3 Hypothesen und
Methodik
3.1
Forschungsleitende Hypothesen
Die Untersuchung von Einflußgrößen der Kondomverwendung
oder damit korrelierter Variablen gliedert sich in drei Teile.
Erstens wurden soziodemographische Daten deskriptiv ausgewertet
und mit anderen Studien verglichen.
Zweitens wurden Hypothesen überprüft, die sich auf
verschiedene mit Einzelitems erfaßte Variablen beziehen:
-
Alter. Es wurde hypostasiert, daß konsequente Kondomverwender
älter sind, und daß dieser Zusammenhang insbesondere auf dem
Verhalten in festen Partnerschaften beruht (vgl. Bochow 1994: 59).
-
Kommunikation über HIV/Safer Sex. Bei insgesamt widersprüchlicher
Befundlage sollte überprüft werden, ob ein positiver Zusammenhang
zur Kondomverwendung bei gelegentlichen Partnern besteht (s. Kap. 1.3.7)
-
Impfverhalten. Es wurde angenommen, daß konsequente Kondomverwender
auch sonst gesundheitsbewußter und deshalb häufiger gegen Hepatitis
geimpft sind sowie seltener wegen sexuell übertragbarer Krankheiten
in Behandlung waren.
-
Romantisches Liebesideal. Entsprechend den Überlegungen im
theoretischen Teil wurde hypostasiert, daß (1) bei Teilnehmern im
Rahmen gelegentlicher/flüchtiger sexueller Kontakte seltener romantische
Gefühle oder Bedürfnisse im Spiel gewesen waren, wenn diese konsequent
Kondome verwendet hatten, im Vergleich zu Teilnehmern, die nicht immer
Kondome verwendet hatten (vgl. Kap. 1.2.3). Explorativ sollte überprüft
werden, (2) ob die Wahl des Ortes, an dem die sexuellen Handlungen stattgefunden
hatten, einen Zusammenhang zur Kondomverwendung aufwies (vgl. Dürr
et al. 1993).
-
Soziale Integration. Unabhängig vom Partnertyp wurde hypostasiert,
daß konsequente Kondomverwender (1) einen größeren Anteil
schwuler Männer in ihrem Freundeskreis haben, (2) öfters subkulturelle
Einrichtungen wie Cafés, Bars, Diskos und/oder Lederkneipen und
Clubs und/oder soziale Initiativen besuchen (Dürr et al. 1993). Entsprechend
wurde für primär sexueller Kontaktaufnahme dienende Orte homosexueller
Subkultur (Saunen, Klappen, Sexpartys) kein Zusammenhang angenommen (vgl.
Kap. 1.3.10).
Drittens wurde die Bedeutung der verschiedenen kognitiven Konstrukte,
deren Operationalisierung in Kapitel 2 beschrieben ist, für die Stufen
der Intentionsbildung und Handlungsinitialisierung untersucht. Wenn möglich,
wurden anhand der im theoretischen Teil beschriebenen Literatur a priori
gerichtete Hypothesen bezüglich der Stufendifferenzen eines Konstruktes
aufgestellt, die über die Vermutung, daß überhaupt ein
Effekt deutlich wird, hinausgehen. Zudem wurde explorativ nach korrelativen
Zusammenhängen zwischen den kognitiven Konstrukten gesucht. Die Hypothesen
lauteten:
-
Wahrgenommene Vorteile (1) nehmen von Precontemplation bis Maintenance
stärker zu als erlebens- und beziehungsbezogene Nachteile abnehmen,
(2) die Umkehrung der Gewichtung von Vor- und Nachteilen (cross over) liegt
vor der Action-Phase. (3) Insbesondere zwischen Precontemplation und Contemplation,
also im Bereich der Intentionsbildung, ist ein signifikanter Unterschied
in der Ausprägung der vorteilsbezogenen (Zunahme) und nachteilsbezogenen
(Abnahme) Kognitionen festzustellen.
-
Selbstwirksamkeitserwartung (1) nimmt von Precontemplation
bis Maintenance zu, insbesondere zwischen (2) Contemplation und Maintenance
bzw. Action und Maintenance ist eine Zunahme zu beobachten.
-
Die subjektiven Präventionsstrategien Vertrauen/Treue und Partnerselektion
werden, so wurde schließlich hypostasiert, von Precontemplation bis
Maintenance weniger eingesetzt, da die konsequente Kondomverwendung Strategien
der Partnerselektion überflüssig macht bzw. inhaltlich einen
Widerspruch darstellt (s. 1.3.9).
-
Die Veränderungsprozesse Behaviorale Strategien, Selbstverstärkung,
Spielerischer Umgang, Stimulus Kontrolle und Soziale Unterstützung
nehmen insbesondere von (1) Contemplation bis Maintenance bzw. Action bis
Maintenance zu, und die Prozesse (2) Besorgnis, Informationssuche
und Neubewertungen nehmen insbesondere zwischen Precontemplation
und Contemplation zu. Analog der Vulnerabilität (s. u.) sollte die
(3) Besorgnis zwischen Contemplation und Action wieder abnehmen.
-
(1) Selbstakzeptanz und (2) positives Coming Out-Erleben sind
in Action und Maintenance höher ausgeprägt als in Precontemplation
und Contemplation, (3) Negatives Coming Out-Erleben ist geringer
ausgeprägt. Ferner wird ein (4) korrelativer Zusammenhang zwischen
Selbstakzeptanz und den beiden Skalen zum Coming Out-Erleben entsprechend
deren positiver und negativer Konzeptualisierung angenommen.
-
Für die Vulnerabilität wird ein (1) positiver Zusammenhang
mit der Partnerzahl angenommen (vgl. Bengel 1993: 175). Ferner wird vermutet,
daß (2) die Vulnerabilität im Vergleich zu anderen Menschen
desto geringer eingeschätzt wird, je mehr die Teilnehmer den Kriterien
der Vergleichsgruppe selbst entsprechen. Dabei wird die eigene Vulnerabilität
evt. im Sinne des optimistischen Bias vergleichsweise zu gering bewertet.
Betrachtet man die Ausprägung der Vulnerabilität differenziert
nach den Motivationsstufen des TMC, so sollte diese im Sinne der (3) rationalen
Verhaltenssteuerung in Contemplation stärker ausgeprägt sein
als in Precontemplation, und im Sinne der (4) Gefährdungsbilanzierung
in Action wiederum geringer als in Contemplation (s. Kap. 1.3.4).
3.2
Rekrutierung der Stichprobe
Vornehmlich in kleinen oder mittelgroßen Städten sollte eine
Stichprobe homo- und bisexueller Männer rekrutiert werden (s. Kap.
1.4). "Homosexuell" und "bisexuell" sind hierbei Verhaltensbeschreibungen,
nicht Identitäten. Es wurde angestrebt, auch Männer anzusprechen,
die zwar ein heterosexuelles Selbstkonzept bzw. eine heterosexuelle Identität
(vgl. Troiden 1984) haben, aber dennoch sexuelle Kontakte mit Männern
pflegen. Deshalb wurde der Fragebogen zwar im Rahmen sozialer Strukturen
verteilt, die von homosexuellen Männern dominiert werden, das Anschreiben
auf der ersten Seite richtet sich jedoch allgemein an Männer. Jedem
Fragebogen lag ein adressierter und frankierter Umschlag bei, um bei der
Rücksendung die Compliance zu erhöhen. Diese wurde durch den
Umfang des Fragebogens von 16 Seiten bereits stark beansprucht.
Grundsätzlich wurden drei Wege zur Verteilung der Fragebögen
beschritten. Die bevorzugte Methode bestand darin, mehreren Einzelpersonen
jeweils eine größere Anzahl Fragebögen zu überlassen,
mit der Bitte, diese im Schneeballsystem zu verteilen. Damit sollten besonders
auch homo- und bisexuelle Männer erreicht werden, die fern von subkulturellen
Zusammenhängen - und auch der dort
herrschenden Normen - leben und anders
als über persönliche Kontakte nicht erreichbar sind.
Diese Vorgehensweise orientierte sich an den Arbeiten von Dannecker
(1990), Kolbe (1988) und Hutter & Koch (1995). Speziell in letztgenannter
Arbeit wurde die Stichprobe entsprechend bestimmter Vorgaben (theoretisches
Sampling) rekrutiert. So erhielten hier einige Verteiler den Auftrag, Fragebögen
gezielt an Männer, die keine Kondome mit gelegentlichen Partnern verwenden,
weiterzugeben, da bereits vermutet wurde, daß diese Gruppe klein
ausfallen würde. Leider ließen sich nicht genügend bereitwillige
Verteilerpersonen finden, um einen größeren Anteil Fragebögen
nach diesem System zu verteilen. Insgesamt konnten ca. 120 Fragebögen
persönlich oder mit Hilfe Dritter (Schneeballsystem) in Umlauf gebracht
werden.
Zweitens wurden Fragebögen an schwule Vereine und Initiativen in
der Region Marburg/Gießen verschickt. Dazu wurden den Gruppen frankierte
Umschläge überlassen, die jeweils ein Anschreiben und zwei Fragebögen,
inklusive frankierter Rückumschläge, enthielten. Diese wurden
dann von den Vereinen selbständig an ihre Mitglieder verschickt. Das
Anschreiben enthielt die Bitte, den zweiten Fragebogen an einen Freund
oder Bekannten weiterzugeben (ca. 210 Fragebögen). Andere Initiativen
erhielten pauschal ein Paket Fragebögen und wurden gebeten, diese
an ihre Mitglieder zu verteilen oder auszulegen (ca. 80). Einen Sonderfall
stellt die Verteilung von 80 Fragebögen dar, die über eine Kontaktperson
an die Mitglieder eines schwulen Freizeitvereins in einer Großstadt
ausgegeben wurden. Dieser Modus ist zwar weniger persönlich, als das
oben beschriebene Schneeballsystem, andererseits weniger anonym als eine
Briefsendung und damit eventuell der Compliance förderlich.
Drittens wurden Fragebögen bei Tanzveranstaltungen ausgelegt (ca.
110). Insgesamt konnten mit verschiedenen Methoden 600 Fragebögen
verteilt werden.
3.3
Beschreibung des Fragebogens
3.3.1
Soziodemographische und biographische Daten
3.3.2
Sexuelles Verhalten und Kondomgebrauch
3.3.1
Soziodemographische und biographische Daten
An soziodemographischen Daten wurden Geschlecht, Alter, höchster
Ausbildungsabschluß, berufliche Stellung, Familienstand, Wohnortgröße
und Wohnform1 erhoben. Die Formulierung
und Skalierung dieser Fragen orientierte sich, falls möglich, an der
Arbeit von Bochow (1994), um die Untersuchung vergleichbar zu machen. Eine
gekürzte und auf Vaginalverkehr ausgeweitete Version des Fragebogens
ist im Internet abrufbar (Susenbeth 1999). Der in der Untersuchung verwendete
Fragebogen findet sich auszugsweise im Anhang, soweit die erhobenen Daten
hier besprochen werden.
Speziell für eine Stichprobe vornehmlich homosexueller Männer
sollten einige biographische Daten, die partiell auch Rückschlüsse
auf das Stigmamanagement des Individuums zulassen, betrachtet werden. Im
Besonderen wurde das retrospektive Erleben und die Bewertung des eigenen
Coming Outs erhoben, wofür eine Skala aus der Arbeit von Kolbe (1988)
übernommen wurde. Wie in den Befragungen Bochows (1994) wurde versucht,
das Maß der soziokulturellen Integration in schwule Netzwerke zu
erfassen. Es wurde nach dem Anteil homosexueller/schwuler Männer am
Freundeskreis gefragt sowie nach der Häufigkeit von Besuchen in "Treffpunkten
und Einrichtungen mit überwiegend homosexuellem Publikum",
wie Cafés, Lederlokalen, Saunen, Freizeitinitiativen u.a.2.
3.3.2 Sexuelles
Verhalten und Kondomgebrauch
Allgemein wurde nach der Anzahl der Sexualpartner/-partnerinnen in den
vergangenen zwölf Monaten gefragt und ob es sich bei diesen um Männer,
Frauen oder beide gehandelt hatte. Dabei interessierte auch die Selbstbeschreibung
der sexuellen Orientierung. Weiter wurde nach bisherigen Behandlungen wegen
Geschlechtskrankheiten und Erkrankungen an Hepatitiden bzw. entsprechenden
Schutzimpfungen gegen HBV und HAV gefragt, ferner, ob bereits ein HIV-Antikörper-Test
gemacht wurde und falls ja, mit welchem Ergebnis. Es wurde Wert darauf
gelegt, den Fragenkatalog gleichermaßen für Männer und
Frauen sowie unabhängig von der sexuellen Orientierung zu formulieren.
Für die korrekte Bezeichnung HI-Virus wurde der umgangssprachliche
Terminus AIDS-Virus verwendet, entsprechend wurden die Teilnehmer
auch nicht nach einem HIV-Antikörper-Test, sondern einem "AIDS-Test"
gefragt, um der allgemeinen Verständlichkeit den Vorzug zu geben.
In den folgenden zwei Abschnitten des Fragebogens ging es um Bedingungen
und Umstände sexueller Kontakte mit gelegentlichen Partnern und Partnerinnen
(Abschnitt 1.00, siehe Anhang), zu denen keine feste Beziehung bestand,
sowie (falls vorhanden) um den festen Partner oder die feste Partnerin
(2.00). Dabei wurde erhoben, an welchen Orten3
Teilnehmer mit gelegentlichen Partnern und Partnerinnen Sex hatten, mit
welchen Gefühlen - romantisch versus
hedonistisch - diese Kontakte zustande
kamen, ob dabei der Themenkomplex HIV/Safer Sex kommuniziert wurde und
ob es zu Analverkehr kam. Falls innerhalb der letzten zwölf Monate
eine feste Partnerschaft bestanden hatte, wurde gefragt, wie lange die
Beziehung (zum Zeitpunkt der Befragung) bestand oder bestanden hatte und
ob noch andere sexuelle Kontakte zu Männern und/oder Frauen parallel
existiert hatten. Dabei interessierte auch, inwiefern die Teilnehmer mit
ihrem Partner oder ihrer Partnerin über extramatrimoniale Kontakte
gesprochen hatten. Weiter wurde gefragt, ob beide Partner bereits einen
HIV-Ak-Test hatten durchführen lassen und ob ggf. das Ergebnis gleich
oder unterschiedlich gewesen war. Dann folgte die Frage, ob mit dem Partner
bzw. der Partnerin Analverkehr praktiziert worden war.
Schließlich wurde mittels einer fünfstufigen Likert-Skala
nach der Häufigkeit der Kondomverwendung gefragt bzw. nach diesbezüglich
bestehenden Intentionen und zwar getrennt für gelegentliche Partner/-innen
einerseits und für den festen Partner oder die feste Partnerin andererseits.
Es wurden zwei Algorithmen verwendet, nach denen die Teilnehmer entsprechend
den Stufen des TMC klassifiziert werden können. Im wesentlichen handelt
es sich um Übersetzungen aus US-amerikanischen Arbeiten (z. B. Grimley,
Riley et al. 1993). Die Algorithmen des Abschnitts für gelegentliche
Partner/-innen sind beispielhaft in Abbildung 3.1 dargestellt. Das Verfahren
zur Stufenbildung ist im Abschnitt 3.4.1 beschrieben.
Die Operationalisierung jener kognitiv-behavioralen Konstrukte, für
die eine Korrelation mit dem Verhaltenskriterium Kondomverwendung angenommen
wird, ist ausführlich in Kapitel 2 beschrieben. Es wurde ferner die
wahrgenommene Vulnerabilität bzw. der optimistische Bias mit vier
Items erhoben (6.00).
3.4
Methoden zur Hypothesentestung
3.4.1
Beschreibung des Verhaltensmaßes Kondomgebrauch
3.4.2
Kondomgebrauch, sexuelles Verhalten und soziodemographische Variablen
3.4.3
Kondomgebrauch und kognitive Konstrukte
3.4.4
Korrelationen der Skalen untereinander
3.4.5 Prädiktionskraft
der Skalen
3.4.1 Beschreibung
des Verhaltensmaßes Kondomgebrauch
Das Vorkommen anal-genitaler Praktiken sollte nur für gleichgeschlechtliche
Paare betrachtet werden. Die Teilnehmer, die mit ihrem festen Partner oder
gelegentlichen Partnern Analverkehr hatten, wurden für jeden Partnertyp
entsprechend den fünf Antwortmöglichkeiten des Algorithmus 1
(Abbildung 3.1) einer der fünf Stufen zugeordnet. Für die Preparation-Stufe
wurde zusätzlich gefordert, daß schon einmal der Versuch der
Verhaltensänderung unternommen worden war, d. h. Algorithmus 2 sollte
einen Wert größer als 3 (gelegentliche Kondomverwendung) aufweisen,
sonst fand eine Zuordnung zur Contemplation-Stufe statt (vgl. Harlow et
al. im Druck; Grimley, Prochaska et al. 1995). Da sich bei ersten Berechnungen
zeigte, daß nur ein Individuum der Preparation-Stufe zuzuordnen wäre,
wurde diese mit der Contemplation-Stufe zusammengefaßt (Redding 1993).
Daraus ergab sich für die Stufenzuordnung der Teilnehmer das in Abbildung
3.1 dargestellte Klassifizierungsschema.
Ein Problem des Erhebungsinstruments stellte der Umstand dar, daß
die untersuchten Konstrukte nicht getrennt für feste und gelegentliche
Partner erfragt wurden (ausgenommen Selbstwirksamkeitserwartung), so daß
unklar bleibt, auf welchen Partnertyp z. B. wahrgenommene Vorteile primär
bezogen wurden oder ob die Angaben ein quasi arithmetisches Mittel der
unterschiedlichen Einstellungen zur Sexualität mit gelegentlichen
versus festen Partnern darstellen. Wahrscheinlich ist es so, daß
Antworten auf undifferenzierte Fragen eher auf den festen Partner bezogen
werden (vgl. Harlow et al. im Druck). Für die Überprüfung
der theoretischen Validität des Modells im Rahmen dieser Arbeit war
es also notwendig, eine Teilstichprobe zu bilden, bei der einstellungsbezogene
Ambivalenzen, die aufgrund unterschiedlichen Verhaltens bei verschiedenen
Partnertypen auftraten oder dazu führten, ausgeschlossen werden konnten.
| 1.7 |
Haben Sie mit diesen
Partnern/-innen beim Analverkehr ("Arschficken") immer ein
Kondom verwendet? |
| Precontemplation |
Nein, und ich habe nicht vor, in
den nächsten 6 Monaten damit zu beginnen. |
| Contemplation |
Nein, aber ich habe vor, in den
nächsten 6 Monaten damit zu beginnen. |
| Contemplation |
Nein, aber ich habe vor, in den
nächsten 30 Tagen damit zu beginnen. |
| Action |
Ja, aber erst seit weniger als
6 Monaten. |
| Maintenance |
Ja, seit mehr als 6 Monaten habe
ich immer ein Kondom beim Analverkehr verwendet. |
| 1.8 |
Falls nicht immer:
Wie häufig haben Sie beim Analverkehr ein Kondom verwendet? |
| 1 nie 2 fast nie 3 gelegentlich
4 fast immer 5 habe immer Kondome verwendet. |
-
Abbildung
- 3.1 Algorithmus 1(1.7) und 2 (1.8) für gelegentliche Partner/-innen.
Insgesamt ließen sich jene Teilnehmer, die Analverkehr praktiziert
hatten, in drei Teilmengen aufteilen: Teilnehmer, die nur mit gelegentlichen
Partnern Analverkehr praktiziert hatten (G), Teilnehmer,
die nur mit ihrem festen Partner Analverkehr gehabt hatten (F),
was gelegentliche Kontakte mit anderen sexuellen Praktiken nicht ausschließt
und Teilnehmer, die in den zwölf Monaten vor der Befragung sowohl
Analverkehr mit einem festen als auch gelegentlichen Partnern praktiziert
hatten (GF). Diese unterteilten sich in solche, die hinsichtlich
der Kondomverwendung für beide Partnertypen der (a) gleichen Stufe
zugeordnet wurden und solche, die je nach Partnertypus (b) unterschiedlich
konsistent Kondome verwendet hatten bzw. unterschiedliche Intentionen diesbezüglich
aufwiesen.
Die nun neu gebildete Teilstichprobe MIX wurde aus den
drei Teilmengen zusammengesetzt, allerdings wurden jene Teilnehmer aus
GF ausgeschlossen, die je nach Partnertyp einer unterschiedlichen
TMC-Stufe zuzuordnen waren. Beispiel: Teilnehmer, die mit gelegentlichen
Partnern Kondome schon lange verwendet hatten (Maintenance), dies mit ihrem
festen Partner aber lediglich planten (Contemplation), wurden von MIX ausgeschlossen.
Ferner wurden alle Teilnehmer, die anal-genitale Kontakte mit
gelegentlichen Partnern gehabt hatten, entsprechend der beiden Teilmengen
G und GF unter der Bezeichnung GGF zusammengefaßt.
Analog wurden alle Teilnehmer, die mit einem festen Partner
Analverkehr praktiziert hatten unter der Bezeichnung FGF
zusammengefaßt.
3.4.2 Kondomgebrauch,
sexuelles Verhalten und soziodemographische Variablen
Neben den psychologischen Konstrukten, für die eigene Skalen entwickelt
wurden (siehe 3.4.3), gab es andere Variablen, deren Korrelation mit dem
Verhaltensmaß Kondomgebrauch untersucht werden sollte. Dafür
wurden, um die Zellenbesetzung zu erhöhen, die vier Stufen des TMC
zu zweien zusammengefaßt: Die Befragten wurden entweder der Gruppe
konsequenter Kondomgebraucher zugeordnet, die sich aus den Individuen der
Action- und Maintenance-Stufe zusammensetzten (AM) oder der
Gruppe derer, die Kondome gar nicht, gelegentlich oder fast immer verwendet
hatten, also sich auf der Precontemplation- oder Contemplation-Stufe befanden
(PC). Eine detaillierte Untersuchung aller vier Stufen des TMC
ist bei geringen Zellenbesetzungen nur für reliable Skalen sinnvoll
und machte auch inhaltlich nicht bei allen der im folgenden besprochenen
Variablen Sinn. Für den Zusammenhang von Kondomgebrauch und der Häufigkeit
von Geschlechtskrankheiten beispielsweise ist die Intention unerheblich.
Eine Ausnahme bestand aufgrund der empirisch begründeten Hypothesen
für die Vulnerabilität,.
Statistische Tests wurden aus o. g. Gründen überwiegend für
die Gruppe MIX durchgeführt. Für einige Variablen wurden jedoch
auch (GGF) alle Teilnehmer, die gelegentliche Partner gehabt hatten und
(FGF) alle Teilnehmer die einen festen Partner gehabt hatten, betrachtet
(s. u.). Je nach Skalenniveau der Variablen wurden verschiedene Tests verwendet.
Für Variablen mit Intervallskalierung wurde der T-Test (vgl.
Brosi-
us & Brosius 1995: 401ff.) zur Überprüfung der Nullhypothese
(H0) verwendet, die hier besagte, daß verschiedengradige
Ausprägungen einer Variablen bei Kondomgebrauchern bzw. Nichtgebrauchern
zufällig sind. Dabei wurde vorher auf Grundlage des Kolmogorov-Smirnov-(Goodness
of Fit)-Testes (Brosius & Brosius 1995: 517) überprüft, ob
die zu untersuchende Variable innerhalb der verglichenen Gruppen Normalverteilung
aufwies. Das Signifikanzniveau wurde mit a
=25% angesetzt, um den b -Fehler für
die Annahme der Nullhypothese, die eine Normalverteilung annimmt, zu minimieren,
d. h., das Risiko, irrtümlich eine Normalverteilung anzunehmen, sollte
gering gehalten werden (vgl. Bortz 1989: 198). Erwies sich der Unterschied
zur Normalverteilungskurve als signifikant, wurde alternativ der Mann-Whitney-U-Test
verwendet.
Für Variablen, denen mutmaßlich Ordinalskalenniveau zugrunde
lag, wurde ein Zusammenhang mit der Kondomverwendung mit Hilfe des Mann-Whitney-U-Tests
(vgl. Brosius & Brosius 1995: 520ff.) überprüft, ebenso,
wenn bei Intervallskalierung keine Normalverteilung vorlag. Für Variablen
mit Nominalskalenniveau wurden Kreuztabellen verwendet und die Nullhypothese
mit dem Pearsonschen Chi2-Test überprüft. Bei erwarteten
Zellenbesetzungen unter n=5 in 2x2-Tabellen wurde die Signifikanz nach
Fishers exaktem Test berechnet (vgl. Brosius & Brosius 1995: 354ff.).
Es wurden folgende Recodierungen der Skalierung vorgenommen:
Der Antwortmodus der Frage zur Zusammensetzung des Freundeskreises
wurde von 1 (keine engeren Freunde) bis 4 (überwiegend homosexuelle/schwule
Männer) recodiert (Frage 0.22). Bei der Partneranzahl
wurde das Spektrum möglicher Angaben im Fragebogen auf vier Gruppen
reduziert; diese entsprechen Teilnehmern mit (1) 2-5 Partner/n/innen (N=47),
(2) 6-10 Partner/n/innen (N=31) und (3) 11-20 Partner/n/innen (N=17) und
(4) 21-50 Partner/n/innen (N=19). Damit wurden Teilnehmer ausgeschlossen,
die nur in einer einzigen festen Beziehung gelebt hatten. Das Impfverhalten
in Bezug auf Hepatits wurde dichotomisiert in (1) keine Impfung und (2)
Impfung gegen HAV, HBV oder beides.
Bei den für die Teilmengen GGF, FGF und MIX zu verschiedenen Variablen
durchgeführten Signifikanztests wurde ggf. das Alpha-Fehler-Niveau
für multiple inhaltlich zusammenhängende Tests adjustiert, entsprechend
dem üblichen Vorgehen, dieses durch die Anzahl der durchgeführten
Tests zu teilen. Die exakte Berechnung findet sich bei Bortz (1989: 322).
Das inhaltsorientierte Vorgehen bei der Alpha-Adjustierung stellt einen
Kompromiß dar. Im Rahmen dieser Arbeit wurden zu viele Tests durchgeführt,
um das Alpha-Niveau global zu adjustieren. Dies hätte ein enormes
Ansteigen des Beta-Fehlers, der Wahrscheinlichkeit, die richtige Alternativhypothese
fälschlich zu verwerfen, zur Folge gehabt. Die Alpha-Fehler-Adjustierung
wurde deshalb nur für Hypothesentestungen vorgenommen, nicht für
explorative Analysen, die der Hypothesengenerierung dienen. Dies
ist dann der Fall, wenn nach Zusammenhängen zwischen zwei Variablen
gesucht wird, jedoch zuwenig Befunde vorliegen, um aufgrund theoretischer
Vorüberlegungen oder vorhandener empirischer Befunde die Wahl gerade
einer bestimmten Hypothese begründen zu können. Um bei multiplen
Signifikanztests das Risiko zufälliger Befunde zu minimieren, ist
nicht nur die Alpha-Niveau-Adjustierung sinnvoll, sondern auch eine theoriegeleitete
Aufstellung der Hypothesen. Ein willkürliches Aufstellen von Hypothesen,
um die Vorteile des konfirmatorischen Vorgehens (Hypothesenbestätigung
oder -verwerfung) auszunutzen, ist nicht korrekt. Der Wert der Teststatistik
(z. B. chi2) und die ihm zugeordnete Wahrscheinlichkeit (p)
dienen im Rahmen eines explorativen Vorgehens lediglich als Informationsgrundlage
zur Formulierung von Hypothesen, die in künftigen Untersuchungen überprüft
werden müssen (vgl. Farin 1995: 169).
Ferner ist zwischen ein- und zweiseitigen Hypothesen zu unterscheiden.
Einseitige Hypothesen geben die Richtung des vermuteten Zusammenhangs vor
(z. B.: Je größer der Wohnort, desto häufiger der Besuch
subkultureller Einrichtungen), zweiseitige Hypothesen sind ungerichtet
(z.B.: Vulnerabilität und Kondomverwendung korrelieren miteinander).
Entsprechend wurde die etwa beim Mann-Whitney-U-Test zweiseitig ausgegebene
Wahrscheinlichkeit (two-tailed p) für ein irrtümliches
Zurückweisen der Nullhypothese (kein Zusammenhang) halbiert, wenn
eine gerichtete Hypothese überprüft wurde (vgl. Bortz 1989: 153f.).
Gruppe GGF. Verglichen wurden entsprechend der unter 3.1 formulierten
Hypothesen die konsequenten Kondomverwender (GGFam) mit jenen,
die nicht konsequent Kondome verwendeten (GGFpc), hinsichtlich
folgender Variablen:
-
Alter (T-Test, einseitig).
-
Kommunikation über HIV/Safer Sex (Frage 1.5 im Fragebogen, T-Test,
einseitig).
-
Wahl bestimmter Lokalitäten für sexuelle Handlungen (Frage 1.3).
Berücksichtigt wurde nur (1) die Wohnung des Teilnehmers bzw. des
Partners oder der Partnerin und (2) Sauna, Darkroom etc. Prostitutive und
sonstige Einrichtungen oder Orte hatten quantitativ keine Bedeutung in
der Stichprobe (Mann-Whitney-U-Test; a
´= 0.05 / 2 = 0.025, einseitig).
-
Emotionen bei der Kontaktaufnahme (Frage 1.4) mit vier Items (Mann-Whitney-U-Tests,
a ´= 0.05 / 4 = 0.0125, einseitig).
Gruppe FGF. Verglichen wurden die Untergruppen FGFam und
FGFpc hinsichtlich folgender Variable:
-
Alter. Dies wurde (1) mit dem T-Test überprüft (einseitig) sowie
mittels (2) Chi2 - 4-Felder-Test (einseitig), indem zwei gleich
große Gruppen (n=17) verglichen wurden, die einerseits die jüngsten
(< 25 Jahre), andererseits die ältesten (> 32 Jahre) Teilnehmer
enthielten.
Gruppe MIX. Verglichen wurden entsprechend der unter 3.1 beschriebenen
Hypothesen die Untergruppen MIXam und MIXpc
hinsichtlich folgender Variablen:
-
Alter (T-Test, einseitig).
-
Impfverhalten (Chi2 -Test, vier Felder, einseitig).
-
Behandlung(en) wegen sexuell übertragbarer Krankheiten (Chi2-Test,
vier Felder, einseitig).
-
Vulnerabilität (6.1 - 6.4). Hier wurden Teilnehmer mit einem bekannten
positiven HIV-Ak-Testergebnis ausgeschlossen und (1) vier Einzeltests
für die vier Items durchgeführt, um Precontemplation und Contemplation
zu vergleichen (Mann-Whitney-U-Test, zweiseitig). Das adjustierte Alpha-Niveau
beträgt entsprechend a ´=
0.05 / 4 = 0.013. Dasselbe wurde für den Vergleich zwischen Action
und Maintenance durchgeführt. (2) Analog wurden Kruskall-Wallis-Tests
für die Partnerzahl durchgeführt. (3) Ferner sollte betrachtet
werden, ob das Risiko an AIDS zu erkranken, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung
höher eingeschätzt wurde als zur eigenen sozialen Gruppe homosexueller
Männer. Dafür wurde der Friedmann-Test für mehrere verbundene
Stichproben durchgeführt. Ein Wilcoxon-Test für zwei verbundene
Stichproben (vgl. Brosius & Brosius 1995: 532f.) wurde durchgeführt,
um das wahrgenommene Erkrankungsrisiko und das wahrgenommene Risiko des
praktizierten Verhaltens zu vergleichen (Items 6.3 und 6.4).
-
Der Anteil schwuler Männer am Freundeskreis (Mann-Whitney-U-Test,
einseitig).
-
Häufigkeit des Besuchs subkultureller Einrichtungen (Mann-Whitney-U-Test).
Hierbei wurden insgesamt fünf Einzeltests einseitig für den Besuch
von (1) Cafés, Bars und Diskos, (2) Lederlokalen und -clubs, (3)
Freizeitgruppen und Initiativen sowie zweiseitig für den Besuch von
(4) Klappen und Parks und (5) Saunen durchgeführt. Das adjustierte
a -Niveau beträgt entsprechend a
´= 0.05 / 5 = 0.01.
3.4.3 Kondomgebrauch
und kognitive Konstrukte
Eine Varianzanalyse für die einzelnen Faktoren (Skalen) der kognitiven
Konstrukte sollte zeigen, ob signifikante Unterschiede zwischen den Individuen
verschiedener TMC-Stufen (Gruppe MIX) bestanden. Dem wurde die oben beschriebene
Einteilung in (1) Precontemplation, (2) Contemplation, (3) Action und (4)
Maintenance zugrunde gelegt. Angestrebt wurden One-Way ANOVAs einschließlich
multipler a posteriori Vergleichstests nach Scheffé. Dafür
gelten jedoch zwei Voraussetzungen (Brosius & Brosius 1995: 418): Normalverteilung
der abhängigen Variable innerhalb der Grundgesamtheiten und homogene
Varianzen zwischen den Grundgesamtheiten, die den zu vergleichenden Gruppen
(hier: Individuen einer Stufe) zugrunde liegen. Normalverteilung wurde
mit dem Kolmogorov-Smirnov-Test überprüft (s. o.). Die Varianzen
wurden mit Hilfe des Levene-Tests verglichen. Analog wurde bei einem signifikanten
Ergebnis Varianzinhomogenität angenommen. Da diese Voraussetzungen
bei mehreren Skalen verletzt wurden, wurde auf die ANOVA verzichtet und
grundsätzlich als alternatives Verfahren der non-parametrische Kruskall-Wallis-H-Test
eingesetzt. Deutete dieser ein signifikantes Ergebnis an, wurden, wenn
a priori keine Hypothesen über bedeutende Stufenunterschiede bestanden,
a posteriori für die größten interessierenden Differenzen
zwischen zwei Gruppen Mann-Whitney-U-Vergleichstests durchgeführt,
und das Alpha-Niveau adjustiert mit alpha´= alpha / n.
Zuerst wurden die Mittelwerte der Subskalen berechnet. Dabei wurde maximal
ein fehlender Wert toleriert, wenn die Skala mehr als fünf Items umfaßte.
Anschließend wurden die so gebildeten Rohwerte in T-Werte (M = 50,
SD = 10) umgerechnet. In dieses Verfahren gingen alle Teilnehmer ein, die
entweder mit gelegentlichen Partnern und/oder mit einem festen Partner
Analverkehr gehabt hatten und einer Stufe zugeordnet werden konnten. Damit
gingen in die Berechnung der T-Werte mehr Teilnehmer ein als in die Analysen
für den Stufenvergleich - für
diese wurden nur Teilnehmer, die der Gruppe MIX zugeordnet werden konnten,
berücksichtigt. Da eventuell weitere Analysen gerechnet werden, die
hier nicht Thema sind, wurden einheitliche T-Werte für alle Teilnehmer
mit anal-genitalen Kontakten angestrebt. Deshalb liegen die mittleren T-Werte
der Skalen für die Gruppe MIX nicht exakt bei 50, sondern etwas darüber
oder darunter. Folgende Skalen wurden für die Gruppe MIX untersucht:
(1) Wahrgenommene Vorteile, (2) erlebensbezogene Nachteile, (3) beziehungsbezogene
Nachteile, (4) Selbstwirksamkeitserwartung bei gelegentlichen Partnern
(5) Selbstwirksamkeitserwartung bei dem festen Partner, (6) subjektive
Präventionsstrategien hinsichtlich Vertrauen und Treue, (7) subjektive
Präventionsstrategien hinsichtlich Partnerselektion. Kognitiv-behaviorale
Veränderungsprozesse hinsichtlich (8) Behavioraler Strategien, (9)
Besorgnis, (10) Neubewertung, (11) sozialer Unterstützung, (12) Stimulus
Kontrolle, (13) Spielerischen Umgangs, (15) Selbstverstärkung, (16)
Informationssuche sowie (17) Positiven Coming Out - Erlebens, (18) Negativen
Coming Out - Erlebens, (19) SESA.
3.4.4 Korrelationen
der Skalen untereinander
Zur Betrachtung von Korrelationen der Skalen untereinander wurde der Spearman-Korrelationskoeffizient
Rho für alle Teilnehmer, die im Jahr vor der Befragung Analverkehr
gehabt hatten, berechnet. Auch hierbei handelt es sich um ein nonparametrisches
Verfahren, welches berücksichtigt, daß die Mehrzahl der Skalen
keine Normalverteilung aufweist (vgl. Brosius & Brosius 1995: 454f.).
Grundsätzlich zu unterscheiden sind wiederum (1) Hypothesentestungen
und (2) explorative Betrachtungen.
Hypothesen wurden getestet für die Zusammenhänge zwischen negativem
und positivem Coming Out-Erleben sowie dem SESA. Entsprechend den drei
durchgeführten Tests wurde das Signifikanzniveau auf alpha´=
0.05 / 3 = 0.017 festgelegt - als sehr
signifikant gelten Zusammenhänge mit p < 0.003. Fragebögen
wurden fallweise ausgeschlossen, wenn eine der drei Variablen fehlte.
Explorativ betrachtet wurden Korrelationen zwischen allen aufgeführten
Skalen.
3.4.5 Prädiktionskraft
der Skalen
Um zu überprüfen, ob mit den psychometrisch erhobenen Konstrukten
Vorhersagen zur Stufenzugehörigkeit -
Precontemplation, Contemplation, Action oder Maintenance -
möglich sind, wurde eine Diskriminanzanalyse durchgeführt. Dieses
Verfahren berechnet sogenannte Diskriminanzfunktionen, die eine lineare
Kombination der unabhängigen Variablen, in diesem Fall der kognitiven
Konstrukte, darstellen. Dabei werden für jedes Individuum Funktionswerte
berechnet, anhand derer es einer der zu unterscheidenden Gruppen, hier
also einer TMC-Stufe (abhängige Variable), zugeordnet werden kann.
Jeweils ein bestimmtes Intervall der Funktionswerte entspricht einer Gruppe.
Als Prüfgröße für die Brauchbarkeit einer Diskriminanzfunktion
wurde Wilks Lambda gewählt. Darin drückt sich aus, daß
sich die Diskriminanzfunktionswerte innerhalb einer Gruppe möglichst
wenig, zwischen den Gruppen jedoch möglichst stark unterscheiden sollen.
Berücksichtigt wurden dabei zunächst alle kognitiven Variablen,
die sich im Kruskal-Wallis-Test wenigstens grenzwertig signifikant (p<0.05)
als bedeutsam erwiesen hatten. Anschließend wurde mit diesen eine
schrittweise Diskriminanzanalyse durchgeführt.
Variablen wurden dann in die schrittweise Analyse aufgenommen, wenn
die Wahrscheinlichkeit des F-Wertes einer Variablen für die Hypothese,
daß sich die Mittelwerte dieser Variablen in den Stufen unterscheiden,
wenigstens p < 0.1 betrug. Anschließend wurde eine Variable für
den Fall p > 0.2 wieder ausgeschlossen. Damit sollten die bedeutungsvollen
von den weniger bedeutenden Variablen getrennt werden, wie auch insgesamt
das schrittweise Vorgehen gewährleisten soll, daß ein möglichst
günstiges Verhältnis zwischen Anzahl der eingesetzten Variablen
und der Güte der Vorhersageleistung erzielt wird. Zu bemerken ist,
daß dieses Verfahren streng genommen nicht zulässig ist, da
die Voraussetzungen wie Normalverteilung und Varianzhomogenität wahrscheinlich
verletzt werden, weshalb bisher, wie unter Kap. 4.4.3 beschrieben, auf
nonparametrische Verfahren ausgewichen wurde. Allerdings zeigte sich, daß
jene Variablen für die Diskriminanzfunktionen bedeutsam sind, die
auch im Stufenvergleich mit dem Kruskal-Wallis-Test die deutlichsten Effekte
zeigten.
Fehlende Skalenwerte wurden durch Mittelwerte ersetzt, für die
Ausgangswahrscheinlichkeit wurde eine gleichmäßige Verteilung
auf die Stufen angenommen.
Anschließend wurde eine Diskriminanzanalyse für die Gruppe
GGF gerechnet, da hier aufgrund der Partnertyp-spezifischen Erfassung auch
die Variable "Selbstwirksamkeitserwartung" Eingang finden konnte.