Vorbemerkung. Bei der folgenden Darstellung der soziodemographischen Daten und des sexuellen Verhaltens sollen die Ergebnisse dieser Untersuchung mit denen anderer Studien, die ebenfalls an Stichproben homo- und bisexueller Männer durchgeführt wurden, verglichen werden. Dafür kommen die Untersuchungen von Bochow (1994; N=2393 für Westdeutschland), Davies et al. (1993; N=930), Dannecker (1990; N=903) und Hutter/Koch (1995; N=111) in Frage. Diese werden bei Gelegenheit angeführt und wie folgt abgekürzt: Bochow=B, Davies=Dav, Dannecker=Dan, Hutter & Koch=H. Ferner ist zu beachten, daß alle Prozentangaben im Text gerundete Werte sind und andere Autoren teilweise andere Kategorien gebildet haben, entsprechend derer sie ihre Ergebnisse präsentieren. Beispielsweise unterscheidet Bochow (1994) zwischen einfachen/mittleren Angestellten und höheren/leitenden Angestellten. In der vorliegenden Arbeit wurde dies nicht differenziert und bezüglich der beruflichen Stellung nur das Kriterium angestellt in Abgrenzung zu selbständig erhoben. Ebenso fragt Bochow nach heterosexuellem versus homosexuellem Verhalten, wohingegen in dieser Arbeit nach sexuellen Kontakten zu Männern versus Frauen gefragt wurde. Das bedeutet für die Gegenüberstellung der Befunde dieser Arbeit mit den Daten anderer Studien, (1) daß letztere ggf. umgerechnet wurden, um Vergleichbarkeit zu ermöglichen, insbesondere bei tabellarischen Darstellungen, und (2) daß sinngemäß vergleichbare Kategorien nur unter der in dieser Arbeit verwendeten Bezeichnung aufgeführt werden. Auf dieses Vorgehen sei hingewiesen, um Irritationen beim Nachschlagen eben dieser angeführten Originalarbeiten zu vermeiden, da die vorgenommenen Veränderungen der Darstellung nicht im einzelnen benannt werden.
Die Wahrscheinlichkeit p des Alpha-Fehlers wird in der Darstellung mit einem Sternchen versehen, wenn es sich um eine einseitige Hypothesentestung handelt: *p. Bei **p handelt es sich um ein zweiseitiges Signifikanzniveau.
|
Altersverteilung
|
N=167
in %
|
n
|
B: N=2393
in %
|
N=167 |
B
N=2393
|
Dav
N=930
|
|
| unter 25 Jahre |
22.2
|
37
|
15.6
|
Mittelwert | 29 Jahre |
33
|
32
|
| 25-34 Jahre |
62.2
|
104
|
52.2
|
Median | 29 Jahre |
30
|
29
|
| 35-44 Jahre |
13.2
|
22
|
20.4
|
Modalw. | 29 Jahre | ||
| über 44 Jahre |
2.4
|
4
|
11.1
|
Std. Abw. | 5.9 J. | ||
| keine Angaben |
0
|
0.3
|
Min-Max | 18-48 J. |
15-81
|
||
|
100%
|
167
|
100 %
|
Wohnortgröße. Beinahe die Hälfte der Teilnehmer, 45 % (B: 13), lebt zur Zeit in mittelgroßen Städten mit 20- bis 100tausend Einwohnern, was der Stadtgröße von Marburg und Gießen entspricht. Ungefähr ein Viertel, 27 % (B: 56), lebt in Großstädten mit mehr als 500tausend Einwohnern. In kleineren Großstädten mit 100- bis 500tausend Einwohnern sowie in Dörfern und Kleinstädten mit weniger als 20tausend Einwohnern leben jeweils 14 %. Wohnform. 47 % der Teilnehmer wohnen alleine (B: 57); in Wohngemeinschaften leben 31 % (B: 14) und mit ihrem festen Partner bzw. ihrer Partnerin zusammen 13 % (B: 22). Bei den Eltern wohnen noch 7 % (B: 7) und sonstige oder keine Angaben machten zusammen 2 % (B: 1). Falls die Teilnehmer Mitglieder einer Wohngemeinschaft sind, leben sie dort jeweils zu ungefähr einem Drittel zu zweit, zu dritt und mit mehr als drei Personen.
Aufgrund einer sexuell übertragbaren Krankheit waren bisher
insgesamt 19 % (n=32) bei einem Arzt in Behandlung, davon die Hälfte
nur einmal. Bei Bochow (1994) gaben 20 % an, einmal und 18 %, mehrmals
sexuell übertragbare Krankheiten gehabt zu haben, allerdings findet
sich dort nicht die Einschränkung, daß aus diesem Grund ein
Arzt konsultiert wurde. An Hepatitis B erkrankten bisher 7 Teilnehmer,
etwa 4 % (B: 11), an Hepatitis A 10 Personen (6 %). Davon weisen
je drei Individuen eine Krankengeschichte mit beiden Formen auf. Drei weitere
Teilnehmer (2 %) kannten nicht den Typ ihrer Gelbsucht, einer war an Non-A-Non-B
erkrankt. Insgesamt findet sich also in 10 % der Biographien eine Hepatitiserkrankung
des Typs A und/oder B. Geimpft sind knapp 6 % gegen HAV, 17 % gegen HBV
und 7 % gegen beide Formen. Einen HIV-Antikörper-Test ließen
28 % einmal und 36 % öfters durchführen (Tabelle 4-4). Bei knapp
einem Drittel, 31 % (B:~ 30), liegt der
letzte Test dabei innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre. Seropositiv
waren 10 % (B: 11; Dan: 18; Dav: 12) der Getesteten.
|
0.3
|
Welchen Ausbildungsabschluß haben Sie? |
N=167
in %
|
n
|
B
N=2393
in %
|
Dan N=895
in %
|
H N=111
in %
|
||
| 1 | Habe (noch) keinen Schulabschluß |
0.6
|
1
|
-
|
-
|
-
|
||
| 2 | Hauptschule, polytechn. Oberschule, etc. |
7.8
|
13
|
8.8
|
18.4
|
27.0
|
||
| 3 | Realschule, etc. (10. Klasse) |
14.4
|
24
|
20.7
|
23.8
|
31.5
|
||
| 4 | (Fach)Hochschulreife (Gymnasium,etc.) |
46.1
|
77
|
32.1
|
57.8*
|
16.2
|
||
| 5 | (Fach-) Hochschulstudium |
31.1
|
52
|
38.2
|
-
|
24.3
|
||
| keine Angaben |
0.3
|
-
|
0.9
|
|||||
| * schließt Hochschulabschlüsse ein |
100 %
|
167
|
100%
|
100%
|
100%
|
|||
|
0.4
|
Welche berufliche Stellung haben Sie gegenwärtig ? |
N=167
in %
|
n
|
B: N=2393
in %
|
Dan: N=836
in %
|
|
| 1 | angestellt (schließt Arbeiter mit ein) |
34.7
|
58
|
47.1
|
46.6
|
|
| 2 | beamtet |
4.2
|
7
|
8.8
|
10.5
|
|
| 3 | freiberuflich, selbständig |
9.0
|
15
|
15.3
|
12.7
|
|
| 4 | Schüler, Auszubildender |
5.4
|
9
|
4.4
|
6.6
|
|
| 5 | arbeitslos (erwerbslos) |
6.6
|
11
|
4.2
|
1.9
|
|
| 6 | Student |
34.7
|
58
|
21.4
|
17.8
|
|
| 7 | Sonstiges: |
5.4
|
9
|
3.0
|
3.9
|
|
| * Bei B : Doppelnennungen |
100 %
|
167
|
*
|
100 %
|
| 0.11 | Haben Sie schon einmal einen HIV-Antikörper-Test (sog. "AIDS-Test") machen lassen? |
N=167
in %
|
n
|
B: N=2393
in %
|
Dan: N=(903)
in %
|
|
| 1 | Ja |
65.3
|
109
|
69.2
|
57
|
|
| 2 | Nein |
34.1
|
57
|
30.1
|
43
|
|
| Keine Angaben |
0.6
|
1
|
0.8
|
-
|
||
|
100 %
|
167
|
100 %
|
100 %
|
4.2.1 Allgemeines Sexualverhalten und sexuelle Orientierung
4.2.2 Gelegentliche Partner und Partnerinnen (GGF)
4.2.3 Feste Partner und Partnerinnen (FGF)
4.2.4 Gelegentliche und/oder feste Partner (MIX)
Insgesamt 122 Teilnehmer (73 %, B: 81 %) hatten anal-genitale Sexualkontakte angegeben, die Angaben zum Stufenalgorithmus fehlten bei 10 Personen, so daß 112 Personen (68 %) einer TMC-Stufe zugeordnet werden konnten.
Die Verteilung auf die in Kap. 3.4.1 beschriebenen Teilmengen ist wie folgt: 28 Teilnehmer hatten nur mit gelegentlichen Partnern anal-genitale Kontakte (G), 44 Teilnehmer hatten anal-genitalen Sex nur mit einem festen Partner (F) und 40 Teilnehmer hatten dies sowohl mit gelegentlichen als auch festen Partnern (GF).
68 der 76 Teilnehmer konnten hinsichtlich der Konsistenz des Kondomgebrauches bei gelegentlichen Partnern mit Algorithmus 1 (Kap. 3.4) einer TMC-Stufe zugeordnet werden (Tabelle 4-8). Die Untergruppe jener, die immer Kondome verwendet hatten, also Action oder Maintenance angehören, umfaßt 56 Individuen (= Gruppe GGFam). Die Gruppe jener, die dies nicht immer getan hatten, also Precontemplation oder Contemplation zugeordnet werden können, umfaßt 12 Individuen (=Gruppe GGFpc). Von diesen hatten 2 Befragte nie, 3 fast nie, 4 gelegentlich und 2 fast immer Kondome mit gelegentlichen Partnern verwendet. Bei einem Teilnehmer fehlte diese Information.
Orte. Sexualität mit gelegentlichen Partnern und Partnerinnen fand überwiegend in der Wohnung des Teilnehmers bzw. seines Partners oder seiner Partnerin statt, 49% gaben an, daß dies (fast) immer der Fall gewesen sei. Ein Viertel der Befragten, 25 %, gab hierfür (fast) immer sexueller Kontaktaufnahme dienende Räume schwuler Subkultur - Saunen, Parks, etc.- an (Tabelle 4-6). Die Häufigkeit sexueller Kontakte in privaten Wohnungen gegenüber den genannten halb-öffentlichen Orten zeigte keine Korrelation mit konsequenter Kondomverwendung (GGFpc versus GGFam.).
Emotionen. Bei den sexuellen Kontakten stand der Wunsch nach
einem sexuell aufregenden und befriedigenden Erlebnis im Vordergrund,
58 % gaben an, mit diesem Gefühl (fast) immer die Kontakte
aufgenommen zu haben. Das Gefühl, verliebt zu sein und auf eine feste
Beziehung zu hoffen, begleitete hingegen (fast) immer nur 16 % (siehe
Tabelle 4-7). Hinsichtlich dieser Emotionen wie auch bezüglich der
Kommunikation über HIV/Safer Sex unterschieden sich GGFpc
und GGFam nicht. Mit gelegentlichen Partnern und Partnerinnen
immer über Kondome, AIDS oder Safer Sex gesprochen zu haben,
gaben 8 % an, fast immer 20 %, gelegentlich 33 %, fast
nie 21 % und nie 19 %.
| 0.13 | Mit wievielen Menschen hatten Sie sexuelle Kontakte in den vergangenen 12 Monaten? |
N=167
in %
|
n
|
**AV+
n 123
in %
|
**AV-
n 37
in %
|
B
N=2393
* in %
|
Dan
N=903
* in %
|
Dav
N=930
* in %
|
|
| 1 | mit keinem |
2.4
|
4
|
-
|
-
|
2.6
|
2.1
|
6.3
|
|
| 2 | mit einem einzigen |
17.4
|
29
|
13.0
|
29.7
|
16.3
|
15.0
|
14.6
|
|
| 3 | mit 2-5 |
31.1
|
52
|
28.5
|
45.9
|
29.7
|
33.1
|
(2-10):
|
|
| 4 | mit 6-10 |
20.4
|
34
|
23.6
|
13.5
|
16.1
|
18.3
|
56.2
|
|
| 5 | mit 11- 20 |
11.4
|
19
|
13.8
|
5.4
|
14.0
|
13.0
|
(11-50) :
|
|
| 6 | mit 21 -50 |
12.6
|
21
|
16.3
|
2,7
|
13.9
|
11.5
|
20.1
|
|
| 7 | mit mehr als 50 |
4.2
|
7
|
4.9
|
2.7
|
6.9
|
6.6
|
2.8
|
|
| keine Angaben |
0.6
|
1
|
-
|
-
|
0.5
|
0.5
|
-
|
||
|
100%
|
167
|
100 %
|
100 %
|
100 %
|
100 %
|
100 %
|
|||
| *
** |
nur männliche
Partner
Jene Befragten, die Analverkehr praktizieren (AV+) unterscheiden sich von jenen, die dies nicht mtun (AV-), durch höhere Partnerzahlen in den letzten 12 Monaten (chi2=14.7, p < 0.05). |
||||||||
| An welchem Ort hatten Sie Sex mit diesen Partnern/innen? (in %) |
|
|
|
| - überwiegend bei mir, oder dem/der anderen in der Wohnung (N=130) |
|
|
|
| - Sauna, Darkroom, Park, Klappe etc. (N=125) |
|
|
|
| Mit welchen Gefühlen haben Sie Ihre sexuellen Kontakte aufgenommen? (in %) |
(fast)
immer
|
gelegent.
|
(fast)
nie
|
| - ich wollte einfach nur den reinen "Trieb" abreagieren. (N=125) |
37.6
|
41.6
|
20.8
|
| - ich wollte eine/n Partner/in finden. (N=121) |
14.9
|
46.3
|
38.8
|
| - ich suchte ein sexuell aufregendes und befriedigendes Erlebnis. (N=127) |
57.5
|
35.4
|
7.1
|
| - ich war verliebt und hoffte auf eine zukünftige feste Beziehung. (N=121) |
15.7
|
23.1
|
61.2
|
| Verteilung auf die TMC-Stufen (% / n) |
|
|
|
|
| GGF: Kondomgebrauch mit gelegentlichen Partnern (N=68) |
|
|
|
|
| FGF: Kondomgebrauch mit festem Partner (N=84) |
|
|
|
|
| MIX: Kondomgebrauch mit festen und/oder gelegentlichen Partnern bei jeweils gleicher Stufenzuordnung. (N=96) |
|
|
|
|
75 % (Dan: 73) der 122 Teilnehmer mit einem festen Partner hatten mit diesem Analverkehr. 84 dieser 91 Teilnehmer konnten hinsichtlich der Kondomverwendung beim Analverkehr einer Stufe des TMC zugeordnet werden. Die Verteilung ist in Tabelle 4-8 dargestellt. Festzuhalten ist, daß die Beziehung der "Action" zugeordneten Teilnehmer nur in vier von vierzehn Fällen länger als sechs Monate andauert. Zehn Personen befinden sich also per definitionem in dieser Gruppe, weil sie aufgrund der Kürze ihrer Beziehung nicht Gelegenheit hatten, länger als sechs Monate konsequent Kondome zu verwenden. Auf dieses Phänomen wurde meines Wissens in den bisherigen Studien zum TMC noch nicht eingegangen.
Die folgenden Angaben beziehen sich, soweit nicht anders angegeben, auf die 122 Teilnehmer mit fester homosexueller Beziehung innerhalb des Jahres vor der Befragung. Bei insgesamt 49 % (B: 58) hatten gelegentliche sexuelle Kontakte zu anderen Männern bestanden, von diesen bei vier Teilnehmern ebenfalls zu Frauen. Diese vier bezeichneten sich selbst als homosexuell (n=1) und schwul (n=3). In unterschiedlichem Ausmaß wurde das Thema Seitensprünge mit dem festen Partner thematisiert. 17 % hatten darüber bisher nicht gesprochen, 23 % haben Monogamie vereinbart, 27 % eine offene Beziehung. 32 % konnten sich mit ihrem Partner nicht einigen. Eine detaillierte Analyse zeigte, daß nur 3 % derer mit extrapartnerschaftlichen Kontakten zu denen gehörten, die mit ihrem Partner ausdrücklich Monogamie vereinbart hatten. Paare, die immer Kondome verwendet hatten, lebten eher nicht monogam.
Einen HIV-Antikörper-Test hatten seit Bestehen der Partnerschaft 32 % (n=39) durchführen lassen. Die Mehrheit, 80 % (n=30), ließ dabei nur einmal einen Test durchführen. Insgesamt 32 % (n=38) gaben an, daß Ihr Partner einen Test hatte machen lassen, 42 % (n=50) verneinten dies und 26 % (n=31) wußten es nicht genau.
Von den 37 Teilnehmern, die nicht konsequent Kondome verwendet hatten (FGFpc), gaben 11 Teilnehmer an, mit ihrem Partner das gleiche Testergebnis zu haben (9 von 11 haben den Test während der Partnerschaft gemacht). Bei den übrigen 26 liegt hierüber keine Information vor. Dies kann nicht als mangelnde Compliance gedeutet werden, da die anderen Fragen dieses Abschnitts praktisch vollständig ausgefüllt sind, so daß davon auszugehen ist, daß der Teststatus den Teilnehmern nicht bekannt ist. Übrigens ist in dieser Gruppe kein Teilnehmer seropositiv getestet. Die Häufigkeit der Kondomverwendung stellt sich folgendermaßen dar: 18 Teilnehmer verwendeten nie Kondome, 7 fast nie, 6 gelegentlich, 2 fast immer und bei 4 Teilnehmern fehlt diese Angabe.
Ein deutlicher Altersunterschied zeigte sich zwischen FGFpc und FGFam. Erstere wies ein geringeres Durchschnittsalter auf (2.7 Jahre; t= -2.4, df=82, *p=0.0085). Vergleicht man die Gruppe der unter 25 Jahre alten Teilnehmer mit denen über 32 Jahre, die beide jeweils 17 Personen umfassen, so ist das anteilige Verhältnis von Kondomgebrauchern zu Nicht-Gebrauchern exakt umgekehrt und zwar 5:12 bei der jüngeren Gruppe (chi2=5.76, df=1, *p=0.019).
Der Anteil schwuler Männer am Freundeskreis korreliert
positiv mit konsequenter Kondomverwendung (a
´= 0.025, z= -2.33, *p=0.0098) und mit der Wohnortgröße
(z=-2.35, *p=0.0094). Für die Häufigkeit des Besuchs
subkultureller Einrichtungen ergaben sich sehr signifikant positive
Zusammenhänge mit der Zugehörigkeit zu MIXam für
(1) Cafés, Bars und Discos (a
´= 0,008, z= -3.54,*p=0.0002) und (2) Lederlokale und
-clubs (z= -3.08,*p=0.001). Keine Zusammenhänge zeigten sich für
andere Lokalitäten.
4.3.1 Entscheidungsbalance
4.3.2 Selbstwirksamkeitserwartung
4.3.3 Subjektive Präventionsstrategien
4.3.4 Veränderungsprozesse
4.3.5 Vulnerabilität
4.3.6 Coming Out - Erleben und SESA
4.3.7 Korrelationen von Skalen und sozialen Variablen untereinander (explorativ)
4.3.8 Prädiktionskraft der untersuchten Konstrukte
Vorbemerkung. Die Tabellen stellen für jede Stufe - Precontemplation (PC), Contemplation (C), Action (A) und Maintenance (M) - die standardisierten Skalenmittelwerte in der ersten Zeile dar, die zweite Zeile enthält die Standardabweichung, die dritte/letzte Zeile die jeweilige Zellenbesetzung. In den beiden rechten Spalten sind die Chi2-Werte samt Signifikanz für den Vergleich zwischen allen vier Stufen mit dem Kruskal-Wallis-H-Test angeführt. Die Ergebnisse der Einzelvergleiche mit dem U-Test (z-Werte) finden sich im Text. Das adjustierte Alpha-Niveau (a ´=a /n) ergibt sich aus der Zahl der beschriebenen Stufenvergleich für jede Subskala und ist nicht jedesmal angegeben. Meist wurden zwei Hypothesen (vgl. Kap. 3.1) getestet (a ´=0.025).
|
|
|
|
|
|
chi2
|
p
|
||
| Nachteile - Erleben |
|
|
|
|
|
|
17.08
|
.0007
|
| (DBKCST) |
|
|
|
|
|
|
||
| Nachteile - Beziehung |
|
|
|
|
|
|
7.70
|
.0525
|
| (DBKCRT) |
|
|
|
|
|
|
||
| Vorteile |
|
|
|
|
|
|
7.68
|
.0531
|
| (DBKPT) |
|
|
|
|
|
|
||
|
|
|
|
|
|
|
Tabelle
- 4.10 Selbstwirksamkeitserwartung und die Stufen konsequenter Kondomverwendung
|
|
|
|
|
|
chi2
|
p
|
||
| Selbstwirksamkeit |
|
|
|
|
|
|
33.57
|
.0000
|
| feste Partner |
|
|
|
|
|
|
||
| (PFEFFT) |
|
|
|
|
|
|
||
| Selbstwirksamkeit |
|
|
|
|
|
|
|
|
| geleg. Partner |
|
|
|
|
|
|
||
| (PGEFFT) |
|
|
|
|
|
|
Explorative post hoc Vergleichstests zeigten, daß die Abnahme der Partnerselektion im wesentlichen zwischen Contemplation und Maintenance zu verzeichnen ist (z= -2.00, *p=0.023), was auf Vertrauen/Treue nicht zutrifft. Der Einsatz letztgenannter Strategie scheint sich schon während der Motivationsbildung zu reduzieren, d.h. mit Eintritt in die Contemplation-Phase (n.s.). Die standardisierten Skalenmittelwerte finden sich in Tabelle 4-11.
|
|
|
|
|
|
chi2
|
p
|
||
| Vertrauen / Treue |
|
|
|
|
|
|
14.81
|
.0020
|
| (SP_IT) |
|
|
|
|
|
|
||
| Partnerselektion |
|
|
|
|
|
|
6.27
|
.0991
|
| (SP_IIT) |
|
|
|
|
|
|
||
|
|
|
|
|
|
|
Abbildung - 4.4 Veränderungsprozesse und die Stufen
der Kondomverwendung.
Besorgnis (Vp_IIT), Selbstverstärkung (Vp_VIIT),
behaviorale Strategien (Vp_IT), Stimulus Kontrolle (Vp_VT), spielerischer
Umgang (Vp_VIT).
Im Einzelvergleich war für die Prozesse behaviorale Strategien, Stimulus Kontrolle, spielerischer Umgang und Selbstverstärkung die hypostasierte Zunahme zwischen Action und Maintenance nur tendenziell erkennbar (Tabelle 4-12 und Tabelle 4-13). Zwischen Contemplation und Maintenance nahmen die behavioralen Strategien sehr signifikant (z= -3.54, *p=0.0002, a ´= 0.025) und die Stimulus Kontrolle nahm signifikant zu (z= -2.51,*p=0.006). Eine Zunahme des spielerischen Umgangs zeigte sich tendenziell, eine Zunahme der Selbstverstärkung deutete sich an.
Ein explorativer Vergleich zwischen Precontemplation und Maintenance offenbarte eine Zunahme der Selbstverstärkung (z= -2.81, **p=0.0049); zwischen Precontemplation und Contemplation war diese nur andeutungsweise feststellbar. Dennoch scheint entsprechend der Grafik (vgl. Abbildung 4.4) die Zunahme der Selbstverstärkung am ehesten im Bereich der Intentionsbildung zu liegen, was hinsichtlich des kognitiven Charakters der Items (vgl. Kap. 2.2) schlüssig ist. Andererseits widerspricht diese Annahme der Hypothese, die eine kognitive Verstärkung der Habitualisierung annimmt.
Die Besorgnis stieg wie hypostasiert von Precontemplation nach Contemplation
an (z= -2.36, *p=0.009, a ´= 0.025); zwischen
Contemplation und Action nahm sie allenfalls tendenziell ab. Explorativ
wurden post hoc Precontemplation und Maintenance verglichen. Das Ergebnis
deutet eine Zunahme der Besorgnis über alle Stufen hinweg an
(z = -2.37, **p=0.018).
|
|
|
|
|
|
chi2
|
p
|
||
| Behav. Strategien |
|
|
|
|
|
|
24.55
|
.0000
|
| (Vp_IT) |
|
|
|
|
|
|
||
| Stimulus Kontrolle |
|
|
|
|
|
|
14.81
|
.0020
|
| (Vp_VT) |
|
|
|
|
|
|
||
| spiel. Umgang |
|
|
|
|
|
|
7.92
|
.0477
|
| (Vp_VIT) |
|
|
|
|
|
|
||
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
chi2
|
p
|
||
| Besorgnis |
|
|
|
|
|
|
10.22
|
.0168
|
| (Vp_IIT) |
|
|
|
|
|
|
||
|
|
|
|
|
|
|
|||
| Neubewertung |
|
|
|
|
|
|
2.77
|
.4277
|
| (Vp_IIIT) |
|
|
|
|
|
|
||
|
|
|
|
|
|
|
|||
| Soz. Unterstützung |
|
|
|
|
|
|
.36
|
.9482
|
| (Vp_IVT) |
|
|
|
|
|
|
||
|
|
|
|
|
|
|
|||
| Selbstverstärkung |
|
|
|
|
|
|
7.89
|
.0484
|
| (Vp_VIIT) |
|
|
|
|
|
|
||
|
|
|
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4.31
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.2298
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| (Vp_VIIIT) |
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Das eigene Risiko, später einmal an AIDS zu erkranken, wurde im Vergleich zu anderen Menschen um so geringer eingeschätzt, je mehr die Vergleichsgruppe dem eigenen Alter, Geschlecht oder der eigenen (homosexuellen) Orientierung entsprach (siehe Tabelle 4-14). Dabei wurde das eigene Risko im Vergleich zur Gesamtbevölkerung als (allerdings nur geringgradig) erhöht, im Vergleich zu anderen homosexuellen Männern als etwa gleich eingeschätzt. Dies reflektiert unter dem Aspekt, daß homosexuelle Männer eine Hauptbetroffenengruppe darstellen, eine realistische Wahrnehmung.
Das Ausmaß riskanter Verhaltensweisen wird hingegen im Sinne des optimistischen Bias im Vergleich mit anderen homo(bi)sexuellen Männern als geringer eingeschätzt. Dieser Zusammenhang ist signifikant (siehe Tabelle 4-14).
Zur Partnerzahl zeigte sich ein sehr signifikant positiver Zusammenhang
mit dem Item 6.1 (a ´=0.0125, chi2=16.7,
p=0.0008, N=114).
| 6. Wie hoch schätzen Sie Ihr persönliches Risiko ein, später einmal an AIDS zu erkranken? | |||
| "Verglichen mit anderen Menschen ... " | 1=viel niedriger. 2=eher niedriger. 3=gleich hoch. 4=eher höher. 5=viel höher | ||
| 6.1 ... aus der Gesamtbevölkerung Deutschlands ist mein Risiko ... | Mittelwert: 3.45 | ||
| 6.2 ... meines Alters und Geschlechts ist mein Risiko... | Mittelwert: 3.21 | ||
| 6.3 ... meines Geschlechts und meiner sexuellen Orientierung ist mein Risiko ... | Mittelwert: 2.93 | ||
| 6.4 ... meines
Geschlechts und meiner sexuellen Orientierung ist bei mir das
Ausmaß riskanter Verhaltensweisen beim Sex .... |
Mittelwert: 2.67 | ||
| Friedmann Two-Way ANOVA: N=88 chi2=40.54.
df=3. p=0.0000
Wilcoxon Matched-Pairs (6.3 vs. 6.4): z= -2.2. **p=0.028 |
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Im folgenden werden ausgewählt explorativ betrachtete Zusammenhänge zwischen den genannten drei Skalen und anderen Konstrukten Hypothesen referiert. Diese beziehen sich nur auf Teilnehmer, die im Jahr vor der Befragung Analverkehr praktizierten (N=112). Dabei ist eine Korrelation mit °r auf dem 5 %-Niveau und mit °°r auf dem 1 %-Niveau signifikant:
Ein hohes Maß an Selbstakzeptanz geht einher (1) mit einer geringeren
Gewichtung der beziehungsbezogenen Nachteile (°°r= -0.34), (2)
mit seltenerer Besorgnis (°°r=
-0.38), (3) mit höherer Selbstwirksamkeitserwartung in festen
Beziehungen (n=79, °r=0.28) und (4) bei gelegentlichen anal-genitalen
Kontakten (n=68, °r=0.3). Ein positiv erlebtes Coming Out geht einher
mit geringerer Gewichtung der erlebensbezogenen Nachteile (n=107, °°r=
-0.28). Aufgrund dieser Ergebnisse kann die Hypothese aufgestellt werden,
daß Konstrukte, die das Selbstwertgefühl reflektieren, zwar
keine Aussage über das tatsächliche Verhalten oder die Intention
zur konsequenten Kondomverwendung machen, aber mittelbar über andere
kognitive Variablen darauf wirken ("Risikofaktorenmodell", s. Kap. 1).
Dieser Zusammenhang mag schwach sein, ist aber m. E. bemerkenswert und
einer weiteren Betrachtung, etwa mit Hilfe von Strukturgleichungsmodellen,
würdig.
Der Einsatz der subjektiven Präventionsstrategien Vertrauen/Treue geht einher mit höherer Gewichtung der beziehungsbezogenen Nachteile (n=111, °°r=0.34) und geringerer Selbstwirksamkeitserwartung bei gelegentlichen Partnern (n=68, °r= -0.29). Eine starke Gewichtung der beziehungsbezogenen Nachteile geht einher mit einer geringeren Selbstwirksamkeitserwartung bei gelegentlichen Partnern (n=68, °°r= -0.67). Dieser Effekt ist wesentlich stärker als für die erlebensbezogenen Nachteile (°°r= -0.45) oder die Vorteile (°°r=0.32). Dies ist interessant, da die Stufenunterschiede der beziehungsbezogenen Nachteile (chi2=8) gegenüber den erlebensbezogenen (chi2=17) geringer sind.
Soziokulturelle Integration. Der Anteil homosexueller Männer am
Freundeskreis korreliert nicht mit der Selbstakzeptanz oder der sozialen
Unterstützung im Sinne des hier konzipierten Veränderungsprozesses
(z.B. "Wenn ich mich über AIDS unterhalten möchte, habe ich jemanden,
der mir zuhört"). Die soziale Unterstützung korreliert jedoch
positiv mit der Häufigkeit des Besuchs von Cafés, Bars, Diskos
(°°r=0.27) und Lederlokalen oder -clubs (°°r=0.29). Bemerkenswert
scheint, daß der Besuch von Freizeitgruppen und Initiativen diese
Zusammenhänge nicht aufweist.
Tabelle 4-15 zeigt, daß die Diskriminanzfunktion Nr.1 (84.5 % aufgeklärte Varianz) recht gleichmäßig zwischen den Stufen differenziert. Dies beruht im wesentlichen auf den Variablen "behaviorale Strategien" und "Vertrauen / Treue", die am stärksten mit dieser Funktion korrelieren (Tabelle 4-16). Funktion Nr. 2 (15.1 % aufgeklärte Varianz) grenzt im wesentlichen Contemplation von den anderen Stufen ab, was wesentlich auf der "Besorgnis" beruht (vgl. 4.3.4).
Funktion Nr. 3 grenzt Action von den anderen Stufen ab. Diese Funktion trägt jedoch wenig zur Aufklärung der Gesamtvarianz (0.4 %) bei. Werden nur die ersten beiden Diskriminanzfunktionen verwendet, können bereits 64 % richtig klassifiziert werden. So zeigte sich, daß richtige Zuordnungen zur Action-Stufe wesentlich seltener sind als zu den anderen Stufen. Damit wird das Problem offenbar, daß die Abgrenzung von Action insbesondere gegenüber Maintenance schwerfällt.
Werden nur Teilnehmer mit gelegentlichen Partnern betrachtet (GGF, N=67), kann die Selbstwirksamkeitserwartung als fünfte Variable hinzugezogen werden. Für eine a priori Wahrscheinlichkeit von 25 % lassen sich dann 79 % der Teilnehmer ihrer Stufe richtig zuordnen.
| Diskr. -Funktion Nr. |
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| Precontemplation |
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| Contemplation |
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| Action |
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| Maintenance |
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| Diskr. -Funktion Nr. |
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| Nachteile (Erleben) |
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| Vertrauen / Treue |
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| Behav. Strategien |
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| Besorgnis |
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