dann von einem Ordensangehörigen beschriftet worden. Sie stellen den Entwurf des z.T. schon realisierten Neubaues dar [...] Ihr Zeichner besitzt die Initialen G P und ist wohl mit Georg Prunner, Stadtmauerermeister von Burghausen zu identifizieren; er hatte schon 1661 den Überschlag für den Gymnasiumsvorschlag von Markus (Marx) Schinnagl verfasst. [...] Dieses erste Projekt unterscheidet sich von der zweiten Planserie in Grösse und Aussengliederung; dagegen entsprechen sie einander in der Raumeinteilung«.

(438) Die diesbezüglichen Archivalien sind erhalten, siehe BayHStA, Jesuitica 1285.

(439) Litterae Annuae 1662: »Gymnasium hoc anno novum aedificari coeptum, fundamentis ad eandem fluminis Iuvarii crepidem [...] pedes geometricos viginti duo altios, [...] memoriae Principe et Electore Maximiliano protrina [?] (Rem templi, Collegi, Gymnasi) fabrica promissa fuerat et assignata«.

(440) Litterae Annuae 1663: »Nova gymnasii fabrica superiore anno inchoata, hoc perfici non potuit, ob materiae et sumptum defectum, in quibus parandis nonnihil [...] laboratum [...] frequentata interim Domus Paumfelderiano medio urbi foro, non modicis impensis Collegii conducta, docentium incommodo«.

Litterae Annuae 1664: »Ser. El. favore [...] novi Gymnasium fabricam ad fastigium usque perduximus impositoque ductisque, per scalas et ambulacra fornicibus, scholas ad usum necessarias ita adoptarecimus [...]. In novarum Athenarum [...] scholae omnino sunt in longum quadraginta, viginti quattuor in latum, altae pedes tredicim, a regione triplici septenis fenestris lucem haurientes«.

(441) Litterae Annuae 1665: »[...] vix par fuit templi amplitudo, auxitque eam solemnitaten Rev. Abbas Raitenhaslacensis«.

Litterae Annuae 1666: »Hoc demum anno novo Gymnasio multo amplius fecit specabile [...]. Inferior potissimum aula suggestus choro musico [...] designatus [...] nunc opere eleganter vestitus est. Iam area Gymnasii magna ex parte lapidibus strata et complanata est«.

(442) Die ursprüngliche Dachkonstruktion aus der Erbauungszeit wurde beim Einbau des neuen Rabitzgewölbes des 1732/33 neugestalteten Kongregationssaales verändert. 1756 mussten angefaulte Dachbalken ausgewechselt werden. Der anschliessend geführte Streit mit der Kongregation über deren Kostenbeteiligung gibt Auskunft über die Nutzungsrechte der Kongregation im Jesuitengymnasium.

(443) Litterae Annuae 1680: »Collegium Supremam hoc anno manu acceperunt, operi Superiore anno Sumptibus Ser. mi El. impositam«.

(444) Litterae Annuae 1682: »Hoc demum anno, quod pridem desideratum est, etiam Collegii aedificii coeptum continuari, et fundamentum novendecim pedes altum, recta quidem linea a veteris Collegii, parte a centumquinquaginti tres, in transcursum autem versus arcem ad octuaginta tres pedes iactum est, et absolutum est [...]«; Jesuitica 1299, Rechnungen. 1683 wurde ein Architekturbuch »für den Collegiipau« erworben.

(445) Litterae Annuae 1684: »Collegium vero ex libertate novum suum aedificium eo provexit, ut non tantum ubique. Tectum imponi potuerit [...] novo muro per ambulata formices interius, sed et iam in novum [...] culinam & cellem [...]«.

(446) Litterae Annuae 1685: »In Collegii nova fabrica duo curritor solido lapide, medio latere [...] Hypocaustum«.

(447) Litterae Annuae 1686: »Quod Collegium nostri coeptum ab aliquot annis fabricam attinet, in infima parte quam longa est, fornices cellarum [...]. Perfecta hypocausta et cubicula quinque, et [...] curritoria; novumque duplex hypocaustum pro hymne«.

(448) Litterae Annuae 1687: »Collegium [...] exornandum. Et atrium ad portam columnis octo iam habet [...] porticum, quattuor pedum altae quadrato de lapidi substructioni insistenti, amoenam ingredientibus praebet faciem, instituendo [...] cum externis colloquio [...] Elegantia aedificii merito satis non aestimaverit«.

(449) BayHStA, Jesuitica 1277, 29.7.1681, »[...] zugrunde gegangene 8000 Ziegelsteine«; 19.10.1683, »Steine zum Collegibau 12000 Steine«.

(450) Eingehende Darstellungen zur Baugeschichte des Kolleges Landshut bei: G. DISCHINGER 1988, S. 117f.; F. MADER, Stadt Landshut, KDB, Bd. 16, 1927; R. J. REITER, Die ehem. Jesuitenkirche St. Ignatius in Landshut, 1976; K. WOLF, Das Landshuter Gymnasium; in: Verhandlungen des Hist. Vereins für Niederbayern 62 (1929) 68f.

(451) 1641 endet nach dem bisherigen Stand die Forschung für die Baugeschichte der Jesuitenkirche. Anhand der Eintragungen in den Baurechnungsbüchern und dem Zahlbuch J. Holls lässt sich der Verlauf der Baugeschichte an dem jeweils benötigten Material deutlich ablesen (Rep. 49/Bd. 51, fol. 2bd. 50, fol.). 1637/38 und 1640 waren drei Maurerpoliere am Aussenbau geschäftigt.

(452) Laut R. REITER 1976 wurden für die Durchführung der Wölbungsarbeiten Teile des Dachstuhles als Tragekonstruktion benutzt.

(453) Nach R. REITER 1976 ragte innerhalb der Mauern der nordöstlichen Ecke bis über das Hauptgesims des Langhauses ein angefangener Turmstumpf von etwa 5 Metern [?] in die Höhe. Der Plan, den Turm zu erhöhen, wurde 1692 endgültig aufgegeben.

(454) »Quam in Rv. Seremus. Elector de proximis montibus forte fortuna convulsam temere materiam perlubentur concessit«; Historia Templi 1630.

(455) »[...] priore iam anno 19. Octob. huc missus erat..« (Historia Templi 1631); davor leitete Holl die Ausführung des Westtraktes in Mindelheim.

(456) Vgl. R. REITER 1976, S. 8. Dazu auch J. BRAUN 1910, S. 99: »In Landshutani structura non architectimodo munus, sed omnium quoque artificium ministeria occupavit, ut nihil in tam diversis laboribus, qui solent plures artifices fatigare, a quopiam fieret, cui ille non ideam dictaret et homines sua sponte eam peritam consecuti ingenium etiam exteri et magnates suspicerunt«. »[...] sustinuit totius templi structuram fabris caementariis, tecti compagem ligneam fabris lignariis, altarium et sedilium symmetriam et parerga scrinariis, ipsis denique statuaris et gypsatoribus omnia templi ornamenta dictare«. »Nichts gab es in der Kirche, wozu er nicht die Idee angab«, wie der Nekrolog Holls ausdrücklich bemerkt. Es ist davon auszugehen, dass der Verfasser dieses Nachrufes und der gesamten Historia templi als Mitglied desselben Ordens wie Holl daran interessiert war, die Arbeit und den Anteil eines Mitgliedes der eigenen Gesellschaft hervorzuheben.

(457) J. BRAUN 1910, S. 99.

(458) Historia Templi 1631.

(459) »Paumaister M. Franz« wird 1631 in Landshut erwähnt. Er war bereits in Innsbruck 1619 am Bau der dortigen Jesuitenkirche beteiligt und folgte Hans Alberthal in der Leitung des Kirchenbaues nach; er wurde dort noch 1621 erwähnt. Unter der Rubrik »Trinkgeld« heisst es im Landshuter Rechnungsbuch: »Dem Paumaister M. Franz wegen ersten Überschlags und austheilung 91 fl.«.

(460) Ebd., S. 98; lateinisches Zitat Historia Templi 1631.

(461) Laut J. BRAUN 1910, S. 98, entstammte Rambin einer Graubündener Baumeisterfamilie aus Roveredo und wird in der Historia 1631 als »wälscher Maister« bezeichnet. Er ist bei der Lohnzahlung unter der Rubrik »Maurer oder Paumaister« verzeichnet; er führte Lohnverhandlung mit dem Rektor Ulrich Speer und vereinbarte mit diesem einen monatlichen Lohn von 17 Gulden. Rambin traf am 6.4.1631 in Landshut ein, verliess die Stadt jedoch schon wieder am 7.4.1631 morgens. Am 14.7.1631 kehrte Rambin mit fünf Leuten, darunter einem Jakob Rambin (wohl ein Verwandter) zurück.

(462) Zwischen 1632 (Mai und Oktober) und 1634 bis Herbst 1635 wurde Landshut von den Schweden heimgesucht.

(463) Vgl. J. BRAUN 1910, S. 96.

(464) Vgl. E. SCHALKHAUSSER 1957.

(465) Vgl. BayHStA, Jesuitica Nr. 2094 Wilhelm Hirschvogl schenkt dem Collegium ein Haus zu Landshut, 1644.

(466) Der Bau misst nach Angabe der Historia Templi in der Länge 220 Landshuter Schuh (1 Schuh = 32, 4 cm), also 71, 28 m, in der Breite 36 Landshuter Schuh = 11, 66m, in der Höhe 48 Landshuter Schuh = 15, 55m bis zum Dachvorsprung und von da bis zum Giebel 30 Landshuter Schuh = 9, 72m.

(467) Die in der Historia Templi angegebene Länge dieses Gebäudetraktes beträgt 122 Landhuter Schuh = 39, 52m.

(468) BayHStA Jesuitica Landshuti Nr. 2080.

(469) BayHStA Jesuitica Landshuti, Nr. 2080 und Stadtarchiv Landshut E IIIe Fasz. 12.

(470) Zu diesem Zeitpunkt erhält die noch in ihren Anfängen stehende Bauschule der Vorarlberger wichtige Aufträge von den Jesuiten, so etwa beim Landshuter Kollegbau.

(471) BayHStA PlSlg. 10219 (Situationsplan des Bauplatzes mit Grundriss), 10218 (1. OG), 10216 (2. OG), 10217 (3. OG).

(472) Max v. Lerchenfeld hielt sich im Kolleg Amberg auf ab 23.10.1628 als Magister für Rhetorik und Humanitas und ging am 30.9.1630 nach Ingolstadt zum Studium der Theologie. Max v. Lerchenfeld weilte 1651 während des Baues des Kirchenganges im Kolleg Burghausen. P. Leonhard Lerchenfeld (Rektor am Landshuter Kolleg vom 23.2.1653 bis 1656, danach Minister und Prokurator und dort wiederum Rektor vom 13. 4. 1659 bis 1664) stellte wohl die Verbindung mit Max v. Lerchenfeld her. Nach F. STROBEL, Die Gesellschaft Jesu in der Schweiz, Helvetia Sacra Abt. 7, 1976, S. 294, gehörte P. Maximilian v. Lerchenfeld jedoch nie dem Kollegium in Landshut an.

(473) J. BRAUN 1910, S. 208; über H. Mayer ebenda S. 217ff.

(474) Eingehende Darstellungen zur Baugeschichte des Kolleges Straubing bei: H. NISING, »Das Jesuitenkolleg in Straubing - eine »typische Jesuitenarchitektur«?«; in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 84, 1982; ders.: Die Entwicklung und Baugeschichte eines Jesuitenkolleges am Beispiel der Ordensniederlassung in Straubing, 1990, S. 115-170; G. DISCHINGER 1988, S. 245-248; A. HUBER, Historia Collegii Straubingani, Teil 1-4, in: Straubinger Hefte, Beilage zum Jahresbericht des Joh. Turmair-Gymnasiums, Übertragung der Litterae Annuae: Nr. 27 (de anno 1631-1690); Nr. 28 (de anno 1691-1722); Nr. 34 (de anno 1722-1737); Nr. 43 (de anno 1738-1753); Nr. 44 (de anno 1754-1756); Nr. 45 (de anno 1757-1762); Nr. 46 (de anno 1763-1773); ders., Das Kolleg Straubing (1998, Bearbeitung als Dissertation angekündigt) J. KEIM, Liebfrauenkirche und Jesuitenkolleg in Straubing um 1650, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 68, 1968, S. 63.

(475) Siehe dazu A. HUBER, Historia Collegii Straubingani, Teil 1-4, in: Straubinger Hefte, Beilage zum Jahresbericht des Joh. Turmair-Gymnasiums, Übertragung der Litterae Annuae; weitere Angaben in: BayHStA, Jesuitica Nr. 2585 und Nr. 2586.

(476) Zu Leben und Werk von Johannes Hörmann, s. J. BRAUN, Ein bayerischer Jesuitenkünstler des späten 17. Jahrhunderts; in: Die christliche Kunst 4, 1907/08; H. SCHLÄGER, Mindelheim, (in Vorbereitung).

(477) Eingehende Darstellungen zur Geschichte und Baugeschichte des Kolleges Amberg bei: G. BLÖSSNER, Geschichte der Georgskirche in Amberg; in: Verhandlungen des Hist. Vereins von Oberpfalz und Regensburg 50 (1898), S. 283 ff.; G. DISCHINGER, Die Zeichnungen 1988, Nr. 32-35, 1988; R. GIERSCH, Verzeichnis historischer Pläne für das Studienseminar Amberg, ehemaliges Jesuitenkloster, 1994; F. MADER, Stadt Amberg, in: Kunstdenkmäler in Bayern, Oberpfalz und Regensburg, Bd. 16, München 1909; H. NISING 1990, Die Kollegien der Oberdeutschen Provinz des Ordens; TH. RIXNER, Geschichte der Studien-Anstalt zu Amberg; ein Beitrag zur Geschichte der bayerschen gelehrten Schulen, Sulzbach 1832; B. SCHELS 1862/63, Zur Geschichte des Studienseminars und des Gymnasiums im Amberg; PH. SCHERTL 1962, Die Amberger Jesuiten im 1. Dezennium ihres Wirkens (1621-1632), Teil I, in: Verhandlungen des Hist. Vereins von Oberpfalz und Regens-burg 102 (1902).

(478) Auszüge der Rezesse vom 23.2.1629 und 15.5.1630 mit den wichtigsten Inhaltspunkten bei PH. SCHERTL 1962, S. 184-188.

(479) BayHStA, Jesuitica Nr. 1128, fol. 43 und StaA, Malteserkommende Amberg Nr. 55, Prod. 9 und 10, »Deliberatio et motiva prae statione apud S. Martinus atque apud S. Georgium collegium [..] habere«; siehe dazu PH. SCHERTL 1962, S. 176f.

(480) Rezess vom 23.2.1629, Ordinariatsarchiv Regensburg; in: PH. SCHERTL 1962, S. 184.

(481) Die Besitzernamen der zwölf Häuser sind dem Plan BayHStA, PlSlg. 12010 zu entnehmen; vgl. SG. BLÖSSNER, S. 179. Die Häuser gingen für 5974 Gulden in den Besitz der Jesuiten über.

(482) Vgl. BayHStA, PlSlg. 12007, 12008, 12009, 12010, siehe G. DISCHINGER 1988, Nr. 32-35 und StaA, Malteserkommende Amberg, Nr. 55.

(483) »Ohngefährlicher Überschlag für nemblicher Arbeit, Zeugs und Uncostens, so über das Gebeu Collegii Societatis zue Amberg, ergehen mechte, nach der anderen Visier. 1. Collegium, Die vier Stöck des Collegii sambt Kellern umb und umb, haben vom understen Grundt auf bis an das Dachgesims an Mauern 6576 Claffter [...] 2. Gymnasium [...] 3. Templum [...]«; StaA, Malteserkommende Amberg, Nr. 55, Prod. 5, 6, 8.

(484) »Spaltzetl zwischen dem Collegio Soc. Jesu zu Amberg; dann Maister Francisci Garbanino, Bürger und Paumeistern zu Passau wegen des Collegiipau«; StaA, Malteserkommende Amberg Nr. 43, mit Unterschrift und Siegel und Nr. 55 (Entwurf).

(485) Die alte, auf das sog. Georgentor zulaufende Strasse sollte, da sie das für die Jesuiten vorgesehene Terrain in zwei Teile zerriss, einschliesslich des Tores an eine nördlich der Kirche gelegene Stelle verlegt werden. P. Hell erläuterte die Lage im Schreiben an die Landesregierung vom 24.5.1630. Das St. Georgstor sei dem Bau »ein sehr grosses Hindernis und Ungelegenheit«. Er bitte darum, dieses Tor um 600 Werkschuhe (= ca. 200m) in Richtung des Wingerhofertores zu verlegen. Die Lösung dieser Frage ist von Interesse hinsichtlich des Kompetenzenzuges. Der Instanzenweg verlief vom Orden an die Vertretung der Bürgerschaft, von dieser aber an die Regierungskommission zulief, von hier zur Regierung unter Maximilian, und dann wieder zurück auf die lokale Ebene verwiesen wurde. Der Fall wurde letztlich nach Wunsch der Jesuiten gelöst, versehen mit der Auflage, die Verlegung des Tores auf eigene Kosten zu bestreiten. Am 14.7.1630 gab der Kurfürst von Regensburg aus die Entscheidung: »Wir haben gegen die angeregte Translation kein weiteres Bedenken. So beschliessen wir, dass ihr derowegen bemelte Patres mit ihrem vorhanden Bau nunmehr verfahren lasset«; BayHStA, Jesuitica 1126; siehe auch M. HÖGL 1903, Bd. II, S. 58ff.

(486) Tägliches Rapular, Anfang und anno 1631, 4.1., M. Franziskus (= Maister Franciscus Garbanino); StaA, Malteserkommende Amberg, Nr. 55

(487) BayHStA, Jesuitica 1127; eine Aufstellung der Anschaffungen und Unkosten bei PH. SCHERTL 1962, S. 182.

(488) StaA, Amberg Stadt, Fasz. 516, fol. 14; dazu Ph. Schertl, 1962, S. 182.

(489) Kostenvoranschlag, StaA, Malteserkommende Amberg, Nr. 55.

(490) Ab 1636 waren J. B. Cysat und O. Kaiser in Innsbruck erneut gemeinsam für ihren Orden tätig; nach Angabe J. BRAUN, S. 169f.

(491) Garbanino war Bauleiter bei der Errichtung des Jesuitenkollegiums Linz und war im Dienst des bayerischen Feldherren Graf v. Tilly: »Jedoch hat im Herr Paumaister expresse von irgemelter condition ausgenommen, dass er möge, wölle und Herrn Grafens von Tylli in Österreich vorhabenden Pau neben dem hiesigen vorgeschehen, zumallen er auch vor diesem solches geding mit Herrn Grafen eingegangen ist; also auch weill Herr Paumeister under der Herrschaft des Collegii zu Lintz angestessen, da hat er ihm gleicher massen vorbehalten, wann der Pau dess Collegii zu Lintz solle fortgehen und er zu solchens gedingt werden«, in: StaA, Malteserkommende Amberg, Nr. 43 und 55; siehe auch B. SCHELS 1862, S. 14f. Garbanino schloss am 28. 12. 1630 einen Vertrag mit P. Caspar Hell über den Bau des Amberger Kolleges ab. Der Vertrag, der Kostenvoranschlag und zwei Pläne von Garbanino sind im Staatsarchiv Amberg erhalten. Garbanino hielt sich wohl von 1630/31 und 1651 (bis 1662?) in Amberg auf und war 1652 bei der Neugestaltung von St. Georg beteiligt; siehe 900 Jahre St. Georg, Amberg, Pfarrei St. Georg (Hrsg.), Amberg 1994, S. 60.

(492) Zum Begriff »Tertia«: Maximilian I. hatte von Papst Urban VIII. durch die Bullen vom 13. 4. und 23. 7. 1628 die Erlaubnis erhalten, die Einkünfte der durch die Reformation aufgehobenen Klöster und anderer Kirchengüter der Oberpfalz für zwölf Jahre zu zwei Dritteln für seine Zwecke zu verwenden. Das übrige Drittel solle er zum Nutzen der katholischen Kirche bestimmen; vgl. PH. SCHERTL 1962, S. 174. Danach wurde die Hälfte des für geistliche Zwecke bestimmten Drittels (Tertia) für die Errichtung des Kolleges Amberg bestimmt.

(493) Die päpstliche Bulle für die Übergabe des Klosters Kastl an die Jesuiten wurde bereits am 12.10.1631 ausgefertigt; deren Übergabe wurde jedoch die Aushändigung der Urkunde bis 1636 verzögert.

(494) Plan von 1663 (Bibliothèque Nationale de Paris Hd-4c, 121), 69 x 86, 5cm; Vallery-Radot 1960, Nr. 800.

(495) StaA, Malteserkommende Amberg Nr. 47, Litterae Annuae 1665 fol. 134; Bericht des Viztums nach München vom 10.5.1665, BayHStA, Jesuitica 1127, fol. 22.

(496) Ebd., Litterae Annuae 1666, fol. 141r und 142.

(497) Ebd., Litterae Annuae 1669, fol 145r.

(498) Ebd., Litterae Annuae 1671, fol 148r.

(499) Ebd., Litterae Annuae 1672, fol. 150.

(500) StaA, Rentkammer Amberg 738.

(501) BayHStA, Jesuitica 1129.

Rechnung für die »Aufschlagung« der Holzdecke im Pfarrarchiv St. Georg Amberg; zur Ausstattung des Kongregationssaales siehe H. GIESS, Die Holzdecke des Kongregationssaals im ehemaligen Gymnasium des Amberger Jesuitenkollegs von 1676/77, 1987; Zeichnungen von Fr. Johannes Hörmann, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm, 2643, Bd. II, Nr. 56 und 57.

(502) Vgl. Historia Collegii, 1684, BayHStA, Jesuitica Nr. 1126.

(503) Vgl. Historia Collegii, 1689, BayHStA, Jesuitica Nr. 1126.

(504) Vgl. Historia Collegii, 1665, BayHStA, Jesuitica Nr. 1126 und Kreisarchiv Amberg, Zugang Leuchtenberg, Fasz. 105, Akt Nr. 4002.

(506) Der genannte Georg Dientzenhofer erwarb 1683 das Bürgerrecht in Amberg; vgl. H. SCHMERBER, Beiträge zur Geschichte der Dientzenhofer, Prag 1900, S. 16. Zur Frage der Beteiligung von G. Dientzenhofer am Bau des Kolleges Amberg bzw. der Verbindung von J. Hörmann zum Bau des Klosters Waldsassen durch Georg Dientzenhofer; vgl. auch J. BRAUN, Die Jesuitenbauten 1910, S. 301ff., S. 304, Anm. 1 und TH. KORTH, Der Bau der ehem. Jesuitenkirche zum Heiligsten Namen Jesu in Bamberg, der heutigen katholischen Pfarrkirche St. Martin, S. 76-113; in: R. Baumgärtel-Fleischmann, S. Renczes (Hrsg.), 300 Jahre Jesuitenkirche St. Martin/ Bamberg 1693-1993, Bamberg 1993; ders., Leonhard Dientzenhofer (1660-1707), zugleich ein Beitrag zu Georg Dientzenhofer und zur Frühzeit Johann Dientzenhofers, Habil.-schrift, Bamberg 1983. In diesen Arbeiten wird die Forschungslage zum Bau der Zisterzienserkirche in Waldsassen dargelegt unter Einbeziehung des Anteils Georg Dientzenhofers und Johannes Hörmanns SJ bei der Erstellung des ersten Planes zur Klosterkirche Waldsassen.

(507) Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 2643, Bd. I und II.

Kap. 2.4

(508) Der Einfluss der Bischöfe und bischöflichen Stellen auf den Kollegbau war innerhalb Bayerns im Bereich der Landesherrschaft Maximilians I. sehr eingeschränkt. Ein nennenswertes Einwirken der bischöflichen Administration, die für die Genehmigung für kirchliche Bauten zuständig war, auf den jesuitischen Ordensbau ist für Bayern nicht feststellbar. Eine Erklärung für die Ausblendung der bischöflichen Genehmigungsinstanz ist darin zu suchen, dass der Jesuitenorden als exempter und damit der römischen Kurie unterstellter Orden nicht an die bischöfliche Jurisdiktionsgewalt gebunden war. Das ordensinterne Genehmigungsverfahren war vielmehr zentralistisch auf die römische Behörde des Ordensbaues hin ausgerichtet. Die Bischöfe wurden zur Zustimmung in Finanzfragen (vgl. Rezess Amberg), bei formalen Rechtsvorgängen in kirchlichen Angelegenheit (z.B. Übertragung der Predigt an die Jesuiten) und zu den Weiheakten (bei Grundsteinlegung und Einweihung von Gebäuden), zu Umwidmungen von Kirchenpatronaten (vgl. Kolleg München) oder zur Bewilligung von Geldsammlungen in den jeweiligen Diözesen zur Finanzierung der Bauvorhaben (vgl. die Finanzierung der Gymnasiumsgebäude in Burghausen und Landshut) hinzugezogen. Ausserhalb des bayerischen Hoheitsbereiches und im Bereich des eigenen Hochstiftes nahmen die Bischöfe durchaus aktiven Einfluss auf die Gründung von jesuitischen Ordenskollegien, vgl. die Gründung des Kolleges und der Universität Dillingen durch den Augsburger Fürstbischof Otto Truchsess von Waldburg 1551, bzw. 1564 oder die aktive Rolle Fürstbischofs Heinrich von Knörringen bei der Gründung des Jesuitenniederlassung Kaufbeuren. Bischof Heinrich regelte hier den Grunderwerb, die Baufinanzierung, den Unterhalt der Niederlassung; Maximilian sicherte als kaiserlicher Kommissar die politisch-militärische Durchsetzung des Restitutionsediktes in Kaufbeuren.

(509) Zur Neuansiedelung eines Kolleges siehe G. LURZ, Monumenta Germaniae Paedagogica, Bd. XLI, 1907, S. 87 ff.; J. BRAUN 1907, S. 602ff.

(510) Die Planungs- und Baumassnahmen wurden im weiteren Verlauf detailliert durch die örtlichen Vertreter Maximilians vor Ort kontrolliert (vgl. die Einflussnahme auf den Kirchenbau durch Pfleger S. Saurzapf), bzw. wohlwollend unterstützt durch direkte Hilfe in Form von Zuweisungen von Geld und Baumaterial.

(511) Vgl. etwa das »Memoriale« vom 10.9.1629, über Geldzuweisungen, Baumaterial, Baugeräte, die Lage der Gebäude (z.B. Kirchenfassade), Gebäudegrenzen (vgl. Diskussion um Baugrenze des Kolleggebäudes in Burghausen).

(512) Ein Beispiel des Entscheides durch Maximilian (14.7.1630) stellt u.a. die Verlegung des St. Georgstores dar, das den Kollegausbau behinderte.

(513) Die Bauausführung wurde 1630 von den Jesuiten an den Baumeister A. Vaironi vergeben.

(514) Maximilian griff im Verlauf der Baumassnahmen immer wieder in die Bau- und Ausstattungsarbeiten ein. Das Eingreifen des Landesherrn zeigt sich insbesondere in der Anlage der Kirchenfassade, die aus Repräsentationsgründen auf den Stadtplatz hin »mehrers prospects halb« ausgerichtet wurde. Eine Abänderung erster Pläne mit der Rückverlagerung des Kolleggebäudes wurde durch die Nähe zur angrenzenden staatlichen Salzniederlassung notwendig.

(515) Finanzierungsdekret, BayHStA Urkunde 1353, Kurbayern. Das Finanzierungsdekret für das Kolleg Burghausen vom 30. Juli 1629 übertrug dem Orden die Baudirektion durch die vertragliche Regelung, »dass genannte Patres die Direction, Sorge und Mühwaltung des Bauens auf sich nehmen, da sie sich hierzu bereit demütigt erboten und erklärt haben«. Im Finanzierungsdekret wurden die Baukostenerstattung, Grund- und Sachleistungen sowie die Baumodalitäten geregelt.

Kap. 3

(516) Im 18. Jahrhundert wurden die Kollegiengründungen Maximilians I. in Landshut, Burghausen, Amberg, wohl zur Entlastung der Landesuniversität, zu »kleinen Universitäten« ausgebaut, durch die Ausstattung mit philosophischen und theologischen Kursen »per biennium«. Die Landesuniversität Ingolstadt blieb weiterhin die zentrale Hochschulstätte für Bayern.

(517) Diese zielgerichtete Kollegpolitik steht im grösseren Zusammenhang mit dem generellen Plan Maximilians zum Ausbau seiner territorialen Landesherrschaft, nach Zentralisierung und Ausbau des frühabsolutistisch regierten Staates. Die traditionellen kirchlichen und städtischen Schulaufsichtsrechte und das von den Städten und Klöstern getragene, spätmittelalterliche Bildungssystem wurden durch mit dem Staat kooperierende Kräfte wie dem Jesuitenorden und durch die Schul- und Kollegieninstitutionen der Gesellschaft Jesu abgelöst.

Kap. 3.1

(518) Der Erwerb konnte durch verschiedene Formen erfolgen durch Kauf, durch Schenkung, durch Zuweisung durch den Landesherrn, u.a. Die für den Kollegbau erworbenen Flächen konnten unbebaut sein oder eine Bebauung aufweisen. Vorhandene Häuser konnten eventuell für die Kollegzwecke zwischengenutzt werden oder mussten für die anstehende Baumassnahme abgeräumt werden.

(519) Vgl. Katasterplan, abgedruckt in: Denkmäler in Bayern, »Burghausen«, Bd. 1/2, München 1986.

(520) In einem Bericht über den »die »Zaglau« genannten Grund vor der nördlichen Stadtmauer unter dem Jesuitentor der Salzach abwärts« wird erklärt, »dass gemäss vorgefundenen ältesten Akten und Rechnungen seit ältesten Zeiten das ganze Terrain unterhalb dem Zieglauer/:nachhin Jesuiten:/Thor des Landesfürsten Jurisdiktion und Grundbar war. Die Jurisdiktion war noch in jüngsten Zeiten durch das ehemalige kurfürstliche Rentamt [...] ausgeübt. Schon im 15. Jahrhundert bestand daselbst an der Gegend der ehemaligen Jesuitenkirche und dem Gymnasialgebäude ein landesfürstlicher Salzstadel [= Alter Salzstadel; d. V.]. Mehrere Privaten hatten auf diesem Terrain Häuser, Städl, Gärten u.a., bis endlich im Jahr 1599 der ehemalige kftl. Salzstadel gebaut wurde, und im Jahr 1630 die Jesuiten sich in dieser Gegend ansiedelten, sohin zu des Salzstadels und der Jesuiten Behuf sämtliche Privatrealitäten eingelöset worden waren, die jedoch in der Folge nach Auflösung der Jesuiten dem Aerar eigentümlich geworden sind [...]. Schon im Jahr 1663 wurde gemäss Beilage der hohe Gsätten und das baufällige Schlacht bei den Jesuitengärten auf dermalig kurfürstliche Kosten repariert [...]«, 27.11.1821; »[Für] die damals sehr bedeutende Salzzufuhr nach Burghausen, [die] jetzt als sehr unbeträchtlich erachtet wird«, 6.9.1841; »[wurde] an dortiger Schiffslände Wegzoll [erhoben] zur Ausladung und Abfuhr der Handelsartikel als Holz, Gips, Marmor.«, 20.6.1840; BayHStA, LRA 32869.

(521) Vgl. dazu die auf dieses Modell gestützten Grund- und Aufrisszeichnungen von H. Schmid, in: K. WOLF 1929 o. S., [Anhang].

(522) Die Lage des Kolleges Straubing am Westrand der Stadt, angelehnt an Stadttor und Stadtmauer, erinnert an die Lage des Kolleges Mindelheim.

Kap. 3.2

(523) Zum Bauprogramm eines Jesuitenkolleges einschliesslich der korrespondierenden Architekturen siehe auch H. NISING 1990, Die Architekturen eines klassischen Jesuitenkolleges.

(524) Zum Stichwort »Bedarf«: In der Gründungsphase des Mindelheimer Kolleges ist ein Zögern und Lavieren über die einzuschlagende Ausbaugrösse und den Umfang der Baumassnahmen festzustellen. Offenbar fanden in dieser Phase 1618/22 Überlegungen statt, welcher Bedarf und welche Aufgaben in Grösse und Ausmass auf das Kolleg in seiner späteren Entwicklung noch zukommen würden.

(525) Die angeführten Angaben basieren auf Untersuchungen der Personenstandskatalogen der Oberdeutschen Ordensprovinz, siehe H. GERL, Catalogus Generalis Provinciae Germaniae Superioris et Bavariae Societatis Jesu 1556-1773, München 1968 und den Litterae Annuae im BayHStA, Abt. Jesuitica. Zu den Frequenzzahlen siehe auch B. DUHR, 1907ff.

(526) Jesuitenkommunität: 1614, 4; 1631, ca. 14; 1637, 5; 1650, 12; 1651, 11; 1660, 14, 1700, 19.
Schüler/Studenten: 1622, 60; 1624, 120; 1636, 8; 1641, ca. 20; 1643, ca. 40; 1668/69, ca. 200.

(527) Die Legenden abgedruckt bei G. DISCHINGER 1988, Nr. 308, 309, 310, 311, siehe BayHStA PlSlg. 880a, b, c, d.

(528) Vgl. Pläne BayHStA 880 und Raumangaben H. HABEL, Kurzinventar Mindelheim, 1971.

(529) Jesuitenkommunität in Burghausen nach den Angaben BayHStA, Jesuitica 1283; Die Angaben des Personenstandes bezieht sich auf Patres am Kolleg Burghausen: 1627, 3, 1628, 9; 1630, 16-17; 1634, 29; 1638, ca. 20; 1650, 16-17; 1655, 11 Patres.
Schüler/Studenten: 1649, ca. 135, 1661, ca. 150.

(530) Vgl. Plan BayHStA Johanniter 504/505, PlSlg. Nr. 20300.

(531) Stadtarchiv Burghausen, Plan P 610.

(532) Vgl. BayHStA PlSlg. 20294, 20295 und 20296 und Stadtarchiv Burghausen, Plan P 29 mit zugehöriger Legende BayHStA, GL Fasz. 435/12.

(533) Vgl. BayHStA, Jesuitica 1288; die Schriftsätze in lateinischer Sprache finden sich abgedruckt im Anhang 1.

(534) Jesuitenkommunität: 1641, 11 (8 Patres und 3 Magister); 1651, 11; 1685, 20.
Schüler und Studenten: 1629, 100; 1642, ca. 200; 1674, 250; 1697, 376.

(535) Vgl. Pläne BayHStA PlSlg. 10219 (Situationsplan EG) und PlSlg. 10218 (1. OG), 10216 (2. OG) und 10217 (3. OG). Die den Entwürfen zum Kollegbau beigelegten Erklärungen befinden sich im BayHStA Jesuitica 1652; vgl. G. DISCHINGER 1988, Nr. 275-278 und Nr. 279 (Perspektivische Ansicht der Anlage von Norden).

(536) Jesuitenkommunität: 1646, 5; 1650-60, ca. 8-9; 1665, 12; 1671, 12; 1695, 11.
Schüler und Studenten: 1646, ca. 150; 1647, ca. 250; 1647, 181; 1650, 175; 1661, mehr als 220.

(537) Vgl. BayHStA, PlSlg. 9758, 9759, 9760, 9761; vgl. G. DISCHINGER 1988, Nr. 607-610.

(538) BayHStA PlSlg. 9762 und 9763 (entstanden zwischen 1674 und 1680) und auch der auf PlSlg. 9762/9763 basierende Plan Cgm 2643, Bd. fol. 36 (rechter Plan); zu Plan BayHStA PlSlg. 9762 vgl. die dazugehörige Legende in BayHStA Jesuitica 2586, vgl. Angaben bei J. KEIM, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung Bd. 68, 1965, S. 60 ff.

(539) Jesuitenkommunität: 1621, 5; 1630, 13: 1631, 4; 1633, 18; 1634, 11; 1651, 19, 1690, 25.
Schüler/Studenten: 1626, 33; 1635, 26; 1650, 152; 1652, ca. 200; 1689, 268; 1698, mehr als 300.

(540) Siehe Pläne StaA, Studienseminar 8, 1818, Grundrisse des Kolleges.

Kap. 3.3

(541) Zum Problem der zeitlichen Abgrenzung der Architekturen der Kolleggründungen Maximilians vgl. die Ausführungen zu »Abgrenzungen« im Einführungskapitel.

(542) Die Beschreibung erfolgt mit dem Ziel, die einzelnen Kollegien trotz ihrer unterschiedlichen Ausprägungen auf eine miteinander vergleichbare Darstellungs- und Beschreibungsebene zu heben und gemeinsame Elemente zu benennen, mit dem Ziel einer zusammenfassenden Charakterisierung der Kollegien.

(543) Die Zeichnungen und Abbildungen der Kollegien entstanden im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in einem Zyklus mit je drei, bzw. vier Darstellungen. Sie gehören in einen Zusammenhang der Darstellungen der Niederlassungen der Oberdeutschen Ordensprovinz. Die Aufbewahrungsorte der Abbildungen sind das Archiv des Ordens in Rom (ARSI; Aufbewahrung in einem Album mit 32 Ansichten aus der Vogelperspektive mit Kollegien der Oberdeutschen Ordensprovinz, 32 lavierte Federzeichungen, Blattgrösse ca. 17,8 x 2 cm, Grösse der Zeichungen 14,8 x 17,2 cm, entstanden in der 2. Hälfte 17. Jahrhundert, Sig. G. Sup. 114), das Fürstlich und Gräfliche Fuggersche Familien- und Stiftungsarchiv in Dillingen (Aufbewahrung in einem Album mit 32 Ansichten aus der Vogelperspektive, Federzeichnungen, Grösse 17 x 21 cm, entstanden um 1723), das Bayerische Nationalmuseum (Inv. Nr. 1047-1066; dazu: K. VOLL/H. BRAUNE/H. BUCHHEIT, Katalog der Gemälde des Bayerischen Nationalmuseums, München 1908) und die Bayerische Staatsgemäldesammlungen München (Sig. R 7589-7597); Öl auf Leinwand, 72,6 x 91cm. Ein weiterer Abbildungszyklus (Kupferstiche, Titel »Societatis Jesu provinciae Germaniae superioris in sua Collegia distributae« mit 41 Darstellungen von 37 Niederlassungen; stammt von Gabriel Bodenehr, Augsburg, entstanden um 1721 ff. Zu den Darstellungszyklen siehe H. NISING 1990, Bd. 2., S. 549ff., Anhang II, Materialien zu den vier Bilderzyklen mit Darstellungen der Jesuiten-Niederlassungen der Oberdeutschen Provinz.

(544) Siehe H. HABEL, Landkreis Mindelheim (Kurzinventar) 1971.

(545) Die Vorderbrüstungen des Gestühls werden durch Pilaster mit Volutenkapitellen und Rechteckfelder gegliedert. Die Klappsitze sind durch Armstützen, die auf Balustern aufruhen, geschieden. Die hohe Rückwand wird durch korinthische Pilaster mit von Blattstab gesäumten Feldern untergliedert.

(546) Vergleich des Grundrisses des 19. Jahrhunderts; in: H. HABEL, Kurzinventar 1971 mit Plan BayHStA 880a.

(547) Zyklus mit Zeichnungen vom Kolleg Mindelheim, siehe Archiv Rom, Archiv Dillingen und von G. Bodenehr, wie Anm. 543. Das Eingangsportal, mit Säulen, Giebel, Inschriftenfeld liegt, baulich unkorrekt, am rechten Ende des Baues.

(548) Vgl. die unterschiedlichen Angaben auf den Zeichnungen.

(549) Vgl. Plan des frühen 19. Jahrhunderts; in: H. HABEL, Landkreis Mindelheim, Kurzinventar 1971.

(550) Das Motiv der Skulpturengruppe ist das des sog. »Heiligen Wandels«, des Heimganges des zwölfjährigen Jesusknaben mit seinen Eltern nach der Opferung im Tempel; zum »Heiligen Wandel« siehe H. ERLEMANN, Die Heilige Familie; in: Schriftenreihe zur religiösen Literatur 1, Münster 1993 und M SCHMIDT, Die Baugeschichte des Burghauser Kollegs und der Studienkirche St Josef; in: W. Gutfleisch (Hrsg.) 1979, S. 252f.

(551) Diese Farbfassung wurde 1910 erneuert, laut Schreiben vom 13.4.1910, Staatsarchiv LRA 63661. Die erhaltene kolorierte Fassadenansicht von 1910 wurde vermutlich für die Fassadenrestaurierung angefertigt. Vor 1910 besass die Kirchenfassade eine helle Farbfassung mit rustizierter Pilastergliederung.

(552) Vgl. Kirchengrundriss des Originalplanes von 1629/30; Bibliothèque Nationale de Paris Hd-4a, 63; Grundriss des Diözesanbauamtes 1978; Grundriss der Kirche (Stadtarchiv Burghausen) P 542 D, gezeichnet von Kreisbaumeister Leimbach zum 10.10.1867. Die Pläne zum Wiederaufbau der ausgebrannten ehemaligen Jesuitenkirche wurden vom kgl. Kreisbaumeister Leimbach entworfen.

(553) Breite des Emporenjoches 2,50m; Breite der Joche: 1. Joch 3,15m; 2. Joch 3,08m.

(554) Chorbogenbreite (Innen 6,60m); Tiefe des Chors vom Chorbogen an 14,79m; Breite des Chors (Innen) 8,39m.

(555) Breite 1. Joch 1,29m; 2. Joch 1,99m.

(556) Als Hochaltar wurde der Rokokoaltar des ehem. Kongregationssaals aufgestellt. Von dort stammen wohl auch die Wangen des Kirchengestühls sowie die Schränke für Namen der Kongregationsmitglieder. Bis 1875 wurden zwei Seitenaltäre, Kanzel, Beichtstühle und Orgel in einfachen romanischen Formen neu geschaffen.

(557) Vgl. die Zurückweisung des Planes von Kreisbaumeister Leimbach am 29.8.1866 als »moderne Tanzsaal-Architektur mit ganz missverstandenem romantischen Zitat, während die Kirche im späteren italienischen Renaissance-Stile erbaut ist [...]«; Archiv des Bistums Passau, Pfarrarchiv Nr. 316.

(558) Eine anlässlich einer geplanten Restaurierung des Innenraumes angefertigte Beschreibung der Kirchen-Innenarchitektur aus dem Jahr 1854 lautet: »Das Innere der Kirche ist reich dekoriert und bestehen die Ornamente teils aus Gyps teils aus gebranntem Thone und teils sind dieselben aus Holz geschnitzt und auf lesenenartig vortretende Holztafeln aufgenagelt. Die Ornamentik hat viele Ähnlichkeit mit jener in der Theatinerkirche in München, nur sind die Formen roher und die Dekoration der Architektur magerer«; Archiv des Bistums Passau, Pfarrarchiv Nr. 316. Bezüglich des Stiles der Innenarchitektur und der Stukkierung wurden andernorts auch die folgenden Vergleiche gewählt: Zur beantragten Restauration habe sich »Lutzenberger zu äussern gesucht, dass fragliche Inkrustationen in ähnlicher Weise wie jene bei der Kirche zu Erlach (bei Simbach) und Passau (zur Restaurierung) vorgenommen werden sollen«; 6.4.1859; Archiv des Bistums Passau, Pfarrarchiv Nr. 316.

(559) Litterae Annuae Burghausen, 1639, BayHStA Jesuitica.

(560) Die Gruft besitzt eine Konstruktion mit einem ziegelgemauerten Tonnengewölbe mit einer Scheitelhöhe von ca. 2,0m. In der Mitte des Gewölbeansatzes der Nordseite befand sich eine heute vermauerte Einstiegsnische. Die Fundamentsockel der Westseite ragen etwa 1,5m in den Raum und wurden aus Ziegelbruch, Flußsteinen und gebranntem Ziegel aufgemauert; gebaut auf stark salzhaltigem Grund des alten Salzstadels, zeigen die Fundamente zahlreiche Spuren von Salpeterausblühungen. In die Südwand der Gruft wurden 2 x 9 Grabnischen eingelassen. An den Fragmenten der Verschlußsteine finden sich die Spuren ehemaliger Beschriftungen »P [...] 16 [...]. Die erste Bestattung erfolgte 1632: Historia 1632 (BayHStA, Jesuitica 1278): »Sub finem huius mensis (mense octobris) cadaver P. Eliae Graff Salisburgo huc devectum et in templo nostro primum omnium de Societate conditum compostum est«; E. Graff war Prediger an St. Moritz in Ingolstadt und veranlasste den Bau den Versammlungsraumes »Maria vom Sieg« (nach 1576) (vgl. R. Bauerreiss 1949, Kirchengeschichte Bayerns, S. 51). Die Grablegen der Jesuiten in Burghausen wurden in den Jahren 1805 und 1809 aufgebrochen und geplündert. »Ältere Leute sagten, dass diese Gruft in der ersten Kriegszeit unseres Jahrhunderts durch die feindlichen Franzosen profaniert worden seien, weil sie glaubten, in derselben verborgene Schätze zu finden«. Die Gegenstände der Kircheneinrichtung wurden beim Kirchenbrand im Jahr 1863 in die Gruft gerettet; (s. M. Heidinger, ebd.).

(561) An den Altbau wurde 1974 ein nördlicher Anbau in einer Länge von elf Metern angefügt.

(562) Ein 1817 (vermutlich nach Plan P 610, Stadtarchiv Burghausen) angefertigter Plan, BayHStA IV. Burg-hausen Nr. 17, gibt den Sakristeigrundriss wieder. Beschriftung: »Plan von der Sakristei der St. Josephs resp. Jesuiten Kirche am Maltheser Gebäude zu Burghausen«, »Kirche«, »Capelle«, Sacristey«, »Gewölbter Gang«. Die Planskizze des ersten Kollegbauobergeschosses »Über ein Stiegen« zeigt schmale Durchgänge, die zu den Galerien und den Oratorien an den Chorseiten der Kirche führen.

(563) Vgl. dazu Pläne BayHStA PlSlg. 20216 (EG), 20217 (1. OG), 20218 (2. OG), 20219 (Aufriss); siehe G. DISCHINGER 1988, Nr. 81-84; die Pläne gehören zum Schreiben des Rentmeisters vom Burghausen an Kurfürst Ferdinand Maria vom 26. 11. 1661. Ein zweiter, um 1663 entstandener Plansatz mit den Plänen BayHStA PlSlg. 20294, 20295, 20296, 20297 wurde später zum Bau herangezogen; dazu G. Dischinger 1988, Nr. 85-88.

(564) Die Erweiterung der Gebäudefront des Gymnasiums um fünf Fensterachsen erfolgte in den Jahren 1962/63. In die Fensterzwischenwände des 1. Obergeschosses des Gymnasium-Altbaues wurden 1911 drei Zwischenfenster eingebrochen.

(565) Dieses unterschiedliche Bodenniveau wurde 1911 durch Aufschüttung der niedriger gelegenen Erdgeschossräume auf die Höhe des Schulkorridors ausgeglichen.

(566) Eine Beschreibung der Innenräume des ehemaligen Gymnasiums wurde am 12.8.1826 anlässlich der geplanten Wiedereinrichtung einer Lateinschule im ehemaligen Gymnasiumgebäude (17.11.1830 genehmigt, 18.4.1831 eröffnet) angefertigt; Staatsarchiv München, GL Fasz. 435/12; vgl. dazu Grundrisse Plan P 29).

(567) Siehe auch F. MADER, Die Kunstdenkmäler von Bayern, Stadt Landshut 1927; R. J. REITER, Die ehemalige Jesuitenkirche St. Ignatius zu Landshut 1976.

(568) Auf Plan BayHStA PlSlg. 10212 ist ein solcher Turmaufbau in einer Idealansicht des Kollegs projektiert.

(569) Gemälde im Besitz des Bayerischen Nationalmuseums München; die Zeichungen befinden sich im Ordensarchiv Rom und im Archiv Dillingen; Stich von G. Bodenehr, wie Anm. 543.

(570) R. REITER 1976, S. 32 bemerkt dazu: »Die Fassade der Ignatiuskirche demonstriert damit deutlich die nordalpine Rezeption der italienischen Renaissance, von der das Formenvokabular übernommen wurde.«

(571) F. MADER gibt an: 1697/98.

(572) Die Zeichnung von 1778, Kantonalbibliothek Freiburg/Schweiz, (Ansicht von Nordwest) zeigt geohrte Fensterumrahmungen.

(573) Gemälde im Besitz des Bayerischen Nationalmuseums München; Zeichnungen im Ordensarchiv in Rom und im Archiv Dillingen, Stich von G. Bodenehr, wie Anm. 543.

(574) Der auf dem Plan BayHStA PlSlg. 9763 basierende Grundriss des alten Bauzustandes der Kirche liegt umgezeichnet vor bei F. MADER 1927, Figur 150; siehe auch Längsschnitt, Fig. 154 oben, mit Aufmass eines Innenpfeilers und F. Mader, Fig. 155).

(575) Grundriss F. MADER 1927, Fig. 154 unten und PlSlg. 9160a, Ansicht der Anlage von Westen mit Umriss des Kollegiumsgrundrisses.

(576) Die Erweiterung ist möglicherweise als Andeutung eines Querschiffes aufzufassen.

(577) Über den Zustand der Kollegbauten im Jahr 1685 geben folgende Pläne Auskunft: BayHStA PlSlg. 9762 und 9763, aus den Jahren 1674ff., jeweils mit Legende und Kommentar und auch der auf PlSlg. 9762/9763 basierende Plan Cgm 2643, Bd. II, fol. 36. Vgl. auch die Zeichnungen im Ordensarchiv Rom und im Archiv Dillingen, Stich von G. Bodenehr, wie Anm. 543.

(578) Bezüglich der Raumnutzung zum Plan BayHStA PlSlg. 9762 siehe die zugehörige Legende im Akt BayHStA Jesuitica 2586, fol. 2; abgedruckt in lateinischer Sprache bei G. DISCHINGER 1988, Anm. 855; in deutscher Übersetzung vergleiche die Angaben bei J. KEIM, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung Bd. 68 (1965), S. 60 ff.

(579) Vgl. Stich Michael Wening, Topographia Bavariae, 1726.

(580) Es sind dies die Pläne BayHStA PlSlg. 9759 (EG), 9760 (1. OG) und 9761 (Alternative zu 1. OG); dazu G. DISCHINGER 1988, Nr. 607-610.

(581) Ebd. 1988, Nr. 607-610, Kommentar zu den Plänen BayHStA PlSlg. 9759-9761.

(582) Gemälde im Besitz des Bayerischen Nationalmuseums München; Zeichnungen zum Kolleg Amberg im Ordensarchiv in Rom und im Archiv Dillingen, Stich von G. Bodenehr; wie Anm. 543. Zeichnungen »Collegium Ambergense« von J. Hörmann von 1686; Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 2643, Bd. II, fol. 41.

(583) Litterae Annuae 1652, BayHStA Jesuitica Nr. 108: »Tota aedes eleganter dealbata«.

(584) Vgl. Zeichnung »Collegium Ambergense« von J. Hörmann von 1686; Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 2643, Bd. II, fol. 41.

(585) Siehe A. SEIFERT, Weltlicher Staat und Kirchenreform. Die Seminarpolitik Bayern im 16. Jahrhundert, Münster 1978.

Kap. 3.4

(586) Der Stand des Ausbaues der Kollegien wird auf den gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstandenen Zeichnungen der Kollegien dokumentiert, wie Anm. 543.

(587) Vgl. dazu auch H. J. SAUERMOST, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1, S. 173.

(588) Das vollständige Zitat lautet: »Isaak Pader und der Jesuitenbruder Johann Holl gaben in Burghausen, 1630-1631, und Landshut, 1631-1641, lediglich Reduktionen der Münchner Mutterkirche. Der Burghauser Bau ist im Inneren nach einem Brand nicht mehr genau zu beurteilen; immerhin erscheint der einst gewölbte Raum mit der radikalen Umsetzung der Abseiten in eine emporenlose Wandpfeilerstruktur mutiger als sein Landshuter Pendant. Die erhaltene Fassade freilich gibt sich als vereinfachter Ableger von St. Michael rührend provinziell, wenn man ihn nicht als Demonstration der Ordenszugehörigkeit verstehen will. Johann Holl behält in Landshut die entscheidenden Motive der Mutterkirche - ohne die Querarme - bei und schaltet die Manierismen aus. [...] Der Kirchenbau wird dann durch das Bestreben bestimmt, die Neuartigkeit von St. Michael in der Auseinandersetzung mit der heimischen Tradition zu verarbeiten«; H. J. SAUERMOST, »Zur Rolle St. Michael im Rahmen der wilhelminisch-maximilianischen Kunst«, Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/1 1980, S. 173.

(589) Das erste Joch von St. Josef besitzt eine breitere Abmessung genüber den übrigen Jochen. Diese Vergrösserung des zum Chorbogen weisenden Joches von St. Josef ist wohl als eine Anspielung auf das Vorbild des Querhauses von St. Michael in München aufzufassen; vgl. dazu Anm. 553.

(590) Hervorzuheben ist die Hauptfassade, die in freier Form in Analogie zum Fassadenschild von St. Michael, freilich in verkleinertem Maßstab, gebildet wurde. Die Fassade der Jesuitenkirche Burghausen zeigt eine Untergliederung durch Gesimse in mehreren Geschossen mit einem nach oben sich verjüngenden Giebel mit Volutenaufsätzen. Die vertikale Untergliederung des Untergeschosses erfolgt durch vier Pilaster. Oberhalb des Kirchenportales im mittleren Feld befindet sich eine Figurennische mit der Darstellung des Tempelganges der Heiligen Familie. Die Aufnahme dieses Frömmigkeitsmotives verweist auf Vorbilder wie die Michaelsfigur an der Fassade von St. Michael oder die Patrona Boiariae der Residenz. Die Gliederung des oberen Giebelfeldes erfolgt durch Rund- und gedoppelte Rundbogenfenster, wie sie von St. Michael her bekannt sind. An St. Michael erinnert auch die Gliederung der Binnenflächen durch Putzfelder. Auf den Längsseiten der Kirche befinden sich unterhalb der Kirchenfenster gerahmte rechteckige Putzfelder, eine Anlehnung an Motive der Seitengliederung von St. Michael. In gewisser Hinsicht lässt sich auch die Anlage des kurzen, ursprünglich viergeschossigen Turmes von St. Josef als eine Bezugnahme zum Turmrumpf von St. Michael auffassen. Ein direkter Verweis auf St. Michael ist die Bildung der Pultdächer an den beiden Längsseiten des Kirchenschiffes von St. Josef.

(591) H. J. SAUERMOST, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II, 1, S. 173.

(592) Brief des Rentmeisters nach München vom 30.9.1629, BayHStA Jesuitica 1277.

(593) Der Bau des Amberger Kolleges wurde 1630 begonnen und 1632 unvollendet eingestellt.

(594) Die Kolleggebäude weisen teilweise Architekturrustizierungen in den Gebäudeecken auf. Bei allen Kollegien finden sich Sonnenuhren, ausgeführt in Seccotechnik, mit aufgemalten Meßskalen an den Aussenfassaden. Diese Motive wurden möglicherweise erst in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts aufgetragen.

(595) Die Fassade weist eine differenzierte Fenstergliederung mit bauplastischer Umrahmung auf. Die Fassaden werden durch Fensterrahmungen (»geohrte Fenster«) und durch Ovalfenster auf Höhe des Kongregationssaales untergliedert. Die Giebelflächen weisen eine Architekturgliederung durch Horizontalgesimse und Lisenen auf.

Kap. 3.5

(596) Über die Ansicht und den Bauzustand dieser Gebäude im 17. Jahrhundert geben die Zeichnungen der Abbildungszyklen Auskunft; wie Anm. 543.

(597) Zeichnungen zum Kollegium Mindelheim wie Anm. 543.

(598) Vgl. Katasterplan bzw. Gesamtplan.

(599) BayHStA Plan 880a (Beschriftung »Charta A«; Windrose mit Richtungspfeil). Der Plan gehört zu einem unter Maximilian 1629/30 anlässlich des geplanten Ausbaues des Kollegiums angefertigten Plansatz.

(600) BayHStA, PlSlg. 880 a, b, c, d; dazu vgl. G. DISCHINGER 1988, Nr. 308-311.

(601) BayHStA 880 b (Bezeichnung »Charta B«)/ 880 c (»Charta C«)/880 d (»Charta D«). Die Pläne sind numeriert zur Angabe der geplanten Raumnutzung; 880c und 880d sind am unteren Seitenrand mit einer Legende versehen; für Plan 880b, Nr. 309 ist eine Legende beigeheftet; abgedruckt bei G. DISCHINGER 1988.

(602) Idea Collegii Mindlhemiani, siehe BayHStA PlSlg. 880a.

(603) Für das Kollegium Burghausen wurden umfassende archivalische Untersuchungen angestellt. Auf der Grundlage des Archivmaterials und der behandelten Abbildungen erfolgt an dieser Stelle eine eingehendere Darstellung der Kolleganlage Burghausen.

(604) Zeichnungen zum Collegium Burghausen, wie Anm. 543.

(605) BayHStA, PlSlg. Nr. 12011 und Nr. 12012 und Bibliothèque Nationale de Paris, Bezeichnung Hd-4a, 63.

(606) BayHStA, PlSlg. Nr. 12012

(607) Der Plan zeigt die geplante Anlage des Kolleges Ensisheim (der Plan des Kolleges Ensisheim abgebildet in P. MOISY 1958, Ill. XX, C). Ein Zusammenhang zwischen dem Kollegbau in Burghausen und Ensisheim ist gegeben durch den Bauleiter des Kirchenbaues in Burghausen P. Bock, der 1627/28 als Assistent bei P. Jakob Kurrer in Ensisheim arbeitete (vgl. J. BRAUN 1910, Die Kirchenbauten, S. 151f.). Der am rechten oberen Rand mit »Idea S. Anna«, [S. Anna durchgestrichen], darüber »Burghus[iana]« beschriftete Plan (BayHStA, PlSlg. 12012) zeigt eine grosse, regelmässig angelegt Bauanlage. Die Südung der Kollegkirche deutet darauf hin, dass die Klosteranlage des Planes nicht mit derjenigen des geplanten Kollegiums in Burghausen übereinstimmt; erst nach einer Umpolung der Richtungsverhältnisse von Süden nach Norden ergeben sich Voraussetzungen, die sich mit den in Burghausen vorzufindenden in Verbindung bringen lassen. Bei einem Vergleich der Planung für das Kolleg Ensisheim und des mit »Idea Burghus« benannten Planes geht unschwer hervor, dass die Planung von derjenigen des Kolleges Ensisheim abhängig ist.

(608) Plansammlung des Bayerischen Hauptstaatsarchives München, PlSlg. Nr. 12011.

(609) Die genordete Kirche stösst mit ihrem von anliegenden Sakristeiräumen flankierten Chorhaupt an den Kollegbau an. Dieser winkelt an seinem nördlichen Ende zu einem am Fluss liegenden Gebäudeflügel ab. Die Ostfront verbindet den Gebäudeflügel und dem Schulbau. Dieser Schulbau liegt fast parallel der Kirche gegenüber und bildet mit dieser mittels querliegender Arkadengänge einen Innenhof. Der zweite, rückwärtige Hof wird von den Seiten des Kollegbaues und den nach Süden und Osten liegenden Kollegiumsseiten gebildet. Die Beschriftungen, die sich auf das Kolleg beziehen, lauten: »Kürche«, »Das Collegium«, »Schulln« und »Der Fluss ist die Salzach genanndt«; die übrigen »Stadttor gegen der Zieglau« und »dieses ist der Neue Salzstadel« und weiterhin den Abstand des Salzstadels zu der Westfront des geplanten Kollegiumneubaues, den eigentlichen Gegenstand des Schriftwechsels betreffend: »Diser Plaz soll sein verbleiben gewinnen, und ist in der Preite wie oben bei dem Neuen Salzstal vorgezeichnet. Wenn alda das gärtl weggeräumt wirdt, hält der Platz 60 Schuh.« »Alda die Preite 50 Schuh.« »39 Schuh.« »Die Preiten 30 Schuh.« Und: »Dieses ist der Zeit ein Erbkaufferstadl, alda zur Umkehr die Notturft-Plaz, kann gelassen werden wie der runde Strich andeutung thuet. An diesem Orth ist ain Gärtl, so zu dem Plaz abgeräumt und hinweg gebrochen werden soll, so in die 60 Werkschuh lang und preith«. Der Plan gehört zu einem Schreiben, (No 31), das der Rentmeister von Burghausen am 16.11.1629 an die Hofkammer in München richtet. Darin schildert er die Platzsituation, die bei dem vorgesehenen Neubau der Jesuiten entsteht. Zur Demonstration seiner Ausführungen hat der Rentmeister »ermelten Plaz abgesechen, dann auf den Werckschuech anschlagen, solchen zu Papier bringen, und gleichsamb in Grundt legen lassen, als hierbei zu ersechen«. Als Vorlage diente wahrscheinlich eine im November 1629 sicher schon vorhandene Planung für die Anlage; siehe G. DISCHINGER 1988, S. 248f.

(610) Abweichend von der späteren Bauausführung zeigt der Kirchenbau Strukturen des in PlSlg. Nr. 12012 gegebenen Grundrisses: dreijochiges Langhaus, allerdings ohne Doppelwendeltreppe und mit zwei Haupteingängen [sic!], dazu einen polygonalen Chorschluss.

(611) Bibliothèque Nationale de Paris, Bezeichnung Hd-4a, 63.

(612) Der Plan Bibliothèque Nationale de Paris, Bezeichnung Hd-4a, 63 zeigt einen gegenüber BayHStA 12011 fortgeschrittenen Planungszustand aus den Jahren 1630/31. Die Wandpfeilerkirche mit vierjochigem Langhaus und Haupteingang an der Südfassade besitzt einen eingezogenen Chor mit halbrundem Abschluss, Turm und zwei Sakristeiräume an der West- und Nordseite der Kirche. In ähnlicher Weise wie im Plan angedeutet, wurde der an der Kirchenostseite anliegende Verbindungsgang realisiert. Der Gymnasiumbau liegt (wie schon in PlSlg. Nr. 12011 und abgewandelt in PlSlg. Nr. 12012) parallel zur Kirche und ist mit dieser durch eine gemeinsame Südfront und einen Übergang verbunden, der über eine zweiläufige Treppe zu den Stockwerken des Gymnasiums (»Loca«) vermittelt. Der zum rückwärtigen Hof durch Arkaden geöffnete Übergang umfasst Räume »pro praefecto«, einen Treppenraum zu Sakristei und Kirche »templo« und mündet in einen Gang ein, der zu den Räumen des Kollegtraktes führt. Dieser winkelt nach einer doppelläufigen Treppenanlage ostwärts ab. Der Kollegflügel bildet mit dem gegenüberliegenden Gymnasium einen Innenhof, der östlich zur Salzachseite durch eine Mauer geschlossen wird. Eine vor den Kollegbau gesetzte Mauer grenzt den Kollegbau nach Westen gegen den Salzstadel hin ab.

(613) Der Kollegausbau erfolgte, nach der Errichtung von Kollegkirche und dem ersten Kollegbauabschnitt unter Maximilian, jedoch in Modifizierung dieser frühen Kollegpläne: Die Vorgängerbebauung (Alter Salzstadel, Altbauten) wurde, soweit als für den jeweiligen Bauabschnitt erforderlich, niedergelegt. Der Bau der Kollegkirche sowie des angrenzenden Sakristeibaues (1630/31) folgten dem Plan. Die Ausführung weiterer dem Plan folgender Bauten unterblieb kriegsbedingt. Der erste Bauabschnitt des geplanten Kollegbaues wurde, abweichend vom Plan, mit schmalerem Grundriss ausgeführt - möglicherweise aus Kostengründen oder auch aus Gründen der begrenzten räumlichen Ausdehnungsmöglichkeit. Unter Maximilians Nachfolger wurde der Plan von 1629/30 weitgehend aufgegeben: die geplante Anlage eines Gebäudequadrums unterblieb. Diese Planänderung erfolgte vor allem wohl aus funktionellen Erwägungen. Der 1662/64 errichtete Gymnasiumbau wurde grösser als zunächt geplant und zudem in Schrägstellung errichtet; damit berücksichtigte der Baukörper die höheren Schülerzahlen. Durch seine Parallelstellung zum Flussverlauf war er auch gegen die Hochwassergefährdung besser geschützt. Der in Planung vorgesehene, Kirche und Schulbau zusammenschliessende Zwischenbau wurde aufgegeben. Zwischen 1682 und 1687 erfolgte die Ausführung des zweiten Bauabschnittes des Kollegbaues. Die nördliche Verlängerung des Kolleggebäudes folgte in der Fortführung der Kolleglinie dem ursprünglichen Plan. Der rückwärtige Gebäudeflügel wurde jedoch, von der früheren Planung diametral abweichend, nicht flusswärts - und wie ursprünglich geplant gewissermassen als architektonischer Abschluss der Anlage errichtet - sondern bergwärts; (der rückwärtige Geländestreifen wurde von den Jesuiten um 1640 erworben; er wurde als Garten genutzt). Der Querflügel bildete im Zusammenwirken mit zwei älteren Gebäuden (darunter der Salzstadel) den Wirtschaftshof des Kolleges.

(614) Dem Plan wurde ein Kostenvoranschlag der geschätzten Baukosten beigelegt. Die Korrespondenz (B. Duhr: 23.11.1630?) über die Idea Burghusiana, BayHStA Jesuitica 1288, ist im Anhang 1 wiedergegeben.

(615) BayHStA, Abt. IV, Planzeichnung über die Festungswerke der Stadt.

(616) Die Zeichnung gibt auch die zur Salzach gelegenen und als Schulgebäude genutzten alten ehem. Fischerhäuser wieder. Sie umschliessen mit dem Kollegbau einen zu den Seiten offenen Innenhof. Beide Gebäude, wie auch der Naglerturm, der nordöstliche Turm der Stadtmauer, fielen dem Katastrophenhochwasser vom 17. auf den 18. August 1661 zum Opfer, wie eine beigefügte Beschriftung andeutet: »Thurm, so vom Wasser eingerissen«. Dieselbe Planzeichnung zeigt die nahe Lage der Burg und das in der Stadt gelegene Baumfelder Haus, wohin der Schulunterricht während des Gymnasiumneubaues verlegt wurde.

(617) Die Anzahl der Fensterachsen wie der aufgesetzte Dachreiter und ein seitlich des Gymnasiumgiebels aufsteigendes Türmchen entsprechen nicht den originalen Gegebenheiten und rühren von einer missverstandenen Übernahme vom Gemälde Tobias Schinnagls.

(618) Im Rechnungsbuch des Kollegiums, BayHStA Jesuitica 1299, findet sich unter dem 2. Dezember 1702 die Anmerkung: »Pro Wening chalcographo pro iconismo Collegii [...] 20 fl.«.

(619) Das Gemälde hängt heute im Treppenfoyer des Gymnasium-Hauptbaues des Kurfürst Maximilian Gymnasiums.

(620) Die im römischen Ordensarchiv aufbewahrte Zeichnung diente dem ausgeführten Gemälde »Colleg S. J. Landshuti« wohl als Vorlage. Eine weitere Ansicht, angefertigt aus Anlass des geplanten Neubauprojektes für die Errichtung des Kollegtraktes um 1665 BayHStA, PlSlg. 10212, vgl. G. DISCHINGER 1988, Nr. 279, zeigt eine Idealansicht des Kolleges Landshut. Zu den Zeichnungen des Kolleges Landshut, wie Anm. 543.

(621) Pläne von 1665 (BayHStA PlSlg. 10219 (EG), 10218 (1. OG), 10216 (2. OG), 10217 (3. OG)); vgl. G. Dischinger 1988, Nr. 275-278.

(622) Der Grundstückserwerb erfolgte ab den 1630/40er Jahren zielstrebig entlang der Strassenzüge. Dies weist darauf hin, dass dem Erwerb wohl die unter Maximilian I. entstandenen Pläne zugrundelagen.

(623) Vgl. Zeichnungen, wie Anm. 543.

(624) Zu den Plänen vgl. G. DISCHINGER 1988, Nr. 607-610; BayHStA PlSlg. 9758, 9759, 9760, 9761. Die Pläne entstammen dem Akt BayHStA Jesuitica 2586.

(625) Johannes Hörmann entwickelte 1683 eine »Idealplanung« vom Kolleg Straubing; vgl. BayHStA, Cgm 2643, Bd II, fol. 36.

(626) Vgl. zwei Zeichnungen, wie Anm. 584 und 641; »Collegium Ambergense« von J. Hörmann von 1686; Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 2643, Bd. II, fol. 41 und fol. 42.

(627) Vgl. BayHStA PlSlg. 12007.

(628) Zur Wahl stand auch die inmitten der Stadt gelegene St. Martinskirche. Allerdings bestanden noch Jahre danach Zweifel über die Richtigkeit der Standortwahl bei St. Georg. Die Überlegungen, welche den Abwägungsprozess begleiteten, unter Anführung von Gründen zu Nutzung und Ausübung der Aufgaben liegen in Schriftform vor. Sie geben Aufschluss auf das ordensinterne Abwägungsverfahren zur Findung eines geeigneten Grundstücks, vgl. StaA, Malteserkommende Amberg, Nr. 55 und PH. SCHERTL 1962, S. 175f.

(629) Zu den Plänen für das Kolleg Amberg siehe auch R. GIERSCH, Verzeichnis historischer Pläne für das Studienseminar Amberg, ehemaliges Jesuitenkloster, 1994.

(630) Vgl. G. DISCHINGER 1988, Nr. 32-35: Die in der Planungsphase der Kolleganlage entstandenen Pläne beziehen sich auf die Geländesituation: PlSlg. 12008 verplant ein Gelände, das im Frühjahr 1629 wenigstens zum Teil an die Jesuiten überging. PlSlg. 12007 vermittelt einen grossräumigen Überblick über die Situation um St. Georg, wie sie vor Baubeginn des Kollegiums bestand. Eine rote Linie markiert die Grenze - »terminus n[ostr]ae areae« - zwischen »jesuitischem« Grund und benachbarten Anwesen. Im Besitz des Ordens befand sich zu dieser Zeit sowohl das auf PlSlg. 12009 vermessene Gelände als auch das auf PlSlg. 12010 wiedergegebene Areal. Mit kurfürstlicher Genehmigung konnten Tor und Strasse von der Süd- an die Nordseite der Kirche St. Georg verlegt werden. Durch diese Massnahme wurde das Gelände für die Bebauung durch die Jesuiten freigemacht.

(631) BayHStA, PlSlg. 12010, Beschriftung des Planes Recto: »dise 2 Heuser begehrt man bis zu Erbauung des Gymnasii, daß sie zu Schulen accomodirt werden, von wegen der Nähe und weil die alten Schulen zu weit von dannen«. Verso: »Abriß der Heuser so dem Pfarrhof gegenüber, und da man villeicht das Seminarium khundte hinbauen«.

(632) BayHStA, PlSlg. 12009; Beschriftung Verso: »Abriss des ganzen Grunds für das Collegium und andere Gebeu«.

(633) BayHStA, PlSlg 12008.

(634) BayHStA, PlSlg. 12007.

(635) G. DISCHINGER 1988, Kommentar zu Nr. 33: PlSlg. 12008 »verplant ein Gelände, das im Frühjahr 1629 wenigstens z.T. an die Jesuiten überging. Ferner hält sich der Plan exakt an das vom Kurfürsten 1629 gegebene Bauprogramm, das weder in späteren Entwürfen noch bei der Ausführung so genau berücksichtigt wurde«.

(636) Die weitere Betitelung des Planes lautet: »Prima Idea. Prima Forma Collegii Amberg, qua / praeter urbis moenia et / Templum antiquum S. Georgii iuvarium? pro stabili limite ax norma aedificandi Collegii supponitur. In qua proinde forma facies orientalis Collegii ad ipsi Meridiana institit ... sed ab ortu in septemtrionem destinat duos gradibus eum dimidio«.

(637) Beschriftung der ersten Planvariante: »Atrium« und »Atrium Collegii seu horti interior«; mit Detailzeichnungen des 1. Obergeschosses »1a seu infima contignatio« und 2. Obergeschoss »2a contignatio«; Beschriftung der zweiten Planvariante: »NB: ut porta repiciat plagas mundi, debit totius aedificium dirigi 2dus linea rubricatonis«.

(638) Der von J. VALLERY-RADOT der Bauphase von 1689 zugeordnete Plan des dritten Geschosses des Kolleges mit der Beschriftung »Tertia ichnographia, quae est tertiae et supremae Contignationis Collegii«, Bibliothèque Nationale de Paris Hd-4d, 130 greift in seiner Gesamtanlage noch hinter den im Plan von 1663 dokumentierten Bauzustand zurück; er muss daher wohl in den Zusammenhang der frühen Planungen des Kolleges von 1629/31 eingeordnet werden.

(639) Bibliothèque Nationale de Paris Hd-4c, 121.

(640) Siehe Pläne im StaA, Malteserkommende Amberg, Nr. 56; Beschriftung »Zu ebener Erde»«; unten die Jahreszahl »1631«, »Über einer Stiege«, »Über zwey Stiegen«.

(641) »Einen grundriss des ganzen Collegii zu Amberg, 1686« und »N.B. Das ist der mitlere grundriss zu Amberg, der ober theil ist der obere gaden Ao 1686«; Grundriss des Kolleges Amberg, Disposition und Einteilung des Kollegbaues und des Gymnasiums 1686, von Fr. Johannes Hörmann; Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 2643, Bd. II, Nr. 44 und 45.

(642) Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 2643, Bd. II, Nr. 41 und 42.

(643) Staatsbibliothek München, Cgm 2643, Bd. II, Nr. 43.

(644) Die Verwendung des Regelmasses in der Architektur beruht zu einem nicht unerheblichen Teil auf den Begriffen der »Symmetrie« und »Eurhythmie« der frühneuzeitlichen Kunsttheorie des »Vitruvianismus«.

(645) Regelmässig gebildete Quadrangularanlagen waren aus der Tradition der mittelalterlichen Klosterarchitektur (vgl. Klosteranlagen der Zisterzienser), aber auch der Kollegarchitektur (vgl. Spanisches Kolleg, Bologna oder New College, Oxford) her geläufig.

(646) Zur Diskussion über den Bau des Kolleg- und Gymnasiumtraktes siehe K. WOLF 1929.

(647) Der überlieferte Plansatz (entstanden wohl um 1631) für das Kolleg Straubing (BayHStA, PlSlg. 9759, 9760 und 9761) bezieht sich auf den Umbau bereits vorhandener Gebäude für die Einrichtung einer Residenz mit zugehöriger Schule. Auch die später bezogenen, an der Theresienstrasse gelegenen Kolleggebäude wurden mehrfach umgebaut.

(648) Hier sind die Konvikte/Internate (»Seminarium minus«) und Priesterseminare (»Seminarium maius«), aber auch die Lyzeen mit philosophischen und theologischen Kursen »per biennium« anzuführen.

Kap. 7

(649) H. J. SAUERMOST, »Zur Rolle St. Michaels im Rahmen der wilhelminisch-maximilianischen Kunst«, in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II, 1, 1980, S. 167 ff.

(650) Als Bauherr der Ordenskollegien, so wurde herausgestellt, trat nominell der Jesuitenorden auf, der für die Durchführung der Bauarbeiten verantwortlich war. Zur Bauherrenfrage beim Kollegbau der Jesuiten schreibt J. BRAUN 1910, S. 5: »Bauherren waren in den meisten Fällen die Jesuiten selbst. Den Charakter eines Regiebaues hatten nur die Kollegskirche zu Pruntrut, St. Michael zu München, das eigenste Werk Wilhelms V., die Neuburger Jesuitenkirche [...], und wohl auch die Kollegskirche zu Eichstätt«. In Erwiderung auf die Aussage von Braun ist dagegenzuhalten: Die am Ordensbau beteiligten Parteien in Bayern als die zuständigen Verhandlungspartner beim jesuitischen Kollegbau waren der Orden einerseits und der Fürst Maximilian I., bzw. die Landesregierung andererseits. Von Maximimilian, also von fürstlicher Seite her, wurde aber, wie dargelegt wurde, erheblicher Einfluss auf den jesuitischen Ordensbau in Bayern ausgeübt, grundgelegt durch die hervorgehobene politische Stellung des bayerischen Fürstenhauses in der Landes- und Kirchenpolitik. Die Frage nach dem Bauherrn kann für den Kollegbau in Bayern im 16. und 17. Jahrhundert kann nicht so eindeutig beantwortet werden, wie dies Braun dargestellt. Es kam immer wieder zu Eingriffen der Fürsten Wilhelm V. und Maximilian I. von Bayern in den Ordensbau im Sinne einer »fürstlichen Regienanweisung«.

(651) Eine Bibliographie zur Baugeschichte von St. Michael und des Kollegs München bei W. BRAUNFELS, Cuius Regio Eius Ars, Katalog Wittelsbach und Bayern, II/1; E. HUBALA, Vom europäischen Rang der Münchner Architektur um 1600, ebd.; G. DISCHINGER, Zur frühen Planungs- und Baugeschichte, ebd., siehe Anmerkungen; dies., Entstehung und Geschichte des Kirchenbaues (1583-1883); in: Festschrift St. Michael 1983, S. 220-243; siehe auch J. TERHALLE, Katalog Rom in Bayern 1997, S. 102ff.

Kap. 7.1

(652) Am 21. 3. 1581 bekundete Wilhelm V. seine Bauabsicht zum Bau von St. Michael; noch am 12. 1. 1581 hatte er ein Baugesuch des Ordens zum Neubau einer Kirche abgelehnt. Am 1. 1. 1582 bekräftigte Wilhelm V. seine Bauabsicht. Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. April 1583; vgl. G. DISCHINGER, Die Jesuitenkirche St. Michael in München, Zur frühen Planungs- und Baugeschichte; in: Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, S. 152.

(653) Im Jahr 1583 hatte sich Bayern im Kölner Konflikt um die Besetzung des Bischofstuhles militärisch durchgesetzt; dazu siehe G. V. LOJEWSKI, Bayerns Kampf um Köln; in: Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1, S. 40-47.

(654) Vgl. E. HUBALA, Vom europäischen Rang der Münchner Architektur um 1600, in: Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1, S. 145. S. SCHNEIDER: Das Programm der Münchner Michaelskirche und seine zeitgenössische Rezeption aus der Perspektive der Einweihungsfestschrift; in: Katalog 1997, R. Baumstark (Hrsg.), S. 171-198. Auf den Charakter von St. Michael als Triumphbau verweist auch die aus Anlass der Einweihung von St. Michael erschienene Festschrift »Trophea Bavarica Sancto Michaeli Archangelo in Templo et Gymnasio Societatis Jesu dicata«, München 1597; vgl. Trophaea Bavarica - Bayerische Siegeszeichen, Faksimilierter Nachdruck der Erstausgabe, mit Übersetzung und Kommentar, G. HESS (Hrsg.), Regensburg 1997. Daraus lässt sich entnehmen, dass als ideelles Vorbild zu diesem Bau das von Kaiser Konstantin an der byzantinischen Küste errichtete Michaelsheiligtum eine Rolle spielte. Dieses wurde als Dank- und Siegesmal errichtet. Entsprechend sollte der Erzengel Michael Bayern und seinen Herzog im Kampf gegen die »lutherische Ketzerei« unterstützen.

(655) Eine tragende Rolle beim Planungsprozess der Kirche nahm der in herzoglichem Dienst stehende, in Italien geschulte Niederländer Friedrich Sustris ein. 1591/92 wurde aber auch der seinerzeit führende Jesuitenarchitekt Giuseppe Valeriani - vermutlich zur Unterstützung der Planung des zweiten Bauabschnittes - nach München entsandt. Die Wirtschaftsleitung lag in den Händen des Jesuiten Hiendl. Die Bauausführung des ersten Bauabschnittes wurde vom bürgerlichen Baumeister Wolf Miller geleitet. Am Kollegbau arbeitete die aus Maurern und Stukkateuren zusammengesetzte sog. »Herzogliche Bauschule«, die auch bei späteren Bauten des Landesfürsten beteiligt war (z.B. Bau der Residenz); dazu E. HUBALA 1980, S. 147.

(656) Dazu H. R. WEIHRAUCH, Das Grabmalprojekt für Herzog Wilhelm V. von Bayern; in: Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, S. 175-184. Der drohende Staatsbankrott - herbeigeführt nicht zuletzt durch das Kirchen- und Kollegprojekt der Jesuiten in München - verhinderten die Ausführung dieser Pläne.

(657) Siehe Plan Stadtmuseum München, Inv. Nr. 36/1888, abgebildet in Katalog Rom in Bayern 1997, S. 385; dazu auch J. TERHALLE, ebd., S. 136.

(658) Ebd., S. 134.

(659) Ph. Hainhofer; in: CH. HÄUTLE (Hrsg.), Die Reisen des Augsburgers Philipp Hainhofer; 1881, S. 107ff.

(660) L. GMELIN, Die St. Michaels-Kirche in München, Bamberg 1890, S. 33.

(661) H. J. SAUERMOST 1980, S. 169.

(662) H. J. SAUERMOST, Die Gestalt der Kirche 1973; L. ALTMANN 1976, St. Michael in München, Mausoleum-Monumentum-Castellum, L. Altmann, Die ursprüngliche Ausstattung von St. Michael und ihr Programm; in: Festschrift St. Michael, 1983; H. SCHADE, Die Monumentalisierung; in: Festschrift St. Michael, 1983; E. VOLLMER, Der Stuckdekor in St. Michael, Festschrift St. Michael, 1983.

(663) E. HUBALA, Vom europäischen Rang der Münchner Architektur um 1600, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1, S. 145.

(664) E. HUBALA 1980, S. 144.

(665) H. J. SAUERMOST 1980, S. 167.

(666) K. RÜCKBROD stellt die Bildung von repräsentativen Gesamtanlagen (wie z.B. die Kollegarchitektur des Kolleges München unter Wilhelm V.) in einen Zusammenhang mit dem Erstarken des Einflusses der fürstlichen Macht im Zeitalter des Frühabsolutismus; vgl. K. Rückbrod 1977, S. 152.

(667) Siehe J. TERHALLE 1997, S. 111f. und 131f.

(668) Das späte 16. und frühe 17. Jahrhundert in Bayern wurde als »neurömische« Epoche bezeichnet; es stand ganz im Zeichen der Lipsius-Rezeption; vgl. G. OESTREICH 1969, S. 111; vgl. L. ALTMANN, St. Michael in München, München 1976. Über den Einfluss des römischen Reichsgedankens auf die deutschen Territorialfürsten siehe auch G. HINZ, Territorialstaatsbewusstsein und Reichsgedanke beim deutschen Reichsfürstenstand im 17. Jahrhundert, Göttingen 1956 und A. WANDRUSZKA, Reichspatriotismus und Reichpolitik zur Zeit des Prager Friedens 1635, Eine Studie zur Geschichte des deutschen Nationalbewusstseins 1955.

(669) L. ALTMANN kommentiert die Verwendung antiker Statuen am Fassadenschild: »So verbindet sich die »Domus Bavarica« mit den römischen Kaisern«; L. Altmann 1976, S. 23.

(670) Vgl. H. J. SAUERMOST, Katalog 1980, Bd. II/1 S. 168. Nach Ansicht von L. ALTMANN ist es in der Frage des möglichen Vorbildes dieses römischen Baues wichtig, »die (irrigen) Rekonstruktionen des 16. Jahrhunderts dieser Basilika, die damals unter dem Namen »Templum Pacis« bekannt war, heranzuziehen. Vor allem jene des Andrea Palladio [...] muss den ersten Bau von St. Michael beeinflusst haben. Gerade weil dieser Tempel als Triumphbau Roms galt, diente er bei der Errichtung der Michaelskirche [...] als Vorbild«; L. Altmann 1976, S. 96.

(671) »Über die Bedeutung des italienischen Einflusses ist man sich einig. Il Gesù dürfte dabei nur als allgemeine Anregung gedient haben und nicht als buchstäbliches Vorbild. Die Mutterkirche des Ordens war insofern Anstoss, als die in ihr entwickelten spezifischen Merkmale einer neuen sakralen Architektur und deren Wirkungsabsicht auch das Raumbild von St. Michael prägten. [...] Diese italienischen Anregungen wurden dann in die eigene, lokale Sprache übersetzt«; J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 111f.

(672) Vgl. E. HUBALA, Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/1 1980, S. 141ff.

(673) Zum Collegio Romano siehe M. KIENE, Bartolomeo Ammanati, Mailand 1995.

(674) Dagegen schränkt J. TERHALLE den Einfluss des Collegio Romano auf die Anlage des Kolleges München ein; in: Die Architektur der Jesuiten um 1600 und St. Michael in München, S. 101; Katalog 1997; dagegen G. DISCHINGER, Katalog 1980 II/1, S.163.

(675) Zur Tätigkeit von G. Valeriani in München siehe J. BRAUN 1910, S. 58f. und J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 134ff.

(676) J. TERHALLE 1997, S. 94.

(677) J. Braun fand im Archiv der Oberdeutschen Provinz in München (heute im BayHStA München, Jesuitica Nr. 2 fol. 177b) eine lateinische Übersetzung eines im römischen Ordensarchiv aufbewahrten spanischen Textes. Darin äussert sich Ordensgeneral E. Mercurian am 1. 1. 1580 zu Idealplänen des Ordens und deren Anwendung; wie Anm. 288 und Anm. 291.

(678) L. ALTMANN 1987, Der Baukomplex, S. 73-78; siehe auch H. SCHADE 1960, S. 225f.

(679) Die Errichtung der Bauten des Escorial erfolgte im Zeitraum zwischen 1563 bis 1584, Baubeginn der Kirche 1575, Vollendung am 23. 6. 1582, Weihe am 9. 10. 1582.

(680) V. DER OSTEN SACKEN 1979, S. 27.

(681) Ebd., S. 173.

(682) Vgl. dazu die Schrift und Rekonstruktion von Juan Bautista Villalpando »In Ezechielem Explanationes et Apparatus Urbis ac Templi Hierolymitani«, 3 Bde. 1596-1604; zur Bedeutung siehe auch v. der Osten Sacken 1979, S. 207ff.; vgl. auch J. Pontanus, Progymnasmatum 1594, II, Kap. 98, S. 544, vgl. Text Anhang 2/1.

(683) L. ALTMANN 1976, S. 16.

(684) J. TERHALLE, Katalog 1997, Anm. 142. Terhalle ist der Auffassung, dass sich der zeitgenössische Vergleich mit dem Escorial ausschliesslich auf Grösse und Regelmass der Anlage bezog, jedoch (unter Verweis auf H. Schade, Die Berufung 1960, S. 209-257) nicht inhaltlich und im Sinne eines architektonischen Vergleichs zu deuten sei. Analogien zwischen den beiden Anlagen inhaltlicher wie architektonischer Art zwischen den beiden Anlagen sind aber sicher nicht von der Hand zu weisen.

(685) Der Augsburger Philipp Hainhofer schrieb bei seinem Aufenthalt im Mai 1611 in München über das Münchener Kolleg: »Das Jesuiterische Collegium belangend, hat solches aine vberauss grosse weitin, daß der grösse halber wol ain König darinn hoff halten kundte, mit vnterschidlich grossen höfen vnd gärten, gross vnd kleinen Zimmern inn starkher anzahl, hüpschen refectorjis [...] Hat dises Collegium 800 Creutzfenster vnd, wie mir der Rector sagt, so ist dises nach dem Escurial in Spagna [...] dass fürnembste Collegium inn gantz Europa, darumben dise patres alle allain Ihrer Dhlt. dem Herzog Wilhelm zu danckhen haben«; wie Anm. 659.

(686) H. J. SAUERMOST 1980, S. 167.

(687) Im Zusammenhang mit der »Fata Morgana eines bayerischen Kaisertums« stellt Dollinger die Frage »inwieweit gerade kleine Staaten ihr Selbstverständnis in ideologischen Bindungen finden und ihre machtpolitisch schwache Ausgangsposition durch ideologischen Rückhalt kompensieren können«, H. DOLLINGER 1964, S. 305.

(688) Vgl. F. MATSCHE Berlin 1981, Kunst im Dienst der Staatsidee Karls VI.; weitere Literatur zur Thematik: W. BRAUNFELS, Cuius regio, eius ars, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1, S. 133-140; A. CORETH, Pietas Austriaca, Wien 1960.

Kap. 7.2

(689) Nähere Ausführungen dazu vgl. J. BRAUN 1910.

(690) Zu den Jesuitenkirchen der Niederdeutschen Ordensprovinz siehe J. BRAUN, Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten, Die Kirchen der Niederdeutschen Ordensprovinz, Teil I, Freiburg 1907. Der Gegensatz in der jesuitischen Kirchenarchitektur wurde von J. Braun thematisiert; in: J. Braun 1910, S. 353ff.; zum Verhältnis der Jesuitenkirchen in Köln und München, siehe auch H. HIPP 1979, S. 859ff.

(691) Zum Sachverhalt siehe Ausführungen bei J. BRAUN, Die niederrheinischen Kirchen, Mariä Himmelfahrt Köln, S. 66ff. und H. HIPP, in: »Nachgotik« 1979, S. 859ff.

(692) Zitiert nach H. P. HILGER, Die ehemalige Jesuitenkirche St. Mariä Himmelfahrt in Köln 1982, S. 12.

(693) Pläne, Bibliothèque Nationale de Paris, Cabinet des Estampes, Paris, Hd 4c n. 116, 117, 118, 119. J. Braun bemerkt über die Idea Bavarica II, diese sei eine nur unwesentliche veränderte »Kopie« der Jesuitenkirche in Neuburg/D.; J. Braun, Die Kirchenbauten, Teil 1, 1908; Abbildungen der Grundrisse und Querschnitte S. 67-71; H. P. Hilger 1982, S. 72.

(694) Zur Jesuitenkirche Dillingen siehe J. BRAUN 1910, S. 126-140.

(695) Laut H. HIPP variieren die Grundrisse der »Ideae Bavaricae« »bei allen modernen erkennbaren Elementen (Chorschluss in allen Fällen als Apsis, antikische Freisäulen bzw. Pilasterpfeiler)« in erster Linie das Schema der deutschen Hallenkirche; H. Hipp 1979, S. 872. Die Interpretation der Grundrisse als eine »Entscheidung für den deutschen Modus des Kirchenbaues« durch Hipp geht m.E. an der Tatsache vorbei, dass Maximilian I. von Bayern als der Protektor dieser Pläne der Förderung des »modernen« Kirchenbaues zuneigte.

(696) Bei einer Gesamtsumme von 130 000 Talern übernahm Maximilian I. einen stattlichen Betrag von 80000 Talern; siehe J. Braun 1910, S. 79. Die Grundsteinlegung der Kölner Jesuitenkirche erfolgte am 15. 5. 1618 im Namen Maximilians I. von Bayern. Am 24. 2. 1629 wurde die Kirche eingeweiht.

(697) J. Braun kommentiert den Vorgang: »Wie wenig man in der Rheinischen Ordensprovinz geneigt war, sich von der Oberdeutschen in Bezug auf Stil und Einrichtung der Kirchen beeinflussen zu lassen, [...] dafür sind die drei Ideae Bavaricae zur Kölner Kollegskirche sehr lehrreich«; J. BRAUN, Die Kirchenbauten 1910, S. 356.

(698) Martin Zeiller 1657; zitiert in: H. HIPP 1979, S. 778. Hipp geht auf die Beurteilung der Zeitgenossen zur Wirkung von »deutschen, gotischen« und »modernen, italienischen« Kirchen ein. Diese Ausführungen verdeutlichen, wie stark von den Zeitgenossen selbst die Unterschiede zwischen diesen beiden Stilarten in der Raumstruktur und der Dekoration des neuen Bau- und Dekorationstiles empfunden wurden. »S. Michael wurde offenbar auch von den Zeitgenossen als etwas von den »deutschen Kirchen« grundsätzlich Verschiedenes verstanden. [...] Vielmehr liegt es nahe, anzunehmen, hier sei gemeint, dass eben in diesem Gebäude nicht nur die »Zier« nach einer neuen Weise gestaltet sei, sondern die Anlage als solche. [...] Und so bleibt denn S. Michael in München auch weiterhin im Urteil der Betrachter »italienisch«. [...] »Italienische Manier« begegnet nur bei »modernen« Kirchen; »deutsche« Inhalte begegnen nur im Zusammenhang mit Kirchen, die zur Nachgotik in Beziehung stehen« (S. 779). Hipp zitiert in diesem Zusammenhang auch Philipp Hainhofer 1611, wonach die Kirche St. Michael »der Jesuiter die schönste und fürnemste, all' Italiana gebauet [...]« und wonach »von aussen und innen dass Kollegium und die Kirchen aines königlichen pallasts ansehen [...]« habe; (S. 778). Zur zeitgenössischen Wirkung von St. Michael siehe auch »St. Michael mit den Augen der Menschen um 1600 gesehen« , J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 102-105.

(699) H. HIPP 1979, S. 779.

(700) Dazu H. HIPP, S. 779.

(701) Zur Jesuitenkirche in Neuburg/D. siehe J. BRAUN 1910, S. 180-198.

(702) Diese Konversion Wolfgang Wilhelms geschah im Zusammenhang mit der Eheschliessung mit Magdalena von Bayern, der Schwester Maximilians I. von Bayern. Vgl. H. SEITZ, Reformation und Gegenreformation im Fürstentum Pfalz-Neuburg, S. 43ff.; in: 475 Jahre Fürstentum Pfalz-Neuburg, Katalog 1980.

(703) Zur Fassade siehe J. BRAUN 1910, S. 192ff.

(704) Dazu H. SCHMIDT, Pfalz-Neuburgs Sprung zum Niederrhein, Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg und der Jülich-Klevische Erbfolgestreit; in: Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, S. 77-89.

(705) J. BRAUN 1910, S. 355.

(706) Vgl. J. BRAUN, »Die Hofkirche U. L. Frau zu Neuburg«; in: J. Braun 1910, S. 180ff.

(707) J. TERHALLE geht bzgl. des Baues der Gewölbetonne von St. Michael von einer Anregung aus Rom aus. Vor dem Bau von St. Michael jedoch regte Wilhelm V. bereits im Jahr 1579 beim geplanten Bau der Kollegkirche in Landsberg die Anwendung einer »römischen« Gewölbetonne zur Einwölbung an. Wilhelm V. hatte verlangt, »dass das Schiff gewölbt werden sollte, und einen Riss der Landsberger Kirche angefordert, damit er die Einwölbung (durch einen seiner Hofarchitekten) nach seinen Vorstellungen planen lassen konnte«; D. DIETRICH, Die erste Jesuitenkirche Bayerns Heilig Kreuz in Landsberg; in: Katalog Rom in Bayern 1997, S. 152.

(708) St. Michael in München wurde seit 1583 bereits in »modernen Formen« errichtet, während die Kirche in Ingolstadt noch 1587 in gotischen Formen entstand; vgl. J. BRAUN 1910, vgl. »Die gotisierenden Kirchen«, S. 10-30 und »Die Renaissancekirchen«, S. 40-180.

(709) Vgl. J. BRAUN 1910, S. 344ff.

(710) Der Übergang vollzog sich jedoch »fliessend«: »Vereinzelte gotische Stilmotive finden sich noch längere Zeit selbst in den Renaissancekirchen der Oberdeutschen Ordensprovinz, wie es ja nicht einmal bei St. Michael zu München der Renaissance gelungen war, die alteinheimische Traditionen ganz zu verdrängen«; vgl. J. Braun 1910, S. 11.

(711) E. HUBALA: »Zum erstenmal in Deutschland kommt es hier zu einer Raumwirkung, die nicht mehr als mittelalterlich bezeichnet werden kann, obwohl doch die hinter die Raumgrenze versteckten, eine kühne Überwölbung des Hauptraumes sichernden Wandpfeiler zweifellos aus der mittelalterlichen Baupraxis zu erklären sind, wofür es zahlreiche, wenn auch räumlich ganz anders geartete Beispiele im bayerischen Kirchenbau des 15. Jahrhunderts gibt«; E. Hubala Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1, S. 143

(712) Vgl. auch die Jesuitenkirche Würzburg; in: J. BRAUN 1910, S. 362.

(713) Von C. GURLITT, aber auch von J. BRAUN wurde die Besonderheit dieser Architekturschule betont, ohne dass dadurch ein eigenständiger »Stil« hervorgebracht worden wäre. C. Gurlitt hebt hervor, dass die bayerischen Ordenbauten während des Dreissigen Krieges ein »nationales Gepräge« hatten; vgl. J. Braun 1910, S. 351.

(714) J. BRAUN 1910, S. 360.

(715) Vgl. W. BRAUNFELS, »Risse für St. Michael trafen aus Rom in München ein; andere wurden von München aus nach Rom zur Approbatur gesandt. Die Entscheidung blieb dann doch, kennzeichnend genug, dem Herzog überlassen«, Katalog Wittelbach und Bayern 1980, S. 137.

(716) I. AGRICOLA Bd. I., S. 315, hier zitiert nach H. Dollinger 1959, S. 70.

(717) Diese zeitgenössische Einschätzung der Grösse und der Pracht der neuen Kolleganlage und Kirchenarchi-tektur von St. Michael im München wird vom Augsburger Patrizier Philipp Hainhofer 1611 anlässlich eines Besuchs der Stadt bestätigt, in dem er seinen Eindruck wiedergibt: »Es hat vil schöner Kirchen inn diser Statt, darunder der Jesuiter die schönste vnd fürnembste, all' Italiana gebawet. [...] Es hat von aussen vnd innen dass Kollegium vnd die kirchen ainess Königlichen pallasts ansehen. [...] Dass vnder paviment inn der Kirchen ist gewirfelter - weiss mit blaw vnd weissen marmelstainen gepflästert, als wie dess Herzogs Maximilian residentz. Das Jesuiterische Collegium belangend, hat solches aine vberauss grosse weitin, dass der grösse halber wol ain König darinn hoff halten kundte [...] vnd, wie mir der Rector sagt, so ist dises nach dem Escurial in Spagna [...] dass fürnembste Collegium inn gantz Europa, darumben dise patres alle allain Ihrer Dhlt. dem Herzog Wilhelm zu danckhen haben«; wie Anm. 659.

(718) Vgl. J. TERHALLE, Katalog 1997, S. 132 f.

(719) J. BRAUN 1910, S. 355 und S. 353.

Kap. 7.3

(720) Zu Giovanni Botero siehe G. OESTREICH, Geist und Gestalt des frühmodernen Staates 1969, und Strukturproblem der frühen Neuzeit 1980; H. DOLLINGER, Kurfürst Maximilian I. von Bayern und Justus Lipsius, Eine Studie zur Staatstheorie eines frühabsolutistischen Fürsten, 1964.

(721) Die Wertschätzung von Lipsius am bayerischen Hof ist vielfach bezeugt. Wilhelm V. suchte Lipsius 1592 an die Universität Ingolstadt zu berufen. Die Werke des Lipsius wurden am bayerischen Hof rezipiert. Zur Lipsius-rezeption am bayerischen Hof siehe H. DOLLINGER, Kurfürst Maximilian I. von Bayern und Justus Lipsius, eine Studie zur Staatstheorie eines frühabsolutistischen Fürsten 1964, S. 280, 291, 300-306.

(722) »Man hat nicht zu Unrecht das 17. Jahrhundert als das neurömische bezeichnet. [...] Rom und das Römertum, die Zeit des Prinzipats, wurden von Lipsius als Leitbild der Gegenwart immer erneut beschworen«; G. OESTREICH 1969, S. 110f. Zu Lipsius J. KLUYSENS 1974; Leben und Werk des Justus Lipsius siehe G. Oestreich 1969 und 1980.

723) G. OESTREICH 1969, S. 54.

(724) H. DOLLINGER 1964, S. 306.

(725) Abschrift im BayHStA München, Fürstensachen 636a, Abschrift, deutsch, Pap., 18 Bl. Einige zentrale Zitate daraus entstammen der Quelle der »Politicorum sive civilis doctrinae libri sex« des Lipsius (entstanden 1589). Das Werk der »Politik« wird von G. Oestreich gewürdigt: »Das politische Hauptwerk des Neustoizismus war eine ungemein wirkungsvolle Schrift, die auf den europäischen Universitäten als Handbuch der praktischen Politik, im pädagogischen Raum der führenden Schichten als Lehrbuch des neuzeitlichen Macht- und Verwaltungsstaates zur Erziehung der Fürsten, ihrer Staatsmänner, Beamten und Heerführer diente«; G. OESTREICH 1980, S. 316.

(726) H. DOLLINGER 1964, S. 251.

(727) H. DOLLINGER kommentiert weiterhin das Verhältnis Maximilians I. zu Lipsius: »Die Grundlagen seiner Politik wurden und blieben bestimmt durch das Ideal des christlich-väterlichen Herrschers und den wohltemperierten Machiavellismus des Justus Lipsius. [...] Maximilian war der lipsianischen Staatsräson oder prudentia civilis in der Theorie und mehr noch in der Praxis ausserordentlich verpflichtet, räumte jedoch der Religion und der Tugend im ganzen eine selbständigere Bedeutung ein als es Lipsius in seiner »Politik« getan hatte; H. Dollinger 1964, S. 299.

(728) G. OESTREICH 1969, S. 77.

(729) Lipsius räumte, wie Oestreich betont, dem katholischen Priestertum ganz im Sinn der Gegenreformation, »eine Mitwirkung im Staat ein und sprach ihm die Stelle des ersten Standes zu«; G. Oestreich 1969, S. 123. Das Werk des Lispius wurde vom Jesuiten Possevinus in die »Bibliotheca Selecta de Ratio Studiorum« (1603) aufgenommen, die im Zusammenhang mit der »Ratio Studiorum« entstand. Noch im 18. Jahrhundert wurde Lipsius von Jesuitenprofessoren an den Hochschulen gelesen.

(730) G. OESTREICH 1969, S. 70

(731) Zum Verhältnis von A. Contzen und Maximilian I. siehe R. BIRELEY, Maximilian von Bayern, Adam Contzen S. J. und die Gegenreformation in Deutschland 1624-1635, Göttingen 1975.

(732) Ebd., S. 39.

(733) Zum Einfluss A. Contzens auf die Politik Maximilians siehe R. Bireley 1975, insbesondere S. 222 ff.

(734) Maximilian I. wird von Dollinger als ein »frühabsolutistischer Fürst« tituliert. Im Zusammenhang mit dem Thema soll der Begriff des »(Früh-)Absolutismus« nach dem Verständnis von G. Oestreich umrissen werden. Nach Oestreich ist die »monarchia absoluta« gekennzeichnet durch die Tendenz, die Sphäre gesamtstaatlicher Lenkung im Innern und die gesamtstaatliche Vertretung nach aussen von jeglicher Mitwirkung anderer Kräfte unabhängig zu gestalten; G. OESTREICH 1969, S. 180. Oestreich betont, dass unter diesem Einfluss auch die Kirchen mit ihren bisher umfassenden Aufgaben im kulturellen und sozialen Bereich dem jeweiligen absolutistischen Staat teilweise oder ganz eingegliedert wurden. »Es handelt sich um eine langsame Straffung der Zentralgewalt durch Ablösung von nichtzentralen, d. h. regionalen und lokalen Einflüssen, aber nicht um eine Unterwerfung der lokalen Gewalten«; (S. 185). Dieser Vorgang wurde gemeinhin als Zentralismus bezeichnet. Oestreich hebt hervor, dass der Staat diese regionalen und lokalen Mächte langsam durch eigene Institutionen überlagerte. Die Kolleggründungspolitik Maximilians I. als (früh-)absolutistisch regierendem Herrscher ist in diesem Zusammenhang als eine Massnahme des fortschreitenden Organisationsausbaues des Staates zu werten, mit der Tendenz, die traditionellen kirchlichen und städtischen Schulaufsichtsrechte abzulösen und - unter Mithilfe des Jesuitenordens - unter die Aufsicht einer zentralen Verwaltung im Sinne der Zentralisierungstendenz des (Früh-)Absolutismus zu stellen.

(735) G. Botero, zitiert in: H. DOLLINGER 1964, S. 294.

(736) G. OESTREICH 1969, S. 376. Der Staatsphilosoph J. Lipsius sieht die »Gravitas« und die »Reputation« mitein-ander in Zusammenhang stehend. Zur Bedeutung der Reputation bei Justus Lipsius siehe auch G. Oestreich, Geist und Gestalt des frühmodernen Staates 1969, S. 21ff.

(737) Ebd., S. 21.

(738) H. DOLLINGER 1964, S. 243.

(739) Ebd., S. 243.

(740) Zitiert nach H. DOLLINGER 1964, S. 263. Wie stark das Herrscherbewusstsein Maximilians I. den Grundsätzen der Reputation verpflichtet war, geht aus einem persönlichen Schreiben Maximilians vom 15. 1. 1611 an P. R. Haller hervor. »[...] und ein fürst, so nit bei diser itzigen bösen welt reich ist, der hat khein autoritet noch reputation, und wo diese zwey nit sei, da muss das publicum bruchen leyden«; zitiert in H. Dollinger 1964, S. 299.

(741) K. RÜCKBROD 1977, S. 150.

(742) U. SCHÜTTE 1986, S. 102.

(743) Zum Begriff der »Repräsentation« siehe H. WENZEL/H. RAGOTZKY (Hrsg.), Höfische Repräsentation. Das Zeremoniell und die Zeichen 1990. »Als Fachterminus gehört der Begriff der »Repräsentation« sowohl in den Bereich der Sakramentenlehre und der Liturgiegeschichte als auch zur Terminologie von Verfassungsgeschichte, Staatsrecht und Politikwissenschaft«; (Einführung, S. 5). »Der Repräsentationsbegriff kann stärker im rechtlich-politischen Sinne als Kategorie der Stellvertretung verwendet werden oder mehr im theologischen Sinne als Wiedervergegenwärtigung vorgegebener Ideen und Ordnungsstrukturen. Begrifflich sind diese verschiedenen Formen des Wortgebrauches auseinanderzuhalten, für die Phänomene selbst sind sie im Mittelalter jedoch kaum zu trennen. Das gilt für Hof und Kirche gleichermassen (ebd., H. Wenzel, Aufsatz: »Repräsentation und schöner Schein am Hof und in der höfischen Literatur«; S. 176).

(744) »Repräsentation« wird von H. WENZEL charakterisiert als eine »symbolische Form öffentlicher Statusdemonstration, die mit der Person des Statusträgers interpersonell Wert- und Ordnungszusammenhänge für alle Sinne wahrnehmbar zur Darstellung bringt. Repräsentation trägt somit bei zur Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Rangunterschiede und ermöglicht Kommunikation und Integration. Das soziale Entgelt (Honorar) der repräsentativen Statusdemonstration ist die »ere«. Ehre als »gesellschaftliche Ansehen« ist eine öffentliche Bestätigung von Statusqualität und kann sich als guter Ruf (fama, name, leumunt) an einen hervorragenden Repräsentanten des Adels heften«; H. Wenzel 1990, S. 180.

(745) H. HOFMANN, Repräsentation, Studien zur Wort- und Begriffsgeschichte von der Antike bis ins 18. Jahrhundert, Berlin 1974, S. 169.

(746) J. Pontanus 1598, III/2, S. 127: »Deus autem lux, quae scilicet intelligentia comprehenditur, sol iustitiae, & oriens vocatur in sanctis literis. Pulchriora videlicet illam divinam pulchritudinem, perfectiora perfectionem, beata beatitudinem. Proinde cum substantia praestet iis, quae in illa innituntur, functio potestati [..] lux aliis qualitatibus ad sensum aspiciendo pertinentibus«.

Kap. 7.4

(747) Zur »Kunst des Fürsten« siehe auch W. BRAUNFELS, »Cuius Regio Eius Ars«, Katalog Bd. II/1 1980, S. 133 ff.

(748) E. HUBALA, Vom europäischen Rang der Münchner Architektur um 1600, Katalog Wittelsbach und Bayern, II/1, S. 143. Zum Problem der Einordnung der Architektur von St. Michael in den Epochenzusammenhang siehe ebd., S. 143ff.

(749) Zum Herrschaftsbegriff Wilhelms V. siehe H. DOLLINGER 1964, S. 306.

(750) Zum Herrschaftsbegriff Maximilians I. siehe H. DOLLINGER 1964, S. 272ff., S. 299ff.

(751) Zum Bau und der Baugeschichte der Münchener Residenz siehe H. STIERHOF, »Zur Baugeschichte der Maximilianischen Residenz«, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, S. 269ff.

(752) E. HUBALA, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, S. 149.

(753) Ebd., S. 149.

(754) Ebd., S. 149.

(755) Die Ausführung der Fassade erfolgte jedoch nicht durch plastische Gestaltelemente, sondern durch farbig gefassten Rauhputz (vgl. »estilo desornamentado«); H. STIERHOF, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1, S. 276.

(756) Zum Architektursystem siehe U. SCHÜTTE, Gemälde an der Fassade, Die deutschen Architekturtraktate und die Fassadenmalerei zwischen 1500 und 1800, 1992, S. 113 ff.

(757) Carlo Caraffa, um 1627, Relatione dello stato dell' Imperio e della Germania fatta dopo il ritorno della sua Nuntiatura appresso l' Imperatore, in: J. G. MÜLLER (Hrsg.), Archiv f. Kunde österr. Geschichts-Quellen 23, 1860, S. 101ff., S. 337; zitiert in J. ERICHSEN, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, Bd. II/1, S. 196.

(758) G. OESTREICH 1980, Vom Herrschaftsvertrag zur Verfassungsurkunde, S. 317.

(759) Vgl. R. BIRELEY 1975, S. 107.

(760) U. a. opponierten die alten Orden, die sich von der Gründung einer Vielzahl neuer Jesuitenkollegien bedroht sahen, zunehmend gegen die geplante Verwendung des Kirchengutes verlassener Klöster für die Fundation neuer Kollegien; vgl. W. SEIBRICH, Der grosse Verdrängungsversuch der alten Orden durch die Jesuiten 1629-1631; in: Katalog »Die Gesellschaft Jesu und ihr Wirken im Erzbistum Trier«, 1991. Als »Quellen der Feindschaften« gegen den Jesuitenorden in dieser Zeit zählt Seibrich u.a. »die Einbindung des Ordens in die Staatsräson durch die manchmal allzu willfährigen Beichtväter an Fürstenhöfen und ihre staatstheoretischen Ausflüge« und den »Versuch der Jesuiten selbst, im Verlaufe der Vorbereitung und der Durchführung des Restitutionsedikts Kaiser Ferdinands II. vom 6. März 1629 die Verdrängung, ja fast Auslöschung der alten Orden im Deutschen Reich zu betreiben«; W. Seibrich 1991, S. 71.

(761) Die Kolleggründungspolitik Maximilians steht in Zusammenhang mit den ehrgeizigen Zielen A. Contzens, der bis zuletzt an der Durchsetzung des Restitutionsedikts festhielt. »Sein Verantwortungsbewusstsein als Kurfürst und die Sorge um seine Reputatio hielten ihn [Maximilian] grundsätzlich auf der Seite Contzens und der Extremisten fest«; R. BIRELEY 1975, S. 165.

(762) H. J. SAUERMOST 1980, S. 173. E. HUBALA spricht im Zusammenhang mit der herzoglichen Münchner Bauschule von einer »merkwürdig prägnanten Durchdringung von Neuem und Altem in der Entstehungsgeschichte ihrer Bauten«; E. Hubala, Katalog Wittelsbach und Bayern 1980, S. 147.

(763) Erste Architekturtraktate zur »vitruvianischen« Architekturlehre in Deutschland entstanden, wie U. Schütte betont, erst seit der Zeit um 1630 durch die Architekturtheoretiker J. Furttenbach und durch N. Goldmann; SCHÜTTE 1992, S. 120.

Kap. 8

(764) H. HIPP betont den Zusammenhang von Herrschaftsprogramm und Architektur; vgl. H. Hipp 1979, S. 813f. Laut Hipp machten die Sakralarchitekturen »ihre angedeutete Funktion im obrigkeitlichen Ordnungssystem der Zeit anschaulich, insofern sie Teil architektonischer Programme sind, die alle Institutionen des Staates modellartig vereinigen. [..] Sie sind die gebauten Entsprechung zum Staats- und Herrschaftsprogramm«; Hipp 1979, S. 810.

(765) Diese im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts unter Maximilian eingeführte Verfahrenspraxis blieb im Prinzip auch in der 2. Jahrhunderthälfte des 17. Jahrhunderts gültig. Der landesfürstliche Einfluss beschränkte sich in dieser Zeit zunehmend auf seine Kontroll- und Aufsichtsrechte. Der Orden konnte als Konsequenz in zunehmenden Mass seine Rolle als Bauherr ausüben.

(766) Vgl. Wilhelm V. und dessen landesherrlicher Eingriff in das Bauherrenrecht am Beispiel des Kolleges und der Kirche St. Michael in München.

(767) E. HUBALA verwendet am Beispiel von Kirche und Kolleg in München den Begriff der »Kollektivplanung« für die Form der Zusammenarbeit von Orden und Fürst; E. Hubala, in: Katalog Wittelsbach und Bayern, Bd. II/1, 1980, S. 147.

(768) J. PONTANUS II 1594, Kap. 98, S. 543-548: »Konstruktion und Schmuck der Kirchen: I. Wenn schon diese in schrecklichste Weise versenkten Sterblichen, von tiefster Finsternis Begrabenen und ihren ausgedachten Göttern und Göttinnen, besser gesagt Dämonen, mit unglaublichem Aufwand und Freigebigkeit grosse und verschwenderische Tempel erbauten, und diese mit Statuen und heiligen Zeremonien verehrten: Warum sollte dann das Christenvolk, Zögling der Wahrheit und eingesetzter Zeuge jener glücklichen und grossen Civitas, dem einen und wahren Gott nicht weniger Kirchen weit und breit erbauen, wenn die Autorität aller Heiligen bezeugt, dass es ihm selbst überaus dankbar ist; und wenn uns dasselbe der weiseste der Könige, Salomon lehrt, von dessen Tempel irgendwer noch nicht gehört hat? Und warum noch weniger unsere Vorfahren, die sehr gläubigen Verstorbenen, ebenso die Fürsten, Könige und Katholische Kaiser, wie sie weit verstreut viele heilige Gebäude erbaut und mit prächtigsten und wertvollsten Ornamenten zur Genüge ausgestattet haben? Die Geschichte und das Altertum ist voller Beispiele hiervon. Die Zerstörungswut von durch Lüge und Verbrechen verdorbener Menschen hat diese zu unserem grössten Schmerz an den meisten Orten entweder zerstört, sodass nur noch Ruinen übrigblieben, oder sie wurden zu profanem Gebrauch umgenutzt, nachdem die Geschenke, Weihegaben, Gefässe, Kleider fortgeschafft und die goldenen, silbernen und kupfernen Figuren eingeschmolzen, das geistliche Geld eingezogen und in die Staatskasse übereignet worden sind. I. Das ist leider wahr, was du sagst. Aber wie verfluchenswert und verwerfenswert ist, dass aus jenem silbernen Gefäss, aus dem so oft das heiligste Blut Christi genommen wurde, bei verschwenderischen Gelagen bis zur Trunkenheit und zum Erbrechen Wein getrunken wurde?. A. Es ist freilich zu befürchten, dass einmal diesen Tempel- und Denkmalräubern gelingt, was, wie in den Büchern der Makabäer überliefert ist, dem Heliodor gelang, den, dem Tempel in Jerusalem zerstört hatte, zwei Engel mit schweren, grossen Geschwüren bedeckten. A. [..] Wo könnte es leichter geschehen, dass Reliquien und Gebräuche verschwinden als in den heiligen Gebäuden? Wenn ich ferner annehme, dass die Kirche gleichsam die Halle des höchsten Königs ist, warum sollen die Priester und dortigen Diener nicht aufwendig geschmückt einhergehen, wenn ihm gleichsam wie in einem irdischen Himmel wie irdischen Engel dienen und mit dessen Aufgaben beschäftigt sind? I. Warum sollen die Gefässe nicht aus Gold und mit Edelsteinen besetzt sein, warum sollen sie nicht Kleider, Geld, Gold, Silber und andere Gebrauchgegenstände zum Gebrauch der Kirche in möglichst freigiebiger Weise schenken, der sie ihnen und ihren Enkeln, was freilich zur ewigen Ehre bei Gott gereicht, selbst früher geschenkt hat? Warum endlich sollen sie nicht aufs reichste geschmückte und ornamentierte Kapellen bauen? A. Ihre Häuser bauen sie mit grossem Aufwand, dass das Gotteshaus aber schlecht vom Material her und ruinös ist, ertragen sie gelassen. Im übrigen würden sie selbst sehen: Lasst uns die Knaben lehren, dass sie ihr Haupt heben, wenn sie an den Türen der Kirchen vorübergehen, weil es ja das Haus Gottes ist und dort Gott selber in der hochheiligsten Eucharistie wohnt, und die Asche und Gebeine der Heiligen aufbewahrt werden, und dass sie, wenn sie durch diese eintreten oder in diese wegen der Heiligen hineingehen, zuerst ihr Knie beugen gegen die Eucharistie und sie mit einer kurzen Bitte verehren. Darin herumzuspazieren wie in den Säulengängen werden wir weiterhin niemandem erlauben. Ja, das sage ich den meinen auch oft«.

(769) J. PONTANUS 1594, I, Kap. 75, S. 301f.: »Beschreibung der Schule: Unsere Schule, [..] sie scheint mir sehr schön und sehr bequem errichtet. Hier herrscht grösste Ruhe und tiefste Stille [..] Es ist überliefert, dass die jene Akademie in Athen an einem Ort errichtet wurde, der zwar schön und hainbestanden, aber keineswegs für den Schutz der Gesundheit geeignet war. Keine Häuser sind so in der Nähe, dass sie den Lichteinfall behinderten. Was ist mit den aufgehenden Wänden, was mit dem steilen und für den Abfluss des Regens geeigneten Dach? Die Form des Hauses selbst ist nicht in die Länge und nicht besonders in die Breite ausgestreckt, auch nicht dreiseitig, sondern tetragon oder quadratisch: freilich so, dass sie um einiges länger als breit ist, mit einem grossen Tor und von einem erhabenen Anblick und erfurchtgebietend mit Emblemen von Steinmetz und Maler schön dekoriert. S: Die Anordnung der Fenster unten ist für den Lichteinfall breit, oben enger, alle aber unter einander im gleichen Abstand, und die Anordnung trägt zur Zierde bei. Auf der linken und ebenso zur rechten des Eingangs sind je zwei Hörsäle: Umgänge sind vor und zwischen den Klassenräumen. Von dort geht man siebzehn Treppenstufen aus weiss poliertem Stein empor, viel Ellen lang, fast eine breit. Und wieder sind dort vier Klassenräume mit ihren Umgängen. S Übergehst du die Aula? F. Liegt sie nicht bei den Klassenräumen und ist ganz oben in den Gebäuden, weiträumig, mit einer Holzbalkendecke überaus geschmückt und mit hervorragenden Bildern wunderbar ausgestattet. Ja. Sind sie nicht für die Gebetsübungen und für die Theateraufführungen sehr geeignet? Natürlich. Ist sie nicht einer Kirche ähnlich? Ja. Was gibt es also, das so gesund und schön ist wie unsere Schule? Nichts!«.